Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
6.1: Slot 6-A
Zeit:
Freitag, 20.09.2019:
15:30 - 17:30

Chair der Sitzung: Björn Hochschild, Freie Universität Berlin
Ort: A (Seminarraum K31)
Institut für Theaterwissenschaft, Grunewaldstr. 35, 12165 Berlin

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Präsentationen

Der Zombie im Zeichen der Säkularisierung

Daniel Hercenberger

Landesmuseum Hannover, Deutschland

Ziel des Vortrags ist es Differenzen und Affinitäten des literarischen Byronismus sowie der Schwarzromantik gegenüber postapokalyptischen Szenarien im Zombiefilm anhand der Serie The Walking Dead gegenüberzustellen.

In Zombie-Narrationen dominiert der Schrecken in einer Welt der Deprivation und Isolation zu leben, in der die eigentlich vertraute Umgebung lebensgefährlich wird und die ehemals humanoide Bevölkerung nun entstellte Schreckensgestalten sind, dessen Prämisse es ist, die Überlebenden brutal zu ermorden und kannibalistisch einzuverleiben. Es ist die Furcht vor dem Zerfall der urbanisierten Gesellschaft mit ihren Wertmaßstäben, Normen und Gesetzen, dem Untergang der Zivilisation und dem wohlgeordneten menschlichen Zusammenwirken, hin zu einer tristen Tonalität des schalen Alltags in einem dystopisch-postapokalyptischen Szenario mit suizidaler Stimmung und verwüsteten, menschenleeren Territorien, die in Analogie zum literarischen Byronismus Einsamkeit und Melancholie induzieren.

Zum einen müssen die Protagonisten der Zombie-spezifischen Narration den tabuisierten Tod als irreversibles Geschehen akzeptieren, was zu einem pessimistischen Leben in einer vermeintlich nihilistischen Welt ohne Hoffnung und ausweglose Situationen in einem stetigen Martyrium in weitgefasster Anlehnung an den Byronismus determiniert. Schon in dieser nach dem englischen Dichter Lord George Gordon Byron (1788-1824) benannten pessimistischen Lebens- und Stilhaltung innerhalb der europäischen Romantik zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Weltschmerz auf Basis der Enttäuschung, dass sich die romantische Gefühlskultur als nicht tragfähig erwiesen hat, charakteristisch. Analoge Sujets, die sich auch im The Walking Dead-Universum wiederfinden, sind die Unsicherheit hinsichtlich bestehender Ordnungen, die Skepsis gegenüber Wert- und Sinnfragen sowie Resignation, Trauer und Melancholie.



Roboter, Halbgott, Doppelgänger – Romantische Motive in Saturn 3 (1980)

Matthias Hurst

Bard College Berlin, Deutschland

Moderne Geschichten über Roboter, Androiden und Künstliche Intelligenz und die implizierte Idee der Erschaffung eines menschlichen Ebenbilds speisen sich aus vielfältigen Quellen und kulturhistorischen Diskursen. Dazu zählen mythologische Schöpfungsgeschichten, Allegorien der erotischen Kraft der mimetischen Kunst (Pygmalion), Legenden und Sagen (Golem) und einflussreiche Texte der Fantastik wie Shelleys "Frankenstein" (1818); ebenso wichtig als Bezugsrahmen der Gestaltungen der Roboterthematik sind die materialistische Philosophie der Aufklärung (La Mettrie), die Fortschritte im Bereich der Technologie, Robotik und Kybernetik seit den ersten Automaten im 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart und nicht zuletzt auch Themen und Motive der Romantik und Schauerromantik.

Als Reaktion auf die rationalistischen Zumutungen der Aufklärung schufen die Autoren der Romantik traumhafte und alptraumhafte Gegenwelten, die die Zwänge und Verunsicherungen der Moderne auf zuweilen verstörende Weise reflektieren. Wichtiges Element der romantischen Gesellschaftskritik ist das Sujet der Zivilisations- und Wirklichkeitsflucht (z.B. Tiecks Waldeinsamkeit), zentrale Motive der Erforschung des Selbst und Ausdruck der problematischen Subjektivität und Entfremdung in der Moderne sind der Doppelgänger und der künstliche Mensch, exemplarisch gestaltet in Hoffmanns "Der Sandmann" (1816).

Um die produktive Konvergenz der genannten Diskurse deutlich zu machen, soll der Science Fiction-Film "Saturn 3" (1980, Regie: Stanley Donen, Drehbuch: Martin Amis) beleuchtet werden. Der Film, in dem ein Roboter auf einer entfernten und isolierten Raumstation unheimlicher Teil einer Dreiecksbeziehung wird und schließlich Angst und Schrecken verbreitet, verknüpft in tiefenpsychologischer Lesart zeitgenössische Tendenzen von Zukunftspessimismus und Technologiekritik einerseits und die Darstellung erotischer Sehnsüchte und Verlustängste andererseits mit Echos und Aktualisierungen romantischer Motive.



Libertäre im Weltall. Die Zukunftsvision des Kurzfilms «Libra»

Simon Spiegel

Universität Zürich/Universität Bayreuth, Schweiz

Der 1978 enstandene Kurzfilm «Libra» ist heute praktisch unbekannt. Dabei handelt es sich bei Patty Newmans Film um ein äußerst aufschlussreiches Zeitdokument. Der knapp 40-minütige «Film» zeigt die Welt im Jahre 2003 – auf der einen Seite die Erde, die unter der Führung einer Weltregierung im Chaos versinkt, auf der anderen die Raumstation Libra, die ohne Regierung auskommt, in der einzig das Gesetz des Marktes herrscht.

«Libra» wurde von einem Thinktank namens World Research, Inc. produziert und stellt eine ungewohnt Mischung aus Spiel- und Dokumentarfilm dar. Der Rahmen und das Setting sind zwar eindeutig fiktional, die Raumstation, deren Funktionsweise ausführlich erklärt wird, ist aber offensichtlich nicht als reine Phantasterei gedacht, sondern als Vorschlag, dessen Prinzip zumindest ernst genommen werden soll.

In meinen Vortrag werde ich einerseits darauf eingehen, in welchem Umfeld «Libra» entstanden ist, andererseits werde ich den Film im Kontext der utopischen Tradition diskutieren.



Monströsität in Frankenstein und A Game of Thrones als Symbol der problematischen Beziehung von Mensch und Natur

Anja Stürzer

Freie Autorin, Deutschland

Frankensteins Kreatur und die "White Walkers" aus Game of Thrones haben einiges gemeinsam: Es sind aus Leichen geschaffene Geschöpfe, die mit einer lebensfeindlichen Umgebung aus Eis und Schnee assoziiert sind, in der sie, anders als ihre menschlichen Antagonisten, mühelos überleben können. Als Monster repräsentieren sie die unbeseelte, bedrohliche Natur, die die Augen öffnet und den Menschen mit kaltem Blick ansieht. Wie der Tod sind diese lebenden Toten nicht der menschlichen Moral unterworfen; sie suchen die Menschen und sie nehmen sich das Recht, ihnen das Leben zu nehmen. In meinem Beitrag möchte ich die Kreatur und die White Walker im Hinblick auf ihre Assoziation mit der Natur vergleichen und sie als Symbol der problematischen Beziehung des Menschen zur Natur interpretieren.



 
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