Veranstaltungsprogramm

Die Zugänge zu allen Zoom-Räumen finden sie auf der Kongress-Plattform (https://plattform.dgfe2022.de/).
Login mit Ihrem ConfTool-Benutzernamen und Ihrem ConfTool-Passwort.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Veranstaltungen des Kongresses.
- Sie können die Veranstaltungen nach Beitragstyp (u.a. Symposium, Arbeitsgruppe, Forschungsforum, Parallelvorträge), Sprache (Englisch, Deutsch, Englisch und Deutsch in einer Veranstaltung) und Themen (Forschungszugänge, Kommissionen, Sektionen) filtern.
- Bitte wählen Sie ein Datum aus, um nur die betreffenden Veranstaltungen anzuzeigen.
- Wählen Sie eine Veranstaltung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
- Die Vortragenden sind jeweils unterstrichen dargestellt.
- Eine persönliche Agenda kann drei Wochen vor Kongressbeginn auf der Kongressplattform von mcc Agentur für Kommunikation erstellt werden.
- Änderungen des Programmes sind vorbehalten.

 
 
Sitzungsübersicht
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 22
980 0700 1274, 502109
Datum: Montag, 14.03.2022
14:00 - 16:30Die Be- und Entgrenzung von Schule und Unterricht in der Corona Krise als Herausforderung für pädagogisches Handeln
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 22
 

Chair(s): Prof. Dr. Gabriele Bellenberg (Ruhr-Universität Bochum, Deutschland), Grit im Brahm (Ruhr-Universität Bochum), Christian Reintjes (Universität Osnabrück)

Diskutant*innen: Raphaela Porsch (Otto-von_Guericke Universität Magdeburg)

Die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Krise führt zu Be- und Entgrenzungsprozessen von Schule und Unterricht, die für pädagogisches Handeln eine Herausforderung darstellen. Anhand dreier empirischer Studien wird solche Be- und Entgrenzungsprozesse im Mehrebenensystem Schule dargestellt, diskutiert und eingeordnet. Die Befunde zielen auf die einzelschulische Bewältigung der Organisation von Schule und Unterricht, auf zusätzliche Ungleichheitsdimensionen durch Schulschließungen im angepassten Regelbetrieb sowie die Suche und Wahrnehmung von Unterstützungsstrukturen seitens der Schulen. Die Befunde werden als Herausforderung für das pädagogische Handeln von Schulen diskutiert und eingeordnet.

 

Beiträge des Panels

 

Standortspezifische Bewältigung der Herausforderungen bei der Organisation von Schule und Unterricht nach dem 1. und 2. Lockdown: Befunde der Schulleitungsbefragungen HOSUL

Christian Reintjes1, Grit im Brahm2
1Universität Osnabrück, 2Ruhr-Universität Bochum

Im Zentrum von Beitrag 1 stehen Befunde von zwei Online-Befragung von Schulleitungen aller allgemeinbildenden Schulformen (T1: Mai/Juni 2020, T2: März 2021). Insgesamt haben 683 Schulleitungen in der 1. Befragung bzw. 382 Schulleitungen in der 2. Befragung vollständig geantwortet. In den Bundesländern NRW und NI, deren Daten diesen Auswertungen zugrunde liegen, lagen mit Abstand die meisten vollständigen Datensätze vor (NRW: 520 GS/302 SI; NI: 110 GS/ 76 SI).

Mit Blick auf die Stundentafeln, die Corona-bedingten Maßgaben und die verbleibenden Spielräume der Schulen emergierte eine große Bandbreite von organisationalen Bewältigungsstrategien. Bei den schulform- und standortspezifischen Lösungen für den Präsenzunterricht nach den Lockdowns spielen die einzelschulisch variierenden, verfügbaren Ressourcen eine zentrale Rolle. Vor dem Hintergrund Bourdieus Theorie der Reproduktion sozialer Ungleichheit durch Schule (2012) wird geprüft, inwiefern Leitungen in Abhängigkeit von sozialräumlichen Lagen die ihnen zur Verfügung stehenden personellen, materiellen und räumlichen Ressourcen mit Blick auf die zu bewältigenden Aufgaben different einschätzen (Bremm et al., 2021). Unter governancetheoretischen Annahmen wird unter Berücksichtigung ministerieller Vorgaben sowie einzelschulischer Entscheidungsprozesse der Frage nachgegangen, welche Strategien die Schulen mit Blick auf die Re-Etablierung von Präsenzunterricht gewählt haben. Der Beitrag endet mit einer schultheoretischen Diskussion.

