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Sitzungsübersicht
Sitzung
Die Entgrenzung und Begrenzung von Jugend – zur Notwendigkeit einer Neujustierung konzeptioneller Rahmungen
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 18

917 4946 0952, 114812
Sitzungsthemen:
3. Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft, 4. Empirische Bildungsforschung, 8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, Sektion 2, Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, Sektion 3, Kommission Vergleichende und Internationale Erziehungswissenschaft, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, qualitativ, quantitativ, theoretisch, Deutsch

Präsentationen

Die Entgrenzung und Begrenzung von Jugend – zur Notwendigkeit einer Neujustierung konzeptioneller Rahmungen

Chair(s): Prof. Dr. Marius Harring (Johannes Gutenberg-Universität Mainz), Prof. Dr. Matthias D. Witte (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Wiebke Waburg (Universität Koblenz-Landau)

Jugend ist aktuell einer beschleunigten Entwicklung unterzogen. Vor dem Hintergrund der Pluralisierung und Individualisierung von Lebensstilen in einer komplexen Gesellschaft ist diese Phase durch heterogene Lebenslagen, nicht linear verlaufende Biografien und ungleiche Chancenverteilungen charakterisiert und zugleich durch Ent- und Begrenzungsprozesse determiniert. Diese Prozesse haben Auswirkungen auf bisherige theoretische Verortungen von Jugend. Nur noch selten erfüllen sie den Anspruch einer umfassenden Erklärung des Aufwachsens heute. So gilt es zu hinterfragen, inwiefern z.B. das Konzept der Entwicklungsaufgaben angesichts des gesellschaftlichen Wandels die differenzierten Entwicklungswege Jugendlicher aufzufangen vermag. Die Arbeitsgruppe will Fragen der Be- und Entgrenzung anhand von unterschiedlichen thematischen Zugängen empirisch ausleuchten und darauf basierend Ableitungen und neue Impulse für die theoretische Verortung der Lebensphase Jugend herausarbeiten.

 

Beiträge des Panels

 

Zum Passungsverhältnis von empirischen Befunden aus der Jugendforschung und jugendtheoretischen Konzeptionen – Exemplarische Reflexionsanlässe

Dr. Nora Gaupp, Dr. Anne Berngruber
Deutsches Jugendinstitut (DJI)

Ausgehend von der Prämisse einer gesellschaftlichen und historischen Einbettung von „Jugend“ – und darin eingelagerten Prozessen sozialen Wandels –, steht die Jugendforschung notwendigerweise immer wieder vor der Aufgabe, bestehende jugendtheoretische Konzeptionen zu überprüfen und gegebenenfalls weiter zu entwickeln. Ausgehend von empirischen Befunden aus der Jugendforschung will der Vortrag einen Beitrag zur Reflexion konzeptioneller Perspektiven auf die Lebensphase Jugend leisten. In einem Drei-Schritt werden zunächst ausgewählte empirische Befunde aus der Jugendforschung präsentiert. Diese werden in einem zweiten Schritt auf ihre Passung zu bestehenden Konzepten von Jugend geprüft. Schließlich soll, drittens, abgeleitet werden, wie in bestimmten Aspekten angemessenere Perspektiven aussehen könnten, um das Aufwachsen von Jugendlichen in unserer heutigen Gesellschaft zu beschreiben. Dieser Gedankengang kann etwa exemplarisch anhand der Konzeption von Jugend als Moratorium geführt werden, wenn Befunde zu einer eingeschränkten Zufriedenheit Jugendlicher mit der Möglichkeit, das Leben selber zu gestalten, zu gefühltem Druck, schnell erwachsen werden zu müssen oder zu Zeitkonflikten zwischen Schule und der Zeit mit Freunde*innen eher zu Vorstellungen von Verdichtung und Beschleunigung der Jugendphase führen.

 

Aufwachsen im Horizont transnationaler Vergesellschaftung. Forschungsbezogene Implikationen

Prof. Dr. Matthias D. Witte
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Jugendliche heute sind eingebunden in Sozialisationszusammenhänge, die beeinflusst werden von Modernisierungsdynamiken in einer global entfesselten Weltgesellschaft. Angesichts technischer Errungenschaften und den damit einhergehenden Mobilitäten, die eine Relativierung von Raum/Zeit mit sich bringen, agieren sie zunehmend in plurilokalen und über nationalstaatliche Grenzen hinausreichenden Alltagswelten, auch jenseits physischen Mobilseins. Aufwachsen in multiplen Kontexten (z.B. in digital social networks, transnationalen sozialen Feldern, postkolonialen oder multikulturellen Räumen) verweist auf die tendenziell geringer werdende Relevanz nationalstaatlicher Bezüge und kann mit einer vom methodologischen Nationalismus ausgehenden Entweder-Oder-Logik nicht angemessen erfasst werden. Es liegt nahe, im Sinne der ‚Transnational Studies’ den Blick auf (Grenz-)Überschreitungen, Verflechtungen und deren Interdependenzen in den Lebenswelten Jugendlicher zu lenken; dabei sind die Beharrungskräfte und Relevanzen des Lokalen nicht zu unterschätzen. Kurz: Das Transnationale kann auch lokalisiert und das Lokale transnationalisiert auftreten. In diesem Sinne ist Jugend multiperspektivisch, d.h. lokal, national und global zu betrachten, um die ‚Trans-Phänomene’ auf diesen Ebenen und in ihrer Mehrdimensionalität zu erfassen. Der Vortrag diskutiert Jugend unter der Perspektive von Transnationalität und arbeitet auf Grundlage empirischer Studien forschungsbezogene Notwendigkeiten heraus.

 

Ein gescheiterter Ablösungsprozess? – Das Aufwachsen in Südosteuropa und Zentralasien. Schlussfolgerungen für eine theoretische Einordnung von Jugend aus einer internationalen Perspektive

Prof. Dr. Marius Harring, Daniela Lamby, Julia Peitz
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Das Ablösen vom Elternhaus – materiell und räumlich – stellt nach allen gängigen theoretischen Einordnungen eine zentrale Entwicklungsaufgabe des Jugendalters dar. Erst wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, sei der Übergang ins Erwachsenenalter vollzogen. Was passiert aber, wenn Jugendliche bewusst oder unbewusst den Ablösungsprozess in dieser Form nur teilweise oder gar nicht durchlaufen? Wird ihnen damit der Status eines Erwachsenen verwehrt? Oder anders formuliert: Bleiben sie auf unbestimmte Zeit jugendlich? Muss der Prozess der Ablösung als gescheitert angesehen werden? Hier setzt dieser Vortrag an und leuchtet auf der Basis repräsentativer Fragebogenerhebungen (n=16.000) das Aufwachsen der heutigen Jugendgenerationen in Ländern Südosteuropas (Albanien, Kosovo, Kroatien etc.) und Zentralasiens (Kasachstan, Kirgisistan und Usbekistan) aus. Dabei liegt der Fokus auf familiären Sozialisationsbedingungen vor dem Hintergrund eines historisch gewachsenen und gesellschaftlich festverankerten Generationsvertrags aus der Perspektive von Jugendlichen. Die sich daraus ergebenen Wertestrukturen und auf Lebenszeit eingegangenen Verpflichtungen Jugendlicher sollen genauso betrachtet werden, wie die dahinterliegenden Motive und Konflikte. Ausgehend von diesen Befunden sollen Impulse für eine theoretische Rahmung der Lebensphase Jugend – und zwar aus einer internationalen Perspektive gedacht – diskutiert werden.