Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
Strang 4: Einzelvorträge
Zeit:
Mittwoch, 31.08.2022:
10:30 - 12:00

Ort: Seminarraum 03

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Präsentationen

Islamische Philosophie im Unterricht - Ein Desiderat des Didaktik

Görg, Erdmann

Ruhr-Universität Bochum, Deutschland

Die Philosophie der islamischen Welt (nachfolgend genannt islamische Philosophie) ist ein Desiderat des Philosophieunterrichts. Während die Philosophie europäischer Denkerinnen und Denker einen festen Platz in der Ausbildung von Philosophielehrenden und in Lehrwerken des Philosophieunterrichts gefunden hat, gilt dies leider noch nicht für die islamische Philosophie. Islamische Philosophie kann jedoch, didaktisch fruchtbar gemacht, einen wichtigen Beitrag zur integrativen Rolle des Philosophieunterrichts in einer multikulturellen Gesellschaft leisten. Dazu erforderlich ist eine Kooperation von Islamwissenschaft, Philosophie und Didaktik.

In meinem Vortrag zeige ich zunächst mit Verweis auf die aktuelle Forschung, warum es sich bei der islamischen Philosophie im Schulunterricht um ein didaktisches Desiderat handelt, dass es zu beheben gilt. Daraufhin gehe ich auf zwei laufende Buchprojekte ein: Den Sammelband ‚Perspektiven auf den Philosophiekanon – Internationale Philosophie im Philosophieunterricht‘ (zusammen mit Ralf Glitza), der einen eigenen Teil zur islamischen Philosophie beinhalten wird, und ‚Philosophie der islamischen Welt im Philosophieunterricht‘ (zusammen mit Roman Seidel), in dem Denker der islamischen Welt vorgestellt und für den Schulunterricht didaktisiert werden. Abschließend zeige ich am Beispiel eines Gottesbeweises Avicennas, wie islamische Philosophie in den Philosophieunterricht aufgenommen werden kann und in der Lage ist, den Philosophiekanon zu ergänzen und zu erweitern.



From Science to Science. Eine Delphi-Studie zur Übertragbarkeit des Forschungsverständnisses von Fachdidaktiken

Rothgangel, Martin1; Riegel, Ulrich2

1Universität Wien, Österreich; 2Universität Siegen, Deutschland

Nachdem die GFD im Jahr 2011 eine Tagung zu Formaten fachdidaktischer Forschung abhielt und eine GFD-Arbeitsgruppe 2015 eine entsprechende Stellungnahme veröffentlichte, erfolgte 2020 im Kontext der Religionsdidaktik eine Pilotstudie zu Formaten religionsdidaktischer Forschung. Als ein wesentliches Ergebnis dieser Studie kann angesehen werden, dass insbesondere die drei Dimensionen Methodologie, Gegenstandsbereiche und Bezugstheorien einen formatierenden Effekt auf fachdidaktische Forschung besitzen und diese gemeinsam ein dreidimensionales Modell fachdidaktischer Forschung bilden. Auf dieser Basis wurde ein Fragebogen für die erste Runde einer Delphi-Studie erstellt. Dieser richtete sich einerseits an Kolleg:innen der Religionsdidaktik sowie andererseits – dank der Unterstützung von GFD, ÖGFD und KOFADIS – in einer generalisierten Form an deutschsprachige Kolleg:innen aus allen Fachdidaktiken. Die Ergebnisse dieser ersten Runde zeigen u.a., dass zwischen einzelnen Fachdidaktiken ein sehr unterschiedliches Verständnis insbesondere hinsichtlich der Kategorisierung von Methodiken und Bezugstheorien fachdidaktischer Forschung besteht. Diese Divergenzen sind Gegenstand einer zweiten Delphi-Runde, die im April und Mai 2022 erhoben wird. Im Beitrag werden insbesondere die divergenten Einschätzungen der ersten Runde und die Rückmeldungen zu diesen Divergenzen der zweiten Runde der Delphi-Studie beschrieben. In der Diskussion dieser Befunde entsteht eine Zwischenbilanz der Gemeinsamkeiten und Unterschiede fachdidaktischer Forschung im deutschsprachigen Raum, die es ermöglicht, sich des aktuellen Stands des fachdidaktischen Geschäfts zu versichern und dieses weiterzuentwickeln.



Bleibt alles anders? Conceptual change-Ansatz im Transfer. Potential des conceptual change-Ansatzes in verschiedenen fachlichen Domänen und hinsichtlich interdisziplinärer Mehrperspektivität

Peter, Karin

Institut für Praktische Theologie, Kath.-Theol. Fakultät, Universität Wien, Österreich

Welche Chancen und Grenzen birgt ein Transfer eines didaktischen Konzepts in eine andere fachliche Domäne? Und inwiefern findet interdisziplinäre Mehrperspektivität Berücksichtigung?

Diesen grundlegenden Fragen wird exemplarisch am conceptual change-Ansatz nachgegangen.

In den Blick genommen wird zum Ersten der Transfer dieses im MINT-Bereich etablierten fachdidaktischen Konzepts in das geisteswissenschaftliche Feld, konkret der Religionsdidaktik.

Die vertikale Dimension eines conceptual change betrifft den Wechsel von (meist als problematisch erachteten) primären zu (fachlich korrekten sowie angestrebten) sekundären Vorstellungen von Schüler:innen. Daneben hat sich auch eine Aufmerksamkeit für eine horizontale Dimension eines conceptual change entwickelt: ein Wechsel zwischen verschiedenen gleichrangigen Verständnisweisen – wie zwischen alltäglichen und professionellen Zugängen oder zwischen verschiedenen Fachdisziplinen und ihren je eigenen Rationalitäten.

Der conceptual change-Ansatz in horizontaler Dimension wird im Kontext der Religionsdidaktik als Zugang gewählt, um die Transformationsmuster zwischen alltagsweltlich und religiös-theologisch gerahmten Vorstellungen Jugendlicher besser fassen zu können. Diese Erkenntnisse bilden die Basis für didaktische Überlegungen, um religiös-theologische Vorstellungen von Jugendlichen im Sinn eines conceptual change in vertikaler Hinsicht begleiten zu können. Dabei werden Möglichkeiten und Grenzen bzw. notwendige Adaptierungen bei einem Transfer des im MINT-Bereich entwickelten Konzepts in das geisteswissenschaftliche Feld deutlich.

Zum Zweiten wird das Potential dieses Ansatzes hinsichtlich der Beachtung und Förderung interdisziplinärer Mehrperspektivität ausgelotet.