 

Schule und Unterricht im angepassten Regelbetrieb. Analyse und Reflexion Corona-bedingter (Teil-)Schließungen von Schulen anhand der COSMO-Befragung in NRW

Jörg-Peter Schräpler1, Gabriele Bellenberg1, Christian Reintjes2, Markus Küpker3
1Ruhr-Universität Bochum, 2Universität Osnabrück, 3Ruhr-Futur

In diesem Beitrag wird auf der Grundlage der auf Nordrhein-Westfalen (NRW) bezogenen Daten der Corona-Schnellmeldung online (COSMO) für den Zeitraum des angepassten Regelbetriebs untersucht, ob und wie sich die dort registrierten (Teil-)Schulschließungen durch pandemiebezogene bzw. schulische Kontextfaktoren erklären lassen. Die (Teil-)Schließungen von Schulen in NRW sind das Ergebnis eines Abwägungsprozesses der Schulleitung in Abstimmung mit dem Schulträger wie der Schulaufsicht. Der Beitrag geht der Frage nach, inwiefern sich Erklärungszusammenhänge aus relevanten Kontextfaktoren wie dem kommunalen Infektionsgeschehen, der Schulform oder dem spezifischen Einzugsgebiet der Schule zeigen. Die Befunde werden eingeordnet und vor dem Hintergrund der Rahmenbedingungen der Organisation von Schule und Unterricht in NRW sowie mit Blick auf die mit den COSMO-Daten verfolgten Zielstellungen im Mehrebenensystem Schule diskutiert. Die vorgelegten Ergebnisse zeigen, dass sich auf der Grundlage der COSMO-Daten wichtige Erkenntnisse über den Einfluss der Pandemie auf das Bildungssystem gewinnen lassen, die zusätzliche Ungleichheitsdimensionen eröffnen. Die Befunde werden schultheoretisch und schulpädagogisch diskutiert.

 

Unterstützung von Lehr- und Lernprozessen in Zeiten der Krise. Eine explorative Studie zur Systematisierung wahrgenommener Initiativen im Mehrebenensystem Schule

Matthias Forell1, Philipp Matthes2, Grit im Brahm1
1Ruhr-Universität Bochum, 2niversität Bochum

Der Krisenbegriff impliziert, dass Akteure eines Systems angesichts einer unerwarteten und als bedrohlich wahrgenommenen Situation angesichts einer Vielzahl möglicher (systemimmanenter sowie umwelteigener) Handlungsoptionen mit Orientierungslosigkeit und Unsicherheit reagieren. Vor diesem Hintergrund wurden in NRW explorativ 11 leitfadengestützte Interviews mit schulischen Akteuren (Schulleitung, Lehrkräfte, Elternpflegschaft, Schüler*innenvertretung) durchgeführt und qualitativ-inhaltsanalytisch ausgewertet. Hypothesengenerierend wird darin untersucht, (1) welche Unterstützungsinitiativen den schulischen Akteuren auf der Meso- und Mikroebene bekannt und von diesen genutzt wurden, (2) welchen Gegenstand die Unterstützungsangebote fokussieren, (3) wo sich deren Anbieter im Handlungsfeld von System und Umwelt verorten lassen sowie (4) welche weiterführenden Unterstützungsbedarfe die schulischen Akteure identifizieren. Die vorgelegte Systematik ermöglicht die Einordnung und das Verständnis darüber, welche Initiativen Schulen als unterstützend identifizieren und ggfs. genutzt haben sowie welche weiterführenden Unterstützungsbedarfe schulische Akteure erkennen. Ferner stellt sich die Frage, welche Bedeutung die in der Krise wahrgenommenen umwelteigenen Unterstützungsangebote künftig für die Entwicklung des Meso-, Mikro-, aber auch Makrosystems Schule haben werden. Die Befunde werden governancetheoretisch eingeordnet sowie schultheoretisch diskutiert.

