Veranstaltungsprogramm

Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Tagung.
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Sitzungsübersicht
Datum: Mittwoch, 18.09.2019
19:00Eröffnung: Die unendliche Geschichte (Wolfgang Petersen, BRD/USA/ES 1984)
Kino Arsenal 
Datum: Donnerstag, 19.09.2019
9:00 - 10:00Registrierung
Foyer 
10:00 - 12:001.1: Slot 1-A
Chair der Sitzung: Hauke Lehmann, Freie Universität Berlin
A (Seminarraum K31) 
 

Fliegende Teppiche und melancholische Monster. Märchen als Spielmaterial in Forced Entertainments „And on the 1000th night”

Robin Junicke

Ruhr-Universität Bochum, Deutschland

Märchen und orale Erzähltraditionen sind fest im kulturellen Gedächtnis (nicht nur) europäischer Kulturen eingebunden. Die hier abgerufenen Tropen und Figuren werden von einer breiten Mehrheit unmittelbar erkannt und dekodiert.

In der Arbeit And on the 1000th Night der britischen Performancegruppe Forced Entertainment wird dieser Erzählvorgang zum Spiel. Immer wieder von vorne beginnen die Performer*innen immer neue Geschichten zu erzählen, werden unterbrochen, abgelöst – starten von neuem. Damit einher gehen Taktiken und Strategien, Narration, Narrative Strukturen und Erwartungen ins Spiel zu bringen und für die improvisierte Dramaturgie zu instrumentalisieren.

Dabei stellt sich die Frage, auf welchen Ebenen hier die Narrative zum Spiel werden: In den Köpfen der Rezipienten, in der Dramaturgie der Performance, in den Strategien und Taktiken der Performer*innen und darüber hinaus? Dieser Vortrag folgt den Überschneidungen dieser Perspektiven und analysiert die Interferenzen von Märchen im kollektiven Gedächtnis und spielerische Strukturen im Performance-Beispiel.



Romantische Verpuppungen: Alice in Ghostland

Christine Lötscher

Universität Hildesheim / Universität Zürich, Deutschland

Die viktorianische Romantik mit ihrem Flair für das Ornamentale, für Nonsense und das Material der Künste verfügt über spezifische ästhetische Möglichkeiten, Paradoxa an der zu Oberfläche zu gestalten. Am deutlichsten manifestiert sich dies in Lewis Carrolls Alice-Büchern (1865/1871), wie Gilles Deleuze in Logik des Sinns aufzeigt: An die Stelle von Zeichen, auf einen Sinn in der Tiefe verweisen, tritt die fortlaufende Einheit der Vorder- und der Rückseite. Diese Figuration ist eine von vielen, die nicht zur Ruhe kommen, weder in den Alice-Büchern selbst noch in den Künsten des 20. und 21. Jahrhunderts. Insbesondere im Genre des Horror und des Weird lässt sich eine Transmission viktorianisch-romantischer Poetiken nachzeichnen. Dabei handelt es sich um eine Konstellation widersprüchlicher und unvereinbarer ästhetischer Figurationen, die man als Alice-Maschine bezeichnen kann.

In meinem Vortrag möchte ich mich auf einen Aspekt der Alice-Maschine konzentrieren, der sich mit dem Stichwort Verpuppung fassen lässt. Carrolls viktorianische Alice befindet sich in einem paradoxen Prozess der Verpuppung und Entpuppung: die Abenteuer im Wunderland setzen die zyklische Zeitlichkeit des vorpubertären Mädchen-Seins der linearen Zeitlichkeit des zur Gesellschafts-Puppe Heranwachsenmüssens entgegen; die Logik der Metamorphose wird umgedreht, und ausgerechnet in der Verpuppung entpuppt sich das selbstbestimmte weibliche Subjekt, das sich dem gewaltsamen Zugriff auf seinen Körper widersetzen kann. Wie diese paradoxe Metamorphose funktioniert, möchte ich an der äußerst drastischen Inszenierung dieser Figuration in Pascal Laugiers GHOSTLAND (2018) herausarbeiten. Sie gewinnt im Film eine gendertheoretisch-politische Dimension, indem sie die brutale andere Seite der gepflegten viktorianischen Oberfläche freilegt, in atemlosen, grotesken Bildern.



Bechdel-Test Note 1?: Nekromantik 2 (1991) von J. Buttgereit

Julie Miess

Freie Wissenschaftlerin, Deutschland

Die Karikatur „The Horror Boys of Hollywood“ (Arnold Steig, Vanity Fair, 1935) zeigt die berühmtesten Monsterhelden und Mad Scientists des Gothic Horror: etwa Boris Karloff als Frankensteins Monster, Charles Laughton als Dr. Moreau, Bela Lugosi als Dracula und Henry Hull als Wolf Man. Die wenigen weiblichen Figuren im Bild sinken als Opfer in den Armen der Horror Boys darnieder.

Das männliche Monster als Raubtier ist traditionell mit der Vorstellung einer starken Subjektposition verbunden, die durchaus auch verheißungsvoll sein kann. Dem entspricht das typische kulturelle Bild des weiblichen Opfers, von der verfolgten Unschuld der Gothic novel bis zur Scream Queen des Slasherfilms, die wenn, dann höchstens Opferheldin sein kann (Carol Clovers female victim-hero oder final girl).

Ist das Monster doch einmal weiblich konnotiert, verkörpert es eine wenig verheißungsvolle Andersartigkeit, von der mythologischen Gorgone Medusa bis zur bösen Mutter von Norman Bates. Die Macht des weiblichen Monsters erschöpft sich entweder in seiner Attraktivität, wie bei der Femme fatale, oder es ist auf spezifisch ekelhafte Weise erschreckend (Barbara Creeds beispielhaftes Monstrous Feminine, 1993).

Seit den 2000er Jahren werden im Zuge von Renaissancen des Gothic Horror nicht nur Genreklassiker neu entdeckt – aktuell It und Pet Sematary – sondern auch Macht/Trieb/Begehrensverhältnisse neu definiert.

Bis heute hat jedoch wurden diese Verhältnisse kaum jemals so wirkungsvoll umgekehrt wie in Jörg Buttgereits Nekromantik 2 aus dem Jahr 1991. Inwiefern besteht dieses Werk den queerfeministischen Bechdel-Test in beispielloser Weise? Ist Nekromantik 2 wirklich ein Liebesfilm und wenn ja, warum? In welchem Verhältnis steht die radikale Loner-Figur Monika zu den Protagonistinnen neuerer Body Horror-Filme? Wie würde das Bild „The Horror Girls of Hollywood & Beyond“ heute aussehen, wer würde in den Armen dieser Monsterheldinnen niedersinken?



Romancing The Monster: Monströses Begehren im zeitgenössischen Horrorfilm

Thomas Morsch

Freie Universität Berlin, Deutschland

Laut Jeffrey Jerome Cohen, der mit seinem Buch Monster Theory (1996) einen der Begründungstexte des Forschungszweigs der Monster Studies verfasst hat, zeichnen sich die in unserer Kultur virulenten Monster dadurch aus, dass sie stets auf etwas Anderes als sich selbst verweisen: „the monster signifies something other than itself“ (S. 5). Auf ein solch semiotisches und referenzielles Verständnis des Monströsen haben sich theoriehistorisch stets solche Ansätze bezogen, die das Monster als Chiffre eines zum Beispiel gesellschaftlich (und damit im weitere Sinne moralisch, ökologisch, ökonomisch etc.) Verdrängten begreifen, so etwa in den einschlägigen Arbeiten zum Horrorfilm von Robin Wood.

In jüngere Zeit sind aber in ganz verschiedenen filmkulturellen Zusammenhängen eine Reihe von Monsterfilmen entstanden, deren Inszenierung das Monster bewusst gegen eine Lektüre als Chiffre von etwas anderem in Schutz zu nehmen scheint, und die statt dessen die karnale Insistenz des Monströsen ins Zentrum rücken. In diesen Filmen wird das Monster als nicht zuletzt sexuelles Spektakel vorgeführt und zum Objekt eines illegitimen Begehrens.

Dieser neuen Qualität des Monströsen soll in Filmen wie Spring (Justin Benson & Aaron Moorhead 2014), Der Nachtmahr (Akiz 2015) und La región salvaje (Amat Escalante 2016) sowie im Kontext von Perspektiven der aktuellen „Monster Studies“ (vgl. University of Toronto Quarterly Vol. 87, No. 1, 2018) nachgegangen werden. Gezeigt werden soll, dass die gesellschaftskritische Funktion des Monsters-als-Chiffre in diesen Filmen durch eine andere Form libidinöser und sozialer Disruption abgelöst wird.

 
10:00 - 12:001.2: Slot 1-B
Chair der Sitzung: Zoé Iris Schlepfer, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
B (Seminarraum II) 
 

Das Motiv der magischen Ehe im romantischen Kunstmaerchen: Konstellationen und Deutungsmoeglichkeiten

Boris Maximov

Moskauer Staatliche Lomonossow-Universitaet, Fakultaet fuer Journalistik, Russland

Im Mittelpunkt meines Vortrages soll die sogenannte magische Ehe stehen, ein gaengiges Motiv in den (Novellen)maerchen der Romantik. Es handelt sich dabei um eine Verbindung des jungen Protagonisten mit einer maechtigen Zauberin, die ihn aus dem vertrauten sozialen Milleau herausreisst, ihm meistens uebermenschliche Faehigkeiten verleiht und seine physische wie psychische Existenz auf Probe stellt. Diese Konstellation kommt in zahlreichen Texten der europaeischen Romantik vor - beispielhaft dafuer sind Tiecks Der Runenberg, Hoffmanns Das oede Haus, Eichendorffs Das Marmorbild, Gogols Die Mainacht und Der Wij, Puschkins Pique Dame, La Vénus d'Ille von Mérimée, Andersens Die Schneekoenigin, die Reihe laesst sich leicht fortsetzen. Von “Zauberin” (und von Phantastik schlechthin) darf man deshalb reden, weil das Wesen der (Ehe)partnerin ueber- oder unmenschliche Zuege aufweist: sie ist ein Mannweib, sie gehoert der Vergangenheit an (sei es die graue Urzeit oder das historische Altertum) und ist eigentlich halbtot, sie ist riesig (ueberdimensional), sie uebt eine magnetische Wirkung auf Menschen, sie ist eins mit verschiedenen Naturelementen. Mein Anliegen ist es, die Ambivalenz und den funktionalen Wert dieser Figur herauszuarbeiten. Auf den ersten Blick erscheint sie schaurig und boeswillig, im Endergebnis fungiert sie aber, m.E., als Prueferin, die dem Protagonisten zur (beruflichen) Reifung und zur Eheschliessung verhelfen sollte, selbst wenn sie ihn anscheinend zu verfuehren versucht. Dabei schuert sie die Sinnlichkeit des Protagonisten (bzw. seinen Ehrgeiz). Er laeuft Gefahr, von der maechtigen Prueferin aufgesogen und in ihrem Schoss aufgeloest zu werden. Sein Schicksal haengt groesstenteils von seinen eigenen Entscheidungen ab. Mich wuerde besonders interessieren, wo die Grenze zwischen einem glimpflichen Ausgang und einem Alptraum verlaeuft und – welche (sozialgeschichtlichen, ja biologischen) Entwicklungen die magische Ehe thematisieren soll.



Clemens Brentanos „Ländchen Vadutz“

Celina Müller-Probst

Freies Deutsches Hochstift, Deutschland

Clemens Brentano (1778-1842) ist, obwohl literaturgeschichtlich immer als zentrale Person der sogenannten Heidelberger oder Hochromantik genannt, weder der bekannteste noch ein vielgelesener romantischer Schriftsteller. Wenn sich seine Schöpfungen im kulturellen Bewusstsein etablierten, dann ohne die Verknüpfung zu ihrem Urheber. So denken die meisten Menschen bei der Erwähnung der Loreley, wenn überhaupt an Literatur, dann an Heine und nicht an Brentano, den Erfinder dieser sich als Volkssage tarnenden Kunstfigur.

Im Gegensatz zu den Frühromantikern Novalis und Friedrich Schlegel gibt es von Brentano kein publiziertes literaturtheoretisches Manifest. Seine Ansichten formulierte er überwiegend in Briefen, die erst posthum veröffentlicht wurden, oder stark durch Bildsprache verschlüsselt in seinen Werken selbst. Was sich in seinen Schriften vom Früh- bis zum Spätwerk immer wieder findet, ist die Vorstellung von einem Land der Phantasie, das nach Wolfgang Frühwald mit dem „verlorenen Paradies“ identisch ist. Ein Name, den Brentano für dieses Land verwendet, ist „Vadutz“. Er beschreibt es im Kunstmärchen „Gockel, Hinkel und Gackeleia“ als Traumland seiner Kindheit. Doch wie sieht dieses Traumland Brentanos, als dessen „privatisirenden Besitzer“ er sich sah, aus? Welchen Veränderungen war das Phantasiereich im Laufe von Brentanos Schaffen unterworfen? Was geschieht, wenn das „Land aller Schätze, Geheimnisse und Kleinodien“ mit der wenig phantastischen Lebensrealität in Konflikt gerät? Diesen Fragen und den Parallelen von „Vadutz“ und romantischer Weltanschauung will sich der Vortrag widmen und zeigen, dass es sich bei ihm um ein archetypisches Phantasieland handelt, das sich von späteren literarischen Phantasieländern gar nicht so sehr unterscheidet.



Vom ‚öden Haus‘ zum Großstadtmythos London? Zum Verhältnis der Urban Fantasy zur Raumsemantik der Romantik

Anja Schonlau

Universität Göttingen, Deutschland

In der Urban Fantasy bestimmt die moderne Großstadt Grenzen und Exaltationen des phantastischen Geschehens, so aktuell im fiktiven London, Chicago, New York oder Berlin. Als Ursprung des modernen Großstadtromans gilt der französiche Naturalismus, insbesondere die Werke Zolas. Aber schon die Romantiker entdecken die Stadt, wie Marianne Thalmann bereits 1965 feststellt: Die junge Großstadt Berlin wird nicht nur zur Wahlheimat der Romantiker, sie inspiriert auch topographische Darstellungen, z.B. E.T.A. Hoffmanns 'Das öde Haus'. Das romantische Interesse an der literarischen Großstadt ist paneuropäisch: Ludwig Tiecks Protgonist William Lovell scheitert in London, Rom und Paris. Der Beitrag will der Frage nachgehen, inwieweit die Urban Fantasy in der Gegenwart eine spezifisch romantische Raumsemantik adaptiert. (1.) Zunächst ist am Beispiel von Ben Aronovitch 'Rivers of London' und Simon Greens 'The Harry Dresden Files' zu klären, welche Funktion die Großstadtopographie in der Urban Fantasy hat und welchen Regeln ihre Raumsemantik unterliegt. (2.) Das Ergebnis ist in ein Verhältnis zu den – durchaus heterogenen – Raumkonzeptionen der Romantik zu setzen. Dabei gilt ein besonderes Augenmerk den Seelenräumen der Romantik und dem Stadt-Land-Konflikt.

 
10:00 - 12:001.3: Slot 1-C
Chair der Sitzung: Simon Spiegel, Universität Zürich/Universität Bayreuth
C (Seminarraum III) 
 

The Romance of Wedgwood Fairyland Lustre

Edward Frederick James

University College Dublin, Ireland

The period from roughly 1910 to 1930 was, in the UK, a highpoint for fairy belief and for widespread use of fairies in art and literature. There are the Cottingley Fairies; the finest works by Arthur Rackham, Edmund Dulac and other illustrators; thre development of Elvish by J.R.R. Tolkien; and so on. Much less well known are the superlative creations of the Wedgwood Pottery in Stoke-on-Trent in the series known as Fairyland Lustreware. They were designed by Daisy Makeig-Jones, and produced between 1916 and 1930. They are well known to collectors (pieces sell for €5000 or more), but barely recognised by students of the fantastic. This paper will examine the context and inspiration of Makeig-Jones’s work.



Greater than Gods. Man as Artist.

