Trinationale Tagung der DGSA/OGSA/SGSA – Trinational2021

Digitale Tagung

23. – 24. April 2021

 

Veranstaltungsprogramm

Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Sitzungsübersicht
Sitzung
Panel 23: Implizite Mechanismen sozialer Ausschließung
Zeit:
Freitag, 23.04.2021:
17:45 - 19:45

Chair der Sitzung: Stephanie Pigorsch, Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen, Deutschland
Sitzungsthemen:
1.Nationale Perspektiven auf die Frage nach Kohäsion und Spaltung

Präsentationen

Implizite Mechanismen sozialer Ausschließung trotz Anspruch an Partizipation und Teilhabe sowie Ansätze zu ihrer Überwindung

Zusammenfassung:

Sozialstaatliche Arrangements Sozialer Arbeit reproduzieren trotz gegenteiliger Ansprüche häufig soziale Ausschließungen. Im Panel werden solche Mechanismen auf deren verschiedenen Ebenen exemplarisch untersucht - angefangen von der juristischen, über bestimmte Organisations- und Institutionalisierungsformen Sozialer Arbeit, bis hin zu methodischen Praxen der Moderation von Partizipationsprozessen. Alternativ werden in einer sozialgenossenschaftlichen Perspektive Teilhabe und Partizipation begrifflich wie strukturell vom Kopf auf die Füße zu stellen versucht.

 

Beiträge des Symposiums

 

Ausschließungsmechanismen des deutschen juristisch-administrativ-therapeutischen Staatsapparates (JAT)“

Michael May
Hochschule RheinMain

Frasers Begriff des JAT soll fruchtbar gemacht werden, um implizite Mechanismen sozialer Ausschließung in der Sozialen Arbeit am Beispiel des Bundesteilhabegesetzes zu untersuchen. Des Weiteren sollen Forschungsergebnisse zur Nicht-Nutzung Sozialer Arbeit darauf hin analysiert werden, inwiefern sich dahinter nicht auch Mechanismen sozialer Ausschließung verbergen. Schließlich soll im Hinblick auf deren therapeutische Ausrichtung gezeigt werden, wie die Förderung von Teilhabe den Charakter von Normalisierungsarbeit annimmt, wodurch Stigmatisierung nicht aufhebbar ist.

 

Ausschließung durch Verschlagworten und Systematisieren in moderierten Beteiligungsprozessen – oder: Wie Erfahrungswissen unsichtbar gemacht wird

Stephanie Pigorsch
Universität Frankfurt am Main | Fachhochschule Potsdam

Der Vortrag zeigt anhand eines partizipativen Settings, das in der Praxis Sozialer Arbeit ganz geläufig ist, wie durch Moderationspraktiken Machtbeziehungen organisiert und geformt werden. Im Fokus stehen Praktiken, bei denen die Themen der Teilnehmenden gesammelt, diskutiert und systematisiert werden. Dabei tritt zu Tage, wie alltägliches Wissen from below über Praktiken der Verschlagwortung einerseits enteignet wird und andererseits passungsfähig gemacht wird zu institutionellen Arrangements. So kommt es trotz der Intention, Teilhabe zu stärken, zur (Re-)Produktion von Ausschlüssen.

 

Möglichkeiten und Grenzen kommunaler Sozialgenossenschaften zur Überwindung struktureller und konkreter Ausschließungspraktiken

Marcel Schmidt
Hochschule RheinMain

Wenn strukturelle und konkret agierte Ausschließungen verändert werden sollen, müssen die Beteiligten nicht nur strukturell anders zusammenkommen, sondern dabei eine politische Produktivität entfalten können, mit denen die vermeintlich dialogischen Monologstrukturen des JAT als reflexive Institutionen (Ritsert 2005) hervorgebracht werden. Entlang des Vorschlags von Kunstreich (2005, 2018) sollen Möglichkeiten und Grenzen kommunaler Sozialgenossenschaften als soziale Infrastruktur (Hirsch et.al 2013) zur „wahren ‚öffentlichen‘ Erziehung des Staates“ (Marx 1981, 95) from below ausgelotet werden.