 

Datum: Dienstag, 15.03.2022
9:00 - 11:30Multiplication of Borders in National School Systems in Times of (Forced) Migration and Global Educational Governance: Comparative Perspectives
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 22
 

Chair(s): Prof. Dr. Mechtild Gomolla (Helmut Schmidt-Universität Hamburg, Deutschland), Dr. Ellen Kollender (Helmut Schmidt-Universität Hamburg)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Karin Amos (Universität Tübingen)

The increased forced migration to European and Non-European countries, especially in the wake of the war in Syria, has brought flight and migration into focus in different national education systems. Numerous programs, projects, and actors are involved in ambivalent discourses and political processes in which material and symbolic (national) borders are being strengthened and weakened at the same time. From a comparative perspective, the symposium aims to analyze Ent/grenz/ungen in the political and institutional responses to (forced) migration in the German, Turkish and Greek school systems in the context of the multilayered transformational processes of the nation-state. By taking a look at three national education systems that are involved in the European Border and transnational education regimes in different ways, the symposium focuses on linkages between the emerging Global Education Industry and processes of inclusion and exclusion in the context of (forced) migration.

 

Beiträge des Panels

 

Governance and Refugees’ Access to Education under the Pandemic of Covid-19 in Greece: between Excluding Practices and Inclusive Strategies

Prof. Dr. Vasiliki Kantzara1, Prof. Dr. Martina Loos2
1Panteion University Athens, 2University of Applied Science, Berlin

In 2015 Greece received about a million dislocated people, a record number in the history of the country. Given that a holistic approach to migration and integration is not so well developed, reception of refugees became a challenge on many fronts, such as housing, education, access to asylum rights and health services (Leivaditi et al. 2020). Refugees as a category of ‘outcasted’ people (Bauman 2004) are in urgent need of formal and non-formal education and the COVID-19 pandemic discloses important gaps in refugees’ education. This lack was urgently pointed out, because the “pile on effects” of the Coronavirus includes heightened mental and physical health problems, reduced connectivity and increasing inequality (UNHCR 2020). Volunteer teachers and their commitment play a pivotal role in refugee education in general. During the pandemic they helped with remote teaching in formal and non-formal education. The questions posed in the paper are “How were the challenges of including refugees into education tackled by the official education policy?” and “What are the challenges teachers working in formal and in NGO’s non-formal educational settings face in reaching out to refugees?” The research for this paper includes a variety of sources: policy documents, reports, and interviews with teachers and key experts. The theoretical framework makes use of concepts and approaches based on sociology and participatory pedagogy.

 

Between Inclusion Claims and Competitive Orientation: Educational Practices and Perceptions of NGOs in the Context of the EU-Turkey Agreement

Dr. Ellen Kollender
Helmut Schmidt-Universität Hamburg

This paper analyzes the educational programs, projects, and actor constellations that emerged in the context of the so-called EU-Turkey deal as elements of an International Education Regime. Through a discourse-theory-informed analysis of the programs, projects, and (self-)perceptions of non-governmental organizations (NGOs) active in the field of (forced) migration and education in Istanbul/Turkey I show that the NGOs are entangled in the logic of a New Educational Governance in many ways. This takes place either on a practical level through various collaborations of the NGOs with the private sector, their alignment with neoliberal principles such as the principle of competition, or on a conceptual level by justifying their educational projects primarily in terms of quantitative data respectively indicators, and statistics. Drawing on texts from qualitative interviews with the NGOs and websites of these actors as well as of the European Commission, I show that current dynamics in the International Education Regime impact the actors' understandings of cooperation, civic engagement, and inclusion in a rather one-sided way. The education programs implemented under the EU-Turkey agreement are characterized by a technical understanding of educational justice; they often pursue a one-dimensional focus on the category of ‘Syrian refugee children’, while aspects of intersectionality are being widely overlooked when addressing forced migration in the Turkish education system.

