Veranstaltungsprogramm

Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Tagung.
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Sitzungsübersicht
Sitzung
4.1: Slot 4-A
Zeit:
Freitag, 20.09.2019:
10:00 - 12:00

Chair der Sitzung: Katharina Störrle, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
Ort: A (Seminarraum K31)
Institut für Theaterwissenschaft, Grunewaldstr. 35, 12165 Berlin

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Präsentationen

Ambige Märchenkörper in der romantischen Illustration

Diego Alegría

Ruhr-Universität Bochum, Deutschland

Die Entstehung des modernen Märchenbegriffes ist stark intermedial bedingt: Er entsteht im romantischen Märchenbuch, durch den Prozess einer Verschriftlichung und steht in Bezug zur Illustration. Im Märchen wird dabei ein Moment der Freiheit und Unschuld gesucht. In den Texten lassen sich mehrfach Verwandlungen finden, welche Körper und soziale Rollen hinterfragen und subvertieren. Die Suche nach der Treue an den einfachen, abstrakten Stil des Volksmärchens steht aber gegenüber einer barocken Ästhetisierung des Kunstmärchens.

Die Illustrationen von Otto Runge und Clemens Brentano arbeiten nicht mit unstabilen, sondern mit mehrdeutigen Körpern. Die häufigen Kinderfiguren sind nicht nur als Nostalgie zur Unschuld zu erkennen, sie sind auch kaum erkennbare geschlechtliche Marker und können somit als plurivalente, indeterminierte Körper gelten. Darüberhinaus lassen sich in der Multiplikation der Arabesken und dem Hermetismus der Symbole doch gerade die Suggestion einer unvollendeten, schillernden Form erkennen, die nie sich selbst gleicht. Körper werden ihrer Anderheit gegenübergestellt und somit in ihrer Identität destabilisiert.

Durch intermedialen Bezug zu den Zeichnungen Callots entwickelt E.T.A. Hoffmann eine barocke und groteske Ästhetik, die sich in seinen Kunstmärchen und den eigenen Zeichnungen dazu spiegelt. Der instabile und außergewöhnliche Körper, der der Handlungsebene des Volksmärchens entstammt, ist ebenfalls eine wichtige die Quelle, die aber eine kontrastierende Form auf der Ausdrucksebene findet.



Der zurückblickende Abgrund: Beseelte Porträts in Oscar Wildes „Dorian Gray“ und Nikolaj Gogols „Das Porträt“

Eleonora Bögl

Universität Wien, Österreich

Mehr als jede andere Kunstwerkform wird das Porträt in der Literatur mit dem Bildzauber verbunden. Die Anziehungskraft des Porträts stammt möglicherweise von der Ansicht, dass die Seele eines Menschen in seinem Bild wohnen kann. Diese Auffassung ist nicht auf die Romantik allein limitiert, jedoch finden sich besonders in dieser Epoche einige intensive Auseinandersetzungen mit der totemistischen Verbindung von Künstler, Porträt und Modell. Oftmals werden dabei fantastische Mittel eingesetzt, um die menschliche Abbildung als Freilegung seelischer Abgründe zu analysieren. Zu diesen fantastischen Mitteln zählen Porträts, die so eng mit der Seele eines Menschen verbunden sind, dass sie selbst eine Art Leben entwickeln, aber auch das außerkörperliche Weiterleben einer Seele sicherstellen können. Diese Überwindung des Todes stellt einen menschlichen Eingriff in gottgewollte Ordnung dar, der seinen Preis hat. Hierfür finden sich zwei sehr einflussreiche Beispiele aus der Romantik in Oscar Wildes Roman „The Picture of Dorian Gray“ und Nikolaj Gogols „Das Porträt“. Beide Werke erschienen in derselben Epoche und nur wenige Jahre nacheinander, was einen Vergleich des von ihnen verwendeten Motivs sinnvoll erscheinen lässt. Dabei wird auch auf die Bedeutung dieser verwendeten Elemente für die moderne Aufgreifung des beseelten Porträts eingegangen.

Durch literaturwissenschaftliche Analyse vor dem soziokulturellen und religiösen Hintergrund der Romantik werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Verwendung des literarischen Motivs in beiden Werken herausgearbeitet. Dabei wird, mit Verweisen auf die christlichen Lehren über Seele und Teufel, unter anderem auf die gängigen wissenschaftlichen Werke zu Totemismus und Bildzauber, sowie die Bildtheorie nach Mitchell zurückgegriffen.