Cristina Elena Safta

University "1 Decembrie 1918" from Alba Iulia

When critics refer to the influence exerted by John Milton on the romantics, they tend to emphasize the character of the one time opponent of monarchic absolutism which fed into the portrait of rebellious and self-righteous Satan in Paradise Lost. In our opinion, the aesthetic idea underlining the building of Pandemonium by the fallen angels has not been sufficiently explored. Milton had actually shifted the scales of value, had put something in place of the discredited religious myth, and that something was the creation of the cultural order.The post-romantic movements, impressionism and expressionism, and especially the aesthetic decadence set art above all the other values.Another case point is Romanian expressionist poet, playwright, philosopher Lucian Blaga , who refurbished the legendary master mason of the most famous Romanian church on the River Arges as an artist of genius whose nisus formativus makes him sacrifice everything, including his wife and unborn child.Creation, liberty and inferno seem to be interrelated, somehow. This is the triplet “star of the show”. Man was characterized as being more than a god when undertaking the act of creation. Touching on the Romantic universal poetry and the worldmaking of poets such as P.B. Shelly and Keats, this paper seeks to observe the artist who perishes at the expense of his own creation, a utopia turned into a tragedy, as a link to the romantic topos. Borrowing the notion from D.Sipe’s, Text, Image, and the Problem with Perfection in Nineteenth- Century France: Utopia and Its Afterlife (2016), the “afterlife” of utopia is defining for Manole’s story.This notion characterizes a transitional state from romanticism towards modernity. Man’s relationship with God is the predominant theme, but modulated into a poetic art. This study will focus on the notions creation-sufferance-inferno through links to the Biblical teachings, yet commuted to what Baudelaire brought to full bloom in the aesthetics of Evil.



Digital Making with Patchers, Bridge People, and ‘Funny’ Fabbers

Joel Peter Weber Letkemann

Aarhus School of Architecture, Denmark

The field of architectural design has, in the last years, shown an increasing interest in SF. This interest can be as simple as adopting the imaginative freedom that SF inspires, or it may be directed towards SF as a conceptual space to create, test, and critique the utopian speculations of architectural practice or the impact of emerging technology on design. This paper discusses the relationship between 3D printing technologies, non-alienated labour, and urban cultures in William Gibson’s The Peripheral, with additional reference to Virtual Light and All Tomorrow’s Parties from the Bridge trilogy. Each of these novels shows additive manufacturing technology as crucial for the contestation of ownership and belonging in urban futures.

In an overly literal interpretation of world-building, the paper describes how this reading of 3D printing technology becomes becomes a vehicle for experimentation in architectural design. Such experimentation appropriates the estrangement of Gibson’s text as a “site” to re-situate making cultures in relation to new material and technological constraints and opportunities. This interpretation is not only descriptive, but also projective, and the paper showcases built speculations in digital fabrication, with new implications for sustainable, ethical, and aesthetic practices in architectural design.



Romantic Healers in Old and in New Worlds

Maria-Ana Tupan

University of Alba Iulia, Doctoral School, Romania, Romania

The revision of Romanticism in the last two or three decades went deeper than any other revolution in the canonization of western literature demystifying the uncritical association of this literary trend with the revolutionary political ethos in 1789 France, casting light on the conservative, past-oriented yearnings of the major representatives.

Such considerations, however, do not apply to the American scene: whereas Europe turned conservative, with the Great Powers forming suprastatal networks of influence (The Holy Alliance at the Congress of Vienna in 1815 bonding the Kingdom of Prussia, the Austrian and Russian empires, joined a few years later by France and the United Kingdom), America built a political system grounded in the rights of the individual and pursued ”dreams” of self-assertiveness (the ”city on the hill”) in opposition to the European ”concert of nations” model. The fantastic genre, especially the gothic subgenre, was naturally fit for revealing the fear of evil in the collective unconscious. Whereas the high-minded healers or saviours in European romantic fantasy are of noble stock and restored by the social redress plot to their rights usurped by upstarts (The Castle of Otranto, Last Man, The Private Memoirs ...), in America, ancestry is associated with decay and sin (The Fall of the House of Usher, The Purloind Letter, The Passionate Pilgrim, Legends of the Province House, Wieland), while those who remain loyal to the English king (The Legend of the Sleepy Hollow, Peter Rugg, the Missing Man) are imagined to have gone adrift in a loop of time. Our paper is pointing to a necessary dissociation in the romantic canon on either part of the Atlantic instead of subsuming romantic fantasy in English under a common poetics/politics heading.

 
12:00 - 13:30Mittagspause
 
13:30 - 15:002.1: Slot 2-A
Chair der Sitzung: Christian Pischel, Hannah Arendt Edition, FU Berlin, Vanderbilt University Nashville
A (Seminarraum K31) 
 

Auf der Alm, da gibt‘s koa Sünd. Georg Tresslers SUKKUBUS – DEN TEUFEL IM LEIB und der Versuch einer bundesdeutschen Fantastik

Tobias Haupts

Freie Universität Berlin, Deutschland

Georg Tresslers letzter Spielfilm, der 1989 mit dem generischen wie reißerischen Titel SUKKUBUS – DEN TEUFEL IM LEIB Premiere feierte, markiert ein Paradoxon kurz vor dem Ende einer geteilten deutschen Filmgeschichte. Auf der einen Seite nutzt Tressler tradierte Inszenierungen der Natur, deren Genealogie weit in die Geschichte des deutschen Kinos zurückreicht. Das Erhabene des Bergfilms der Weimarer Republik wird hier ebenso aufgegriffen wie die dunklen Seiten des Heimatfilms der 1950er-Jahre. Zudem nutzt Tressler jedoch die Genres der Fantastik, des Horrors und der Fantasy, deren Traditionen im deutschen Kino mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 zum Erliegen kamen und auch nach 1945 innerhalb der nationalen Filmproduktion keine Rolle mehr spielten.

Der Vortrag möchte daher Tresslers Film in vertikaler wie horizontaler Perspektive zum Untersuchungsgegenstand erheben. An welche Traditionen des deutschen Kinos knüpft der Regisseur an? Wie verhält er sich zu den Ideen einer (deutschen) kinematografischen Fantastik? Und welches Potenzial des Genres in der Bundesrepublik, das mit der von Bernd Eichinger produzierten Verfilmung des Michael-Ende-Klassikers DIE UNENDLICHE GESCHICHTE (1984) wenige Jahre zuvor eine wichtige Markierung erfahren hatte, lässt sich aus seiner audiovisuellen Ausgestaltung heraus analysieren?



„Bleib fromm und gut“ – Zur Darstellung von Aschenputtel-Figuren in aktuellen Märchenfilmen und Märchenserien

Svea Hundertmark

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Das Märchen war eine der zentralen literarischen Formen der Romantik und auch heute noch erfreut es sich großer Beliebtheit, was sich in der Fülle an verschiedenen Märchenadaptionen äußert. Zu den bekanntesten Märchen weltweit zählt Aschenputtel bzw. Cinderella, weshalb es nicht verwundert, dass in den letzten Jahren auch eine Vielzahl neuer Verfilmungen produziert wurde, z.B. Cinderella (Disney, 2015), Aschenputtel (Das Erste, 2011) und Aschenputtel (ZDF, 2010). Aber auch Filme, die sich anderen Märchen widmen, verzichten nicht auf Figuren dieses Typs, wie etwa Into the Woods (Disney, 2014) und The Princess and the Frog (Disney, 2009). Gleiches gilt für Fernsehformate: In der Serie Once Upon a Time (ABC, 2011-2018) ist Cinderella zunächst eine wiederkehrende Nebenfigur, die später in neuer Besetzung zur Hauptfigur avanciert, und bereits in der ersten Staffel von Grimm (NBC, 2011-2017) taucht eine Aschenputtel-Figur als Gegner des Protagonisten auf.

In meinem Vortrag wird anhand der Aschenputtel-Figuren in den oben genannten Filmen und Serien untersucht, auf welche Weise Gender-Diskurse in die Darstellung einbezogen werden. Andere zeitgenössische Märchenadaptionen greifen dieses Thema auf, indem Frauenfiguren von ihren literarischen Vorgängerinnen abgegrenzt werden: sie agieren proaktiv, sie emanzipieren sich und sie kämpfen. Der Umgang mit Aschenputtel scheint dagegen weniger progressiv: Ist der jungen Frau ein glückliches Ende mit dem Prinzen vergönnt, war sie meist brav und hat fleißig geputzt, gekocht und gewaschen. Sofern eine Modernisierung in Hinblick auf Gender-Rollen stattfindet, muss das Märchen (zumindest im ersten Moment) scheitern. Ausgehend von dieser Beobachtung diskutiert mein Vortrag, inwieweit dennoch von einer subtilen Aktualisierung der Aschenputtel-Figur in derzeitigen Märchenfilmen gesprochen werden kann.



Romantik, Fantastik, Moderne: Zur Konstitution magischer Wirklichkeit in Murnaus Faust (1926)

Michael Wedel

Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, Deutschland

N.N.

 
13:30 - 15:002.2: Slot 2-B
Chair der Sitzung: Thomas Scherer, Freie Universität Berlin
B (Seminarraum II) 
 

Increasing Diversity of Representation: An Unintended Consequence of Fantastic Utopias

BE Allatt

Independent Scholar, United States of America

Literature exists not in a vacuum but is interwoven with its authors and readers in an ongoing dialogue. No matter how utopic and escapist a novel might be, it does not stand alone and is not confined to negotiations of escapism through utopias. Considering recent social movements like #OwnVoices which aim to increase diversity of representation in literature, the impact of escapism in fantastic genres reaches beyond the words written in a novel. As a marginalized reader finds one’s self represented as an escape, one feels not only the comfort of inclusion but also the empowerment of reification — one discovers one’s voice, which is often used to further increase the visibility of marginalized representations in the fantastic. While I intend to briefly contextualize my argument with primary and secondary sources, I do not have to authority to speak beyond my own identity labels. Therefore, much of my argument will rest in a continuation of my current research (in a line of inquiry I introduced to fantastic scholarship at the 2016 GfF in Munster) into representations in the fantastic of non-mononormative romantic relationships. I argued that mononormativity, a term coined by sociologists Piper and Bauer (2006) to refer to the societal assumption of relationships as inherently monogamous, can be used as a theoretical approach to critically examine the fantastic. With respect to the escapism in the Romantic fantastic, as ethically non-monogamous readers increasingly find their identities represented in the fantastic, even more non-mononormative relationships begin to appear in speculative fiction. Similarly, more scholars like me feel comfortable critically examining how non-mononormativity interacts with other theories and themes in fantastic texts. Thus, regardless of the escapism a romantically fantastic utopia offers, the real-world social environment is impacted in a way that offers an avenue for marginalized subjects to realize a sense of belonging and act on it.



Who can live happily ever after? – Minority representation and the dynamics of realism in romance and fantastic literature

Sarah Faber

Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutschland

Today, prestige in literature is frequently attached to realism. What exactly ‘realism’ entails becomes a difficult question on closer examination, but its most wide-spread uses seem to refer to either representing a fictional world as similar to our real world as possible, or ‘gritty realism’, i.e., mercilessly showing the dark, bleak and violent aspects of the storyworld. This understanding places both certain genres – including fantasy and other fantastic narratives – and certain types of plots – particularly stories with a happy ending – in the less prestigious corner of ‘unrealistic’ literature.

While it is true that shocking and life-like descriptions of appalling events can be one way of advocating for social and legal change, I think we need to question the full extent of the dynamics of realism and whom they really serve in each individual case. In my presentation, I am going to argue that realism, particularly as an ostensible marker of artistic quality, is not necessarily the best way of framing social criticism and evoking change; realism can, on the contrary, be a tool for reactionary politics, upholding existing privilege and preventing discursive change, adequate representation of minorities and literary experimentation with possible alternatives.

To illustrate this process, I am going to use examples from romance, fantasy and romantic fantasy novels to examine how they employ, or refuse to employ, ‘realist’ techniques of depiction. A particular focus will be the depiction of minorities (people of colour, LGBTQIA, disabled characters and religious minorities) and how their disenfranchised status in society is shown to impact their lives in terms of the plot. It will become clear that (a) realism is a much less objective standard than it is popularly made out to be, and (b) that there is actually great critical potential in intentionally unrealistic modes of depiction, which we should not dismiss out of hand as escapist or meaningless.



Distopia: The politics of fantasy

Runette Kruger

Tshwane University of Technology, South Africa

This paper explores the capacity of fantasy – in its manifestation as world-making praxis – to bring about cultural and sociopolitical renewal, with specific reference to a politically inspired utopia, named distopia. Distopia is a utopia of subversion and of the alter (or, the ‘humanised’ other). The name distopia is a neologism meant to denote dissidence and difference, and purposefully invokes the term dystopia, generally positioned as the opposite of utopia, whilst acting as a utopia – a fantasy in the mode of sociopolitical critique. The term distopia indicates a productive paradoxical dynamic that positions it as the other of both utopia and dystopia, and distopia is offered as the region (time-space inflection) of dissent in the face of oppression, and of voluntary exile from hopelessness, without reverting to a state of naiveté.

This exploration furthermore seeks to identify the friction inherent in the term distopia as useful in dismantling the framing of fantasy as reactive and escapist, in order to re-position it as politically astute world-making which can address current social inequities along numerous vectors such as gender, class, and race.

This contradictory aspect of distopia is lastly applied to a reading of artistic projects such as the New World Embassy (Jonas Staal and Moussa Ag Assarid), Mundane Afrofuturism (Martine Syms), and the poetic constructed and mapped cities of visual artists Bodys Isek Kingelez and Titus Matiyane.

 
13:30 - 15:002.3: Slot 2-C
Chair der Sitzung: Christine Lötscher, Universität Hildesheim / Universität Zürich
C (Seminarraum III) 
 

Fairy-lands Forlorn: Re-enchantment and the Romantic Child in Children’s Fantasy Literature

Franziska Burstyn

Universität Leipzig, Deutschland

While conceptions of childhood have been subject to constant changes throughout the centuries, the notion of the Romantic child as idealized image mapped out by Romantic poets, most prominently William Wordsworth and William Blake, has had a lasting effect on literary depictions of childhood to the present day. Thus, childhood began to be associated with the divine and inherently good and is often used as a signifier for enchantment both in adult and children’s literature and media. Charles Taylor’s A Secular Age (2007) allocates notions of enchantment to the premodern world as opposed to an overall sentiment of disenchantment as a marker for the modern age. By tracing a timeline from premodern enchantment towards disenchantment, which inevitably evokes a desire for a re-enchantment of the world, Charles Taylor also refers to Romanticism as a countermovement to a lost sense of enchantment and an overall critique of disengaged reason.

Based on Taylor’s conceptualisation, this paper will examine prominent ideas of childhood as a location of enchantment and point to various narratives of children’s fantasy in order to assess the interrelation between childhood and fantastic spaces. In fact, secondary worlds, such as Neverland, Narnia or Fantastica, are frequently reserved for child characters and become inaccessible once the child characters grow up. The child's access to fantastic spaces and recurrent encounter with the fantastic point to an affinity of childhood with the realm of Fäerie, an aspect that is also addressed in Tolkien’s essay “On Fairy-Stories”. Accordingly, the Taylor’s dichotomy of enchantment and disenchantment as premodern and modern world order also provide an analogy to childhood as an enchanted state that is eventually outgrown by the disenchantment of adulthood. Therefore, this paper will look at notions of childhood as an enchanted state and thus explore notions of the Romantic child which can still be found in contemporary fantasy narratives.



Rewriting the Romantic Myth of the Child in the later Nineteenth Century

Corina Maria David

1 Decembrie 1918 University of Alba Iulia, Romania

In essence, the Romantics invented our modern idea of childhood”, said Proessor Jonathan Bate in one of his most persuasive Gresham College lectures. Unlike Puritans, who had seen children as sinful creatures who needed moral guidance on the path towards redemption – and their spirit was still alive at the time Chralotte Bronte was writing Jane Eyre – Romantics breathed new life into the concept of childhood which was now associated with innocence and freedom. While most of the Romantics incorporated the theme of childhood in their writings, they did so to preserve the idyllic and to respond to the anxieties aroused by the industrial revolution. However, as the second part of the nineteenth century was marked by Darwin’s theory of evolution, childhood began to be perceived differently, society and adults being considered responsible for the proper shaping of children into sensible adults. The main purpose of the present paper is to restore Charles Kingsley’s The Water Babies, A Fairly Tale for a Land Baby to its one time glory as a remarkable novel which successfully combines the romantic theme of childhood – not in an idyllic, but in a harsh guise - with the scientific intimations of the day. It questions the nature of the fantastic itself which, in the absence of proof to sustain the contrary, may well be as real as any tangible thing: “The most wonderful and the strongest things in the world, you know, are just the things which no one can see. There is life in you; and it is the life in you which makes you grow, and move, and think: and yet you can’t see it.” (The Water Babies: Kindle edition).

