Veranstaltungsprogramm

Sitzung
Poster-Cluster: Berufliche Bildung und Weiterbildung
Zeit:
Montag, 14.03.2022:
11:30 - 13:00

Chair der Sitzung: Dr. Andreas Sebe-Opfermann, Universität Bremen
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 02

995 4413 8632, 985735
Sitzungsthemen:
7. Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 9. Erwachsenenbildung, Deutsch

In diesem Cluster werden sieben Poster vorgestellt, die alle deutschsprachig sind.


Präsentationen

Klimaanpassung als organisationales Lernen. Analyse von lernfördernden und lernhemmenden Elementen untersucht an mainfränkischen Unternehmen.

Sophie Fischer

Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, Deutschland

Zunehmende Extremwetterlagen, politische Vorgaben zur CO2­-Reduktion und Druck durch Verbraucher*innen sind nur einige der zahlreichen Auswirkungen des globalen Klimawandels, inmitten sich Organisationen befinden. Antizipative und reaktive Anpassungsmaßnahmen schützen vor den aktuellen und projizierten Folgen des Klimawandels. So können Organisationen in einer sich dynamisch verändernden Umwelt die Herausforderungen als Chancen wahrnehmen, sich Marktbestand sichern und ihre Effizienz erhöhen. Klimaanpassung erfordert neben Ressourcen materieller, personeller und zeitlicher Natur auch Wissen über Klimaveränderungen, methodisches Knowhow und Lernbereitschaft. Häufig wird in ähnlichen Studien die Managementebene in den Fokus gestellt, da sie für die Entwicklung, Ressourcen und Umsetzung von Anpassungskonzepten entscheidend ist. Um konventionelle Denk- und Handlungsmuster bei Entscheidungsträgern zu lösen, sie von der Handlungsrelevanz zu überzeugen und gezielt zu befähigen, erfordert es einen mehrschrittigen Transformationsprozess. Anhand von drei didaktischen Komponenten, einer Regionalstudie, einem Videoteaser und einem Planspiel, sowie der kritischen Analyse bestehender Rahmenbedingungen hinsichtlich des organisationalen Lernens soll spezifisches Wissen aus dem Diskurs diskutiert und mit den empirischen Ergebnissen komplettiert werden. Flankierend zum basisgebenden Forschungsprojekt MainKlimaPLUS und dem dabei geplanten didaktischen Modul, wird analysiert, inwiefern sich Unternehmensakteure, zunächst der bayerischen Region Mainfranken, an den Klimawandel anpassen und dabei organisationales Lernen stattfindet. Dafür werden gemäß der Methodentriangulation verschiedene Erhebungszugänge genutzt: Fragebögen, Experteninterviews und Teilnehmende Beobachtung. Die Herangehensweise an die Interviews erfolgt gemäß der Grounded Theory Methodologie. Das Vorhaben repräsentiert einen organisationspädagogischen Ansatz, an den Themenkomplex Klimawandel, -schutz und -anpassung heranzutreten und damit eine wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Diskussion zunehmenden Bedarfs von Klimaanpassung für Unternehmen inmitten des globalen Klimawandels anzuregen.



Zusammenhänge zwischen Barrieren, Lernmöglichkeiten und der Gestaltung des Arbeitsplatzes

Sebastian Anselmann

PH Schwäbisch Gmünd, Deutschland

Relevanz und Vorarbeiten:

Lernbarrieren stellen einen entscheidenden, allerdings wenig untersuchten Gegenstand des Lernens am Arbeitsplatz dar. In einer explorativen Interviewstudie wurden potentielle Lernbarrieren von Beratenden erfasst (Anselmann, submitted). Davon ausgehend und basierend auf Belling, James und Ladkin (2004) sowie Crouse et al. (2011) wurde ein Messinstrument zur Erfassung von Lernbarrieren entwickelt und validiert (Anselmann, in prep.). Das Messinstrument umfasst fünf Subskalen (Struktur- und Herrschaftsbeziehungen; Individuelle Voraussetzungen; Beschränkungen; Technik; Team / Zwischenmenschliche Beschränkungen).

