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14. Jahrestagung der Gesellschaft für Hochschulforschung 2019 (GfHf)

21. - 22. März 2019

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

 

Veranstaltungsprogramm

Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Tagung.
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Sitzungsübersicht
Session
Transform B 05: Track II
Zeit:
Freitag, 22.03.2019:
10:30 - 11:30

Chair der Sitzung: Judit Anacker
Ort: G40B-326

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Präsentationen

Öffnung der Hochschulen für Geflüchtete durch Digitalisierung - Welche Unterstützung braucht es?

Belma Halkic, Patricia Arnold

Hochschule München, Deutschland

Der Zugang zu Hochschulen für geflüchtete Studieninteressierte ist weltweit mit einer Vielzahl von Hürden versehen, in Deutschland kommen neben den generellen Hürden wie fehlenden Dokumenten oder Sprachkenntnisse auch beschränkte Kapazitäten hinzu (Lambert et al. 2018, Streitwieser et al. 2017). Im Zuge dieser gesellschaftlichen Herausforderung für den Hochschulsektor sind eine Reihe von Open Education Initiativen auf der Grundlage von digitalen Studienangeboten entstanden, die den Zugang zu Hochschulen für Geflüchtete erleichtern wollen (Colucci et al, 2017, Hochschulforum Digitalisierung 2015, UNESCO 2018). Gleichzeitig weiß man mittlerweile, dass Online-Kurse an sich noch keine Lösung darstellen: Auf der Makrobene ist es zentral, dass Zertifizierungs- und Anrechnungsmöglichkeiten existieren und die Kurse möglichst in Curricula für Studienabschlüsse oder Nano-Degrees o.ä. zusammen gestellt sind („Unbundling und re-bundling“, Agrarwal 2016). Auf der Mikroebene benötigen die Online-Lernenden Orientierung, Unterstützung und zeitnahes Feedback, um Online-Kurse, insbesondere Massive Open Online courses (MOOCs) erfolgreich abschließen zu können ( Arnold et al. 2002, Arnold et al. 2015, Baxter 2012, Bauer & Knauf 2018). Bei ersten Untersuchungen zur Akzeptanz und Nutzung von Online-Kursen für Geflüchtete wird die besondere Bedeutung zusätzlicher Präsenzangebote im Sinne eines Blended Learning hervorgehoben. Weiterhin zeigt sich, dass häufig die Rahmenbedingungen der Lebenssituation das Absolvieren von Online-Kursen für Geflüchtete erschweren (Colucci et al. 2017, Fincham 2017).

Der Vortrag stellt in diesem Zusammenhang Erkenntnisse aus dem BMBF-geförderten Forschungsprojekt „SUCCESS – Studienchancen und Studienerfolg für Geflüchte“ vor, einem Verbundprojekt dreier deutscher Hochschulen und Kiron Open Higher Education. Kiron bietet Geflüchteten über die Zusammenarbeit mit Online-Kursanbietern und Partnerhochschulen weltweit eine Online-Studienangebot an, dass bereits viele der genannten zusätzlichen notwendigen Gegebenheiten berücksichtig wie Kursbündelung in vollständigen Curricula in Studienrichtungen, Zertifizierung , Anrechnung durch Partnerhochschulen und ein umfangreiches Unterstützungsangebot. Der Schwerpunkt des Vortrags liegt auf den Unterstützungsangeboten ( z.B. Buddy-Programm, Online Mentoring, Career Mentoring, Counselling), die das Kiron-Studienangebot mit dem Ziel des Transfers in ein reguläres Studium an einer Hochschule rahmen: Wie wirken die einzelnen Präventions- und Interventionsmaßnahmen auf den Studienerfolg? Wie werden die Maßnahmen durch die Kiron-Studierenden angenommen? Welche weiteren Unterstützungsbedarfe gibt es ggf. über die von Kiron angebotene Unterstützungsstruktur hinaus?

Als theoretischer Rahmen für die Wirkungsanalysen der empirischen Untersuchung wird eine Modellierung von Studienerfolg in Anlehnung an Arbeiten des DZHWs (Heublein et al. 2017, Mergner et al. 2015) genutzt. Studienerfolg wird dabei weit verstanden und umfasst neben dem Erwerb von ECTS bzw. akademischen Abschlüssen auch die Einmündung in die Arbeitswelt und gesellschaftliche Teilhabe. Das Forschungsdesign kombiniert die Auswertung von Studierendendaten von Kiron (u.a. Belegung und Abschlussdaten der Online-Kurse, sozio-demographische Daten und Bildungshintergrund etc.), quantitative Befragungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Untersuchungskohorte (n=1375) sowie derjenigen, die das Studium bei Kiron abgebrochen haben sowie qualitative Interviews und Fokusgruppen zum vertieften Verständnis von Nutzung und Wirkung von ausgewählten Unterstützungsmaßnahmen. Erste Auswertungen weisen auf eine enorme Heterogenität der Untersuchungskohorte, auf je individuelle Nutzungsarten des Kiron-Studienangebots und der Unterstützungsangebote sowie auf zusätzliche Unterstützungsbedarfe außerhalb des Studiums hin. Die Ergebnisse sind für Hochschulakteure interessant, die die Digitalisierung von Studium und Lehre für eine Öffnung nutzen möchten und gleichzeitig einen Beitrag zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen im Kontext von Flucht leisten wollen.