 
15:00 - 15:30Kaffeepause
Foyer 
15:30 - 17:303.1: Slot 3-A
A (Seminarraum K31) 
 

Das beflügelte Auge – Zum Fliegen in der Romantik und im phantastischen Film der Gegenwart

Chair(s): Volker Pietsch (Stiftung Universität Hildesheim)

In Flug und Schweben findet die romantische Literatur die sinnlichen Ausdrucksformen ihrer Ideale, als Denkfiguren ihrer Poetik wie auch als Bewegungen ihrer Protagonisten. Schwebend ist „das Ganze festzuhalten, selbst dem Verborgensten nachzuforschen und das Entlegenste zu verbinden“ (F. Schlegel: ÜBER GOETHES MEISTER) und nicht nur die Seele spannt weit ihre Flügel aus (Eichendorff: MONDNACHT), auch wer mit dem fremden Kind spielt, fliegt buchstäblich den Luftschlössern entgegen (Hoffmann: DAS FREMDE KIND). Gleichsam werden die Entwicklungssprünge der Filmkunst durch Flüge markiert – von der entfesselten Kamera im Stummfilm bis hin zum Gleiten durch die Tiefen des 3D-Kinos. In diesem Panel möchten wir uns drei Arten des Fluges im aktuellen Film widmen: dem Schwirren der Fliegen, dem Flug auf dem Drachen und den Superhelden, wie sie sich über die Städte aufschwingen. Unsere Leitfragen sind dabei: Wie verwirklicht und reflektiert der Film seine medialen Möglichkeiten im Motiv des Fliegens und wie verhält sich der phantastische Film der Gegenwart dabei zur Selbstreflexion der Romantik in deren programmatischen und fiktionalen Texten? Stets stellen die Figuren mit den Grenzen des Mediums zugleich weitere Schranken in Frage, zwischen Mensch und Tier, Rausch und Ratio: Die Fliege besetzt und penetriert Menschenkörper, Drache und Kind domestizieren und befreien einander, und im Superhelden treten menschliche und animalische Anteile in ein symbiotisches Verhältnis ein. Superhelden versuchen, die Menschenmassen des urbanen Labyrinths zu überschauen und zu ordnen und tragen doch zur Entgrenzung zwischen Gesetz und rauschhafter Selbstverwirklichung bei, transzendieren Kriminalität und Selbstjustiz zur Kunstform. Drachen können den Reifeprozess ebenso wie den Größenwahn ihrer adoleszenten Bezwinger befördern. Fliegen verkörpern den profanen Alltag und vermögen gleichsam, die größten Rationalisten in den Wahnsinn zu treiben und klinischste Laborbedingungen zu verunreinigen.

 

Beiträge des Symposiums

 

Die Fliege – Die unzähmbare Kreatur

Julia Goldlust
Stiftung Universität Hildesheim

Fliegen, so unbedeutend und lästig sie im alltäglichen Leben auch erscheinen mögen, entfalten auf der Kinoleinwand eine eigentümliche Wirkmacht, ähnlich der, wie sie F. Schlegel der romantischen Poesie beimisst: „zwischen dem Dargestellten und dem Darstellenden, frei von allem realen und idealen Interesse“, schwirrt ihr Körper auf den „Flügel[n] der poetischen Reflexion“ durch die Filmwelt, um den Raum des Audiovisuellen mit Facettenaugen, gleich „einer endlosen Reihe von Spiegeln“ (ATHENÄUM-FRAGMENTE), zu reflektieren.

Dieser Vortrag wird die Fliege als Anlass zur medialen Selbstreflexion der Filmkunst untersuchen. Ist der Schwebezustand konstitutiv für die Programmatik der Romantik, so lässt sich die Fliege insofern in diese Tradition setzen, als dass sie zur Mediatorin zwischen Auditivem und Visuellem wird. So potenziert sie das romantische Vorhaben der synergetischen Verschmelzung verschiedener Kunstformen, bleibt sie doch im permanenten Wandel stets ungreifbar. Das Motiv der Verwandlung – ein zentrales strukturelles Moment zahlreicher Heldenreisen – findet man auch in Filmen wie Cronenbergs THE FLY, wenn auch in verpuppter Form, bearbeitet und dekonstruiert. Der Vortrag wird aufzeigen, wie anhand der Fliege andere Formen des Wandels gestaltet werden, da sie semantisch und symbolisch zwischen alltäglicher Einöde, Tod und einhergehenden Zersetzungsprozessen schillert. Treibt sie somit Protagonisten zum Wahn, lotet sie dabei die Möglichkeiten und Grenzen der audiovisuellen Darstellbarkeit aus. Die Fliege bedingt einen ständigen Wechsel zwischen Einstellungsgrößen und zwischen Hors-Champ und Hors-Cadre, wenn sie im Zoom als schauerliche Kreatur erscheint oder man sie in der Totalen oder auch im Off nur hören kann, ihre charakteristischen Störgeräusche dafür aber zum spannungsstiftenden Vibrato der Streicher anschwellen. So lenkt der Störfaktor den Blick auf die blinden Flecken, die im glanzvollen Schein der Lichtspiele oftmals überblendet und unbemerkt bleiben.

 

Flugdrachen – Feuerbringer der globalen Media Franchises

Volker Pietsch
Stiftung Universität Hildesheim

Drachen repräsentieren häufig das globale Vernichtungspotential der Menschheit. Oft verleihen Sie der modernen Angst vor Massenvernichtungswaffen archaische Gestalt, dann wieder wird an ihrer selbst vom Aussterben bedrohten Art das Anliegen des Naturschutzes in fantastische Welten übertragen. Auf einer intimeren Ebene treten sie aber auch in spiegelbildliche Verhältnisse zu Menschen. Die Initiationsprüfung der Drachenzähmung wird zum Symbol für die prekäre Balance von Ängsten und Begehren der Adoleszenz. Im Flug wird das messianische wie das apokalyptische Potential dieser Triebkräfte verwirklicht: Drachenreiter erheben sich im Einklang mit ihrer Natur in himmlische Höhen oder heben ab in tyrannische Hybris. Mal verkörpert der entfesselte Drache die Befreiung der geknechteten Umwelt, mal überzieht er als Folge dieser Unterdrückung das Land mit Feuer. Die Rowling-, Martin- und Tolkien-Adaptionen greifen diese Traditionen auf, aber bringen auch den medialen Wandel des 21. Jahrhunderts zum Ausdruck: Im Drachenflug wird vollendete Harmonie zwischen Naturpanoramen und Computeranimation angestrebt, zwischen Schauspielern und digitalen Kreaturen. Er sprengt auch die Ketten des zweidimensionalen Raums. Die im Kern romantische Hoffnung der frühen Filmtheorie auf eine Errettung der äußeren Wirklichkeit kollidiert mit dem romantischen Ziel einer Synthese zwischen Künstlern, Werk und Publikum. Die Ambivalenz dieses synästhetischen Versprechens, bei dem es sich nicht zuletzt um eine Marketing-Idee handelt, findet ihr Sinnbild darin, dass Drachen als Schatzhüter an den Boden gefesselt sind, bevor sie die Schwingen ausbreiten können. Mit der neuen Kontinuität der Serien zieht auch psychologischer Realismus in den Mythos ein: So begleiten die Flugübungen langfristige Entwicklungsschritte. Wandeln sich so romantische Drachenreiter zu gesellschaftlich handlungsfähigen Trägern des aufgeklärten Bildungsideals? Und werden aus Drachen Haustiere, die genauso gut auch Besen sein könnten?

 
15:30 - 17:303.2: Slot 3-B
B (Seminarraum II) 
 

Modalitäten des Eskapismus: Zur Redefinierung des Verhältnisses zwischen Fantastik und Wirklichkeit

Chair(s): Tobias Haupts (Freie Universität, Deutschland)

Gemeinhin wird eine eher undurchlässige Grenze zwischen dem Fantastischen und dem Realistischen gezogen, obgleich sich beide ästhetischen Modi oftmals durch eine Abgrenzung zu- und ein Verwiesensein aufeinander definieren. Besondere Aufmerksamkeit wird hierbei meistens auf den Vorwurf des Eskapismus´ gerichtet, welcher der Fantastik innewohnen soll und von welchem sich realistische Modi jeglicher Art abzugrenzen scheinen. Diese generalisierende Abwertung des Fantastischen durch seine inhärente Verbindung zum Eskapismus und die damit einhergehende Trennung zwischen Fantastischem und Realistischem ist jedoch allein deswegen immer schon problematisch, weil sie wichtige Fragen zu ersticken droht: Denn was bedeutet Eskapismus im Spannungsfeld Fantastik-Realismus überhaupt? Und ist der Eskapismus dabei ein einzig der Fantastik vorbehaltener Modus? Lassen sich Aspekte der Fantastik auch in scheinbar realistischen Repräsentationen der Welt finden? Kurz: sind diese beiden Modi tatsächlich so klar voneinander zu unterscheiden oder lässt sich ihr Spannungsfeld in einer kritischen Analyse fruchtbar machen?

Um sich diesem Fragenkomplex anzunähern, widmet sich das Panel in vier Vorträgen der Frage, inwieweit sich Elemente fantastischen Erzählens und vor allem fantastischer Ästhetik in audiovisuellen Medien wiederfinden lassen, die sich nicht direkt dem Genre der Fantasy zuordnen lassen.

 

Beiträge des Symposiums

 

Realität und Romantik: Ästhetische Überhöhung in THE REVENANT (Alejandro González Iñárritu, 2015)

Lukas Wesslowski
DFFB

„Based on a true story.” Mit dieser Texteinblendung beginnt der Film THE REVENANT (USA 2015) des mexikanischen Regisseurs Alejandro González Iñárritu. Partiell versucht sich der Film zunächst tatsächlich an einer den verbürgten historischen Ereignissen angenäherten naturalistischen Inszenierungsstrategie. Lange Plansequenzen, die Verwendung von natürlichem Licht, das Drehen an Originalschauplätzen, und die detaillierten Darstellungen der Handlungen der Figuren sollen die Glaubwürdigkeit des Gezeigten erhöhen.

Doch immer wieder wird diese Art der Inszenierung gezielt unterlaufen. Durch die spektakulären Naturaufnahmen und die traumartigen Rückblenden öffnet sich THE REVENANT für einen anderen ästhetischen Modus und öffnet damit auch die dargestellte Welt über die Grenzen des Realen hinaus. Nicht nur narrativ werden durch die Einbindung indigener Rituale Verbindungen zum Übersinnlichen hergestellt, auch durch die spezifische Inszenierung der Natur und ihrer mystischen Phänomene entwickelt der Film in vielen Sequenzen eine Sprache des Fantastischen und verwandelt die reale Geschichte eines Überlebenskämpfers in eine Erzählung über Tod und Auferstehung. Aus der physischen wird so eine spirituelle Reise.

Der Vortrag versucht durch eine filmanalytische Annäherung, die Fantastik in THE REVENANT als ästhetischen Modus zu begreifen, der sich auch in einem Film mit starkem Realitätsbezug erkennen lässt und geht der Frage nach, inwieweit ein solcher Modus zu einer Überhöhung des Dargestellten beitragen kann. Irreale und eskapistische Elemente sollen entgegen ihrer ansonsten oftmals negativen Konnotation nicht als Schwächen, sondern als Potenzial fantastischen Erzählens und Inszenierens begriffen werden.

 

Down the rabbit hole: Eskapismus als Mittel der Konfrontation mit der Wirklichkeit in Woody Allens „Midnight in Paris“

Sebastian Lange
FU Berlin

In „Midnight in Paris“ stoßen zwei Welten, oder besser gesagt, zwei Zeiten aufeinander. Zum einen das gegenwärtige Paris, in welchem der Protagonist Gil mit seiner Verlobten die Zeit mehr übersteht als wirklich genießt und zum anderen das Paris der Goldenen Zwanziger, dessen Nachtleben von rauschenden Feiern, großen Persönlichkeiten und Romanzen geprägt zu sein scheint. Der Trailer zum Film betitelt diesen Umstand folgendermaßen: „Paris after midnight is magic“. Man könnte auch sagen: fantastisch. Denn treffenderweise wird „Midnight in Paris“ meist mit eben jenem Eskapismus in Verbindung gesetzt, welcher die Fantastik auszumachen scheint. Gil wird in diesem Zusammenhang gewissermaßen zur Personifikation eines „escapist need to withdraw from the present in order to take shelter in a glorified, utopian past” (Eubanks: Memory and Nostalgia in Woody Allen’s “Midnight in Paris”, 2014.). Doch lässt sich die klassische Dichotomie zwischen Eskapismus und Wirklichkeit überhaupt nachzeichnen? Der Film nämlich problematisiert diese Polarität entschieden. So gelangt Gil erst durch seine Reisen in dieses zweite, verklärte Paris zu jener Epiphanie, die ihn seine eigene Wirklichkeit konfrontieren lässt; erst indem er das sprichwörtliche „rabbit hole“ hinunter rutscht, kann ihm der Aufstieg zur Raison gelingen. Daran anschließend stellt sich die Frage, wie weit dieser neu definierte Eskapismus geht.

Die Narration allein kann hierauf keine Antworten geben. Der Vortrag betrachtet daher im Besonderen das Wechselspiel zwischen den romantisierenden Ästhetiken des modernen und vergangenen Paris und geht der Frage nach, wo die Fantastik in "Midnight in Paris" aufhört. Der Status des Eskapismus als etwas, das genuin fantastisch ist und "dem Realen" gegenüber steht, soll hinterfragt und umgedacht werden.



„Beide Welten gesund.“ Michael Endes Die unendliche Geschichte als Antwort auf die Eskapismus-Debatte

Dana Steglich

Universität Bonn, Deutschland

Michael Endes Roman Die unendliche Geschichte wurde – wie im Call for Papers selbst angesprochen – zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung in Deutschland zwiespältig aufgenommen: Einerseits machte der enorme Publikumserfolg den Roman rasch zum Kultbuch, andererseits verurteilten große Teile der Literaturkritik, die von Ideen der literature engagée dominiert wurde, Endes Text als Aufforderung zur Weltflucht und der Vorwurf des Eskapismus verfolgte Ende weiterhin.

Dabei ist Die unendliche Geschichte nicht nur ein Manifest für die Kraft der Fantasie, sondern gerade auch eine literarische Antwort auf die Eskapismus-Debatte, die in der Bundesrepublik zu Endes Zeiten geführt wurde, die sein Werk massiv betraf und die Ende als Autor unendlich frustrierte. Die Handlung des Romans führt nämlich jenen Eskapismus, den Kritiker_innen dem Buch negativ anlasteten, explizit vor: Der Protagonist Bastian flüchtet, wortwörtlich, vor den Problemen seines Lebens in Atréjus Geschichte und droht, sich darin zu verlieren.

Was kritische Stimmen zur Aufrechterhaltung ihres Vorwurfs außer Acht lassen müssen, ist, dass Ende im Grunde einen Bildungsroman schreibt, der die anfängliche Dichotomie von oppressiver Realität und romantisch-naiver Fantasiewelt durch Bastians Entwicklung und Erkenntnisgewinn zum Ende hin auflöst.

In meinem Vortrag möchte ich daher Die unendliche Geschichte auf ihren Stand als Paradebeispiel für die Erklärung und Vielschichtigkeit von ‚Eskapismus‘ diskutieren. Dazu gehört eine grundsätzliche Definition dessen, was im literaturwissenschaftlichen Diskurs eigentlich gemeint ist, wenn von ‚Eskapismus‘ die Rede ist und wie der Begriff historisch von unterschiedlichen Wertungsagenden ausgehend gerade in wissenschaftlichen und literaturkrtitischen sowie poetologischen Perspektiven auf fantastische Literatur genutzt wurde.



