Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
Session: Wissenschaftler*innen als Open-Access-Akteur*innen
Zeit:
Mittwoch, 16.09.2020:
11:00 - 12:30

Chair der Sitzung: Ulrike Kändler

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Präsentationen

Alles Open, oder was? Erwartungen, Missverständnisse und Prioritäten von Autor*innen in den Sozial- und Geisteswissenschaften – Ergebnisse einer qualitativen Interviewstudie

Kathrin Ganz

FU Berlin, Deutschland

Viele Wissenschaftler*innen in den Sozial- und Geisteswissenschaften stehen Open Access durchaus aufgeschlossen gegenüber, obwohl ihr Begriff von Open Access oft unscharf und die damit verbundenen Herausforderungen für das Publikationssystem unbekannt sind. Die Bemühungen, Open Access umfassend zu vermitteln, sind offenbar nur bedingt erfolgreich. Als Open-Access-Community müssen wir uns also fragen: Wie erleben Wissenschaftler*innen das Publizieren als Teil der wissenschaftlichen Arbeit und was brennt ihnen dabei auf den Nägeln? Eine qualitativen Interviewstudie mit Wissenschaftler*innen, die im Projekt „Open Gender Platform“ durchgeführt wurde, gibt Antworten auf diese Fragen. Die Interviews zeigen, dass Forschende bei der Publikation ihrer Ergebnisse mit widersprüchlichen Anforderungen konfrontiert sind: Sie stehen unter einem hohen Publikationsdruck, aber verfügen im universitären Alltag über geringe Zeitbudgets für das in den Sozial- und Geisteswissenschaften oft sehr zeitintensive Schreiben. Sie müssen renommierte Publikationsorte wählen, wollen aber auch wissenschaftliche Netzwerke pflegen und außeruniversitäre Zielgruppen erreichen. Der für die Open-Access-Community zentrale Aspekt des Zugangs und vor allem auch der Nachnutzbarkeit hat dagegen in der Praxis kaum Bedeutung für Wissenschaftler*innen, die innerhalb von Paywalls arbeiten und es nicht gewohnt sind, Formen der Nachnutzung in Betracht zu ziehen, die über das Zitat hinausgehen. Nach wie vor ist aus ihrer Perspektive alles open, was online ist. Daraus folgt, dass das Thema Urheber- und Verwertungsrechte von vielen Autor*innen weitestgehend ausgeblendet wird: Das Zweitveröffentlichungsrecht ist unbekannt, Copyright-Transfer-Agreements werden bedenkenlos unterschrieben und Verlage schlicht als Black Box erlebt. Denn zwar beklagen Autor*innen und Herausgeber*innen hohe Druckkosten und geringe Verlagsleistungen. Sie geben aber an, zu wenig über die Geschäftsgrundlage von Verlagen zu wissen, um sich ein Urteil bilden zu können. Im Vortrag steht der Begriff der „Offenheit“ im Mittelpunkt der Analyse. Diskutiert werden soll, wie der Wert von Offenheit und die vielfältigen Möglichkeiten, die Offenheit eröffnet, in den Sozial- und Geisteswissenschaften konkret und praktisch durch die Open-Access-Community vermittelt werden kann.



International Journal for Re-Views in Empirical Economics (IREE) - Ein neues open-access Journal für Replikationen