Die hier vorgestellten Ergebnisse einer querschnittlichen Fragebogenstudie haben das Ziel Darzustellen, inwieweit Zusammenhänge zwischen Barrieren und der Ausführung informeller und formeller Lernaktivitäten sowie weiterer arbeitsplatzbezogenen Merkmale wie z.B. Jobzufriedenheit bei Beratenden bestehen.

Methode:

Für die Studie wird ein onlinebasierter Fragebogen mit u.a. folgenden Skalen entwickelt: Barriers for informal and formal learning (Anselmann, in prep.), Informal workplace component (Decius, Schaper & Seifert, 2019) und Hiding Knowledge (Peng, 2013). Weiter umfasst der Fragebogen Skalen zu Jobzufriedenheit (Spector, 1985), Toxic leadership (Schmidt, 2008), Competitive Work Environment (Fletcher & Nusbaum, 2010) und die Skala zur Erfassung des arbeitsplatzbezogenen Digitalisierungsgrades (ADG; Görs, Hummert, Traum & Nerdinger, 2019). An der abgeschlossenen Erhebung haben 230 Berater/innen aus der Personal- und Organisationberatung (N=230) teilgenommen.

Analyse und vorläufige Ergebnisse:

Es wurden deskriptive Analysen sowie Korrelationsanalysen durchgeführt. Die vorläufigen Ergebnisse zeigen eine akzeptable Güte der Skalen mit Cronbach´s alpha für z.B. die entwickelte Skala zur Messung von Lernbarrieren α=.80-.93. Die eingesetzten Korrelationsanalysen zeigen, dass Lernbarrieren auf individueller Ebene (r=-.16*; **p<.01; *p<.05) und auf Ebene des Teams (r=-.16*) negativ in Zusammenhang mit dem Anwenden und Ausprobieren neuer Ideen am Arbeitsplatz steht. Ein positiver Zusammenhang besteht zwischen der Wahrnehmung von Lernbarrieren auf struktureller Ebene und dem Einholen von direktem Feedback (r=.22). Zusammenhänge lassen sich auch zwischen der Wahrnehmung von Lernbarrieren und dem Zurückhalten von Wissen (Hiding Knowledge) in Organisationen (r=.24) erkennen.



Professionalitätsentwicklung in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung als Mehrebenen-Phänomen

Lisa Breitschwerdt

Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Deutschland

Das Poster stellt das heuristische Modell und die Ergebnisse einer Promotion vor, die im Jahr 2021 an der Universität Würzburg angenommen wurde Die Studie analysiert die Professionalitätsentwicklung in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung aus einer Mehrebenen-Perspektive. Ausgehend von den veränderten Arbeitskontexten der modernen Gesellschaft ergeben sich veränderte Anforderungen an das Weiterbildungspersonal (z.B. Research voor Beleid 2008, 2010). Dieses agiert zunehmend eingebettet in organisationale Kontexte und ist im professionellen Handeln gefordert, zwischen unterschiedlichen Anforderungen zu vermitteln (Noordegraaf 2007). Dies macht eine Professionalitätsentwicklung notwendig, welche über die Handlungsebene des Personals hinausgehend Perspektiven der Meso- und Makroebene einbezieht (Egetenmeyer et.al. 2019). Die Studie arbeitet die Bedeutung der verschiedenen Ebenen für die Professionalitätsentwicklung in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung heraus und verortet die zentralen Erkenntnisse in einem Mehrebenen-Modell. Dieses umfasst: 1) Personal, 2) Organisation, 3) Dachorganisation und 4) gesellschaftlicher Rahmen. In einer qualitativ-empirischen Einzelfallanalyse wird eine Einrichtung der beruflichen Weiterbildung aus dieser Mehrebenen-Perspektive analysiert. Das Sample stammt aus dem BMBF-Forschungsprojekt „Konturen der Professionsentwicklung in der beruflichen Weiterbildung (KOPROF)“ und umfasst Dokumente, Interviews und Fokusgruppen. Durch das deduktiv-induktive Vorgehen einer inhaltlich strukturierenden Analyse (Kuckartz 2016; Mayring 2016) ist ein theoretisch informierter und gleichzeitig explorativer Zugang zur Professionalitätsentwicklung für den Einzelfall möglich. Das Poster greift ausgewählte Analyseergebnisse zur ebenen-spezifischen Professionalitätsentwicklung heraus und beleuchtet die Zusammenhänge zwischen den verschieden Ebenen.