 

New Educational Governance and discourses on schooling, social justice and (forced) migration in Germany

Prof. Dr. Mechtild Gomolla
Helmut Schmidt-Universität Hamburg

The paper examines, how political claims of inclusion, social justice and democracy have been incorporated, (re)conceptualized, distorted or excluded within the New Educational Governance as a new type of school reform in Germany as a (post-)migration society and how this affects the work of teachers and schools as well as participation opportunities of students and parents. By means of a discourse analysis of key policy documents at the federal political level, academic texts that belong to the genre of school effectiveness research and interviews with professionals in the field of governance and migration the institutionalised knowledge concerning educational requirements of (forced) migration will be elicited. The study reveals a far-reaching depoliticisation of discourse and normative revaluations. In the interplay of the epistemology, methodology and categories of school effectiveness research with managerialist steering instruments, spaces for democratic school development and educational processes, in which aspects of plurality, difference and discrimination can be thematized and addressed, appear to be systematically narrowed or closed. Linking theories of transnational educational governance, regime and gouvernementality (e.g. Amos 2016) with considerations on plurality, educational inequality, discrimination and democratic justice a critical understanding of the school effectiveness approach as “epistemological politics” (Ricken 2011) will be developed.

 

School Effectiveness and Institutional Habitus: How Turkish Public Schools fail Kurdish Students

Prof. Dr. Cetin Celik
Koc University, Istanbul

Reproduction theories reveal schools' critical role in inequalities and instill a sense of pessimism regarding schools’ potential to create a fair society. School effectiveness research (SER) has responded to this pessimism by studying associations between school factors and educational performance to show that schools can make a difference. Despite its optimistic approach, SER fails to analyze the effects of broader social structures on educational processes. In my presentation, I will use the institutional habitus concept to understand how the Turkish state’s assimilative educational agenda and Kurdish communities' past experiences inform educational interactions in a public middle school in Istanbul’s inner-city area. Based on this empirical data, the presentation will point out theoretically that institutional habitus as a conceptual tool provides a more robust framework than SER in explaining schools’ role in academic achievement within the broader sociopolitical context.

 
14:00 - 16:00Institutionelle Be- und Entgrenzungen im transnationalen Bedingungsgefüge. Schule zwischen Re- und Transnationalisierung
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 22
 

Chair(s): Dr. Melanie David-Erb (Goethe-Universität Frankfurt, Deutschland), Dr. Friederike Dobutowitsch (Leuphana Universität Lüneburg), Dr. Caroline Gröschner (TU Braunschweig)

Die AG thematisiert Be- und Entgrenzungen auf bildungsinstitutioneller Ebene, die sich im Zusammenhang mit transnationalen Lebenswelten von Schüler*innen ergeben. Die Beiträge stützen sich auf Erkenntnisse aus drei aktuellen qualitativ empirischen Projekten, die sich mit Grenzen und ihrer Aufhebung im Kontext Schule aus einer transnationalen Perspektive auseinandersetzen und laden zur Diskussion theoretischer wie methodischer Herausforderungen ein.

Im Zentrum der Analysen stehen dabei Schulen als Organisationen und deren Umgang mit sich zunehmend transnational gestaltenden Lebenswirklichkeiten von Schüler*innen, sowie die Perspektive von Individuen, die als Beteiligte auf der Mikroebene an institutionellen Praktiken teilhaben.

Die Beiträge versammeln sich um folgende Kernfragen: Wie gehen Schulen auf transnationale Bedingungen ein? Wie werden institutionelle Grenzen konstruiert und wie nehmen die unterschiedlichen Akteur*innen diese Grenzen wahr? Wo werden sie aufgehoben oder geöffnet?