„That looks romantic, doesn’t it?“: Zur Fortschreibung des romantisch-fantastischen Musikdramas in der Musical-Serie "Galavant"

Laura Zinn, Alexandra Müller

Justus-Liebig-Universität Gießen, Deutschland

Die Epoche der Romantik erweist sich nicht nur als wichtiger Ausgangspunkt für die Etablierung des Fantastischen in der Literatur, auch in die Opernhäuser zieht durch die Verwendung neuer Stoffe aus der Geister- und Sagenwelt und einer sich von der ernsthaften italienischen Oper abwendenden romantisch-komischen Musikästhetik Ende des 18. Jahrhunderts das Übernatürliche ein. Der Vortrag möchte die Traditionslinie dieser romantisch-fantastischen Musiktheaterformen untersuchen und aufzeigen, wie sie durch eine ästhetische und strukturelle Rezeption zu Wegbereitern für die anglo-amerikanischen 'musical comedies' wurden und bis heute als Traditionslinie motivisch, erzähltechnisch und visuell in der Musical-Fantasy-Serie "Galavant" (USA, Fogelman, 2015-2016) nachwirken, indem sie weitergeführt, modernisiert, parodiert und/oder subvertiert werden. Die Fortschreibung romantisch-fantastischer Motive lässt sich etwa anhand des märchenhaften Sujets und Figurenrepertoires, der Präsentation der übernatürlichen Handlungselemente (Fantastisches als ambivalentes Kippmoment, Idee des Goldenen Zeitalters, romanhaft-abenteuerliche Heldenreise), des romantiktypischen Settings (anachronistisch-fantastische Mittelalterdarstellung, Orientalismus, volkstümliches Kolorit) sowie bildsprachlicher Topoi und ikonischer Zitate (Darstellung der Geistersphäre als 'ballet blanc') veranschaulichen. Gleichzeitig persifliert die Serie sowohl ihr romantisches Erbe als auch ihr fantastisches Thema in Wort, Bild und Musik durch die Verwendung von metafiktionalen Techniken wie Selbstreferenz, Fiktionsironie, Illusions- und Stimmungsbrechung – also literaturästhetische Verfahren, die selbst grundlegend im Kontext einer frühromantischen Poetologie theoretisiert wurden (man denke etwa an die Idee der romantischen Ironie und der Parekbase, wie sie etwa Friedrich Schlegel in den Lyceums- und Athenäums-Fragmenten als Bezugspunkt romantischer Kunst skizziert, oder Jean Pauls Theorie des romantischen Humor).

 
17:30 - 18:00Kaffeepause
Foyer 
18:00 - 18:15Laudatio
Hörsaal 
18:15 - 19:45Mitgliederversammlung
Hörsaal 
19:45 - 21:30SCR: Filmsichtung: WORLDS OF URSULA LE GUIN
Chair der Sitzung: Peter Seyferth, Gesellschaftswissenschaftliches Institut München für Zukunftsfragen

Worlds of Ursula K. Le Guin(Arwen Curry, USA 2018)

Hörsaal 
Datum: Freitag, 20.09.2019
10:00 - 12:004.1: Slot 4-A
Chair der Sitzung: Katharina Störrle, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
A (Seminarraum K31) 
 

Ambige Märchenkörper in der romantischen Illustration

Diego Alegría

Ruhr-Universität Bochum, Deutschland

Die Entstehung des modernen Märchenbegriffes ist stark intermedial bedingt: Er entsteht im romantischen Märchenbuch, durch den Prozess einer Verschriftlichung und steht in Bezug zur Illustration. Im Märchen wird dabei ein Moment der Freiheit und Unschuld gesucht. In den Texten lassen sich mehrfach Verwandlungen finden, welche Körper und soziale Rollen hinterfragen und subvertieren. Die Suche nach der Treue an den einfachen, abstrakten Stil des Volksmärchens steht aber gegenüber einer barocken Ästhetisierung des Kunstmärchens.

Die Illustrationen von Otto Runge und Clemens Brentano arbeiten nicht mit unstabilen, sondern mit mehrdeutigen Körpern. Die häufigen Kinderfiguren sind nicht nur als Nostalgie zur Unschuld zu erkennen, sie sind auch kaum erkennbare geschlechtliche Marker und können somit als plurivalente, indeterminierte Körper gelten. Darüberhinaus lassen sich in der Multiplikation der Arabesken und dem Hermetismus der Symbole doch gerade die Suggestion einer unvollendeten, schillernden Form erkennen, die nie sich selbst gleicht. Körper werden ihrer Anderheit gegenübergestellt und somit in ihrer Identität destabilisiert.

Durch intermedialen Bezug zu den Zeichnungen Callots entwickelt E.T.A. Hoffmann eine barocke und groteske Ästhetik, die sich in seinen Kunstmärchen und den eigenen Zeichnungen dazu spiegelt. Der instabile und außergewöhnliche Körper, der der Handlungsebene des Volksmärchens entstammt, ist ebenfalls eine wichtige die Quelle, die aber eine kontrastierende Form auf der Ausdrucksebene findet.



Der zurückblickende Abgrund: Beseelte Porträts in Oscar Wildes „Dorian Gray“ und Nikolaj Gogols „Das Porträt“

Eleonora Bögl

Universität Wien, Österreich

Mehr als jede andere Kunstwerkform wird das Porträt in der Literatur mit dem Bildzauber verbunden. Die Anziehungskraft des Porträts stammt möglicherweise von der Ansicht, dass die Seele eines Menschen in seinem Bild wohnen kann. Diese Auffassung ist nicht auf die Romantik allein limitiert, jedoch finden sich besonders in dieser Epoche einige intensive Auseinandersetzungen mit der totemistischen Verbindung von Künstler, Porträt und Modell. Oftmals werden dabei fantastische Mittel eingesetzt, um die menschliche Abbildung als Freilegung seelischer Abgründe zu analysieren. Zu diesen fantastischen Mitteln zählen Porträts, die so eng mit der Seele eines Menschen verbunden sind, dass sie selbst eine Art Leben entwickeln, aber auch das außerkörperliche Weiterleben einer Seele sicherstellen können. Diese Überwindung des Todes stellt einen menschlichen Eingriff in gottgewollte Ordnung dar, der seinen Preis hat. Hierfür finden sich zwei sehr einflussreiche Beispiele aus der Romantik in Oscar Wildes Roman „The Picture of Dorian Gray“ und Nikolaj Gogols „Das Porträt“. Beide Werke erschienen in derselben Epoche und nur wenige Jahre nacheinander, was einen Vergleich des von ihnen verwendeten Motivs sinnvoll erscheinen lässt. Dabei wird auch auf die Bedeutung dieser verwendeten Elemente für die moderne Aufgreifung des beseelten Porträts eingegangen.

Durch literaturwissenschaftliche Analyse vor dem soziokulturellen und religiösen Hintergrund der Romantik werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Verwendung des literarischen Motivs in beiden Werken herausgearbeitet. Dabei wird, mit Verweisen auf die christlichen Lehren über Seele und Teufel, unter anderem auf die gängigen wissenschaftlichen Werke zu Totemismus und Bildzauber, sowie die Bildtheorie nach Mitchell zurückgegriffen.



Erhabenheit, Wunder, Sehnsucht - Zur Verwurzelung der visuellen Fantastik in der romantischen Bildkunst

Dominic Riemenschneider

Johannes Gutenberg-Universität Mainz/Freiberufler

Die Kunst und Architektur des ausgehenden 18., aber vor allem des langen 19. Jahrhunderts, brachten in einer Mischung aus rezipierenden, klassizistischen und neuen Bildinhalten und Kompositionen das Erhabene, Wunderbare außerhalb des religiösen Kontextes einer breiten Öffentlichkeit nahe.

Eng verzahnt mit anderen künstlerischen Gattungen, insbesondere der Literatur, zeigen die Kunstwerke der Romantik und des Historismus Motive, Themen und „historische“ Ereignisse in einer häufig idealisierten Bildsprache. Aber auch neue Schöpfungen, die besonderen Wert auf Atmosphäre, Dramatik oder Realismus legten, wurden in Gemälden, Illustrationen & Stichen, Skulpturen und Bauwerken umgesetzt. Auch die Architekturvision, welche bis heute einen gewaltigen Einfluss auf die visuelle Fantastik hat, kann in einer breiten Definition von Romantik und Historismus verortet werden.

Ausgehend von einflussreichen Bildbeispielen, wie den Illustrationen von Gustave Doré oder John Martin für Märchen, Klassiker oder die Bibel, den präraffaelitischen Gemälden oder den monumentalen Architekturvisionen von Étienne-Louis Boullée, soll deren Rezeption und Wirkung auf die visuelle Fantastik beleuchtet werden. So kann beispielsweise belegt werden, dass bei den ersten Disney-Zeichentrickfilmen Doré-Stiche von den beteiligten KünstlerInnen als Vorlage genutzt wurden.

Auch die romantisierende Architektur, wie sie sich unter anderem im in der Fantastik stark rezipierten Schloss Neuschwanstein ausdrückt, soll mit einbezogen werden. Denn realisierte wie entworfene Architekturen der Romantik und des Historismus prägen bis heute Film & TV, Videospiele, Comics und Rollenspiele.

Anhand prägnanter Beispiele aus der Kunst wie bekannten Werken der Fantastik (Disney, Star Wars) wird der Vortrag zunächst die Verknüpfungen und Rezeptionswege aufzeigen. Darauf aufbauend soll die Übertragung romantischer Intensionen in die moderne Bildwelt der Fantastik in Form von Fantasy und Science Fiction diskutiert werden.



Wo gehen wir denn hin? Immer nach Hause. Eine Rückkehr zu Ursula K. Le Guins „Always Coming Home“

Peter Seyferth

Gesellschaftswissenschaftliches Institut München für Zukunftsfragen, Deutschland

Nach einem Novalis-Zitat benannte Ursula K. Le Guin ihre zweite Utopie, „Always Coming Home“ (1985), die ansonsten allerdings nicht sonderlich romantisch ist. Es war ihr Versuch, aus der klassischen, rationalen, männlichen Utopietradition auszubrechen. Seit zehn Jahren war sie für ihre bahnbrechende kritische Utopie „The Dispossessed“ (1974) gelobt worden, doch Le Guin hatte noch höhere Ansprüche an und noch radikalere Ideen für literarische Utopien. Formal ist ihre zweite Utopie am kulturanthropologischen Standardwerk über die nordkalifornischen Indianer orientiert, das ihr Vater (Alfred L. Kroeber) 1925 herausgegeben hatte, und gleicht daher halb einem Handbuch, halb einer multimedialen ethnographischen Stoffsammlung. Räumlich orientiert sich „Always Coming Home“ am Familiensitz Kishamish im Napa Valley. Inhaltlich geht es um die Kesh (von Kishamish: die Weinleute), die in ferner Zukunft in einer postapokalyptischen indigenen Gesellschaft leben, die Strukturen und Ordnung kennt, aber keine Hierarchien. Etwa ein Fünftel des umfangreichen Buches ist eine romanhafte Erzählung; der Rest besteht aus Mythen, Protokollen, Beobachtungen, Gedichten und anderen Texten (sowie Bildern, Karten und Musik).

Kurz vor ihrem Tod (Januar 2018) ergänzte Le Guin ihr utopisches Hauptwerk um weitere narrative Elemente, sodass die neue Version von „Always Coming Home“ nun eine zweite romanähnliche Erzählung enthält. In dieser neuen Form ist die Utopie im vierten Le Guin-Band der Library of America erschienen. Im Vortrag werde ich die Veränderungen zwischen der Erstausgabe und der Ausgabe letzter Hand nachvollziehen und generell die Rolle des Werkes herausarbeiten, die „Always Coming Home“ für den utopischen Diskurs hat.

 
10:00 - 12:004.2: Slot 4-B
B (Seminarraum II) 
 

Eros! Ludus! Agape! – Videogames and Affections of Romanticism

Chair(s): René Reinhold Schallegger (University of Klagenfurt, Österreich)

The affective dimensions of human existence are increasingly explored in contemporary videogames, both in indie creations as well as commercial productions. In our panel, we will discuss four pertinent examples from North America, Europe, and Japan in terms of their thematization and representation of romantic ideas, in both meanings of the word. Spanning the full range from the interpersonal, embodied dimension of eros to the transcendental, spiritual experience of agape, we will investigate comparative historical dimensions of male same-sex relationships, attempts to overcome confining binaries and sexual power fantasies through game design, the dissolution of the individual in cosmic patterns of belonging, and the deconstruction of sexually objectified female non-player characters. Connecting all our individual papers is a shared perspective of ludus, again in its double meaning as both ‘game’ and ‘playful love’, as contemporary videogames increasingly make affective and romantic experiences available to players they would otherwise not be exposed to.

 

Beiträge des Symposiums

 

“As You Command” – A Comparison of M/M-Relationships in Assassin’s Creed: Odyssey to Ancient Greek Cultural Conventions

René Reinhold Schallegger
University of Klagenfurt, Österreich

As Assassin's Creed: Odyssey (2018) gives players the choice between two avatars, the siblings Kassandra and Alexios, and makes its romanceable non-player characters avatar-sexual, i.e. they lack a sexual identity and conform to avatar desire, same-sex romances are seemingly presented in an optional but egalitarian manner. As an artefact of popular mass culture, also termed “the culture of hyperdemocracy” by John Storey (cf. Storey 2008), this fulfils both stereotypical images of ancient Greek sexuality as well as Greece’s reputation as the mother country of democracy. However, focusing my investigations on M/M-relationships, I will be using Michel Foucault’s (1990a and 1990b), Colin Spencer’s (1996), and Louis Crompton’s (2006) accounts of male same sex love and sexuality in ancient Greek society, and especially Thomas Laqueur’s (1999) concept of the one-sex model, to critique such a superficial reading. Looking into the hierarchical power relationships, as well as attributions of sexual activity/passivity and (im-) potence that are established in relation to various performances of masculinity in Odyssey (cf. Butler 2006), I will uncover a deeply inegalitarian and agonic understanding of M/M romantic and sexual relationships that contradicts the progressive message Ubisoft claim to convey by implicitly reaffirming hegemonic masculinity (cf. Connell 2016).

 

Periphery: Non-Binary Gender Identities and Non-Avatar-Sexual Characters in Bioware’s Dragon Age: Inquisition

Armin Lippitz
University of Klagenfurt, Österreich

A majority of games still play out as male power-fantasies, in which everything revolves around the players’ avatar, including sexual orientation. Regardless of the avatar’s gender – in most games a binary option at the beginning of the game – romantic interest in an NPC will be reciprocated. This phenomenon has become known as ‘avatar-sexual’ and represents an easy way for creators to appease non-straight players and to circumvent a heteronormative taint.

Bioware’s Dragon Age: Inquisition (2014) abstains from this design decision. While gender specification during character creation is still a binary choice, romantic engagements remain platonic if the selected gender performance does not conform to NPCs’ preferences. In addition, the game, as well as other texts within the transmedia storytelling landscape of the Dragon Age franchise, include various characters of non-binary gender identities and non-straight sexual orientations. My paper focuses on how gender identities and sexual orientations are presented in the game and the multimedial Dragon Age universe, and on how romantic endeavours towards non-avatar-sexual characters are presented to players.

 

Love is a Transcendental Pattern: The Experience of Divine Belonging in Everybody’s Gone to the Rapture

Felix Schniz
University of Klagenfurt, Österreich

This paper discusses the experiential quality of the walking simulator Everybody’s Gone to the Rapture (The Chinese Room 2015) that aims to embrace its playership in divine love. In order to do so, it tunes the intimate journey through a virtual world in a tension of apophasis and cataphasis – the theological principles of an all-encompassing godly presence in nothingness and totality. The paper analyses the role of a suspiciously non-descript avatar wandering a paradoxically idyllic post-apocalypse. A cosmic phenomenon only described as “The Pattern” has purged all life, leaving nothing but radiant, fragmentary memories of humanity behind. The player avatar is the sole entity able to discover these remnants, to set them in relation, and thus to decipher a web of relative absolutes between hope and sorrow that transcends the notion of apocalypse in soothing unity.

Ultimately, the game thus offers an impact beyond mere phenomenological effects and facilitates experiences of spiritual understanding. As Walter Hammel describes, these are epiphanies of pervasion and the overcoming of epistemological understanding, revealing secret depths of human existence (1997, 52-55). Only after life itself has ceased, Everybody’s Gone to the Rapture emphasises, can a blissful state of higher understanding be gained in the radiance of alien patterns.

 

“Welcome, Sir” - Deconstructing the Hostess in Yakuza 0

Shauna Ashley Bennis
University of Klagenfurt, Österreich

As Goro Majima, one of the main playable characters in SEGA’s Yakuza 0 (2017), the player is Sotenbori’s famous ‘king of the night’, and the manager of the Grand cabaret. Running one hostess club, however, is not enough, and so the player is offered another, rundown cabaret club to rebuild from the ground up. A pet project, if you will. As the new manager, players train, hire, and take care of their hostesses. They help them do their job, protect them from angry clients, and even meet their fathers. All in the endeavour to make ‘Club Sunshine’ the best cabaret club in town.

This article investigates what this sub story says about the hostess and her workplace, and in what way her reality is anchored in the often violent and dangerous pleasure district of Sotenbori. It also looks at the image of the hostess that players are left with, when the main song has a woman crooning: "do I look nicely enough? I got dressed up in for you. Look at me, this is my love, all for you Stay all night long, sit tight in sofa, drink wines and talk every night […] What do you like, how do you like, what do you like best? (Kurokazuma 2017, errors in original) In this context, what does Yakuza 0’s hostess reveal about the conditions of her real-life counterparts in contemporary Japan? These are the questions that lie at the centre of my article.