Technik-Ethik-Digitalisierung als Themenfeld für ingenieurwissenschaftliche Studiengänge und die betriebliche Weiterbildung

Sophia Milde, Simon Wagner

Leibniz Universität Hannover, Deutschland

Technik kann gegenwärtig nicht mehr isoliert betrachtet werden, sondern ist in ihrer Komplexität und hinsichtlich ihrer Folgen für Gesellschaft, Ökologie und Wirtschaft ethisch zu reflektieren. Das Poster bildet ausgewählte Arbeitsergebnisse des Forschungsprojektes Technik. Ethik. Digitalisierung. - Förderung ethischen Handeln in den Technikwissenschaften (IfBE/LUH, gefördert von der Kurt-Alten-Stiftung, Laufzeit: 2019-2023) ab.

Aufgegriffen wird die Frage, warum sich Studierende der Ingenieurwissenschaften sowie berufstätige Ingenieur*innen zunehmend mit dem Schnittstellenthema Technik-Ethik-Digitalisierung auseinandersetzen sollten und welche Konsequenzen sich daraus für die Bildungspraxis (Hochschulbildung, betriebliche Weiterbildung) ableiten lassen. Den Ausgangspunkt der Argumentation bilden die Ubiquität technischer Systeme (vgl. Zimmerli 2005, S. 40) und deren gesellschaftliche und ökologische Implikationen. Daran schließt die Frage nach der ethischen Verantwortung für Technikfolgen an, die zwar nicht einer Berufsgruppe allein (vgl. Nickl 2014, S. 98), jedoch Ingenieur*innen aufgrund ihrer fachlichen Expertise in besonderer Weise zugeschrieben werden kann. Die Voraussetzungen eines ethisch reflektierten und verantwortungsvollen Handelns werden anhand eines im Projekt entwickelten theoretischen Modells dargestellt, um die für Bildungsprozesse zentralen Aspekte (u. a. Aufbau von Wissensstrukturen zum Thema Ethik) zu verdeutlichen. Weiterführend werden erste empirische Befunde zum Bedarf von Ethik als Inhalt von Bildungsangeboten aufgegriffen. Auf Basis qualitativer Interviews werden dabei die Perspektiven von Professor*innen aus dem Bereich Maschinenbau einerseits und berufstätigen Ingenieur*innen andererseits vorgestellt. Auf der Grundlage der theoretischen und empirischen Erkenntnisse werden abschließend Handlungsempfehlungen zur Förderung ethisch reflektierten Handeln für die Bildungspraxis formuliert.

Literatur

Hieber, L. & Kammeyer H.-U. (Hrsg.) (2014): Verantwortung von Ingenieurinnen und Ingenieuren. Wiesbaden, Springer Fachmedien

Nickl, P. (2014): Risikogesellschaft und die German Angst. In: Hieber, L. & Kammeyer H.-U. (Hrsg.): Verantwortung von Ingenieurinnen und Ingenieuren. Wiesbaden, Springer Fachmedien, S. 95-101

Zimmerli, W. Ch. (2005): Technologie als „Kultur“. Hildesheim, Olms, 2. überarb. Aufl.



Entgrenzung - gemeinsame Fortbildung im Kinderschutz

Tobias Falke, Prof. Dr. Thomas Ostermann

Universität Witten - Herdecke, Deutschland

Die Notwendigkeit der Kooperation zwischen der öffentlichen Jugendhilfe und den Einrichtungen des Gesundheitswesens wird in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich betont und wurde spätestens durch die Regelungen im Bundeskinderschutzgesetz (2012) und die AWMF S3 Leitlinie Kinderschutz (2019) auf eine gestärkte Basis gestellt.

Strukturen und Prozesse der Kooperation zwischen Gesundheitswesen und Jugendhilfe sind jedoch weiterhin unstrukturiert bzw. fragmentär. Trotz Anpassungen und Weiterentwicklungen bleibt die Einbeziehung medizinischer Expertise in Kinderschutzfragen oftmals ein individuelles und nahezu zufälliges Procedere, da Strukturen der Zusammenarbeit nicht systemübergreifend gegeben bzw. anerkannt sind.

