Statistical Week 2025
2-5 September 2025
Wiesbaden, Germany
Conference Agenda
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Session Overview |
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DGD3: Regional, socioeconomic, and sex differences in morbidity and mortality
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2:20pm - 2:45pm
Regionale Sterblichkeitsentwicklung nach Todesursachen in Deutschland vor, während und nach der COVID-19-Pandemie Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Deutschland Während der COVID-19-Pandemie wurde in fast allen Ländern der Erde ein deutlicher Anstieg der Sterblichkeit verzeichnet. In Deutschland ist die Lebenserwartung drei Jahre in Folge gesunken (2020–2022). Regional fiel der Rückgang der Lebenserwartung in Deutschland sehr unterschiedlich aus. Gleiches gilt für das Ausmaß des anschließenden Erholungsprozesses. Auf Basis der amtlichen Todesursachenstatistik untersucht dieser Beitrag, welche Faktoren die regionalen Gradienten der Sterblichkeit bestimmt haben. Neben der durchschnittlichen Lebenserwartung wird hierbei auf standardisierte Sterberaten und Dekompositionsmethoden zurückgegriffen, um auf Ebene der 400 Kreise (harmonisiert für den aktuellen Gebietsstand) von 1992 bis 2023 regionale Unterschiede nach Alter, Geschlecht und Grundleiden auszuwerten. Unsere Ergebnisse zeigen deutliche regionale Unterschiede in der Übersterblichkeit seit Beginn der COVID-19-Pandemie sowohl in der Höhe als auch in ihrem zeitlichen Auftreten. Auch der anschließende Erholungsprozess ist regional bislang sehr unterschiedlich vorangeschritten. Bei den Frauen hat die Lebenserwartung im Jahr 2023 nur in Sachsen und Rheinland-Pfalz wieder das Vorpandemieniveau erreicht, bei den Männern nur in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein. Die regionale Verteilung der Übersterblichkeit im Jahr 2020 ist überwiegend mit COVID-19 und hohem Alter assoziiert. In den Jahren 2021 und 2022 haben jedoch auch jüngere Altersgruppen in weiten Teilen Deutschlands zum Anstieg der Sterblichkeit beigetragen. Zudem ist das Ausmaß der Grippesterblichkeit ab Ende 2021 gestiegen. Der Wiederanstieg der Lebenserwartung im Jahr 2023 ist vor allem von der Altersgruppe 50-64 getragen. Todesursachenspezifische Auswertungen für 2023 sind aktuell in Arbeit und werden rechtzeitig zur Statistischen Woche abgeschlossen sein. 2:45pm - 3:10pm
Ergebnisse unserer aktuellen Arbeit an einer Pflegebedarfsprognose. Eine weitere Komponente im System der Raumordnungsprognose des BBSR Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) Bonn, Deutschland Das BBSR Bonn veröffentlicht regelmäßig regionalisierte Prognoseergebnisse, basierend auf einer Bevölkerungsprognose. Die aktuelle zensusbereinigte Bevölkerungsprognose des BBSR aus dem Jahr 2024 (Maretzke/Hoymann/Schlömer 2024) wurde bereits durch eine Haushalts-, Erwerbspersonen- und Wohnungsmarktprognose aufgewertet. Inzwischen arbeitet das BBSR an einer regionalisierten Pflegebedarfsprognose. Im Rahmen dieses Vortrages werden regionalisierte Aussagen zum Niveau wie zur Entwicklung des Pflegebedarfs in den Regionen Deutschlands präsentiert. Die diesen Analysen zugrunde liegenden Daten wurden im Rahmen einer Sonderaufbereitung der Pflegestatistik generiert, in Kooperation mit dem Forschungsdatenzentrum Kamenz. Aufbereitet wurden die Daten in folgender Struktur: • Daten der Jahre 2017, 2019, 2021, (2023 möglich) • Pflegebedürftige in ambulanter und stationärer Betreuung • Differenzierung nach fünf Pflegegraden Im Zuge der Sonderaufbereitung dieser Daten wurde auf der regionalen Ebene der Kreise, Raumordnungsregionen und Länder angestrebt, die Pflegebedarfsdaten hinsichtlich der Alters- und Geschlechterstruktur der zu Pflegenden möglichst differenziert verfügbar zu machen. Dafür wurden unterschiedlichste Altersgruppierungen und Zusammenfassungen von Pflegegraden getestet. Im Ergebnis dieser Analysen liegen für die Bundesländer wesentlich differenziertere alters- und geschlechtsspezifische Pflegebedarfszahlen als für die Kreise vor. Da die 2023er Pflegedaten vom FDZ Kamenz noch aufbereitet werden, können im Rahmen des Vortrages voraussichtlich nur regionale Muster und erste Aussagen zur Veränderung der alters- und geschlechtsspezifischen Pflegebedarfsquoten (Pflegebedürftige je Einwohner) im Zeitraum 2017-2021 sowie Eckdaten von 2023 diskutiert werden. Auf Basis der alters- und geschlechtsspezifischen Pflegebedarfsquoten von 2017-2023 wird im Weiteren ein differenziertes Annahmegerüst für den Prognosezeitraum 2022-2045 auf Kreisbasis entwickelt, differenziert nach der Art der Pflege und dem Pflegegrad. Diese differenzierten Pflegequoten in Verbindung mit den Ergebnissen der BBSR-Bevölkerungsprognose ermöglichen die Berechnung einer Pflegebedarfsprognose für den Zeitraum 2022-2045 auf Kreisebene. In Abhängigkeit von der Verfügbarkeit der 2023er Pflegebedarfsdaten werden auch deren Analyseergebnisse in die Präsentation einfließen. 3:10pm - 3:35pm