 

Beiträge des Panels

 

Formale und non-formale Bildungsinstitutionen in transnationalen Realitäten. Bildungskooperationen aus einer Perspektive der Mesoebene

Dr. Melanie David-Erb
Goethe-Universität Frankfurt

Ein Desiderat der erziehungswissenschaftlichen Transnationalisierungsforschung betrifft den non-formalen Bildungssektor (Pfaff u.a. 2019). Diverse private Initiativen kooperieren mit Schulen des formalen Sektors. Dabei positionieren sie sich in einem Spannungsfeld des Partikularen (exklusive Zielgruppe) und des Transnationalen (Grenzüberschreitenden) bei gleichzeitiger Angliederung an ein öffentliches Schulsystem, das als Maßstab für das zu Lernende gilt. Diese Rahmenbedingungen konstituieren ein Umfeld, in dem die Bedürfnisse von Lernenden mit transnationalen Biografien besondere Berücksichtigung finden können.

Daher zielt der Vortrag auf die Analyse des Zusammenspiels von formalen und non-formalen Bildungsinstitutionen. Zentral ist die Frage nach Gelingensbedingungen von Kooperationen, die an der Schnittstelle von formalen und non-formalen Angeboten agieren; dadurch gerät auch die Rolle non-formaler Akteur*innen im formalen System in den Blick.

Exemplarisch wird die Kooperation zwischen einem non-formalen Bildungsträger und formalen Schulen untersucht, im Rahmen derer sich junge Menschen mit transnationalen Biografien auf den Schulabschluss vorbereiten. Die Analysen von Experteninterviews mit Projekt- und Schulleitungen und von teilnehmenden Beobachtungen an den Koordinationsgesprächen geben Aufschluss über Mechanismen der Kooperation und über Strukturen der Be- und Entgrenzung von formalen Institutionen in Hinblick auf Anforderungen transnationaler Bedingungen ihres Umfeldes.

 

Grenzziehungen in der Grundschule. Re- und transnationale Vorstellungen von Grundschulleitungen in „sozial deprivierter“ Lage

Dr. Caroline Gröschner
TU Braunschweig

Ausgehend von der Annahme, dass im Sprechen über Schüler*innen in der Schule sich Zuschreibungen herkunftsbedingter Andersheiten zeigen, sollen Aussagen von Grundschulleitungen, die als bedeutende Akteur*innen im Rahmen der Gestaltung und Entwicklung von Schule betrachtet werden (ex. Rolff 2012), in den Fokus des zweiten Beitrags gerückt werden. Dieses Sprechen setzt dabei auch den Rahmen pädagogischen Handelns innerhalb der Schule und konstituiert das Selbstverständnis von Schulleitungen und Schule und legt die schulisch legitimierten Normen sowie die Ausgestaltung des schulischen Alltags fest. Der Beitrag verhandelt mithilfe von Expert*inneninterwiews, die qualitativ rekonstruktiv analysiert wurden, unterschiedliche Perspektiven und Handlungsorientierungen sowie (trans-)nationale Vorstellungen von Grundschulleitungen in „sozial deprivierter“ Lage, die leitend für den schulischen Alltag sind. Sichtbar wird, dass durch die Zuschreibungen von „kulturellen“ Differenzen, die vor allem als Defizite und Abweichungen von der Norm bewertet werden, das pädagogische Handeln seitens der Schule legitimiert und daran ausgerichtet wird. Solche Zuschreibungen werten dabei transnationale Lebenswelten ab und verweisen auf diese Weise auf nationale Norm(-vorstellung)en und Orientierungen (auch) an Grundschulen in „sozial deprivierter“ Lage. Diese Setzungen durch Schulleitungen können als Be- und Entgrenzung von schulischem Handeln und somit als Konstruktion des Normalen verstanden werden.

 

Der schulische (Fremd-)Sprachenkanon als Anlass für die Be- und Entgrenzung transnationaler Bildungsbiographien. Retrospektive Deutungen von Erfahrungen als Schüler*in durch mehrsprachige Studierende.