Die Verknüpfung der (in unterschiedlichen Sozialgesetzbücher verhafteten) Systeme, wird nicht nur formal, sondern auch in Bezug auf die Wahrnehmung der Kooperation als kompliziert beschrieben. Die konkreten Kooperationsmöglichkeiten und -notwendigkeiten mit dem Gesundheitswesen aus Sicht der Jugendhilfe scheitert oft an struktureller Minderversorgung und Schwierigkeiten bei der konkreten praktischen Inanspruchnahme. Das Forschungsdesign zielt sowohl auf die Netzwerk- als auch auf Fallebene ab.Ein wichtiger Baustein ist die gemeinsame Fortbildung. Welche Inhalte durch die beteiligten Akteurinnen gefordert werden, inwieweit Fortbildungen im medizinischen Kinderschutz durch die Mitarbeitenden der öffentlichen Jugendhilfe genutzt werden und welche perspektivischen Anforderungen sich aus diesen Ergebnissen ergeben, soll in Text und Grafik dargestellt werden.

In diesem Beitrag werden erste Ergebnisse der quantitativen Befragung der Jugendämter in NRW aus 2021 vorgestellt.



ErWeiterBAR – Erfolgsfaktor Weiterbildungspersonal in BA-geförderten Maßnahmen der RD Nord – Qualitätsentwicklung zwischen pädagogischem Anspruch und ökonomischer Machbarkeit

Prof. Dr. Matthias Kohl1, Prof. Dr. Andreas Diettrich2, Stefan Harm2

1Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA), Deutschland; 2Universität Rostock

Die bisherige Forschung zur Arbeits- und Beschäftigungssituation des außerbetrieblichen Weiterbildungspersonals zeigt, dass insbesondere für das Segment staatlich geförderter (beruflicher) Weiterbildung auf Basis empirischer Befunde (z.B. aus dem wb-personalmonitor) „ein eklatantes Problem zwischen hohen Professionalitäts- und Qualitätserwartungen sowie desolaten Arbeitsbedingungen des Personals“ (vgl. Dobischat/Elias/Rosendahl 2018, S. 15) konstatiert und nachgewiesen wird, dass vor allem hauptberufliche Honorarkräfte in der öffentlich finanzierten allgemeinen Weiterbildung und angestellte Weiterbildner in der öffentlich geförderten beruflichen Weiterbildung von prekären Beschäftigungslagen betroffen sind (vgl. Elias 2018, S. 188ff) und sich in einem Spannungsfeld von Professionsanspruch und von Ökonomisierung geprägter Beschäftigungsrealität bewegen (vgl. Koscheck 2018; Rosendahl 2018; Krause 2018).

Das gemeinsame Forschungsprojekt der HdBA und der Universität Rostock ErWeiterBAR – Erfolgsfaktor Weiterbildungspersonal in BA-geförderten Maßnahmen der RD Nord – Qualitätsentwicklung zwischen pädagogischem Anspruch und ökonomischer Machbarkeit“ (Laufzeit: Mai 2021 bis April 2023) untersucht Voraussetzungen, Rahmenbedingungen, pädagogische Konzepte und Gestaltungsmöglichkeiten des in geförderten Maßnahmen zur Förderung beruflicher Weiterbildung tätigen Weiterbildungspersonalsim Zuständigkeitsbereich der RD Nord. Ziel ist es, über die in der AZAV geforderte Nachweispflicht der pädagogischen Eignung Lehrender und die Verpflichtung auf den Mindestlohntarifvertrag für das pädagogische Personal in der Weiterbildung nach SGB II und III hinausgehende, empirisch gestützte, Handlungsempfehlungen und Gestaltungsvorschläge für Förderer, Maßnahmeträger und Weiterbildungspersonal zu entwickeln, die zur Qualitätsentwicklung bzw. Verbesserung der Maßnahmequalität beitragen.