Untersuchung des Einflusses sozialer Netzwerke und kognitiver Funktionen auf die Gesamtmortalität älterer Erwachsener unter Verwendung der Daten der NAKO Gesundheitsstudie 1Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE), Deutschland; 2Universitätsmedizin Rostock, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Deutschland Hintergrund: Soziale Integration und kognitive Funktionen sind entscheidend für das Überleben im hohen Alter, ihre gemeinsame Wirkung auf die Mortalität ist jedoch kaum erforscht. Die vorliegende Studie untersucht deshalb, welchen Einfluss soziale Netzwerke auf die Beziehung zwischen semantischem Gedächtnis, exekutiven Funktionen und Mortalität haben. Methoden: Es wurden Daten der NAKO Gesundheitsstudie aus der Basiserhebung von 2014 bis 2019 verwendet, wobei Personen ab 60 Jahren eingeschlossen wurden. Der Vitalstatus wurde bis 31. Dezember 2023 erhoben. Kognitive Fähigkeiten wurden anhand des semantischen Gedächtnisses und der exekutiven Funktionen gemessen, die soziale Integration über den Social Network Index (SNI). Mittels Cox-Proportional-Hazards-Modellen wurden Hazard Ratios (HR), 95 %-Konfidenzintervalle (CI) und Interaktionseffekte geschätzt. Ergebnisse: Von 55.178 eingeschlossenen Personen verstarben 2.524 (4,57 %) während des Beobachtungszeitraums. Moderate (HR = 0,72, CI = 0,64–0,81) und hohe exekutive Funktionen (HR = 0,67, CI = 0,55–0,81) waren mit signifikant niedrigeren Mortalitätsrisiken assoziiert; beim semantischen Gedächtnis war der Trend ähnlich, jedoch insignifikant. Personen mit moderater Integration in soziale Netzwerke (HR = 0,63, 95 % CI = 0,54–0,73) wiesen im Vergleich zu isolierten Personen ein geringeres Mortalitätsrisiko auf. Die Interaktionen wiesen mit Ausnahme der hohen exekutiven Gedächtnisfunktion U-förmige Muster auf. Insbesondere in Kombination mit moderater sozialer Integration war die Mortalität bei niedrigen und moderaten kognitiven Fähigkeiten deutlich reduziert (z. B. niedrige exekutive Funktion: HR = 0,54, CI = 0,38–0,75; moderates semantisches Gedächtnis: HR = 0,72, CI = 0,59–0,88). Schlussfolgerung: Die Befunde unterstreichen die kritische Rolle der sozialen Integration für ältere Menschen mit kognitiven Einschränkungen. Eine Förderung der sozialen Integration könnte das Sterberisiko in dieser Gruppe deutlich senken. Zukünftige Arbeiten sollten die einzelnen Dimensionen der Netzwerke und deren unterschiedliche Effekte auf kognitive Bereiche untersuchen, um zu klären, warum vor allem moderate Integration protektiv wirkt. Ausblick: Regional- und geschlechtsspezifische Auswertungen laufen und werden auf der Statistischen Woche vorgestellt. 3:35pm - 4:00pm
Soziodemografische und gesundheitliche Determinanten sportlicher Freizeitaktivität im mittleren und höheren Erwachsenenalter: Eine Analyse mit Daten des Deutschen Alterssurveys (DEAS) 2023 Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA) Berlin, Deutschland Hintergrund: Regelmäßige sportliche Aktivität fördert die körperliche und psychische Gesundheit und ist insbesondere im höheren Lebensalter von Bedeutung. Gleichzeitig zeigen Studien, dass soziale Ungleichheiten und gesundheitliche Einschränkungen das Bewegungsverhalten beeinflussen. Ziel der Analyse ist es, den Zusammenhang zwischen soziodemografischen Merkmalen, ausgewählten Erkrankungen und der sportlichen Freizeitaktivität bei Erwachsenen ab 43 Jahren zu untersuchen. Daten und Methoden: Datengrundlage ist die DEAS-Erhebung 2023 mit 4.992 Personen ab 43 Jahren. Erfasst wurde die Häufigkeit sportlicher Aktivität in der Freizeit (z. B. Wandern, Fußball, Gymnastik, Schwimmen). Als sportlich aktiv gelten Personen, die mindestens einmal pro Woche Sport treiben. Zur Analyse der Zusammenhänge wurden stufenweise logistische Regressionsmodelle berechnet. Ergebnisse: 54 % der Befragten sind mindestens einmal wöchentlich sportlich aktiv. Personen ab 76 Jahren weisen eine deutlich geringere Sportbeteiligung auf (OR: 0,390) als Jüngere. Für das Geschlecht zeigen sich keine signifikanten Unterschiede. Einkommensarme Personen (OR: 0,428) sowie Personen in ländlichen Regionen (OR: 0,727) sind seltener sportlich aktiv. Unter den betrachteten Erkrankungen stehen insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen (OR: 0,547) und Diabetes (OR: 0,374) in signifikant negativem Zusammenhang mit der Sportaktivität. Für Krebs, mobilitätseinschränkende und seelische Erkrankungen zeigen sich keine signifikanten Effekte. Diskussion: Die Ergebnisse verdeutlichen soziale und gesundheitliche Ungleichheiten in der sportlichen Freizeitaktivität. Insbesondere ältere, einkommensarme und chronisch kranke Personen sind seltener sportlich aktiv. Daraus ergibt sich ein Bedarf, gesundheitsfördernde Maßnahmen gezielt auf diese Gruppen auszurichten, um Teilhabechancen zu verbessern und gesundheitlicher Ungleichheit entgegenzuwirken. | ||
