Veranstaltungsprogramm

Sitzung
Same same but different? Methodologische Herausforderungen und Chancen international vergleichender Forschung
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
9:30 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 25

963 1451 6376, 008806
Sitzungsthemen:
8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, qualitativ, quantitativ, Deutsch

Präsentationen

Same same but different? Methodologische Herausforderungen und Chancen international vergleichender Forschung

Chair(s): Dr. Onno Husen (Leuphana Universität Lüneburg), Britta Menzel (Deutsches Jugendinstitut)

International vergleichende Forschung befinden sich in einem Spannungsverhältnis, da sie auf der einen Seite den Nationalstaat als Bedingungsgefüge zum Ausgangspunkt nimmt und gleichzeitig den Forschungsgegenstand nicht ausschließlich auf nationalstaatliche Strukturen beziehen darf. Der Umgang mit diesem Spannungsverhältnis zeichnet sich durch eine Vielzahl theoretischer Perspektiven und methodologisch-methodischer Vorgehen aus, die zum Ziel haben den jeweiligen Forschungsgegenstand angemessen zu beforschen. Gleichzeitig zeigen sich für international vergleichende Forschungen besondere methodologische Herausforderungen, die vom Forschungsdesign bis zur Auswertung und Interpretation der Ergebnisse den Forschungsprozess mitbestimmen. Hier setzt das Forschungsforum an, in dem es die methodologischen Herausforderungen international vergleichender Forschung sowohl in qualitativen als auch quantitativen Forschungszusammenhängen thematisiert.

 

Beiträge des Panels

 

Zebrastreifen und crossing guards - Wege in die unabhängige Mobilität von Kindern in Berlin und New York City

Tabea Freutel-Funke
Universität Tübingen

Ab wann geht ein Kind alleine auf der Straße spielen oder zur Schule? Unterscheidet sich das in Berlin und New York City? Welche Akteure (Kinder, Eltern, Nachbarn) und Elemente (Straßenverkehrsordnung, Bebauung oder Busfahrplan) sind an diesem Übergang beteiligt? Der stetige Rückgang unabhängiger Mobilität von Kindern wird seit den 70er Jahren beklagt (vgl. Hillman et al. 1990, Shaw et al. 2015). González und andere sprechen beispielsweise mit Blick auf den aktiven Schulweg in fünf Staaten trotz Differenzen zwischen dem globalen Norden und Süden von einer „global crises of physical inactivity“ (González et al. 2020). Die Forschung zur Mobilität von Kindern wird dabei vorrangig in quantitativen Studien international vergleichend untersucht.

In der vorliegenden Studie ermöglichen Dispositive (vgl. Foucault 1986) konkreter Nachbarschaften eine historische, relationale und machtsensible Analyse der unabhängigen Mobilität von Kindern in beiden Städten. Der Vergleich der Elemente, der Genese und Konstellationen dieser Dispositive ermöglicht Überlegungen zu Unterschieden und Gemeinsamkeiten. Neben historischen und politischen Dokumenten wurde das empirische Material im Rahmen von Fotospaziergängen mit Kindern zwischen 6 und 12 Jahren, Experten- und Stehgreifinterviews erhoben. Der Beitrag konzentriert sich auf zentrale Herausforderungen der internationalen vergleichenden Forschung im Rahmen des Projekts.

 

Integration und Inklusion von „recently arrived migrants“ in Kindertagesstätten im deutsch-norwegischen Vergleich - Methodologische Herausforderungen

Dr. Onno Husen
Leuphana Universität Lüneburg

In allen entwickelten Wohlfahrtsstaaten sind Strukturen entstanden, die sich auf die Regulierung, Unterstützung und Gestaltung öffentlicher frühkindlicher Bildung spezialisiert haben. Ungeachtet dieser auf den ersten Blick homogenen Entwicklung unterscheiden sich frühkindliche Bildungssysteme in unterschiedlichen Wohlfahrtssystemen u.a. in Bezug auf die Konstruktion von Zielgruppen, Handlungslogiken und Organisationsformen. Im Zuge zunehmender Migrationsbewegungen ist eine in den letzten Jahren immer wichtiger gewordene Aufgabe frühkindlicher Bildungseinrichtung die Arbeit mit migrierten Kindern und Eltern (vgl. Hendrichs 2016).