 
10:00 - 12:004.3: Slot 4-C
Chair der Sitzung: Jan-Hendrik Bakels, Freie Universität Berlin
C (Seminarraum III) 
 

Fighting the Hydra – All That Is Wrong with Neo-Mythological Percy Jackson and the Lightning Thief

Christian Lenz

TU Dortmund, Deutschland

The movie adaptation of the first instalment of Rick Riordan’s successful Percy Jackson series is a fun ride as it mashes Greek mythology with coming-of-age narrative and American road movie tropes: Percy Jackson, the son of Poseidon, and his two friends have to travel the United States of America in order to find three magical pearls that will allow them to retrieve Percy’s mother from the Underworld. One of these pearls is located in the Parthenon in Tennessee – and it is guarded by the infamous Hydra.

On the intradiegetic level, fighting the Hydra with its ever-growing heads is not an easy task. Considered, however, from an extradiegetic point of view, the fight and its various participants lay bare all the problems that the movie conveniently ignores or brushes over with a quip: racism, misogyny, class bias and elitism. Coincidentally, the moment one discovers one problem, it leads directly to another within the neo-mythological world of Percy Jackson and, like the Hydra’s heads, there seems to be no end to them: the movie turns into a rhizomatic mythosphere of ever-increasing complications.

In my talk I will address these problems and show that the movie is indeed making matters worse by being so deliberately oblivious to them and their interconnections. The postmodern parodic pastiche the movie creates from Riordan’s novels creates a conservative mythosphere in which females become admiring companions and people of colour comedic relief. Percy Jackson and the Lightning Thief turns mythology on its head – and not in a good way.



The Art of Resistance: Afrocyberpunk, Empowerment and Re-Individualization in Janelle Monáe's Dirty Computer

Julia Schmeink

Universität Bremen

In Dirty Computer, Janelle Monáe creates a powerful audiovisual language that gives voice to and makes visible marginalized groups that are normally silenced and rendered invisible in US-mass culture. In what she refers to as an “emotion picture” she employs the already hybrid generic form of Afrocyberpunk to advocate for a more fluid concept of identity. In my paper I will explore the ways in which this narrative concept album-become-movie relates a story of resistance against oppression in a futuristic dystopian world, visually and sonically anchored in the rich cultural past of African American pop music of the 1980s and 90s. By reconnecting to her (musical) roots, I argue, Monáe not only reinforces a strong sense of identity that makes resistance against (racial) oppression possible in the first place, but by connecting to these intertexts, she also adds rich layers of meaning to a narrative of fluidity and hybridity, highlighting the interconnectedness of various groups that, in the past, have been outcast as ‘other’ and pushed to the margins of society, advocating for a sense of solidarity. Dirty Computer is a work of art strongly situated in the present, addressing pressing current political issues, drawing its power from African American history, and imagining (and working towards) a future where the hope to overcome systemic violence is very much alive. The picture makes a strong plea for a pluralistic society that allows for individuality and self-expression, transcending the boundaries of sexuality, culture, and even humanity. Here, fluidity is key, be it in content, in form, or in the media this emotion picture fuses. By using the subversive techniques of Afrocyberpunk, Monáe succeeds in creating mass media impact and putting intersectional identity politics on the agenda of mainstream culture.



“Defiling the graves of the dead will only anger their souls!” Native American Horror Movies & Native Americans In Horror Movies

Mark van de Logt

Texas A&M University at Qatar, Katar

This presentation analyzes Native American monsters in American cinema between 1976 and 2011. It distinguishes between horror movies made by Native Americans and horror movies made by non-Natives featuring Native American monsters. Whereas Native American artists use the horror genre to cope with the traumatic effects of invasion, conquest, genocide, and colonization, horror movies made by non-Native producers capitalized on the new-found sensibilities—primarily guilt—of non-Native audiences concerning historical injustices against Native Americans. Although the stereotypical depiction of Native Americans as “savages” was no longer appropriate after the Red Power protests of the 1960s and '70s, the horror genre was spared from this trend: horror films allowed film makers to continue to portray certain Native characters or aspects of Native American culture as “savage.”

 
12:00 - 13:30Mittagspause
 
13:30 - 15:005.1: Slot 5-A
Chair der Sitzung: Hannes Wesselkämper, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
A (Seminarraum K31) 
 

"Eine beunruhigende Faszination" - Romantik und Fantastik im E.T.A. Hoffmann Portal

Christina Schmitz

E.T.A.-Hoffmann-Archiv, Deutschland

Mit dem E.T.A. Hoffmann Portal hat die Staatsbibliothek zu Berlin ein Angebot entwickelt, in dem innovative Wege zur Vernetzung der Bibliothek mit Forschung, Lehre und Bildung, aber auch mit weiteren Kooperationspartnern wie Buchkünstlern, Verlagen und Kultureinrichtungen eingeschlagen und damit neue Märkte erschlossen werden. Neben Kernelementen wie einer digitalen Präsentation verschiedenster Materialien von und zu E.T.A. Hoffmann aus unterschiedlichen Einrichtungen und einem datenbankübergreifenden Rechercheinstrument bietet das Portal auch eine Plattform für elektronische Fachpublikationen (Open Access), Module für den Schulunterricht und Themenschwerpunkte mit interaktiven Elementen. Daneben werden qualitätsgeprüfte Daten und Materialien bereitgestellt, die Anknüpfungspunkte für eine vertiefte und interdisziplinäre Auseinandersetzung nicht nur mit Hoffmann, sondern auch mit dem Genre der Fantastik und mit der Kultur und Wissenschaft der Romantik liefern. So kann das E.T.A. Hoffmann Portal aufzeigen, wie zeitgemäße Bildungsarbeit in Bibliotheken aussehen kann. Im Vortrag werden die Kernelemente des Portals vorgestellt und Ideen für Kooperationen mit der Forschung diskutiert.



Eine Frage des Blickwinkels: Die Welt der Nachtelfen und Untoten in Warcraft III

Brian Ackermann

Freie Universität Berlin, Deutschland

Das Videospiel WARCRAFT III und seine Erweiterung WARCRAFT III: THE FROZEN THRONE sind zwischen den Jahren 2002 und 2003 von der Firma Blizzard Entertainment veröffentlicht worden. WARCRAFT III bildete den Vorgänger zu Blizzards berühmter Online-Rollenspielreihe WORLD OF WARCRAFT. Beide Spiele lassen den Spieler am Krieg zwischen den Menschen, Orks, Nachtelfen, Totenbeschwörern und einigen weiteren Fraktionen teilnehmen. Bei WARCRAFT III handelt es sich jedoch um ein Echtzeitstrategiespiel. Das bedeutet, der Spieler übernimmt nicht nur die Kontrolle über eine einzelne Spielfigur, sondern lenkt das Geschick einer ganzen Siedlung. In diesem Vortrag soll es darum gehen, wie die Spielemechanik des Zerstörens und Eroberns in WARCRAFT III mit der Poetik der Fantastik zu denken ist. Es wird gezeigt, wie die Inhalte der filmischen Zwischensequenzen in WARCRAFT III für den Spieler während des Gameplays spürbar gemacht werden – sei es durch die Animationen und Gestaltung der Gebäude und Einheiten, die Musik und Soundeffekte oder die unterschiedlichen Gameplay-Mechaniken der Fraktionen. Spiele wie WARCRAFT III erlauben es fantastische Konflikte zwischen alten Baumgeistern, widerlichen Dämonen oder mächtigen Magiern spielerisch aus einander entgegengesetzten Blickwinkeln heraus zu erleben. WARCRAFT: THE BEGINNING aus dem Jahr 2016 brachte Blizzards Fantasy Epos zum ersten Mal ins Kino. Mit WARCRAFT III REFORGED wurde erst letztes Jahr ein Remake des Originalspiels angekündigt. Es ist der spielerische Perspektivenwechsel zwischen unterschiedlichen Lebensweisen und Glaubenssystemen im Kontext einer fantastischen Poetik, welcher den immer noch anhaltenden Reiz daran ausmacht, in die Spielewelt von Azeroth zurückzukehren.



Terminus Belz als Folk Horror oder vom Reiz des Anderen und Unheimlichen

Meret Fehlmann

Universität Zürich, Schweiz

Terminus Belz ist der Erstling des Autors Emmanuel Grand und erzählt die Geschichte des illegalen Immigranten Marko Vorodin, den es als Fischergehilfe auf die einsame bretonische Insel Belz verschlägt. Die isolierte Lage, die ihm erst als Rettung erscheint, entpuppt sich bald als Gefahr: Die Insel ist von der Polizei abgesperrt, er selbst wird von Mafiakillern und dem numinosen Ankou – einem bretonischen Todesengel – verfolgt, es scheint kein Entkommen zu geben.

Angepriesen wird das Buch als Kriminalroman oder Thriller, mir scheint es mehr ins Fantastische zu gehen mit seinen Bezügen auf die keltisch-bretonische Mythologie und Totensagen rund um den Ankou, an dessen Erscheinen und Macht im Laufe der Handlung nicht gezweifelt werden kann. Verstärkt wird ein entsprechender Interpretationsansatz auch durch die Auflösung, die Marko – symbolisch aus dem Reich der Toten zurück – ein Leben in Sicherheit in Frankreich ermöglicht. Meiner Meinung nach handelt es sich dabei um ein typisches Beispiel von Folk Horror.

Folk Horror ist eine Spielart der Horrorliteratur, die fest mit dem Numinosen und Okkulten verbunden ist, indem die bedrohlichen Kräfte aus (vermeintlich) vorchristlicher Zeit stammen. Diese Spielart des Horrors bezieht sich auf „folkloristische“ Elemente, indem Sagen, Märchen, Mythen und Bräuche als Inspirationsquelle dienen. Weiter charakterisieren sich diesem Genre zugehörige Werke durch eine Verwendung der Landschaft, die als bedrohlich und isolierend gezeigt wird. Dunkle Kräfte lauern hinter der Fassade des freundlich Ländlichen. Das sind alles Elemente, die sich in Terminus Belz finden.

In meinem Beitrag möchte ich Terminus Belz auf Basis der genannten charakteristischen Elemente des Folk Horrors anschauen, wobei ein besonderes Augenmerk auf eine wohl als romantisch zu bezeichnende Darstellung einer bretonisch-keltischen Andersartigkeit gerichtet sein soll.

 
13:30 - 15:005.2: Slot 5-B
Chair der Sitzung: Julia Schmeink, Universität Bremen
B (Seminarraum II) 
 

Post-Humanity. Zur Differenz zwischen Mensch und Menschlichkeit in WESTWORLD und DETROIT BECOME HUMAN

Jan-Hendrik Bakels

Freie Universität Berlin, Deutschland

N.N.



Kosmischer Horror im Videospiel: Darkwood

Daniel Illger

Freie Universität Berlin, Deutschland

Im Zuge der Hinwendung von immer mehr Wissenschaftlerinnen und Künstlern zu Theorien oder ästhetischen Praktiken des Posthumanismus, hat auch die Lovecraft-Rezeption an neuem Schwung gewonnen. Was das Videospiel betrifft, so lässt sich beobachten, dass kaum ein neuer, dem Horrorgenre zuzurechnender Titel ohne mehr oder weniger explizite (und mitunter augenzwinkernde) Verweise auf den sogenannten Cthulhu-Mythos auskommt. Zugleich ist auffällig, dass sich oftmals gerade diejenigen Titel, die sich explizit auf Lovecraft berufen – wie Conarium (Zoetrope Interactive, 2017), Call of Cthulhu (Cyanide Studio, 2018) oder zuletzt The Sinking City (Frogware, 2019) –, dem Vorwurf ausgesetzt sehen, am Erbe dieser ästhetischen Tradition zu scheitern..

Ich will in meinem Vortrag einige heuristische Überlegungen anstellen, wie sich eine Poetik der Kosmischen Angst, deren Grundzüge Lovecraft in seinem Essay Supernatural Horror in Literature (1927) entwickelt, auf das Medium Videospiel übertragen lässt. Meine These lautet, dass es nicht nur nicht hinreichend, sondern oftmals sogar kontraproduktiv ist, in der Gestaltung von Figuren, Schauplätzen und Handlungsfigurationen auf Elemente des Cthulhu-Mythos zurückzugreifen. Denn die Widerständigkeit gegen alle Formen von stereotypem Genrereglement, die Lovecraft als eine wesentliche Bedingung für das Gelingen des Kosmischen Horrors benennt, beruht gerade auf dem Bruch mit dem Erwartbaren und Bekannten. Vielmehr tut es not, im Zusammenspiel von Weltgestaltung und Spielmechaniken eine Spielerfahrung zu gestalten, die nicht zuletzt das Wissen der Spielerinnen und Spieler darum, was sie in einem Horrorspiel zu tun haben, und was ein Horrorspiel eigentlich ist, immer wieder aufs Neue erschüttert.

Was das konkret bedeutet, will ich in einer analytischen Skizze von Darkwood (Acid Wizard Studio, 2017) – und mit einigen Anmerkungen schließen, was die Beschäftigung mit Horrorspielen zu den Diskussionen rund um den Posthumanismus beitragen kann.



Mehr als ein Mensch: Prothesen als posthumane Technologie in Deus Ex: Human Revolution

Lars Schmeink

GFF, Deutschland

Die Leistungen von Athleten wie dem Läufer Oscar Pistorius und dem Weitspringer Marcus Rehm, die beide mit sogenannten „Blade“ Prothesen aus Karbon laufen, zeigen deutlich, dass das Posthumane Einzug in gesellschaftliche Debatten gefunden hat. In beiden Fällen haben Sportgerichte entschieden, dass die Prothesen einen unfairen sportlichen Vorteil liefern und als Verbesserung der menschlichen Leistungsfähigkeit angesehen werden müssen. Die Urteile sind ein Beitrag zum Diskurs über die Bewertung des Posthumanen und ein Beispiel für die Vorstellung, mit Technologie könne man die biologischen Grenzen des Menschen über¬schreiten und einen neuen besseren Menschen erschaffen.

Der Vortrag sieht einen ähnlichen Diskurs im Videospiel Deus Ex: Human Revolution (2011) gegeben, in dem posthumane Technologien wie Augmentierung menschlicher Körper eine zentrale Rolle spielen. Die Darstellung der Augmentierungen ist visuell und ludisch geprägt von einer Konzeption nicht als medizinisch notwendige und auf Versehrtheit verweisende Wiederherstellung menschlicher Leistungskraft, sondern als optionale und durch einen Markt geregelte Luxusware, die dazu dient, menschliche Limitierungen zu überwinden und sich Vorteile zu verschaffen. Der Vortrag möchte die Repräsentation unter dem Bezug auf die Theorie der vollständigen Subsumption und der Theorien des Posthumanismus bewerten und auf ein verändertes Bild des Posthumanen in der Gesellschaft beziehen.

 
13:30 - 15:005.3: Slot 5-C
Chair der Sitzung: Matthias Grotkopp, Freie Universität Berlin
C (Seminarraum III) 
 

The Collapse of Meaning in R. Scott Bakker's 'The Second Apocalypse'

Janine Leona Schleicher

Freie Universität Berlin, Deutschland

Much like the experience of hope in eucatastrophe was central to J.R.R. Tolkien’s work, philosophy and conception of fantasy, the death of meaning is at the base of R. Scott Bakker’s writing and thinking. Instead of faith, he preaches doubt in historically collective belief systems as well as the idea of human consciousness itself.

This paper aims to examine the ways in which the secondary world of his THE SECOND APOCALYPSE series (2004-2017) is informed by discoveries of modern neuroscience and current issues in the Philosophy of Mind, constructing an intradiegetic metaphysical system within which inaccessible theoretical concepts can be explored in an interpretative space.

Telling the detailed story of a religious war and global unification under one prophet and leader, Bakker introduces Gods, sorcery and an ancient alien race whose arrival has shaped events for thousands of years. This universe permeated by ontologically objective meaning and morality engenders an affective experience of philosophical ideas, acknowledging that genre fiction and its mythopoeic creations are uniquely positioned to generate meaning in a disenchanted world.



Ghosts in Love and Haunted Romantics

Zuzana Zoubková

Masaryk University, Czech Republic

On the shelves of bookstores, we sometimes encounter stories presented as mimetic by their authors or publishers. However, we can also read them as non-mimetic because there is something different in them; they include a fantastic element.

It is well known we are influenced by our expectations for the text. Cognitive scientists write about repetitive patterns, schemes or scripts in our minds. In other words, when the reader wants to read a romantic novel, he or she focuses primarily on the romantic plot. Thus, he or she can miss another meaning of the text, another point of view, something different... perhaps something fantastic.

