Conference Agenda
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MSE6: Methodology of Statistical Surveys 6
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4:20pm - 4:45pm
Bereitstellung von Längsschnittgewichten für das Beschäftigtenpanel 1Statistisches Bundesamt, Deutschland; 2Universität Hamburg, Deutschland Die monatliche Verdiensterhebung (VE) ist eine zentrale Datenquelle der amtlichen Statistik zur Erfassung von Löhnen und Arbeitszeiten in Deutschland, bei der rund 55.000 Betriebe verpflichtend Angaben auf Ebene der etwa 9 Millionen Beschäftigten übermitteln. Die Daten stammen direkt aus den betrieblichen Entgeltabrechnungen und zeichnen sich dadurch durch eine vergleichsweise hohe Validität und Vollständigkeit aus. Künftig wird dieser umfangreiche Datensatz der wissenschaftlichen Forschung als Panel über das Forschungsdatenzentrum bereitgestellt – mit großem Potenzial für Analysen zu Lohnentwicklungen und Arbeitsmarktdynamiken. Die VE ist als geschichtete Stichprobe konzipiert, wodurch sich unterschiedliche Ziehungswahrscheinlichkeiten für strukturell verschiedene Betriebe ergeben. Eine korrekte Gewichtung ist somit für verlässliche Schätzungen unerlässlich. Die Erstellung einer Längsschnittgewichtung, die für Auswertungen über mehrere Berichtsmonate hinweg benötigt wird, stellt dabei eine besondere methodische Herausforderung dar. Zunächst ist eine geeignete Längsschnittpopulation zu definieren, die durch das Panel repräsentiert wird. Die Designgewichte der Betriebe in der Stichprobe werden dann mittels einer generalisierten Kalibrierung so angepasst, dass bekannte Eckwerte dieser Längsschnittpopulation im Initialmonat reproduziert werden. Als Eckwerte werden die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit für die nach Bundesland, Betriebsgrößenklassen und Wirtschaftszweig gegliederte Anzahl an Betrieben, die Anzahl an sozialversicherungspflichtigen sowie die Anzahl an geringfügig Beschäftigten verwendet. Zusätzlich wird monatlich ein gewichtungsbasierter Ausgleich für Antwortausfälle vorgenommen. Dazu werden im Zeitverlauf sowohl die Bleibe- bzw. Antwortwahrscheinlichkeiten der Stichprobenbetriebe als auch die Wahrscheinlichkeit für sogenannte Wiedereintritte – also Betriebe, die nach einem vorübergehenden Ausfall erneut melden durch logit-Modelle modelliert und bei der Gewichtung berücksichtigt. In diesem Beitrag stellen wir unsere methodischen Ansätze zur Bewältigung dieser Herausforderungen vor. 4:45pm - 5:10pm
EU-SILC: Änderungen im Auswahl- und Gewichtungsverfahren für die deutsche SILC-Stichprobe ab 2026 Statistisches Bundesamt, Deutschland Die europäische Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) ist die amtliche Hauptdatenquelle für die Messung von Armut und Lebensbedingungen in Deutschland und der Europäischen Union. Europäische Verordnungen legen definitorische und methodische Standards fest und gewährleisten so die EU-weite Vergleichbarkeit der Ergebnisse. Seit dem Erhebungsjahr 2020 ist SILC als Substichprobe in den Mikrozensus integriert. Im Zuge der Integration wurden zentrale Bestandteile des Auswahl- und Gewichtungsverfahrens des Mikrozensus auch für SILC übernommen. Um europäische Anforderungen einzuhalten, muss das SILC-Verfahren zukünftig aber konsequent auf ein Paneldesign umgestellt werden. Der Mikrozensus kombiniert Wiederholungsbefragungen mit einer Flächenstichprobe und einer Querschnittsperspektive: Rotationsviertelweise werden Auswahlbezirke ausgewählt, die für vier Jahre in ihrer jeweils aktuellen Zusammensetzung berücksichtigt werden. In die Fläche einziehende Haushalte werden also ab dem Zeitpunkt ihres Einzugs aufgenommen, ausziehende Haushalte werden nicht einbezogen. Die Stichprobe bildet damit zu jedem Zeitpunkt die Population in ihrer aktuellen Zusammensetzung ab. Sie kann außerdem in jedem Jahr für alle Rotationsviertel als neu gezogene Stichprobe behandelt werden, in der Panelmortalität keine Rolle spielt. SILC ist als Panel konzipiert, in dem die lückenlose Befragung und die konsequente Weiterverfolgung der mit der ersten Befragung ausgewählten Personen über vier Jahre eine zentrale Rolle spielt. Ein Einbezug von (zuziehenden) Haushalten nach der Erstbefragung ist nicht vorgesehen. Weiterhin sind fortziehende Haushalte und Personen weiterzuverfolgen. Damit sind bei der Gewichtung