Dr. Friederike Dobutowitsch
Leuphana Universität Lüneburg

Transnationale Migrationserfahrungen junger Menschen gehen häufig mit dem Besuch mehrerer nationaler Bildungssysteme mit je unterschiedlichen majoritären Instruktionssprachen und Fremdsprachenangeboten einher. Nicht zuletzt die Debatte des Rats für Migration im Jahr 2020 macht mit Blick auf die Schulbildung in Deutschland deutlich, dass der schulische Sprachenkanon nur in begrenztem Maße das im transnationalen sozialen Raum erworbene Sprachkönnen aufzugreifen vermag (Vogel 2020; auch: Hopp & Jakisch 2020). In der Folge scheint eher eine Gleichzeitigkeit von schulischen Fremdsprachenangeboten und einer Dethematisierung oder Diskriminierung von transnational erworbenem Sprachkönnen der Fall zu sein.

Ausgehend von diesem Bedingungsgefüge stellt der Beitrag Erfahrungen und Strategien von Schüler*innen selbst in den Fokus. Die Daten entstammen sprachbiographischen Erzählungen mehrsprachiger Studierender, die retrospektiv auf ihre transnationalen schulischen Erfahrungen zurückblicken. Die Erzählungen zeugen von ermöglichenden und begrenzenden Momenten im Erfahrungsraum des schulischen Fremdsprachenunterrichts und werden in dem Beitrag anknüpfend an migrationspädagogische Perspektivierungen über die Macht der Sprache(n) (Dirim u.a. 2018) eingeordnet und diskutiert.

 

Datum: Mittwoch, 16.03.2022
9:30 - 11:30Entgrenzte Normalitäten? – Die Erforschung von Selbst- und Weltverhältnissen im Kontext digitaler Transformationen
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 22
 

Chair(s): Dr. Frank Beier (Technische Universität Dresden, Deutschland), Dr. Merle Hinrichsen (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Dr. Julia Lipkina (Universität Siegen), Dr. Maike Lamprecht (Universität Bielefeld)

Das Forschungsforum stellt die Frage nach der Erforschung und Konstitution „neuer“ Formen von Selbst- und Weltverhältnissen im Kontext der Digitalisierung. Zentral wird diskutiert, ob es auch neuer methodologischer Überlegungen in der qualitativen Bildungs- und Biografieforschung bedarf, um digitale „Medialiserungsformen des Selbst“ (Heinze 2018) adäquat zu erfassen und welchen Beitrag althergebrachte Konzepte leisten können. Durchaus kritisch soll sich damit auseinandergesetzt werden, ob es sich tatsächlich um eine „neue Normalität“ handelt und welche bildungstheoretischen Herausforderungen damit verbunden sind. Anhand von empirischen Beispielen werden konkrete Formen sozialer Selbstpräsentationen vorgestellt und methodologische Schlussfolgerungen gezogen. Das Forschungsforum geht aus dem Post-Doc-Netzwerk der QBBF-Kommission hervor und liefert einen Rahmen, innovative Ansätze zur Erforschung des Digitalen aus sehr unterschiedlichen Perspektiven zur Diskussion zu stellen.

 

Beiträge des Panels

 

Grenzen des Sagbaren verschieben? Die Artikulation von Rassismus- und Sexismuserfahrungen in Sozialen Medien

Dr. Merle Hinrichsen1, Betül Karakoc2
1Goethe-Universität Frankfurt am Main, 2Goethe-Universität Frankfurt

Die Verwobenheit von Rassismus- und Sexismus erhält in Folge jüngster Diskursereignisse zunehmende Aufmerksamkeit; insbesondere soziale Medien wie Instagram fungieren als Möglichkeitsräume des Austausches und der transnationalen Vernetzung (Kemp-Graham 2018). Diskussionen dort werden von konservativen Medien aufgegriffen und eröffnen Optionen, diskursive Sagbarkeitsgrenzen zu verschieben und gesellschaftlichen Tabuisierungen zu begegnen. Dies gilt auch für die Thematisierung von Diskriminierung in Bildungsinstitutionen. So finden sich in sozialen Medien vermehrt Posts, in denen marginalisierte Subjekte eigene biographische Erfahrungen präsentieren.