In this paper, I want to introduce several novels (mostly by British writer Barbara Erskine) which are presented as adventurous or historical romances; on the other hand, there is very significant use of fantastic elements in these books (mostly ghost or other supernatural beings). I believe they raise some interesting questions.

Can we consider these texts fantasy? And answer is, yes, we can. According to David Langford’s definition in Encyclopaedia of Fantasy, our paranormal romances about ghost or druidism could be held for trivial form of urban fantasy in its modern sense. For this reason, I want to analyse the importance of a fantastic element in these novels beside their primarily romantic (or adventurous) plot.

The next question is about romantic feelings and relationships in trivial and serious fantastic literature. Are they so different? Maybe not... Admittedly, we could find the same types of incredible love stories in G. R. R. Martin’s and Barbara Erskine’s books. So where is the difference between their representations?

In the paper, I will consider if some romance novels for women with supernatural elements can be understood as a subgenre of urban fantasy, how fantastic elements work here, and in which way representation of romantic relationships in trivial and serious fantasy are different.



“The meagre by the meagre were devour'd”: Zombie Origins in Romantic Apocalypse

W. Tracy Dillon

Portland State University, United States of America

Romanticists will recall that Byron’s 1816 summer camp at Geneva produced at least two of the enduring fantastic monsters of our time: M. Shelley’s Frankenstein’s creature and Polidori’s figure of the Vampyre. Globally, a more terrifying event occurred, the eruption of Mt. Tambora a few hundred miles east of Java and over 7,000 miles away from Lake Geneva, marking 1816 as “The Year Without a Summer.” News of the eruption did not reach Europeans, Canadians, and Americans in time to explain why their local skies were growing ashen, their crops and livestock dying. The world over, newspapers were reporting End Times. This is the mood that produced Frankenstein's creature and the Vampire. The proposed paper argues that popular figure of “the zombie” deserves claim to the same Romantic lineage, specifically via transmission from Byron’s poem of that summer, “Darkness.” Many assume that the zombie is a relatively recent literary invention. However, the term, Zombi was coined into English by Byron’s contemporary, Robert Southey, in History of Brazil (issued serially between 1810-1819). Southey’s history describes the leader Zombi, a freedom fighter from the tribes of Palmares. Postcolonial readings now recognize the zombie as the imagined boogie-man of colonial agents who fear that slaves will become a creation that they presumed to control, but that becomes a fierce enemy. Southey’s history exemplifies this attitude. Moving from the premise that both Frankenstein’s Creature and the figure of the Vampire clearly grow from monstrous and fantastic origins in Romanticism’s “Year Without a Summer,” the paper argues that the figure of the zombie also originates in Romanticism. Analysis of texts by major and lesser figures will illustrate how Romantic writers used zombies and cannibalism to allegorize imperialism and the colonial enterprise.

 
15:00 - 15:30Kaffeepause
Foyer 
15:30 - 17:306.1: Slot 6-A
Chair der Sitzung: Björn Hochschild, Freie Universität Berlin
A (Seminarraum K31) 
 

Der Zombie im Zeichen der Säkularisierung

Daniel Hercenberger

Landesmuseum Hannover, Deutschland

Ziel des Vortrags ist es Differenzen und Affinitäten des literarischen Byronismus sowie der Schwarzromantik gegenüber postapokalyptischen Szenarien im Zombiefilm anhand der Serie The Walking Dead gegenüberzustellen.

In Zombie-Narrationen dominiert der Schrecken in einer Welt der Deprivation und Isolation zu leben, in der die eigentlich vertraute Umgebung lebensgefährlich wird und die ehemals humanoide Bevölkerung nun entstellte Schreckensgestalten sind, dessen Prämisse es ist, die Überlebenden brutal zu ermorden und kannibalistisch einzuverleiben. Es ist die Furcht vor dem Zerfall der urbanisierten Gesellschaft mit ihren Wertmaßstäben, Normen und Gesetzen, dem Untergang der Zivilisation und dem wohlgeordneten menschlichen Zusammenwirken, hin zu einer tristen Tonalität des schalen Alltags in einem dystopisch-postapokalyptischen Szenario mit suizidaler Stimmung und verwüsteten, menschenleeren Territorien, die in Analogie zum literarischen Byronismus Einsamkeit und Melancholie induzieren.

Zum einen müssen die Protagonisten der Zombie-spezifischen Narration den tabuisierten Tod als irreversibles Geschehen akzeptieren, was zu einem pessimistischen Leben in einer vermeintlich nihilistischen Welt ohne Hoffnung und ausweglose Situationen in einem stetigen Martyrium in weitgefasster Anlehnung an den Byronismus determiniert. Schon in dieser nach dem englischen Dichter Lord George Gordon Byron (1788-1824) benannten pessimistischen Lebens- und Stilhaltung innerhalb der europäischen Romantik zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Weltschmerz auf Basis der Enttäuschung, dass sich die romantische Gefühlskultur als nicht tragfähig erwiesen hat, charakteristisch. Analoge Sujets, die sich auch im The Walking Dead-Universum wiederfinden, sind die Unsicherheit hinsichtlich bestehender Ordnungen, die Skepsis gegenüber Wert- und Sinnfragen sowie Resignation, Trauer und Melancholie.



Roboter, Halbgott, Doppelgänger – Romantische Motive in Saturn 3 (1980)

Matthias Hurst

Bard College Berlin, Deutschland

Moderne Geschichten über Roboter, Androiden und Künstliche Intelligenz und die implizierte Idee der Erschaffung eines menschlichen Ebenbilds speisen sich aus vielfältigen Quellen und kulturhistorischen Diskursen. Dazu zählen mythologische Schöpfungsgeschichten, Allegorien der erotischen Kraft der mimetischen Kunst (Pygmalion), Legenden und Sagen (Golem) und einflussreiche Texte der Fantastik wie Shelleys "Frankenstein" (1818); ebenso wichtig als Bezugsrahmen der Gestaltungen der Roboterthematik sind die materialistische Philosophie der Aufklärung (La Mettrie), die Fortschritte im Bereich der Technologie, Robotik und Kybernetik seit den ersten Automaten im 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart und nicht zuletzt auch Themen und Motive der Romantik und Schauerromantik.

Als Reaktion auf die rationalistischen Zumutungen der Aufklärung schufen die Autoren der Romantik traumhafte und alptraumhafte Gegenwelten, die die Zwänge und Verunsicherungen der Moderne auf zuweilen verstörende Weise reflektieren. Wichtiges Element der romantischen Gesellschaftskritik ist das Sujet der Zivilisations- und Wirklichkeitsflucht (z.B. Tiecks Waldeinsamkeit), zentrale Motive der Erforschung des Selbst und Ausdruck der problematischen Subjektivität und Entfremdung in der Moderne sind der Doppelgänger und der künstliche Mensch, exemplarisch gestaltet in Hoffmanns "Der Sandmann" (1816).

Um die produktive Konvergenz der genannten Diskurse deutlich zu machen, soll der Science Fiction-Film "Saturn 3" (1980, Regie: Stanley Donen, Drehbuch: Martin Amis) beleuchtet werden. Der Film, in dem ein Roboter auf einer entfernten und isolierten Raumstation unheimlicher Teil einer Dreiecksbeziehung wird und schließlich Angst und Schrecken verbreitet, verknüpft in tiefenpsychologischer Lesart zeitgenössische Tendenzen von Zukunftspessimismus und Technologiekritik einerseits und die Darstellung erotischer Sehnsüchte und Verlustängste andererseits mit Echos und Aktualisierungen romantischer Motive.



Libertäre im Weltall. Die Zukunftsvision des Kurzfilms «Libra»

Simon Spiegel

Universität Zürich/Universität Bayreuth, Schweiz

Der 1978 enstandene Kurzfilm «Libra» ist heute praktisch unbekannt. Dabei handelt es sich bei Patty Newmans Film um ein äußerst aufschlussreiches Zeitdokument. Der knapp 40-minütige «Film» zeigt die Welt im Jahre 2003 – auf der einen Seite die Erde, die unter der Führung einer Weltregierung im Chaos versinkt, auf der anderen die Raumstation Libra, die ohne Regierung auskommt, in der einzig das Gesetz des Marktes herrscht.

«Libra» wurde von einem Thinktank namens World Research, Inc. produziert und stellt eine ungewohnt Mischung aus Spiel- und Dokumentarfilm dar. Der Rahmen und das Setting sind zwar eindeutig fiktional, die Raumstation, deren Funktionsweise ausführlich erklärt wird, ist aber offensichtlich nicht als reine Phantasterei gedacht, sondern als Vorschlag, dessen Prinzip zumindest ernst genommen werden soll.

In meinen Vortrag werde ich einerseits darauf eingehen, in welchem Umfeld «Libra» entstanden ist, andererseits werde ich den Film im Kontext der utopischen Tradition diskutieren.



Monströsität in Frankenstein und A Game of Thrones als Symbol der problematischen Beziehung von Mensch und Natur

Anja Stürzer

Freie Autorin, Deutschland

Frankensteins Kreatur und die "White Walkers" aus Game of Thrones haben einiges gemeinsam: Es sind aus Leichen geschaffene Geschöpfe, die mit einer lebensfeindlichen Umgebung aus Eis und Schnee assoziiert sind, in der sie, anders als ihre menschlichen Antagonisten, mühelos überleben können. Als Monster repräsentieren sie die unbeseelte, bedrohliche Natur, die die Augen öffnet und den Menschen mit kaltem Blick ansieht. Wie der Tod sind diese lebenden Toten nicht der menschlichen Moral unterworfen; sie suchen die Menschen und sie nehmen sich das Recht, ihnen das Leben zu nehmen. In meinem Beitrag möchte ich die Kreatur und die White Walker im Hinblick auf ihre Assoziation mit der Natur vergleichen und sie als Symbol der problematischen Beziehung des Menschen zur Natur interpretieren.

 
15:30 - 17:306.2: Slot 6-B
Chair der Sitzung: Christian Rüdiger, Freie Universität Berlin
B (Seminarraum II) 
 

Alles Seemannsgarn? Phantastisch-Romantische Strukturen und Motive in den Käpt’n Blaubär Clips

Hendrick Heimböckel

Friedrich-Schiller-Universität Jena, DFG Graduiertenkolleg Modell Romantik, Deutschland

Die Anfänge der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur liegen in der Romantik. Bis heute haben sich einzelne Geschichten aus Hauffs "Almanachen", aus den "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm und E.T.A. Hoffmanns "Nussknacker und Mausekönig" durchgesetzt. Ihre Wirkung zeigt sich nicht nur in unzähligen Neuauflagen, sondern auch im Film und anderen ästhetischen Formen.

Das Genre des Märchens hat seit den Anfängen des Films eine ungebrochene Kontinuität. Konkrete Adaptionen phantastischer Kinder- und Jugendliteratur der Romantik finden sich seit der frühen Phase des Films und wurden im Dritten Reich, in der DDR, der West-BRD, den U.S.A. und der BRD wiederholt aufgegriffen und verfilmt.

Was jedoch bei der deutlich hervorstechenden Kontinuität phantastisch-romantischer Plots der Kinder- und Jugendliteratur im Film unberücksichtigt bleibt, ist eine Transposition und Differenzierung von phantastisch-romantischen Topoi und Verfahren. Ein Beispiel hierfür ist die Reflexion auf die Wirkung der Poesie in Form des Buch-Topos, der sich von Novalis‘ "Heinrich von Ofterdingen" über E.T.A. Hoffmanns "Elixiere des Teufels" bis hin zu Michael Endes "Unendliche Geschichte", Cornelia Funkes "Tintenherz"-Romane und Walter Moers "Zamonien"-Romane erstreckt.

Ein filmisches Erbe phantastisch-romantischer Verfahren und Topoi tritt die Clip-Serie "Käpt’n Blaubärs Seemannsgarn" an, die seit den frühen 1990ern allwöchentlich am Ende der Unterhaltungs- und Bildungsserie für Kinder "Sendung mit der Maus" gezeigt wird. Der Beitrag wird sowohl die Transposition narrativer Verfahren als auch Topoi von romantischer Prosa sowie Kinder- und Jugendliteratur in einzelnen Clips aus der "Käpt’n Blaubär"-Serie analysieren. In diesem Zusammenhang werden zum einen allgemeine Strukturen der Serie als auch einzelne Motive in ihren romantisch-phantastischen Filiationsbezügen fokussiert. Anhand der Vergleiche werden zum Abschluss Thesen über die Funktion dieser Verfahren und Motive aufgestellt.



Fantastische Unschlüssigkeit und romantische Reflexion in aktuellen kinder- und jugendmedialen Inszenierungen

Stefanie Jakobi

Universität Bremen, Deutschland

"Only a baby would believe that a tree – seriously, a tree – had walked down the hill and attacked the house." (Ness 2015: 54)

Die obig zitierte Textstelle aus Patrick Ness’ A Monster Calls ist nur ein Beispiel aus dem Bereich der aktuellen (fantastischen) Kinder- und Jugendmedien, in dem die Unsicherheit der kindlichen und jugendlichen Figuren gegenüber den fantastischen Begebenheiten thematisiert wird. Sichtbar wird an Conors – der Hauptfigur in Ness’ Roman – Überlegungen das von Tzvetan Todorov definierte „Moment dieser Ungewißheit [sic]“ (Todorov 2013: 34). Todorovs Verständnis des Fantastischen, welches er wiederholt an den Lesenden, dessen Bewertung oder Lesehaltung bindet (vgl. ebd. 55), eröffnet zudem die Frage nach der Verbindung von fantastischer Literatur und metanarrativen und -fiktionalen Erzählverfahren bzw. nach der Funktion von Literatur und Medien als Reflexionsraum. Eine Verbindung, die sich bereits in Friedrich Schlegels Ausführungen zur Universalpoesie findet:

"Und doch kann auch sie am meisten zwischen dem Dargestellten und dem Darstellenden, frei von allem realen und idealen Interesse auf den Flügeln der poetischen Reflexion in der Mitte schweben, diese Reflexion immer wieder potenzieren und wie in einer endlosen Reihe von Spiegeln vervielfachen." (Schlegel 1964: 182)

Der geplante Vortrag sucht anhand exemplarischer Einzelanalysen aufzuzeigen, inwiefern insbesondere aktuelle kinder- und jugendmediale Inszenierungen das von Todorov benannte Moment der „Ungewißheit [sic] “ (Todorov 2013: 34) aufgreifen und darüber metanarrative und -fiktionale Elemente als poetische Reflexionsorte über die Möglichkeiten und Grenzen des Erzählens installieren.

Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Ness, Patrick: A Monster Calls. London: Walker Books, 2015

Sekundärliteratur

Todorov, Tzvetan: Einführung in die fantastische Literatur. Berlin: Wagenbach, 2013.

Schlegel, Friedrich: Kritische Schriften. 2. Aufl. Hrsg. v. Wolfdietrich Rasch. München: Hanser, 1964.



„Der Tod in Terry Pratchetts Scheibenwelt-Romanen“

Janine Ludwig

Dickinson College, Universität Bremen, Deutschland

Pratchetts Scheibenwelt-Romane versammeln eine eklektizistische Mischung aus Mythen, Motiven aus mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Sagen/Märchen und folkloristischen Elementen. Dies ist (im Ge-gensatz etwa zu Tolkiens „Mittelerde“) von Beginn an als parodistischer Spiegel unserer heutigen Welt angelegt. Einer der Kniffe Pratchetts besteht darin, bestimmte Muster beim Leser als bekannt vorauszuset-zen, sie aber ironisch zu brechen; dies ist eine der Hauptquellen seiner Komik.

Die erste Frage ist, auf welches Mittelalter ein Autor Bezug nimmt und wie nah dies an der Wirk-lichkeit ist. Schließlich gibt es kaum ein Zeitalter, über das so viele ungenaue Bilder in den Köpfen der Öffentlichkeit herumspuken. Schon die „Entdeckung“ des Mittelalters durch die Romantik hat in Deutsch-land zu manch verfälschtem Bild geführt, das Aufwachsen mit Märchen tat ein Übriges. Insofern ist die Frage nach den Quellen des Autors nicht nur eine produktions-, sondern auch rezeptionsästhetische. Zu beachten ist, dass Pratchett sich u.a. auf britische, irische, walisische Sagentraditionen bezieht und zugleich mit internationalen Religionen und Mythen jongliert.