der Zeitpunkt der Initialziehung eines Rotationsviertels und Panelmortalität zu berücksichtigen. Während die Weiterverfolgung bei Fortzug im deutschen System bereits seit 2020 umgesetzt ist, wurde für zuziehende Haushalte bisher der Ansatz der Mikrozensus auf SILC übertragen. Ab 2026 erfolgt nun schrittweise die vollständige Umstellung auf das geforderte Paneldesign. Dadurch wird auch eine Anpassung des Gewichtungsverfahrens notwendig, das zukünftig Rotationsviertel getrennt betrachten und Panelmortalität berücksichtigen muss. Im Vortrag werden die laufenden methodischen Arbeiten an dieser Umstellung dargestellt, zentrale Änderungen zum bisherigen System aufgezeigt und Auswirkungen diskutiert. 5:10pm - 5:35pm
Das Einheitenproblem in Unternehmensstatistiken - Herausforderungen und Auswirkungen auf Schätzungen Universität Trier, Deutschland Das Einheitenproblem beschreibt Unstimmigkeiten zwischen den Erhebungseinheiten, die in Datenquellen wie Unternehmensregistern erfasst werden, und den statistischen Einheiten, die dargestellt werden sollen. Diese Abweichungen können zu Fehlern in den Schätzungen führen, die durch eine falsche Identifizierung, Beschreibung oder Klassifizierung der Einheiten in einer Erhebung oder in einem Datensatz verursacht werden. In der deutschen amtlichen Unternehmensstatistik werden wirtschaftliche Einheiten häufig auf Basis rechtlicher Einheiten erfasst. Die Kennzahlen der Unternehmensstatistiken sollen laut EU-Definition allerdings auf Unternehmensebene berichtet werden. Werden die rechtlichen Einheiten zu einem Gesamtunternehmen zusammengefasst, so werden deren unterschiedliche Zugehörigkeiten zu Branchen oder Standorten vernachlässigt. Dies kann zu Verzerrungen in den Kennzahlen führen. Betroffen sind insbesondere große und diversifizierte Unternehmen, welche gleichzeitig eine hohe ökonomische Relevanz besitzen. Es werden Ansätze untersucht, um den Auswirkungen des Einheitenproblems entgegenzuwirken und damit die Verzerrungen zu reduzieren. Ziel ist es, den Einfluss unterschiedlicher Abgrenzungen auf die Qualität der Statistiken zu quantifizieren und methodische Anpassungen zur Verbesserung der Erfassung wirtschaftlicher Realität zu diskutieren. Hierbei werden Hilfsinformationen sowie Gewichtsanpassungen genutzt, um die Schätzungen auf Unternehmensebene zu verbessern. 5:35pm - 6:00pm
Standard procedure for methodological aspects of thematic surveys at the Federal Statistical Office, Switzerland Swiss Federal Statistical Office, Switzerland Thematic surveys are one component of the Swiss population census system introduced in 2010 by the Federal Statistical Office of Switzerland (FSO). The traditional census has since been replaced by registers supplemented by the annual structural survey, thematic surveys and Omnibus surveys. With samples of 10 000 to 40 000 people, thematic surveys make it possible each year to examine in greater depth one of the topics not fully covered by register data or the structural survey, like gathering detailed information on the state of health of the population. The presentation describes different statistical methods, from the creation of the survey design to the elaboration of variance estimation, applied by the FSO for all thematic surveys conducted between 2018 and 2024 among people and households: Families and Generations Surveys (EFG 2018 and 2023), the Language, Religion and Culture Survey (ELRC 2019), the Basic Education and Continuous Education Microcensus (MZB 2021), the Mobility and Transport Microcensus (MRMT 2021), the Swiss Health Survey (ESS 2022), the Language and Religion Survey (ELR 2024) and the Culture Survey (EC 2024). During this period, thematic surveys underwent significant changes: some moved from telephone interviews only to principal self-administered electronic questionnaires, which led to the ELRC survey being split into two surveys, ELR and EC, in 2024. In addition, qualitative improvements were achieved at the weighting stage by using newly available administrative data, such as insured income recorded by the old-age and survivors’ insurance (AVS). Our presentation thus provides an overview of the procedures for applying statistical methods aimed at standardizing these methods as far as possible for the FSO's thematic surveys, which could also benefit other FSO surveys. | ||