Guided Start für Studierende – Eine Antwort auf Veränderungsprozesse in der österreichischen Universitätslandschaft

Andrea Bernhard

TU Graz, Österreich

Die österreichischen Universitäten stehen derzeit vor dem Start eines neuen Steuerungsmodels, das eine kapazitätsorientierte Studienplatzfinanzierung ab der Leistungsvereinbarungsperiode 2019-21 vorsieht. In Zukunft erhalten Universitäten den Großteil der Mittel für die Zahl ihrer prüfungsaktiven Studierenden. Als prüfungsaktiv betrieben gilt ein Studium, wenn im Studienjahr Prüfungen im Ausmaß von mindestens acht Semesterstunden oder 16 ECTS abgelegt wurden, wobei für den Abschluss in Mindeststudienzeit 60 ECTS pro Studienjahr zu absolvieren sind. Daraus resultiert ein völlig neuer Fokus auf die Lehre im allgemeinen und die Studierenden im konkreten. Fragen beispielsweise zum Übergang Schule-Universität, zu Zulassungsbedingungen und Aufnahmeverfahren, zur Studierbarkeit von Studien oder auch zur soziale Dimension im Hochschulbereich gewinnen verstärkt an Bedeutung.

Die TU Graz sieht in ihrer Strategie der Lehre, die sich am Student-Lifecycle orientiert, einen Guided Start für Studierende vor, der eine strukturierte Eingangssituation schafft und Unterstützungsmaßnahmen während der ersten Semester für einen optimalen Studienstart bzw. zur Senkung des Drop-outs vorsieht. Der Fokus liegt auf zukünftige Studierende sowie StudienanfängerInnen in den ersten zwei Semestern. Basierend auf Literaturrecherche, einer breit angelegten Studie über frühe Studienabbrüche an Österreichs Universitäten sowie den bisherigen Maßnahmentools hat die TU Graz ein strategisches Projekt zum Thema Guided Start aufgesetzt, das die grundlegenden Themen der neuen Universitätsfinanzierung aufgreift. Das Projekt ist in folgende Phasen gegliedert: (1) Ist-Analyse der laufenden und geplanten Maßnahmen, (2) Einrichten einer Arbeitsgruppe, (3) Erarbeitung eines Maßnahmenkatalogs, (4) Entwicklung von Roadmaps zur Umsetzung der Maßnahmen, (5) Priorisierung der Maßnahmen, (6) Start der priorisierten Maßnahmen 2018, und (7) Umsetzung der weiteren Maßnahmen 2019-21. Federführend agiert hier die Arbeitsgruppe, die unter der Leitung des Vizerektors für Lehre mit Stakeholdern aus unterschiedlichen Bereichen der Universität zusammengesetzt wurde, die in die Studieneingangsphase eingebunden sind (z.B. Kommunikation und Marketing, Lehr- und Lerntechnologien, Studiendekan/innen, Studienservice, Welcome Center). Nach einer systematischen Maßnahmenanalyse hat die Arbeitsgruppe 20 Maßnahmen zusammengestellt, Roadmaps zur Umsetzung erstellt und nach ihrer Wirksamkeit priorisiert. Derzeit wird an der Umsetzung dieser Maßnahmen gearbeitet, die einem laufenden Monitoring durch die Arbeitsgruppe unterzogen werden. Dieses Projekt zeigt auf, wie durch die Vernetzung der internen Stakeholder die Vielfalt an Maßnahmen verstärkt systematisiert und strategisch weiterentwickelt werden kann. Darüber hinaus werden einzelne Maßnahmen gemeinsam mit anderen Hochschulen (z.B. Self-Assessments für Studieninteressierte) sowie in Kooperation mit Schulen und anderen Institutionen umgesetzt.

Mit diesem Beitrag wird ein Projekt vorgestellt, das in erster Linie als Reaktion auf die veränderten Rahmenbedingungen durch die neue Form der Hochschulsteuerung einzustufen ist und darstellt wie im Sinne einer agilen Organisation das Projekt mit den beteiligten Stakeholdern umzusetzen. Weiters greifen die konkreten Maßnahmen eines Guided Start die gesellschaftlichen Transformationsprozesse auf, wie Digitalisierung (z.B. verstärkter Einsatz von MOOCs bei Brückenkursen für StudienanfängerInnen) oder Öffnung der Universität durch die „third mission“ (z.B. Integration von Studienmarketingmaßnahmen durch öffentlichen Veranstaltungen). Der Beitrag für den Transformationsbereich Studium und Lehre stellt einerseits eine Reaktion auf das neue Governance- und Steuerungsmodel für die österreichische Universitätslandschaft dar (Mesoebene) und zeigt andererseits die konkreten organisationalen Lern- und Anpassungsleistungen an diese veränderten Rahmenbedingungen am Beispiel der TU Graz auf (Mikroebene).



 
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