Aus dem Figurenarsenal diverser dem Mittelalter entstammende Figuren würde sich „Gevatter Tod“ anbieten (besonders im Vergleich zu dem Namensvetter in Grimm’schen Märchen). TOD ist einer der bekanntesten Figuren der Scheibenwelt und taucht in fast allen Büchern auf. Er bezeichnet sich selbst als „anthropomorphe Personifikation“ und ist mit allen Insignien aus verschiedenen Mittelalter-Überlieferungen, besonders den Darstellungen während der ersten Pest-Epidemie in Europa, ausgestattet: Sense, lange Kutte, Skelett, Totenschädel, Stundenuhren, Lebensbücher. Im Laufe der Romane wird er zunehmend anthropomorphisiert und mit modernen Phänomenen konfrontiert; vom barocken „Totentanz“ bis zur Ersetzung durch mechanisch-industriellere Kollegen (inkl. des tief in der Romantik verwurzelten Themas Mensch und Technik).



Romantische Monster in deutschsprachigen Mash-up Novels – Identifizierungen der Millennial-Generation anhand von Susanne Picards "Die Leichen des jungen Werther"

Sandra Aline Wagner

Mary Immaculate College, University of Limerick, Irland

Johann Wolfgang von Goethes "Die Leiden des jungen Werther" (1774) konnte der Monster-Mash-up-Welle, die vor einer Dekade über literarische Klassiker weltweit hinwegrollte, nicht entkommen – durch das Re-Writing des Briefromans in Susanne Picards Mash-up "Die Leichen des jungen Werther" (2011) wurde nicht nur Goethes Werk parodiert, sondern auch romantische Zombie-Komödien à la "Warm Bodies" (2010) karikiert. Der romantische Zombie ist, wie Szanter und Richards in ihrer wegweisenden Publikation "Romancing the Zombie" (2017) festhalten, eine charakteristische Trope für die Generation der Millennials, die gleichzeitig die wachsende Polyvalenz der Zombiefigur seit den 1930er Jahren reflektiert. Der Zombie ist nicht länger nur eine Metapher für unsere Ellenbogengesellschaft oder für kulturelle Invasionsängste, sondern auch für den Millennial selbst: der romantische Zombie repräsentiert das Verlangen nach Individualität sowie die von der Generation erfahrene Emotionslosigkeit, die durch die Digitalisierung des Liebeslebens und die daraus folgende Trennung von Liebe und Sexualität verursacht wird. Gleichzeitig ist die Millennial-Generation in ihrer Identitätsentwicklung durch das zunehmende Verschwimmen von sozialen Grenzen und Rollenbildern verunsichert.

Der romantische Zombie reflektiert ferner einen idealen Daseinszustand für Millennials, die unter dem Druck der Leistungsgesellschaft und der Schnelllebigkeit der zeitgenössischen Gesellschaft leiden: Der Zombie hat keine Pflichten, keine Geldsorgen, keine sozialen Beschränkungen – eben dieser Aspekt wird auch in Picards "Die Leichen des jungen Werther" thematisiert. Der Vortrag zielt darauf ab, die Unterschiede zwischen dem romantischen Zombie und dem Romero-esquen Zombie aufzuzeigen, und untersucht, inwiefern die Parodie der Zombie-Romanze in Picards Mash-up Aspekte der Identitätsfindung und Liebesvorstellungen der Millennial-Generation widerspiegelt.

 
15:30 - 17:306.3: Slot 6-C
Chair der Sitzung: Thomas Morsch, Freie Universität Berlin
C (Seminarraum III) 
 

Ontological Drifting in "On Body And Soul"

Ina Karkani

Institut für Theaterwissenschaft und Film FU Berlin, Germany

Abstract

“Ontological Drifting” is interested in discussing the use of images of transcendence and boundary crossing in the recent arthouse film On Body And Soul (Ildigo Enyedi, 2018). It would like to examine the poetics of spatial drifting and ontological shifting between dream-like, half-real and half-fictional spaces and the entailed somatic experiences of both the body onscreen and the body of the viewer.This presentation is interested in discussing the complex relationship between the physical and the imaginative environments. This should invite inquiry into the role played by affect and emotion in relation to these environments. Furthermore, it is interested in examining if ontological drifting is instrumental to tackle questions about our real world media environment which is characterised by multiple times and spatial orders at once. That is, how do the film’s poetics comment on the meaning of Being and Temporality at a specific time and within a specific culture?

Keywords: On Body And Soul, ontological drifting, transcendence, affect, emotion, media poetics



Hyperreality and Encounters with the Sublime

Ariel Leutheusser

The Graduate Center at the City University of New York, United States of America

When the possibility of enchantment by the unknown is incapacitated by immediate access to and the ever-presence of digital knowledge, we cleave to the prospect of the documented unexplainable. We require the factual, the documented, to shape our conception of what constitutes a believable narrative before we can release ourselves to the power of the uncanny. The aesthetics of the hyperreal are practiced to convince the skeptical contemporary viewer of the remaining stakes of the uncanny, and to enable brushes with the sublime.

In this paper I examine the contemporary German-Canadian conceptual artist Iris Häussler’s immersive installation art alongside the genre of found footage horror, from its emergence in 1999 in the film The Blair Witch Project, with a particular focus on the 2009 film The Fourth Kind, towards a theory of the aesthetics of the hyperreal, and the particular stakes of the hyperreal in this so-called “post-truth” era.

Found-footage horror, in its use of the aesthetic conventions of documentary, a filmmaking mode cleaving fast to fact in order to weave belief in its narrative, makes efforts to represent - or not represent - the unknown, often out-of-frame menace. The form confronts and appeals to what Kristeva terms our incredible need to believe. We believe because we want to and cannot help ourselves. We need to believe in the veracity of the images that are presented to us in order for us to give ourselves over to the pleasures and unpleasures of the unknown, in order to approach the terror of the sublime.



“Some things you see with your eyes, others you see with your heart.” - Don Bluth’s Romanticism

Julia Shirley

Universität Siegen, Deutschland

During the 1980ies Disney’s supremacy in creating feature length animated films was seriously challenged by the works of Don Bluth. Having started as an animator at Disney, Bluth quickly was unsatisfied with working at Disney and started his own animation studio. Although not every movie was an instant success, he managed to severely damage Disney’s monopoly. Bluth’s films nevertheless often stand behind Disney’s in terms of artistic detail and balance. Their power of persuasion and seduction, and this is the main thesis of my proposed talk, lies in their ability to amalgamate Romantic imagery and narrative with the fantastic possibilities of animated film. As the period of Romanticism brought forward a rise of visual culture, it also featured the emergence of proto-filmic devices like the magic lantern. So I would like to analyse the connection between Bluth’s films from the perspective of media and also in terms of closed readings of chosen examples, like the 1982 film “The Secret of NIMH” and “The Land Before Time” from 1988. Whereas “The Secret of NIMH” alludes to Gothic Horror with dark and supernatural elements and symbolism, “The Land Before Time” clearly portrays an understanding of nature as sublime, both in its aesthetic appeal and in an underlying contrast between knowledge and experience. In their fantastic storytelling, both films also display a heightened sensibility in their protagonists. The proposed talk will investigate the relation between the romantic and the fantastic in this important period of animation history, while trying to construct intermediary connections between different cultural epochs.



The Doppelgänger and the Tarantula: Phantasmagoria in Denis Villeneuve’ Film Enemy

Alia Soliman

University College London, United Kingdom

Enemy (2013), by Canadian director Denis Villeneuve, is the cinematic adaptation of Jóse Saramago’s The Double (2002). The film explores the theme of marital entrapment through a visually charged narrative that reflects on anxieties of being and particular issues pertinent to the contemporary male, including but reaching beyond white collar urban alienation and domestic claustrophobia. The adaptation focuses on the aspect of male domesticity and how a man deals with the feeling of entrapment triggered by his wife’s pregnancy and his perceived/symbolic loss of space in the marital apartment. The identity split which occurs to the protagonist is dramatised through the fantastic doppelgänger motif as well as the symbol that dominates the visual vocabulary of the film, the tarantula—inspired by Louis Bourgeois’ sculpture Maman of 1999. The spider becomes a symbol of male entrapment while in Bourgeois’ vision it was intended as a figure that nurtures and protects. This duality is at the heart of the portrayal of spiders in Enemy; a nurturing figure that is also imposing and threatening. The transmogrification of the pregnant woman into a giant spider in the final scene of the film maintains a sense of gothic horror. The doppelgänger persona in Enemy presents us with a layered exposition of alienation carried through images heavy with contrasting meaning, connecting the claustrophobia of internal and external spaces. The symbolism of the double, the tarantula, and their intersection will be explored, unraveling issues on both sides of the gender dyad. This paper will offer an updating, from a gender perspective, of the gothic trope of the doppelgänger in this cinematic construction. This paper will also show how the doppelgänger trope in contemporary renditions serves as a mirror and exposition of real and crucial concerns of contemporary society. The exploration of Enemy is framed by a proliferation of doppelgänger imagery in contemporary visual culture, as I discuss.

 
17:30 - 18:00Kaffeepause
Foyer 
18:00 - 20:00Keynote 1 - David Sandner: "Romanticism, Fantasy Literature, Politics: Resistance in the Age of Gaslighting"
Chair der Sitzung: Matthias Grotkopp, Freie Universität Berlin
Hörsaal 
20:00 - 21:30Moderne Märchenschmiede: Christina Löw und Christian Handel in Lesung und Gespräch
Chair der Sitzung: Laura Flöter, Universität Duisburg-Essen
Hörsaal 
Datum: Samstag, 21.09.2019
10:00 - 12:007.1: Slot 7-A
Chair der Sitzung: Michael Ufer, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
A (Seminarraum K31) 
 

Die romantische Liebe als Spielgegenstand im phantastischen Rollenspiel Das Schwarze Auge

Laura Flöter

Universität Duisburg-Essen, Deutschland

Die romantische Liebe als Spielgegenstand wird in der Szene um das phantastische Rollenspiel immer wieder unter verschiedenen Aspekten diskutiert. Dieser Vortrag möchte einigen Fragen nachgehen, die in diesem Zusammenhang häufig auftreten, um das Phänomen der gespielten Liebe im theoretischen Komplex der akademischen Rollenspielforschung zu verorten.

Ausgangspunkt soll zunächst die Ebene des Spiels selbst sein. Als Paradigma dieser Untersuchung gilt das größte deutsche Rollenspiel Das Schwarze Auge. Im Spektrum der Zwölfgötter, dem vorherrschenden Pantheon der Spielwelt, erfährt die Liebe als zwischenmenschliche Beziehung eine religiöse Einbettung. Sie wird begriffen einerseits durch die Gottheit Travia, der die Aspekte Herdfeuer, Treue und eheliche Liebe zugeordnet sind. Die Gottheit Rahja dagegen versieht die Aspekte des Rausches, der Freiheit und der Leidenschaft. Schon auf Ebene des Spiels also wird das Phänomen der Liebe und des Liebens in einer gedanklichen Komplexität angelegt, die dem breiten Spektrum menschlicher Empfindungs- und Ausdrucksmöglichkeiten, Beziehungsformen und Bedürfnisse und damit der Vielfalt menschlichen Erlebens insgesamt Rechnung trägt.

Die Erläuterung dieses spielweltlichen Konzepts soll die Folie einer kleinen empirischen Untersuchung darstellen, in deren Rahmen etwa fünf ausgewählte Interviews im Sinne einer Pilotstudie ausgewertet werden. Die Studienteilnehmer werden im Vorhinein hinsichtlich der Prägnanz selektiert, die das Spielmotiv der Liebesbeziehung in der zugehörigen Spielgruppe einnimmt – unabhängig davon, wie sich diese Beziehung im Einzelnen gestaltet.

Das Interview zielt in seinen Fragestellungen einerseits auf Aspekte wie Strukturen, Spieltechniken und Motive, welche die Ausgestaltung der Beziehung im Spiel kennzeichnen. Andererseits ist aber auch eine spezifische Form von Bleed von Interesse – nämlich in der Frage nach dem Einfluss der gespielten Liebesbeziehung auf die realweltliche Beziehung der beteiligten Spieler.



Unendliche Liebe im endlichen Leben. Liebestod und Todesliebe in Nina Blazons Der Winter der schwarzen Rosen (2015)

David Röhe

Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Deutschland

Wie viele Spielarten der Fantasy hat auch die Romantic Fantasy (RF) mit der Romantik eine Ausrichtung auf das Mytisch-Magische gemein. Anders als in der Romantik geht es in der Fantasy immer auch um eine ästhetische Differenzerfahrung, die einen fantastischen Umgang mit bekannter Motivik verspricht. Dies gilt auch für die potentielle Auflösung der konfliktbehaftetet Motivstruktur von Liebe und Tod.

Besonders reflektiert und innovativ lässt sich diese Aufbereitung romantischer Motivtradition in Nina Blazons Roman Der Winter der schwarzen Rose (2015) beobachten. Die Zwillingsschwestern Tajann und Liljann verlassen das väterliche Heim und während Tajann, die seit ihrer Geburt von unsichtbaren Feen begleitet wird, in eine höfische Welt aus Intrigen und politischer Gewalt gerät, verschlägt es Liljann in die Wildnis des Südens, wo sie in den Ruinen längst vergangener Kulturen ums Überleben kämpft. Tajann verliebt sich in den Prinzen der Stadt Taris und büßt für die folgende Mesalliance schließlich mit ihrem Leben, um anschließend selbst als Fee zu reinkarnieren. Liljann glaubt sich kurz verliebt in einen Mann, der sich bald als albtraumhafter Gestaltwandler entpuppt, und findet ihre wahre Liebe schließlich in Narveen, einem dämonenhaften Wesen, das einer jenseitsähnlichen Anderswelt entspringt. Beide Schwestern erfahren am Ende des Romans eine durch die Liebe verursachte Todestranszendenz, die in ihrer magisch-erotischen Amalgamierung von Diesseits und Jenseits einer romantischen Programmatik folgt.

In meinem Vortrag möchte ich aufzeigen, dass Blazon einerseits romantische Erzähltraditionen reaktiviert, indem sie einen typischen Romantikdiskurs aufgreift, diesen Ansatz andererseits mit der Programmatik der Fantasy kompiliert, in der Magie gemeinhin nicht im Modus der Ungewissheit verbleibt und Konflikte von gesellschaftlicher Flächenwirkung besprochen werden. Im Ergebnis steht ein eklektisches RF-Werk, das in seiner Diskurs- und Motivstruktur äußerst beachtenswert ist.



„Nur in der Antwort seines Du kann jedes Ich seine unendliche Einheit ganz fühlen“ oder „I give you my body that we two may be one. I give you my spirit till our life shall be done” – Die Symbiose von Mann und Frau im OUTLANDER-Universum.

Monika Weiß

Pädagogische Hochschule Heidelberg, Deutschland

Die Serie OUTLANDER (Starz, seit 2014), aber auch die Romanvorlagen von Diana Gabaldon, verbinden fantastische Erzählung(en) mit auf die Romantik rekurrierender Bildsprache in der Inszenierung von einzig wahrer Liebe als Ausdruck mystisch-religiöser Verbindung auf ewig. Ist das nun Eskapismus-Fernsehen für die emanzipierte Frau? So meint Ursula Scheer von der FAZ, denn bei der Serie handele es sich für die weiblichen Figuren ebenso wie für ihre Zuschauerinnen um eine Flucht aus den Ansprüchen der Gegenwart mit „zuckerwattesüßem Guilty-Pleasure-Feeling“. Sie sagt zur Figur Claire: „Sie definiert sich als Frau völlig über einen Mann […], aber holt sich mit kühlem Kopf das Beste aus einer anderen Welt mit Versorgungsehe und Aufstiegsmöglichkeiten.“ In der tiefergehenden Auseinandersetzung stellt sich jedoch die Frage, ob Claire als Frau überhaupt isoliert betrachtet werden kann, oder ob nicht vielmehr in der Analyse der Paarungen die gewinnbringenden Erkenntnisse liegen. So ist m.E. festzustellen, dass über den Rückgriff auf die Epoche und die Motive der Romantik im kritischen Potential der Zeitreise die Auflösung der Polarität von Mann und Frau – im Sinne von Gegensätzlichkeit und Versöhnung – vorgeführt wird.

In der sinnlichen Liebesbeziehung als Ideal der Romantik ist die Frau ebenbürtige Gefährtin des Mannes, dies aber stets „in ihrer weiblichen Eigenart“ (Lüthi 1985: 8). OUTLANDER geht den Schritt weiter: Innerhalb von Mann-Frau-Beziehungen verschwimmen die Geschlechterzuweisungen, was zur Erhebung des Paares über das Individuum führt. Mann und Frau stehen sich nicht ergänzend gegenüber, sondern lösen sich ineinander auf. Dabei bleiben sie dennoch den gesellschaftlichen Stereotypen verhaftet.