Unser Beitrag setzt hier an und fragt nach Form, Funktion und Bedeutung solcher medialen Selbstpräsentationen und den damit einhergehenden sozialen Positionierungen. Dabei stehen Möglichkeiten der Widerstandsartikulation ebenso im Fokus wie (neu entstehende) Sagbarkeitsgrenzen. Empirische Grundlage für diese Untersuchung bildet die Triangulation von schriftlichen Artikulationen von Diskriminierungserfahrungen und narrativen Interviews mit den Autor*innen; die Rekonstruktion erfolgt mit einer Kombination von aus Biographie- und Diskursanalyse.

Kemp-Graham, K. Y. (2018). # BlackGirlsMatter: A Case Study Examining the Intersectionality of Race, Gender, and School Discipline. Journal of Cases in Educational Leadership, 21(3), 21-35.

 

“Sehen und Gesehen werden” - Bildungstheoretische Perspektiven auf Artikulationsspielräume in digitalen Konferenzen

Dr. Julia Lipkina
Universität Siegen

Videokonferenzsysteme wie Zoom erlauben es, Nähe und Verbundenheit auf Distanz zu erleben. Obwohl sie der analogen Kommunikation ganz nahe kommen, entstehen mit ihnen andere Erfahrungs- und Handlungsräume, die das Verhältnis zu sich selbst und anderen transformieren können. So lassen sich Aspekte der Identität stärker in den Vordergrund stellen und optimierte Varianten des Selbst entwerfen. Besonders die Tatsache, sich selbst beim Sprechen zu sehen, impliziert eine Form der Selbstkontrolle und -inszenierung, die in der Kommunikation Face-to-Face undenkbar wäre. Gleichzeitig bleibt das Sich-Ansehen lediglich eine Simulation, in der das Subjekt trotz Anwesenheit des Anderen nur sich selbst spürt. Der geplante Beitrag fragt nach möglichen Folgen der intensivierten Selbstwahrnehmung bei gleichzeitigem Verlust des (an-)erkennenden Blickes des Gegenübers für Bildungsprozesse von Subjekten. Dazu sollen die kommunikativen und sozialen Strukturen virtueller Konferenzen vor dem Hintergrund einer artikulationstheoretischen Fassung von Bildung (Lipkina 2021) diskutiert werden, um nach Möglichkeiten und Restriktionen für Bildungsprozesse und ihrer empirischen Erfassung zu fragen.

Lipkina, J. (2021): Bildung und Transformation ‚anders denken’. Über die Bedeutung positiver Erfahrungen für Bildungsprozesse im Anschluss an Charles Taylor. ZfPäd 67, 1, 102-119.

 

Entgrenzung oder neue Normalität? Überlegungen zur Transformation von Bildungswelten im Kontext von Digitalisierung und Inklusion

Dr. Frank Beier
TU Dresden

Erziehungswissenschaftliche Theoriebildung hat sich über Jahrzehnte hinweg an der Relationierung von Subjekt und Objekt abgearbeitet. Während in den klassischen pädagogischen Auseinandersetzungen bspw. Fragen der Ermächtigung zur Autonomie durch heteronome Handlungsrahmen thematisiert werden und dabei ganz grundsätzlich - in etwa mit dem Begriff der Bildsamkeit - das Wesen pädagogischen Handelns an Bildungsprozessen austarieren, scheint sich die erziehungswissenschaftliche Debatte in den letzten Jahren deutlich verschoben zu haben. Neue Ankerpunkte sind stattdessen gesellschaftliche Transformationsprozesse wie Digitalisierung oder Inklusion. In beiden Diskursen wird eine neue Normalität propagiert, deren Subjektivierungsmechanismen zwar breit kritisiert, jedoch kaum mehr für pädagogische Theoriebildung genutzt werden. Während in der Inklusionsdebatte vor allem Differenzkonstruktionen und deren reifikatorische Wirkung angesprochen werden, werden im Digitalisierungsdiskurs v.a. Techniken der Selbstdarstellung und segregierter Kommunikationsräume diskutiert. Pädagogische Diskurse reagieren darauf, wenn überhaupt reaktiv. Im Beitrag sollen diese „Entgrenzungen“ systematisch hinterfragt werden. Erziehungswissenschaftliche Diskurse – so die These des Beitrags – sollten sich auf Grundprobleme pädagogischen Handelns beziehen, die durch gesellschaftliche Transformationen beeinflusst werden, anstatt vice versa gesellschaftliche Transformationsprozesse pädagogisch begleiten zu wollen.

