Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
7.1: Slot 7-A
Zeit:
Samstag, 21.09.2019:
10:00 - 12:00

Chair der Sitzung: Michael Ufer, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
Ort: A (Seminarraum K31)
Institut für Theaterwissenschaft, Grunewaldstr. 35, 12165 Berlin

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Präsentationen

Die romantische Liebe als Spielgegenstand im phantastischen Rollenspiel Das Schwarze Auge

Laura Flöter

Universität Duisburg-Essen, Deutschland

Die romantische Liebe als Spielgegenstand wird in der Szene um das phantastische Rollenspiel immer wieder unter verschiedenen Aspekten diskutiert. Dieser Vortrag möchte einigen Fragen nachgehen, die in diesem Zusammenhang häufig auftreten, um das Phänomen der gespielten Liebe im theoretischen Komplex der akademischen Rollenspielforschung zu verorten.

Ausgangspunkt soll zunächst die Ebene des Spiels selbst sein. Als Paradigma dieser Untersuchung gilt das größte deutsche Rollenspiel Das Schwarze Auge. Im Spektrum der Zwölfgötter, dem vorherrschenden Pantheon der Spielwelt, erfährt die Liebe als zwischenmenschliche Beziehung eine religiöse Einbettung. Sie wird begriffen einerseits durch die Gottheit Travia, der die Aspekte Herdfeuer, Treue und eheliche Liebe zugeordnet sind. Die Gottheit Rahja dagegen versieht die Aspekte des Rausches, der Freiheit und der Leidenschaft. Schon auf Ebene des Spiels also wird das Phänomen der Liebe und des Liebens in einer gedanklichen Komplexität angelegt, die dem breiten Spektrum menschlicher Empfindungs- und Ausdrucksmöglichkeiten, Beziehungsformen und Bedürfnisse und damit der Vielfalt menschlichen Erlebens insgesamt Rechnung trägt.

Die Erläuterung dieses spielweltlichen Konzepts soll die Folie einer kleinen empirischen Untersuchung darstellen, in deren Rahmen etwa fünf ausgewählte Interviews im Sinne einer Pilotstudie ausgewertet werden. Die Studienteilnehmer werden im Vorhinein hinsichtlich der Prägnanz selektiert, die das Spielmotiv der Liebesbeziehung in der zugehörigen Spielgruppe einnimmt – unabhängig davon, wie sich diese Beziehung im Einzelnen gestaltet.

Das Interview zielt in seinen Fragestellungen einerseits auf Aspekte wie Strukturen, Spieltechniken und Motive, welche die Ausgestaltung der Beziehung im Spiel kennzeichnen. Andererseits ist aber auch eine spezifische Form von Bleed von Interesse – nämlich in der Frage nach dem Einfluss der gespielten Liebesbeziehung auf die realweltliche Beziehung der beteiligten Spieler.



Unendliche Liebe im endlichen Leben. Liebestod und Todesliebe in Nina Blazons Der Winter der schwarzen Rosen (2015)

David Röhe

Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Deutschland

Wie viele Spielarten der Fantasy hat auch die Romantic Fantasy (RF) mit der Romantik eine Ausrichtung auf das Mytisch-Magische gemein. Anders als in der Romantik geht es in der Fantasy immer auch um eine ästhetische Differenzerfahrung, die einen fantastischen Umgang mit bekannter Motivik verspricht. Dies gilt auch für die potentielle Auflösung der konfliktbehaftetet Motivstruktur von Liebe und Tod.

Besonders reflektiert und innovativ lässt sich diese Aufbereitung romantischer Motivtradition in Nina Blazons Roman Der Winter der schwarzen Rose (2015) beobachten. Die Zwillingsschwestern Tajann und Liljann verlassen das väterliche Heim und während Tajann, die seit ihrer Geburt von unsichtbaren Feen begleitet wird, in eine höfische Welt aus Intrigen und politischer Gewalt gerät, verschlägt es Liljann in die Wildnis des Südens, wo sie in den Ruinen längst vergangener Kulturen ums Überleben kämpft. Tajann verliebt sich in den Prinzen der Stadt Taris und büßt für die folgende Mesalliance schließlich mit ihrem Leben, um anschließend selbst als Fee zu reinkarnieren. Liljann glaubt sich kurz verliebt in einen Mann, der sich bald als albtraumhafter Gestaltwandler entpuppt, und findet ihre wahre Liebe schließlich in Narveen, einem dämonenhaften Wesen, das einer jenseitsähnlichen Anderswelt entspringt. Beide Schwestern erfahren am Ende des Romans eine durch die Liebe verursachte Todestranszendenz, die in ihrer magisch-erotischen Amalgamierung von Diesseits und Jenseits einer romantischen Programmatik folgt.

In meinem Vortrag möchte ich aufzeigen, dass Blazon einerseits romantische Erzähltraditionen reaktiviert, indem sie einen typischen Romantikdiskurs aufgreift, diesen Ansatz andererseits mit der Programmatik der Fantasy kompiliert, in der Magie gemeinhin nicht im Modus der Ungewissheit verbleibt und Konflikte von gesellschaftlicher Flächenwirkung besprochen werden. Im Ergebnis steht ein eklektisches RF-Werk, das in seiner Diskurs- und Motivstruktur äußerst beachtenswert ist.