Eine Idealisierung des romantischen Ideals? Dem soll im Vortrag nachgegangen werden.



Liebe über den Tod hinaus - Gespensterliebe im queeren Film

Christina Wintersteiger

Filmakademie Wien, Österreich

In Gespensterballaden des 18. und 19. Jahrhunderts ist eine zentrale Fragestellung die nach der Liebe über den Tod hinaus. In Werken wie Gottfried Bürgers Lenore (1773) oder Joseph von Eichendorffs Die Hochzeitsnacht (1826) führen die zurückkehrenden Gespenster jedoch nichts Gutes im Schilde, sondern entführen ihre Geliebte in die Totenwelt, sei es aus Sehnsucht nach nicht ausgelebter Liebe zu Lebzeiten, aus Rache für Untreue oder gar für Blasphemie. In den Filmen JAMIE MARKS IS DEAD (Carter Smith, 2014) und CONTRACORRIENTE (Javier Fuentes-Léon, 2009), die von einer homosexuellen Liebe zwischen Mensch und Gespenst erzählen, erfährt dieses Motiv eine Umdeutung: In diesen Narrativen ist es nicht das Ziel, die geliebten Menschen in die Unterwelt zu locken, vielmehr wünschen sich die gespenstischen Protagonisten eine (möglichst „normale“) Teilhabe an der Welt der Lebenden, eine Anknüpfung an die zu Lebzeiten bestandenen Liebesbeziehungen. Brittnacher beschreibt das Motiv der Liebe über den Tod hinaus als eine Perversion, eine horrende Form der Liebe, die versklavt und ewig bindet (vgl. Hans R. Brittnacher, Ästhetik des Horrors, 1994) — Die Kontaktaufnahme zu einem Gespenst kann aber auch eine aufrührerische, aufklärerische Form annehmen, die von den Fesseln der gesellschaftlich und selbst gesteckten Normen befreien kann. Die Gespenster tauchen in den besprochenen Filmen mit einer Mission auf, sie wollen auf sich aufmerksam machen, nicht Rache üben, aber Rechenschaft von den im Leben Zurückgebliebenen fordern — in Form eines Eingeständnisses ihrer als unerlaubt erlebten Liebe.

Angelehnt an meine Masterarbeit (bei Gertrud Koch) zum Thema Queere Gespenster möchte ich mich in diesem Beitrag mit einer queeren Aktualisierung des schauerromantischen Motivs der Liebe über den Tod hinaus auseinandersetzen und dabei auf Konzepte und Fragestellungen des Gespenstischen (Trauma, Cultural Haunting, spectre, Gothic Monstrosity, u.a.) eingehen.

 
10:00 - 12:007.2: Slot 7-B
B (Seminarraum II) 
 

Wenn unmögliche Welten Wirklichkeit werden. Filmische Modi romantischer Fantastik

Chair(s): Daniel Illger (Freie Universität Berlin)

Das Panel widmet sich drei unterschiedlichen Weisen räumlicher Verfasstheit fantastischer Welten im Film. Erfahrbar werden diese Räume in spezifisch kinematographischen Modi der Romantik.

Die Vorträge unterziehen die Filme THE NEVERENDING STORY (Wolfgang Petersen, 1984), LÅT DEN RÄTTE KOMMA IN (Tomas Alfredson, 2008) sowie EL LABERINTO DEL FAUNO (Guillermo del Toro, 2006) jeweils einer eingehenden Analyse: Welchen Einfluss haben die Materialitäten von Special Effects auf die Poetik ihrer fantastischen Welt? Was geschieht mit dem Ideal romantischer Kindheit in filmisch ausgehandelten Momenten seiner Krise? Wie kann die Materialität einer fantastischen Welt als kinematographische Arabeske erfahrbar werden?

Die genaue Analyse konkreter Sequenzen zeichnet dabei sowohl die Funktionsweise verschiedener, spezifisch audiovisueller Modi romantischer Fantastik nach wie auch die engen Zusammenhänge zwischen dem Weltenbau fantastischer Wirklichkeit und den filmischen Materialitäten ihrer Inszenierungsweisen. Darin soll ausdrücklich auch ein jeweils wirkmächtiges, politisches Potenzial gegenwärtiger Fantastik sichtbar gemacht werden, das sich an die Möglichkeiten bindet, andere und unmögliche Welten in den Blicken kindlicher Protagonist*innen mit den genuinen Fähigkeiten des Films ins Bild zu setzen.

 

Beiträge des Symposiums

 

Die Poetik von "Plüsch und Plastik". Zu THE NEVERENDING STORY (Wolfgang Petersen, 1984)

Yvonne Festl
Freie Universität Berlin

Das Werk Michael Endes wird in der wissenschaftlichen Betrachtung wiederholt in eine Traditionslinie mit der Epoche der Romantik gestellt. Nicht nur „den Zeitgenossen Endes“, wie in der Ausschreibung zu dieser Tagung formuliert, „erschien [Die unendliche Geschichte] als Beginn eines Wiedererstarkens romantischer Sehnsüchte und Ideen innerhalb der Populärkultur“, bis heute setzen sich Literaturwissenschaftler mit dieser These auseinander; werden Parallelen zu Novalis und E.T.A. Hoffmann gezogen.

Doch wendet man sich den Verfilmungen von Endes Stoffen zu, oder besser gesagt der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit denselben, sucht man nicht nur vergeblich nach derartigen Beobachtungen, man findet vielmehr eine Leerstelle vor. So sind zu dem Film, THE NEVERENDING STORY (DIE UNENDLICHE GESCHICHTE, BRD/USA 1984), kaum (film-)wissenschaftliche Beiträge zu finden; und wird doch auf die Verfilmung eingegangen, so gehen diese Auseinandersetzungen selten über ein negatives Qualitätsurteil hinaus, das dem Film (und sei es implizit) unterstellt, der Poetik Endes nicht gerecht zu werden – eine Meinung, die Ende selbst vertrat, der die filmische Umsetzung seines Romans als „gigantisches Melodram aus Kitsch, Kommerz, Plüsch und Plastik“ bezeichnete.

Dabei ist die Poetik dieses anderen, dieses filmischen, Phantásiens durchaus eine eingehende Betrachtung wert. Sich von einem müßigen Eins-zu-eins-Abgleich mit der literarischen Vorlage entfernend, konzentriert sich dieser Vortrag auf die fantastischen Kulissen, die Special Effects und die fabelhaften Wesen des Films: die Animatronics, durch deren Augen Phantásien (wortwörtlich) erst sichtbar wird. Ein weiterer Analyseschwerpunkt liegt auf den kindlichen Figuren, auf Bastian, Atréju und der Kindlichen Kaiserin. Was bedeuten diese filmischen Körper in Verbindung und in der Interaktion mit den oben genannten Kategorien? „Plüsch und Plastik“ sollen in dieser Betrachtung nicht verurteilt, sondern in ihrer Poetik ernstgenommen werden.

 

Ewige Kindheit, ewiger Tod. Romantische Kindheit und vampirische Finsternis in LÅT DEN RÄTTE KOMMA IN (Tomas Alfredson, 2008)

Lars Dolkemeyer
Freie Universität Berlin

In der Romantik entwickelt sich ein Kindheitsideal, das bis heute die Vorstellungen von Kindheit prägt. Dieses Ideal gründet auf zwei Gedanken: Auf der einen Seite stehen die Überlegungen zum Naturzustand bei Jean-Jacques Rousseau, auf der anderen die Theorie der Sprachentwicklung bei Johann Gottfried Herder. Zwei Vorstellungen erwachsen daraus für den Kindheitsbegriff: Der menschliche Lebensabschnitt der Kindheit korreliert mit der Vorstellung von einer Kindheit der gesamten Menschheit, eines außerzeitlichen Naturzustands vor dem Eintreten von Gesellschaft und Geschichte. Aufgabe der Kunst ist es, durch die romantische Vorstellung universeller Poesie einen Ausdruck für diesen kindlichen, unverstellten, noch nicht von Vernunft erfassten Blick auf die Welt zu finden.

Diese gemeinsame Zeitform von Kindheit und Poesie lässt sich auch als spezifisch romantischer Modus der Fantastik beschreiben: Die Ewigkeit unmittelbarer, immer gegenwärtiger Kindheitserfahrung sowie die romantische Idee einer eigengesetzlichen Ewigkeit der Kunst verbinden sich in ihrer Fähigkeit, eigene Zeitlichkeit, eigene Wirklichkeit hervorzubringen.

Was aber geschieht mit dieser Eigengesetzlichkeit von Kindheit und romantischer Fantastik in den Momenten ihrer Krise? Wenn sich nicht die Möglichkeiten des Neuen und Anderen, die Hoffnung einer veränderbaren Welt in den Ewigkeiten der Kindheit ausdrücken, sondern die Dunkelheit ewiger Nacht? Tomas Alfredsons LÅT DEN RÄTTE KOMMA IN (SO FINSTER DIE NACHT, SWE 2008) inszeniert die Freundschaft eines zwölfjährigen Vampir-Mädchens zu einem menschlichen Jungen. Die Ewigkeit kindlicher Erfahrung stößt auf die Unendlichkeit vampirischer Finsternis. Gerade an diesem Riss aber lässt der Modus romantischer Kindheit eine spezifisch kinematographische Wirklichkeit aufscheinen, in der Mensch und Vampir, der sterbliche Junge und das untote Mädchen, zugleich zwar auf ewig getrennt, und doch unendlich vereint sind.

 

Körper auf der Schwelle. Zur Arabeske als filmischer Form in EL LABERINTO DEL FAUNO (Guillermo del Toro, 2006)

Lucia Wiedergrün
Freie Universität Berlin

Eine zentrale Figur des romantischen Denkens stellt die Arabeske dar. In ihrer ornamentalen Form verbindet sich das Eigenrecht eines jeden ihrer noch so kleinen Teile mit der Bedeutung der Gesamtform. Sie entzieht sich dabei bewusst einer konkreten Definition. In ihrer Vielgestalt ist die Arabeske zwar erfahr-, aber nur unzureichend beschreibbar. Eine Möglichkeit eben dieser Erfahrung in filmischer Form bietet EL LABERINTO DEL FAUNO (Guillermo del Toro, 2006). Über Ofelia, seine junge Protagonistin, verwebt der Film die brutale Welt des historischen Spanien unter Franco und eine nicht weniger blutige Märchenwelt miteinander, bis beide untrennbar in der arabesken Form des Films verbunden sind.

Der Vortrag widmet sich dabei der Frage, wie genau diese Gleichzeitigkeit der fantastischen und der historischen Wirklichkeit des Films inszeniert wird, welche Rolle die konkreten filmisch-materiellen Ausgestaltungen dieser Welten dabei spielen und wie Ofelias Körper als materielles Verbindungsstück zwischen diesen zwei Wirklichkeiten in Erscheinung tritt.

Ziel des Vortrags ist es, dabei herauszuarbeiten, dass erst in der Anerkennung der Gleichzeitigkeit dieser zwei Welten innerhalb des Films dessen volles politisches Potential zutage tritt, nämlich die Erfahrung einer unmöglichen Welt. Eine Erfahrung, die jeder faschistischen Ideologie fundamental widerspricht.

 
10:00 - 12:007.3: Slot 7-C
Chair der Sitzung: Jasper Stratil, Freie Universität Berlin
C (Seminarraum III) 
 

Technology Towards Transcendence: Hidden Occult Imagery in 'German Expressionism'

Colton Ochsner

University of Missouri, USA

Scholars have vigorously discussed the cinema of “German Expressionism” for decades only to concede that, alas, the genre never existed in reality. Rather, what had become called German Expressionist cinema during the latter half of the twentieth century had been actually a thread of movies aestheticized by a common core of directors, screenwriters, set designers, and actors during the Weimar Republic between 1918 and 1933. At the center of their aesthetic flare was Romanticism, a dark, mysterious portrayal of subjective human experience typically involving estrangement, psychosis, and occult powers.

As this paper argues, the fictional settings such as those in Fritz Lang’s Metropolis (1927), F.W. Murnau’s Nosferatu (1922), and Paul Wegener’s Der Golem (1920) produced mise-en-scènes, scenarios, and character types whose aesthetic similarities may be traced back to teachings on astrology, the Tarot, and cabalism prevalent in early twentieth-century Europe and its esoteric schools. While numerous scholars have acknowledged that filmmakers behind expressionistic movies took their inspiration from the occult, none have questioned the extent to which they turned to its arcane hermeneutics. This paper examines how the twelve houses of zodiacal astrology, the seventy-eight cards of the major and minor arcana, and the ten sephiroth of the cabbala find repeated ideographical and diagrammatical representation which can be systematically charted in the movies of German Expressionism and which further suggests their creators' deep involvement in occultism. By juxtaposing occult ideography with filmic culture, it asserts that occultism played a vital, even secretive role in a cinematic movement that has hitherto gone unrecognized in scholarship on German film and culture. By pulling from the rich tradition of fin-de-siècle occultism, expressionistic filmmakers maintained deep ties with the Romantic.



Hoffmann, Meyrink, and the Fantastic Counter-Enlightenment

Mariana Rios Maldonado

University of Glasgow, United Kingdom

The Enlightenment Project, along with the great scientific discoveries of the 17th and 18th centuries, helped convey the notion that through the exercise of reason, mankind was bound to fully understand the universe's composition and his purpose within it. However, as certain sectors have pushed towards the image of an ultimately finite world of concrete truths, thinkers and artists of the Romantic period and beyond have recognized both the limitations and the extreme consequences of this problematic line of thought: the belief in definite, inexpugnable answers; intolerance towards difference, a cold denial of originality, and the eventual abuse of science towards the indiscriminate exploitation of nature and man. This paper will discuss how E.T.A. Hoffmann’s literary production – “Der Sandmann”, “Die Automate” and "Die Elixiere des Teufels" – and Gustav Meyrink’s "Der Golem" exhibit the enduring potential of the fantastic Counter-Enlightenment, from romanticism to the 20th century, to criticize and even satirize the negative outcomes of the Enlightenment Project, while dispelling the Counter-Enlightenment’s reputation as reactionary and retrograde. By consciously contrasting science, technology, and bourgeois every-day life with legends, occult practices, paranormal occurrences, and the universe’s enigmatic forces, the fantastic in Hoffmann's and Meyrink's fiction rises to dismantle the idea of a perfectly exhaustible world. On the contrary, this literary mode seeks to reimagine man’s identity and position within a world of infinite possibilities by proposing an all-encompassing, ever-expanding Weltanschauung where reason need not disassociate from other forms of knowledge. The theoretical framework of this paper is constituted by Isaiah Berlin’s and Graeme Garrard’s scholarship on the Counter-Enlightenment, and the concept of the fantastic as a Counter-Enlightenment mode developed by Corry Cropper and Graham Harman.



Scientific Discourse and Emergence of Romantic Spirits

Piotr Urbanowicz

Jagiellonian University, Poland

In my presentation I would like to trace back an idea of spirits in modern science that had considerable effects upon Polish Romantic movement in the nineteenth century. My first aim is to present an archeology of the emergence of spiritualism in the nineteenth century. To do this, I will draw trajectory of substantial scientific model of angelic ether by Isaac Newton. As Simon Schaffer claimed, Newton envisaged universal forces as divine, invisible actors. I will recount subsequent contamination of this ethereal model with discourse of electricity, newly invented in eighteenth century. Leaving aside British vitalism controversies, with Mary Shelley’s Frankenstein at the head, I would like to focus on Polish-French context of circulating of electricity. My second aim is to prove that the scientific discourse laid the cornerstone for mystical atmosphere embodied in polish ideas of “national philosophy” after 1831, that is after losing the November Uprising. Building upon French mysticism, for example workings of Louis Claude de Saint-Martin, such figures as Adam Mickiewicz acknowledged model of electric fluid primal role in describing interconnection between ghosts and humans. I claim that idea of spiritual reality that constitutes invisible, axiological performance of spirits was simply generated by image of electricity. Thus, I would like to stress that ghosts were direct expansion of metaphysical presuppositions in scientific claims and its technological deployments.

 
12:00 - 12:30Kaffeepause
Foyer 
12:30 - 14:15Keynote 2 - Dame Marina Warner: "Fata Morgana: Fairy Visions of the Mediterranean"
Chair der Sitzung: Eileen Rositzka, Freie Universität Berlin
Hörsaal 
14:15 - 14:30Verabschiedung
Hörsaal