Erhabenheit, Wunder, Sehnsucht - Zur Verwurzelung der visuellen Fantastik in der romantischen Bildkunst

Dominic Riemenschneider

Johannes Gutenberg-Universität Mainz/Freiberufler

Die Kunst und Architektur des ausgehenden 18., aber vor allem des langen 19. Jahrhunderts, brachten in einer Mischung aus rezipierenden, klassizistischen und neuen Bildinhalten und Kompositionen das Erhabene, Wunderbare außerhalb des religiösen Kontextes einer breiten Öffentlichkeit nahe.

Eng verzahnt mit anderen künstlerischen Gattungen, insbesondere der Literatur, zeigen die Kunstwerke der Romantik und des Historismus Motive, Themen und „historische“ Ereignisse in einer häufig idealisierten Bildsprache. Aber auch neue Schöpfungen, die besonderen Wert auf Atmosphäre, Dramatik oder Realismus legten, wurden in Gemälden, Illustrationen & Stichen, Skulpturen und Bauwerken umgesetzt. Auch die Architekturvision, welche bis heute einen gewaltigen Einfluss auf die visuelle Fantastik hat, kann in einer breiten Definition von Romantik und Historismus verortet werden.

Ausgehend von einflussreichen Bildbeispielen, wie den Illustrationen von Gustave Doré oder John Martin für Märchen, Klassiker oder die Bibel, den präraffaelitischen Gemälden oder den monumentalen Architekturvisionen von Étienne-Louis Boullée, soll deren Rezeption und Wirkung auf die visuelle Fantastik beleuchtet werden. So kann beispielsweise belegt werden, dass bei den ersten Disney-Zeichentrickfilmen Doré-Stiche von den beteiligten KünstlerInnen als Vorlage genutzt wurden.

Auch die romantisierende Architektur, wie sie sich unter anderem im in der Fantastik stark rezipierten Schloss Neuschwanstein ausdrückt, soll mit einbezogen werden. Denn realisierte wie entworfene Architekturen der Romantik und des Historismus prägen bis heute Film & TV, Videospiele, Comics und Rollenspiele.

Anhand prägnanter Beispiele aus der Kunst wie bekannten Werken der Fantastik (Disney, Star Wars) wird der Vortrag zunächst die Verknüpfungen und Rezeptionswege aufzeigen. Darauf aufbauend soll die Übertragung romantischer Intensionen in die moderne Bildwelt der Fantastik in Form von Fantasy und Science Fiction diskutiert werden.



Wo gehen wir denn hin? Immer nach Hause. Eine Rückkehr zu Ursula K. Le Guins „Always Coming Home“

Peter Seyferth

Gesellschaftswissenschaftliches Institut München für Zukunftsfragen, Deutschland

Nach einem Novalis-Zitat benannte Ursula K. Le Guin ihre zweite Utopie, „Always Coming Home“ (1985), die ansonsten allerdings nicht sonderlich romantisch ist. Es war ihr Versuch, aus der klassischen, rationalen, männlichen Utopietradition auszubrechen. Seit zehn Jahren war sie für ihre bahnbrechende kritische Utopie „The Dispossessed“ (1974) gelobt worden, doch Le Guin hatte noch höhere Ansprüche an und noch radikalere Ideen für literarische Utopien. Formal ist ihre zweite Utopie am kulturanthropologischen Standardwerk über die nordkalifornischen Indianer orientiert, das ihr Vater (Alfred L. Kroeber) 1925 herausgegeben hatte, und gleicht daher halb einem Handbuch, halb einer multimedialen ethnographischen Stoffsammlung. Räumlich orientiert sich „Always Coming Home“ am Familiensitz Kishamish im Napa Valley. Inhaltlich geht es um die Kesh (von Kishamish: die Weinleute), die in ferner Zukunft in einer postapokalyptischen indigenen Gesellschaft leben, die Strukturen und Ordnung kennt, aber keine Hierarchien. Etwa ein Fünftel des umfangreichen Buches ist eine romanhafte Erzählung; der Rest besteht aus Mythen, Protokollen, Beobachtungen, Gedichten und anderen Texten (sowie Bildern, Karten und Musik).

Kurz vor ihrem Tod (Januar 2018) ergänzte Le Guin ihr utopisches Hauptwerk um weitere narrative Elemente, sodass die neue Version von „Always Coming Home“ nun eine zweite romanähnliche Erzählung enthält. In dieser neuen Form ist die Utopie im vierten Le Guin-Band der Library of America erschienen. Im Vortrag werde ich die Veränderungen zwischen der Erstausgabe und der Ausgabe letzter Hand nachvollziehen und generell die Rolle des Werkes herausarbeiten, die „Always Coming Home“ für den utopischen Diskurs hat.



 
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