Martina Grunow

ZBW - Leibniz Informationszentrum für Wirtschaft, Deutschland

In den Wirtschaftswissenschaften werden Replikationen ambivalent betrachtet. Einerseits werden sie von Forschenden als wichtiges Instrument für Transparenz und den Erkenntnisfortschritt in der Forschung benannt und eine verstärkte Replikationskultur gefordert. Gleichzeitig sorgen die vorherrschende Wissenschaftskultur mit einem enormen Publikationsdruck und mangelnde Publikationsmöglichkeiten für Replikationsstudien dafür, dass für Forschende kaum Anreize bestehen, Replikationen durchzuführen. Um dieses Anreizdilemma, welches Teil der Replikationskrise in den Wirtschaftswissenschaften ist, aufzulösen und hochqualitative Forschung zu fördern, wurde die Zeitschrift „International Journal for Re-Views in Empirical Economics“ (IREE) gegründet (www.iree.eu). Anders als die "traditionellen" Fachzeitzeitschriften in der Ökonomie, die kaum Replikationsstudien veröffentlichen, bietet IREE den Forschenden die Möglichkeit, sowohl erfolgreiche als auch gescheiterte Replikationen in zitierfähiger Form zu publizieren. Für die replizierenden Forscher*innen steigt damit der Nutzen einer Replikationsstudie in Hinblick auf die Anerkennung als Publikation. Mit dem inhaltlichen Schwerpunkt auf Replikationen, einem Peer-Review-System durch externe Gutachter*innen und der konsequenten Umsetzung von Open-Access-Standards stellt IREE als reines e-journal einen innovativen Ansatz im Markt wirtschaftswissenschaftlicher Fachzeitschriften dar, um den Kulturwandel hin zu einer transparenten und offenen (Wirtschafts-)Wissenschaft zu unterstützen. Zunächst von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert, ist das Projekt im Zusammenschluss der ZBW, der Leuphana Universität Lüneburg und dem DIW Berlin entstanden. Während die ZBW die notwendige Infrastruktur für die Zeitschrift liefert, bringen die Projektpartner fach- und kulturspezifische Kenntnisse der wirtschaftswissenschaftlichen Community ein. So konnte IREE eng an den Bedürfnissen der Forschergemeinschaft konzipiert werden. Durch die konsequente Umsetzung von open-access und den Verzicht auf jegliche Art von Autorengebühren ist IREE verlagsunabhängig, bedingt aber die Auseinandersetzung mit neuen Finanzierungsmodellen für solche Fachzeitschriften. Im Vortrag wird das Konzept der Zeitschrift vorgestellt, Arten von Replikationen gezeigt und das Projekt in den Kontext von Open Science eingeordnet. Es wird ein Ausblick auf die Weiterentwicklung von IREE gegeben und die Frage nach der Finanzierung einer open-access Zeitschrift ohne Autorengebühren thematisiert.



Open Access in der Medienwissenschaft – Akteur*innen, Chancen, Herausforderungen

Dietmar Kammerer, Sarah-Mai Dang

Philipps Universität Marburg, Deutschland

Die kulturwissenschaftliche Medienwissenschaft ist in Deutschland in den 1970er Jahren vor allem entstanden auf dem Nährboden der Literaturwissenschaft, hat ihre Begriffe und Methoden aber auch aus der Theaterwissenschaft, der Kunstgeschichte und der Philosophie entlehnt.

In Bezug auf Open Access ist die Situation in der deutschsprachigen Medienwissenschaft vor allem durch vereinzelte, kleinere und größere OA-Projekte und -Initiativen charakterisiert. Zu nennen sind hier beispielsweise die von der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) herausgegebene „Zeitschrift für Medienwissenschaft“, die seit geraumer Zeit unter einer CC-Lizenz veröffentlicht wird und ohne APCs auskommt oder der von Wissenschaftler*innen geführte Verlag meson.press (https://meson.press), der sich auf medienwissenschaftliche Monographien spezialisiert und Teil des ScholarLed-Konsortiums (https://scholarled.org/) ist. Des Weiteren spielen die 2017 und 2019 gegründeten medienwissenschaftlichen Repositorien media/rep/ (https://mediarep.org) und MediArXiv (https://mediarxiv.org) zunehmend größere Rollen in der Fachgemeinschaft.

Andererseits gibt es eine Reihe von (endogenen wie exogenen) Faktoren, die einer Open-Access-Transformation entgegenstehen. Hierzu ist etwa der Umstand zu zählen, dass Monographien, die in der Fachkultur eine wichtige Rolle spielen, nach wie vor von OA-Förderprogrammen bestenfalls stiefmütterlich behandelt werden. Dazu zählt auch, dass viele Publikationsorgane der Medienwissenschaft ohne feste Redaktionsstellen auskommen müssen und von Wissenschaftler*innen nur zusätzlich zu ihren sonstigen Verpflichtungen in Forschung und Lehre betrieben werden. Das führt unserer Erfahrung nach zu einem Informationsdefizit auf Seiten der Redaktionen, was zentrale Tools des Open Access – etwa DOAJ – betrifft. Eine weitere Schwierigkeit besteht in den spezifischen Gegenständen der Medienwissenschaft – etwa in den Beschränkungen, die das Urheberrecht der Filmanalyse auferlegt. Und nicht zuletzt steht eine grundlegende Skepsis gegenüber neuen und digitalen Erscheinungsorten und -weisen der raschen Nutzung von OA-Angeboten entgegen.

Der Vortrag wird die Situation für Open-Access in der Medienwissenschaft darstellen, zentrale Akteur*innen und Initiativen benennen und Chancen wie Herausforderungen für die Open-Access-Transformation auch vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen mit OA-Projekten (u.a. filmwissenschaft.umsonst und oabooks.de) skizzieren.



 
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