In diesem Beitrag sollen anhand einer Studie, die sich mit der Integration und Inklusion von„recently arrived migrants“ in norwegischen und deutschen Kindertagesstätten aus der Sicht von Fachkräften beschäftigt, exemplarisch methodologische Herausforderungen und Chancen international vergleichender Forschung verdeutlicht werden. Das Forschungsvorhaben folgt einer systemtheoretischen Perspektive und nutzt Einzel- und Gruppeninterviews als Erhebungsmethode.

 

Lokale Zugangsgestaltung zu frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung im internationalen Vergleich – Herausforderung, Möglichkeiten, Grenzen

Britta Menzel, Dr. Antonia Scholz
Deutsches Jugendinstitut

In diesem Beitrag werden Einblicke in die Durchführung einer qualitativen, international vergleichenden Studie zu (un)gleichen Zugangsbedingungen in Deutschland, Kanada und Schweden gegeben. Ausgangspunkt der Studie bilden wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, dass Kinder aus benachteiligten Lebenslagen bislang seltener frühkindliche Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungseinrichtungen besuchen (Van Lancker 2018), wenngleich die Bildungsteilhabe Ungleichheitsverhältnisse reduzieren (kann) (Yoshikawa u.a. 2013).

Zugänge zum frühkindlichen Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungssystem werden vielerorts auf kommunaler Ebene gestaltet. Daher wurden mittels qualitativer Interviews Fallstudien zu der Zugangsgestaltung in je zwei Kommunen pro Land erstellt. Ziel war es im inter- und intranationalen Vergleich der kommunalen Fallstudien nachzuvollziehen, wie die lokale Akteure Handlungsspielräume und –grenzen nutzen, um Zugänge zu gestalten und inwieweit dabei auch (neue) Zugangsbarrieren entstehen bzw. abgebaut werden. Für den Input in diesem Forschungsforum werden davon ausgehend zentrale methodologische Herausforderungen in der Auswertung thematisiert sowie mögliche Strategien diskutiert. Hierzu werden Beispiele gegeben, wie die jeweilige Kontextualisierung und der inter- und intranationale Vergleich der Ergebnisse im Forschungsverlauf bearbeitet wurden.

 

Herausforderungen in der international vergleichenden quantitativen (Survey-) Forschung

Carolyn Seybel, Samuel Bader, Daniel Turani
Deutsches Jugendinstitut

In diesem Beitrag steht die Entwicklung, Durchführung und Auswertung einer internationalen Befragung von Kita-Personal in neun Ländern (Chile, Dänemark, Deutschland, Island, Israel, Japan, Norwegen und die Türkei) im Fokus. Insgesamt wurden ca. 15.000 pädagogisch Tätige sowie Leitungen aus mehr als 3.000 Kitas mithilfe von standardisierten Fragebögen u.a. zu ihren Arbeitsbedingungen, Aus- und Weiterbildung, ihrer beruflichen Praxis und ihrer Arbeitszufriedenheit bzw. Belastungen befragt. Damit erlaubt die Studie erstmals einen international vergleichenden Einblick in den Kita-Alltag. In diesem Input diskutieren wir Herausforderungen bei der Entwicklung von länderübergreifenden inhaltlichen Schwerpunkten, Fragen und Items, die den Anspruch haben, den Besonderheiten jedes Kita-Systems gerecht zu werden (He & Van de Vijver 2013). Außerdem wird diskutiert, welche Faktoren bei der Interpretation von Daten berücksichtigt werden müssen (z.B. kulturelles Antwortverhalten oder soziale Erwünschtheit), und, welche Möglichkeiten es gibt, Verzerrungen weiter zu minimieren.