Veranstaltungsprogramm

Sitzung
Transformationsprozesse im Schulsystem auf der Makro- und Mikroebene. Interaktiver Austausch über Entgrenzungspotentiale von Unterricht und Schule im Kontext von Digitalität und Inklusion
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
9:30 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 23

942 7509 3944, 297531
Sitzungsthemen:
4. Empirische Bildungsforschung, 5. Schulpädagogik, 12. Medienpädagogik, Sektion 4, Kommission Bildungsorganisation, Bildungsplanung, Bildungsrecht, Sektion 5, Kommission Schulforschung und Didaktik, Sektion 5, Kommission Professionsforschung und Lehrerbildung, qualitativ, Deutsch

Präsentationen

Transformationsprozesse im Schulsystem auf der Makro- und Mikroebene. Interaktiver Austausch über Entgrenzungspotentiale von Unterricht und Schule im Kontext von Digitalität und Inklusion

Chair(s): Dr. René Breiwe (Universität Duisburg-Essen, Deutschland), Dr. Claudia Obermeier (Europa-Universität zu Flensburg), Prof. Dr. Christian Filk (Europa-Universität zu Flensburg), Dr. Anke B. Liegmann (Universität Duisburg-Essen), Prof. Dr. Kathrin Racherbäumer (Universität Siegen)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Matthias Proske (Universität zu Köln)

Das Forschungsforum möchte Entgrenzung und Begrenzung anhand einer zwischen Makro- und Mikroebene changierenden Betrachtung des schulpraktischen Feldes im Kontext von Digitalität und Inklusion thematisieren. Die durch Digitalisierung beförderten Transformationsprozesse und die Aufgabenstellung einer inklusiv gestalteten Schulkultur führen zu der Notwendigkeit eines Neuarrangierens von lehr- und lernbezogenen Paradigmen. Damit in Verbindung steht die Neuausrichtung von in Schule wirksamen Strukturen und Prozessen und das Reformulieren von Rollenverständnissen und Aufgabenfeldern von Akteur*innengruppen im schulpraktischen Feld. In Impulsvorträgen werden aus Perspektive zweier Forschungsprojekte diese Transformationsprozesse vor dem Hintergrund der Frage nach Entgrenzungs- und Begrenzungsphänomenen beleuchtet. Das zentrale Anliegen des Forschungsforums besteht in dem diskurs-interaktiven Austausch aller Forumteilnehmenden auf Basis zweier Impulsvorträge und eines Diskussionsbeitrags.

 

Beiträge des Panels

 

Transformationsprozesse auf der Makroebene: Entgrenzung des Schulsystems als Chance für die Herausbildung einer inklusiv-digitalen Schulkultur

Dr. Claudia Obermeier1, Prof. Dr. Christian Filk1, Dr. Heike Schaumburg2, Julia Hartung2, Dr. Marcel Kabaum2, Daniela Hill1, Johanna Profft2, Nicole Vieregg2
1Europa-Universität zu Flensburg, 2Humboldt-Universität zu Berlin

Das Anliegen des Forschungsprojektes ist es, Überlegungen, die aus der Umsetzung von Inklusion und Digitalisierung resultieren, systematisch aufeinander zu beziehen und herauszuarbeiten, wie inklusive und digitale Schul- und Unterrichtsentwicklung synergetisch miteinander verbunden werden können. Die Momente Begrenzung und Entgrenzung sind dem damit verbundenen Erkenntnisinteresse in (mindestens) zweifacher Weise immanent: Durch das Verweben von Inklusion und Digitalität wird eine im schulpraktischen Feld noch immer existente (künstliche) Trennung aufgehoben (Filk & Schaumburg 2021). Des Weiteren besteht die Zielsetzung der Forschungsaktivitäten des Projektes darin, ein inklusiv-digitales Modell der Schul- und Unterrichtsentwicklung zu generieren. Dabei wird offenkundig, dass das Schulsystem selbstreferentiell agiert (Bellmann 2016), was dazu führt, dass Einzelschule und das Schulsystem an sich von anderen (gesellschaftlichen) Teilsystemen entkoppelt sind (Drieschner & Gaus 2014). Um die Werte einer inklusiv-digital gestalteten Schulkultur proaktiv mitgestalten zu können, müssen bestehende Begrenzungen aufgeweicht werden. Der Einzelbeitrag skizziert die (notwendigen) Entgrenzungsprozesse im System Schule aus der Makroperspektive in einer systemtheoretisch-konstruktivistischen Lesart.

 

Transformationsprozesse auf der Mikroebene: Chancen und Grenzen inkludierender Entgrenzung im Kontext digitalisierten Unterrichts und die Bedeutung für Schulentwicklungsprozesse

Dr. René Breiwe1, Marion Schwehr2, Britta Ervens1, Dr. Anke B. Liegmann1, Prof. Dr. Kathrin Racherbäumer2
1Universität Duisburg-Essen, 2Universität Siegen

Aktuell sind Lehrkräfte gefordert, Unterricht zu digitalisieren, insbesondere in Form von Distanzunterricht bzw. hybriden Lernformen. Die Bedeutung von Digitalisierung rückt damit als zentrales Thema von Schul- und Unterrichtsentwicklung in den Fokus des öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurses (Klieme 2020). Damit ist die Aufgabe verbunden, den Unterricht auch in digitalisierter Form inklusiv zu gestalten. Unterricht wird dabei nicht als in sich geschlossener Raum konzeptualisiert, sondern öffnet sich anknüpfend an das Optimierungsnarrativ des Digitalisierungsdiskurses (Wolf & Thiersch 2021) lerntheoretisch bzw. didaktisch im Rahmen hybrider Lernräume. Demgegenüber stehen Verhaftungen an traditionellen Vorstellungen von Unterricht, die sich an den Paradigmen der Oralität, Skriptografie und Typografie orientieren (Krommer 2020). Hier können digitale Medien als Verstärker für (exkludierende) Muster (z. B. Orientierung am monolingualen Habitus auch im virtuellen Raum) fungieren (Hoffmann 2020). So gilt Präsenzunterricht normativ als der Unterricht, während digitalisierte Formen des Unterrichts einen kompensativen Ersatz darstellen (Krommer & Wampfler 2021). Anhand von ethnographischen Beobachtungen von (Distanz-)Unterricht aus einem Forschungsprojekt wird analysiert, inwiefern mit digitalisierten Lehr-Lernformen transformative Entgrenzungen von Unterricht im Sinne der Inklusion verbunden sind und wie diese auf Schulentwicklungsprozesse wirken können.