Hierfür ist ein dreistufiges methodisches Vorgehen geplant, das aus einer Sekundärdatenanalyse (Dokumenten-/Literaturanalyse) von FbW-Maßnahmen der RD Nord 2018 bis 2020 zur Bestandsaufnahme und Entwicklung von Auswahlkriterien, einer umfassenden fallstudienbasierten qualitativ-explorativen Untersuchung als methodischem Schwerpunkt sowie einer Phase summativer Evaluation des Projekts bzw. der Validierung der empirischen Ergebnisse (Validierungsworkshop) besteht. Geplant sind 8 Fallstudien (2 in SH, 2 HH und 4 in MV) mit jeweils 2 Maßnahmen und 3 problemzentrierten, leitfadengestützten Interviews pro Maßnahme (Förderer, Maßnahmeträger (Geschäftsführung), in der Maßnahme eingesetztes pädagogisches Personal (angestellt/freiberuflich). Die Auswertung der gewonnen Daten aus den 48 Interviews erfolgt mittels softwaregestützter qualitativer Inhaltsanalyse (MaxQDA). Zur Sicherung der Datenqualität und Vorstellung der Befunde wird außerdem ein Validierungsworkshop mit Expert:innen durchgeführt.



Assimiliert – Abitur, separiert – Hauptschulabschluss? Wie hängen Akkulturationsprofile mit dem angestrebten Schulabschluss zusammen?

Dr. Nanine Lilla, Sebastian Thürer, Dr. Wim Nieuwenboom, Prof. Dr. Marianne Schüpbach

Freie Universität Berlin, Deutschland

Vor dem Hintergrund wiederholt gezeigter Bildungsungleichheit zwischen Schülerinnen und Schülern (SuS) mit und ohne Migrationshintergrund nimmt die Studie die Akkulturation, d.h. die Orientierung an der Kultur des Herkunfts- und des Aufnahmelandes, der SuS mit Migrationshintergrund in den Blick. Nach Berry (1997) werden vier Akkulturationsorientierungen theoretisch unterschieden: Integration, Assimilation, Separation und Marginalisierung.

Für Deutschland ist empirische Evidenz für diese vier Akkulturationsorientierungen bisweilen limitiert, da vornehmlich einzelne Aspekte der Akkulturation, z.B. ethnische Identität, fokussiert und mittels split-Techniken differenziert werden. So operationalisiert, spricht der aktuelle Forschungsstand für einen Vorteil der Assimilation in Bezug auf schulische Leistung gemessen in Form von Kompetenztests und Noten (Edele et al., 2013; Schotte et al., 2018). Ein möglicher Zusammenhang mit dem angestrebten Schulabschluss wurde bislang nicht untersucht.

Hieraus ergeben sich zwei zentrale Fragen:

1) Inwiefern lassen sich die vier Akkulturationsorientierungen nach Berry (1997) empirisch in einem deutschen Datensatz replizieren?

2) Inwiefern stehen die Akkulturationsprofile von SuS mit Migrationshintergrund im Zusammenhang mit der Wahrscheinlichkeit (a) ein Abitur bzw. (b) einen Hauptschulabschluss anzustreben?

Für unsere Analysen berücksichtigen wir N = 1253 SuS mit Migrationshintergrund in der 9. Klasse aus dem Datensatz der Startkohorte 4 des NEPS (Blossfeld et al., 2009), die den Herkunftsländern Polen, Türkei, der ehemaligen UdSSR, Nord- und Westeuropa zugeordnet werden konnten (Alter: M=14,9 Jahre, SD=0,73).

Mittels Latenter Profilanalyse wurde in Anlehnung an Berry (1997) eine Vier-Profile-Lösung geschätzt. Die inhaltliche Interpretation ergab ein assimiliertes (9%), ein moderat assimiliertes (38%), ein integriertes (32%) und ein separiertes Profil (20%). Die Existenz eines marginalisierten Profils ließ sich entgegen der Theorie nicht empirisch zeigen. Die Berechnung relativer Risiken zeigte, dass es für SuS des separierten im Vergleich zu SuS des assimilierten Akkulturationsprofils, auch bei Kontrolle von HISEI, Geschlecht und Kompetenzen, weniger wahrscheinlich ist, ein Abitur anzustreben. Eine höhere Wahrscheinlichkeit einen Hauptschulabschluss anzustreben, war nach Kontrolle der Deutschkompetenz hingegen nicht mehr nachweisbar.

Diese Ergebnisse werden dahingehend interpretiert, dass sie einerseits die Bedeutsamkeit deutschsprachlicher Kompetenzen für den Bildungserfolg von SuS mit Migrationshintergrund „nach unten“ zeigen, hingegen „nach oben“ hin die Akkulturationsorientierung sozusagen als gläserne Decke eine Rolle spielt.