„Nur in der Antwort seines Du kann jedes Ich seine unendliche Einheit ganz fühlen“ oder „I give you my body that we two may be one. I give you my spirit till our life shall be done” – Die Symbiose von Mann und Frau im OUTLANDER-Universum.

Monika Weiß

Pädagogische Hochschule Heidelberg, Deutschland

Die Serie OUTLANDER (Starz, seit 2014), aber auch die Romanvorlagen von Diana Gabaldon, verbinden fantastische Erzählung(en) mit auf die Romantik rekurrierender Bildsprache in der Inszenierung von einzig wahrer Liebe als Ausdruck mystisch-religiöser Verbindung auf ewig. Ist das nun Eskapismus-Fernsehen für die emanzipierte Frau? So meint Ursula Scheer von der FAZ, denn bei der Serie handele es sich für die weiblichen Figuren ebenso wie für ihre Zuschauerinnen um eine Flucht aus den Ansprüchen der Gegenwart mit „zuckerwattesüßem Guilty-Pleasure-Feeling“. Sie sagt zur Figur Claire: „Sie definiert sich als Frau völlig über einen Mann […], aber holt sich mit kühlem Kopf das Beste aus einer anderen Welt mit Versorgungsehe und Aufstiegsmöglichkeiten.“ In der tiefergehenden Auseinandersetzung stellt sich jedoch die Frage, ob Claire als Frau überhaupt isoliert betrachtet werden kann, oder ob nicht vielmehr in der Analyse der Paarungen die gewinnbringenden Erkenntnisse liegen. So ist m.E. festzustellen, dass über den Rückgriff auf die Epoche und die Motive der Romantik im kritischen Potential der Zeitreise die Auflösung der Polarität von Mann und Frau – im Sinne von Gegensätzlichkeit und Versöhnung – vorgeführt wird.

In der sinnlichen Liebesbeziehung als Ideal der Romantik ist die Frau ebenbürtige Gefährtin des Mannes, dies aber stets „in ihrer weiblichen Eigenart“ (Lüthi 1985: 8). OUTLANDER geht den Schritt weiter: Innerhalb von Mann-Frau-Beziehungen verschwimmen die Geschlechterzuweisungen, was zur Erhebung des Paares über das Individuum führt. Mann und Frau stehen sich nicht ergänzend gegenüber, sondern lösen sich ineinander auf. Dabei bleiben sie dennoch den gesellschaftlichen Stereotypen verhaftet.

Eine Idealisierung des romantischen Ideals? Dem soll im Vortrag nachgegangen werden.



Liebe über den Tod hinaus - Gespensterliebe im queeren Film

Christina Wintersteiger

Filmakademie Wien, Österreich

In Gespensterballaden des 18. und 19. Jahrhunderts ist eine zentrale Fragestellung die nach der Liebe über den Tod hinaus. In Werken wie Gottfried Bürgers Lenore (1773) oder Joseph von Eichendorffs Die Hochzeitsnacht (1826) führen die zurückkehrenden Gespenster jedoch nichts Gutes im Schilde, sondern entführen ihre Geliebte in die Totenwelt, sei es aus Sehnsucht nach nicht ausgelebter Liebe zu Lebzeiten, aus Rache für Untreue oder gar für Blasphemie. In den Filmen JAMIE MARKS IS DEAD (Carter Smith, 2014) und CONTRACORRIENTE (Javier Fuentes-Léon, 2009), die von einer homosexuellen Liebe zwischen Mensch und Gespenst erzählen, erfährt dieses Motiv eine Umdeutung: In diesen Narrativen ist es nicht das Ziel, die geliebten Menschen in die Unterwelt zu locken, vielmehr wünschen sich die gespenstischen Protagonisten eine (möglichst „normale“) Teilhabe an der Welt der Lebenden, eine Anknüpfung an die zu Lebzeiten bestandenen Liebesbeziehungen. Brittnacher beschreibt das Motiv der Liebe über den Tod hinaus als eine Perversion, eine horrende Form der Liebe, die versklavt und ewig bindet (vgl. Hans R. Brittnacher, Ästhetik des Horrors, 1994) — Die Kontaktaufnahme zu einem Gespenst kann aber auch eine aufrührerische, aufklärerische Form annehmen, die von den Fesseln der gesellschaftlich und selbst gesteckten Normen befreien kann. Die Gespenster tauchen in den besprochenen Filmen mit einer Mission auf, sie wollen auf sich aufmerksam machen, nicht Rache üben, aber Rechenschaft von den im Leben Zurückgebliebenen fordern — in Form eines Eingeständnisses ihrer als unerlaubt erlebten Liebe.

Angelehnt an meine Masterarbeit (bei Gertrud Koch) zum Thema Queere Gespenster möchte ich mich in diesem Beitrag mit einer queeren Aktualisierung des schauerromantischen Motivs der Liebe über den Tod hinaus auseinandersetzen und dabei auf Konzepte und Fragestellungen des Gespenstischen (Trauma, Cultural Haunting, spectre, Gothic Monstrosity, u.a.) eingehen.



 
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