Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
1.2: Slot 1-B
Zeit:
Donnerstag, 19.09.2019:
10:00 - 12:00

Chair der Sitzung: Zoé Iris Schlepfer, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
Ort: B (Seminarraum II)
Institut für Theaterwissenschaft, Grunewaldstr. 35, 12165 Berlin

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Präsentationen

Das Motiv der magischen Ehe im romantischen Kunstmaerchen: Konstellationen und Deutungsmoeglichkeiten

Boris Maximov

Moskauer Staatliche Lomonossow-Universitaet, Fakultaet fuer Journalistik, Russland

Im Mittelpunkt meines Vortrages soll die sogenannte magische Ehe stehen, ein gaengiges Motiv in den (Novellen)maerchen der Romantik. Es handelt sich dabei um eine Verbindung des jungen Protagonisten mit einer maechtigen Zauberin, die ihn aus dem vertrauten sozialen Milleau herausreisst, ihm meistens uebermenschliche Faehigkeiten verleiht und seine physische wie psychische Existenz auf Probe stellt. Diese Konstellation kommt in zahlreichen Texten der europaeischen Romantik vor - beispielhaft dafuer sind Tiecks Der Runenberg, Hoffmanns Das oede Haus, Eichendorffs Das Marmorbild, Gogols Die Mainacht und Der Wij, Puschkins Pique Dame, La Vénus d'Ille von Mérimée, Andersens Die Schneekoenigin, die Reihe laesst sich leicht fortsetzen. Von “Zauberin” (und von Phantastik schlechthin) darf man deshalb reden, weil das Wesen der (Ehe)partnerin ueber- oder unmenschliche Zuege aufweist: sie ist ein Mannweib, sie gehoert der Vergangenheit an (sei es die graue Urzeit oder das historische Altertum) und ist eigentlich halbtot, sie ist riesig (ueberdimensional), sie uebt eine magnetische Wirkung auf Menschen, sie ist eins mit verschiedenen Naturelementen. Mein Anliegen ist es, die Ambivalenz und den funktionalen Wert dieser Figur herauszuarbeiten. Auf den ersten Blick erscheint sie schaurig und boeswillig, im Endergebnis fungiert sie aber, m.E., als Prueferin, die dem Protagonisten zur (beruflichen) Reifung und zur Eheschliessung verhelfen sollte, selbst wenn sie ihn anscheinend zu verfuehren versucht. Dabei schuert sie die Sinnlichkeit des Protagonisten (bzw. seinen Ehrgeiz). Er laeuft Gefahr, von der maechtigen Prueferin aufgesogen und in ihrem Schoss aufgeloest zu werden. Sein Schicksal haengt groesstenteils von seinen eigenen Entscheidungen ab. Mich wuerde besonders interessieren, wo die Grenze zwischen einem glimpflichen Ausgang und einem Alptraum verlaeuft und – welche (sozialgeschichtlichen, ja biologischen) Entwicklungen die magische Ehe thematisieren soll.



Clemens Brentanos „Ländchen Vadutz“

Celina Müller-Probst

Freies Deutsches Hochstift, Deutschland

Clemens Brentano (1778-1842) ist, obwohl literaturgeschichtlich immer als zentrale Person der sogenannten Heidelberger oder Hochromantik genannt, weder der bekannteste noch ein vielgelesener romantischer Schriftsteller. Wenn sich seine Schöpfungen im kulturellen Bewusstsein etablierten, dann ohne die Verknüpfung zu ihrem Urheber. So denken die meisten Menschen bei der Erwähnung der Loreley, wenn überhaupt an Literatur, dann an Heine und nicht an Brentano, den Erfinder dieser sich als Volkssage tarnenden Kunstfigur.

Im Gegensatz zu den Frühromantikern Novalis und Friedrich Schlegel gibt es von Brentano kein publiziertes literaturtheoretisches Manifest. Seine Ansichten formulierte er überwiegend in Briefen, die erst posthum veröffentlicht wurden, oder stark durch Bildsprache verschlüsselt in seinen Werken selbst. Was sich in seinen Schriften vom Früh- bis zum Spätwerk immer wieder findet, ist die Vorstellung von einem Land der Phantasie, das nach Wolfgang Frühwald mit dem „verlorenen Paradies“ identisch ist. Ein Name, den Brentano für dieses Land verwendet, ist „Vadutz“. Er beschreibt es im Kunstmärchen „Gockel, Hinkel und Gackeleia“ als Traumland seiner Kindheit. Doch wie sieht dieses Traumland Brentanos, als dessen „privatisirenden Besitzer“ er sich sah, aus? Welchen Veränderungen war das Phantasiereich im Laufe von Brentanos Schaffen unterworfen? Was geschieht, wenn das „Land aller Schätze, Geheimnisse und Kleinodien“ mit der wenig phantastischen Lebensrealität in Konflikt gerät? Diesen Fragen und den Parallelen von „Vadutz“ und romantischer Weltanschauung will sich der Vortrag widmen und zeigen, dass es sich bei ihm um ein archetypisches Phantasieland handelt, das sich von späteren literarischen Phantasieländern gar nicht so sehr unterscheidet.



Vom ‚öden Haus‘ zum Großstadtmythos London? Zum Verhältnis der Urban Fantasy zur Raumsemantik der Romantik

Anja Schonlau

Universität Göttingen, Deutschland

In der Urban Fantasy bestimmt die moderne Großstadt Grenzen und Exaltationen des phantastischen Geschehens, so aktuell im fiktiven London, Chicago, New York oder Berlin. Als Ursprung des modernen Großstadtromans gilt der französiche Naturalismus, insbesondere die Werke Zolas. Aber schon die Romantiker entdecken die Stadt, wie Marianne Thalmann bereits 1965 feststellt: Die junge Großstadt Berlin wird nicht nur zur Wahlheimat der Romantiker, sie inspiriert auch topographische Darstellungen, z.B. E.T.A. Hoffmanns 'Das öde Haus'. Das romantische Interesse an der literarischen Großstadt ist paneuropäisch: Ludwig Tiecks Protgonist William Lovell scheitert in London, Rom und Paris. Der Beitrag will der Frage nachgehen, inwieweit die Urban Fantasy in der Gegenwart eine spezifisch romantische Raumsemantik adaptiert. (1.) Zunächst ist am Beispiel von Ben Aronovitch 'Rivers of London' und Simon Greens 'The Harry Dresden Files' zu klären, welche Funktion die Großstadtopographie in der Urban Fantasy hat und welchen Regeln ihre Raumsemantik unterliegt. (2.) Das Ergebnis ist in ein Verhältnis zu den – durchaus heterogenen – Raumkonzeptionen der Romantik zu setzen. Dabei gilt ein besonderes Augenmerk den Seelenräumen der Romantik und dem Stadt-Land-Konflikt.



 
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