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Sitzungsübersicht
Sitzung
Hass kennt keine Grenzen: Empirische Studien zu Hatespeech-Erfahrungen von Jugendlichen in der Schule und im Internet
Zeit:
Montag, 14.03.2022:
14:00 - 16:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 02

995 4413 8632, 985735
Sitzungsthemen:
4. Empirische Bildungsforschung, 5. Schulpädagogik, 12. Medienpädagogik, Sektion 2, Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, Sektion 4, Arbeitsgruppe Empirische Pädagogische Forschung, Sektion 5, Kommission Schulforschung und Didaktik, qualitativ, quantitativ, theoretisch, Englisch und Deutsch in einer Veranstaltung

Präsentationen

Hass kennt keine Grenzen: Empirische Studien zu Hatespeech-Erfahrungen von Jugendlichen in der Schule und im Internet

Chair(s): Dr. Sebastian Wachs (Universität Potsdam, Deutschland), Prof. Dr. Ludwig Bilz (Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Wilfried Schubarth (Universität Potsdam)

In den letzten Jahren ist eine verrohte Kommunikationskultur im Internet und in der Schule häufig thematisiert worden. Ein Fachbegriff, der diese verrohte Kommunikationskultur zum Ausdruck bringt, ist Hatespeech. Hatespeech beschreibt kommunikative Äußerungen, mit dem Ziel gewisse Personengruppen (z.B. aufgrund der nationalen Herkunft, Religionszugehörigkeit, sexuellen Orientierung) öffentlich und mit Absicht auszugrenzen, abzuwerten oder zu demütigen (Wachs et al., 2020). Bis heute liegt jedoch nur sehr wenig empirisch abgesichertes Wissen über Hatespeech unter Heranwachsenden und dem Umgang damit in der Schule vor. Hier setzt das vorliegende Symposium an, in dem aktuelle empirische Beiträge basierend auf qualitativen und quantitativen Studien präsentiert werden und Implikationen für die zukünftige Forschung und die pädagogische Praxis abgeleitet werden.

 

Beiträge des Panels

 

„Ist das (schon) Hatespeech?“ Grenzziehungen von Schüler_innen und schulischem Personal zwischen legitimen Äußerungen und Hatespeech

Cindy Ballaschk1, Friederike Schulze-Reichelt1, Prof. Dr. Ludwig Bilz2, Dr. Sebastian Wachs1
1Universität Potsdam, 2Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Der Vortrag präsentiert erste Forschungsergebnisse zu Grenzziehungspraktiken in Bezug auf das Begriffsverständnis von Hatespeech. Dafür wurden Schüler*inen (n = 55), Lehrkräfte (n = 18) und Sozialpädagog_innen (n = 16) leitfadengestützt interviewt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Befragten die Grenze zwischen sozial akzeptiertem Verhalten und Hatespeech entlang folgender Fragen verhandeln: Welche Gruppen sind das Ziel von Hatespeech, wie wird Hatespeech ausgeübt und wo findet sie statt? Die Interviewten ziehen die Grenze zwischen legitimen Meinungsäußerungen und Hatespeech sehr verschieden. Bei der Frage, welche Gruppen von Hatespeech betroffen sind, wird deutlich, dass abwertende Äußerungen gegen behinderte Schüler_innen eher als Hatespeech eingeordnet werden als Abwertungen gegen transgeschlechtliche Schüler_innen. In Bezug auf die Frage, wie Hatespeech ausgeübt wird, wird die Grenze zu Hatespeech häufig als überschritten gesehen, wenn sie im Zusammenhang mit Gewalt und Mobbing auftritt. Hinsichtlich der Frage wo Hatespeech auftritt, gaben die Befragten an, Hatespeech vorrangig als Online-Phänomen wahrzunehmen, wobei auch diverse Fälle von Hatespeech in der Schule beschrieben werden. Schlussfolgernd lässt sich ein Bedarf erkennen, Schüler_innen und pädagogisches Schulpersonal für unterschiedliche Zielgruppen, Ausdrucksformen und Fälle von Hatespeech in der Schule zu sensibilisieren, um Schule als einen diskriminierungskritischen Raum zu gestalten.

 

Systematisches Review zu Hatespeech bei Kindern und Jugendlichen: Definition, Verbreitung und Überlappung mit verwandten Phänomenen

Julia Kansok-Dusche1, Dr. Sebastian Wachs2, Prof. Dr. Ludwig Bilz1
1Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg, 2Universität Potsdam

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Verbreitung von Hatespeech (HS) bei Heranwachsenden sowie mit den Überschneidungen z.B. mit Mobbing hat im deutschsprachigen Raum erst begonnen (z.B. Wachs et al., 2021). Der geplante Vortrag präsentiert die Ergebnisse eines systematischen Reviews des internationalen Forschungsstandes. Hierbei waren die folgenden Fragen leitend: 1. Wie wird HS in Studien mit Kindern und Jugendlichen (5–21 Jahre) definiert? 2. Wie stark ist HS in dieser Altersgruppe verbreitet? 3. Wie wird HS von verwandten Formen der Gewalt definitorisch abgegrenzt und wie hoch ist die empirische Überlappung? Eine String-Suche in sozialwissenschaftlichen Datenbanken erbrachte insgesamt 1.850 Publikationen. Die Einschlussprüfung stufte davon 18 Publikationen aus zehn Studien als relevant ein. Zwei Kodiererinnen werteten die Publikationen kriteriengeleitet aus (κ =.80) und ermittelten ihre Qualität. Alle Studien (USA, Europa, Asien) basierten auf Jugendstichproben, keine Studie untersuchte Kinder. Die identifizierten HS-Definitionen, Messinstrumente und Abgrenzungskriterien variierten erheblich. Jugendliche erleben HS am häufigsten aus der Beobachter*innenperspektive (31–69%), gefolgt von Opfererfahrungen (7%–23%) und Täter*innenschaft (5%–11%). Mobbing und HS korrelieren miteinander (r =.15 – .47). Der Vortrag endet mit praktischen Implikationen für zukünftige Forschungen (z.B. Vorschlag einer breiten HS-Definition).

 

Dem Hass entgeg(n)en – Eine qualitative Studie zu Interventionsmaßnahmen von pädagogischem Schulpersonal bei Hatespeech in der Schule

Norman Krause1, Prof. Dr. Ludwig Bilz2, Dr. Sebastian Wachs1
1Universität Potsdam, 2Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Hatespeech-Erfahrungen können sich negativ auf das Wohlbefinden auswirken (Krause et al., 2021). Als häufig erste Erwachsene, an die sich Schüler*innen hilfesuchend wenden können, liegt es in der Verantwortung des pädagogischen Schulpersonals, eine Intervention zu initiieren. Bisher wurde jedoch nicht untersucht, welche Interventionsmaßnahmen in Bezug auf Hatespeech in der Schulpraxis durchgeführt werden. Aus diesem Grund werden in dem vorliegenden Beitrag Interviews von Schüler*innen (n=21) und Pädagog*innen (n=27) zum Interventionshandeln des pädagogischen Schulpersonals bei Hatespeech ausgewertet. Die Ergebnisse weisen auf verschiedene Interventionsziele (Auflösen der beobachteten Hatespeech-Situation als kurzfristiges Primärziel sowie verhaltensbezogene und einstellungsbezogene Sekundärziele) hin. Weiterhin konnten zwei Interventionsstrategien unterschieden werden: direktiv-disziplinierende Interventionen (z.B. Bestrafungen, Instruktionen) und partizipativ-verhandelnde Interventionen (z.B. kompromissorientierte Mediationen, integrativ-konsensorientierte Verhandlungen). Insgesamt zeigt sich, dass Lehrkräfte auf ähnliche Strategien zurückgreifen wie bei anderen Gewaltphänomenen. Bei einstellungsmotivierter Hatespeech stößt eine rein verhaltenskonditionierende Interventionslogik jedoch an ihre Grenzen, woraus sich Forderungen nach Fortbildungsmaßnahmen für das Schulpersonal und Maßnahmen zur Stärkung einer Werteerziehung für die Schüler*innen ableiten lassen.

 

Online Correlates of Cyberhate Involvement among Adolescents from Ten European Countries: An Application of the Routine Activity and Problem Behaviour Theory

Dr. Sebastian Wachs1, Dr. Angela Mazzone2, Dr. Tijana Milosevic2, Dr. Michelle Wright3
1Universität Potsdam, 2Dublin City University, 3Pennstate University

Recent evidence shows that young people across Europe are encountering hateful content on the Internet. However, there is a lack of empirically tested theories to understand young people’s involvement in online hate speech. To fill this gap, the present study aims to test the Routine Activity Theory to explain hate speech victimisation and the Problem Behaviour Theory to understand hate speech perpetration. Participants were 5433 young people (Mage = 14.12, SDage = 1.38; 49.8% boys from ten countries of the EU Kids Online IV survey). Self-report questionnaires were administered to assess hate speech involvement, experiences of data misuse, frequency of contact with unknown people online, problematic aspects of sharenting, excessive Internet use, and sensation seeking. Results showed that being a victim of hate speech was positively associated with target suitability (e.g., experiences of data misuse, and contact with unknown people), lack of capable guardianship (e.g., problematic facets of sharenting), and exposure to potential offenders (e.g., witnessing cyberhate, and excessive Internet use). Furthermore, being a perpetrator of hate speech was positively associated with several online problem behaviors. Hence, findings support the general usefulness of both theories to understand hate speech involvement of young people. The findings can be used to develop intervention and prevention programmes on a local, national, and international level.