 

Digitalität und Latenz – Methodologische Überlegungen zum „entgrenzenden“ Charakter rekonstruktiver Bildungs- und Biographieforschung

Dr. Maike Lambrecht
Universität Bielefeld

Neue Medien sind Ausdruck und Steigerung dessen, was A. Nassehi (2019) als „digitale Struktur“ moderner Gesellschaften bezeichnet hat. Digitalisierung stellt für den Soziologen Nassehi eine Form gesellschaftlicher Selbstbeobachtung dar, die Ordnung über Mustererkennung generiert, also latente Regelmäßigkeiten sichtbar macht. Darin sieht er auch die Ursache für das „Unbehagen“, das der aktuelle technologische Digitalisierungsschub im modernen Subjekt erzeuge: dieses gründe im „Sichtbarwerden der Unsichtbarkeit der gesellschaftlichen Antezendenzbedingungen des individuellen Lebens“ (S. 44). Vor diesem Hintergrund stellt der Vortrag methodologische Überlegungen zu einer erziehungswissenschaftlichen Bildungs- und Biographieforschung an, die die Frage der Digitalität zunächst einmal reflexiv auf diese Forschung selbst und ihr „entgrenzendes“ Interesse am Latenten des Sozialen wenden. Davon ausgehend werden in einem zweiten Schritt Anschlussfragestellungen skizziert, die sich aus diesen methodologischen Überlegungen für eine rekonstruktive Bildungs- und Biographieforschung im Kontext des Digitalen ergeben. Dabei ist insbesondere danach zu fragen, was das eigentlich Spezifische am aktuellen technologischen Digitalisierungsschub ist.

Nassehi, A. (2019). Muster. Theorie der digitalen Gesellschaft. München: C.H. Beck.

 
14:00 - 16:00Ent- und Begrenzungen (in) der Heimerziehung: Auf der Suche nach einer Theorie außerfamilialen Aufwachsens
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 22
 

Chair(s): Prof. Dr. Karin Bock (Technische Universität Dresden), Martin Grosse (Technische Universität Dresden, Deutschland)

Im und am Handlungs- und Forschungsfeld Heimerziehung offenbart sich eine Begrenzung etablierter erziehungswissenschaftlicher Theorien hinsichtlich ihrer Konzipierung von Erziehungs- und Bildungsprozessen, die vordergründig von einem familialen Aufwachsen ausgehen. Zugleich liegen bisher nur vereinzelt Elemente einer dezidierten pädagogischen Theorie der Heimerziehung vor. In der Arbeitsgruppe, die an die Arbeitsweise des „New Historicism“ kritisch anschließt, werden auf der Grundlage multitheoretischer, multimaterialer und multimethodischer Zugänge Suchbewegungen für eine (sozial-)pädagogische Theorie der Heimerziehung präsentiert und in einer gemeinsamen Plenardiskussion anschließend erörtert.

 

Beiträge des Panels

 

Zwischen Schule und Heim: Zur schulischen Situation von Kindern und Jugendlichen in Heimerziehung

Susanne Siebholz
MLU Halle-Wittenberg

Der Vortrag widmet sich der Frage nach dem Verhältnis Schule–Heimerziehung und der Relevanz dieses Verhältnisses für eine empirisch fundierte Weiterentwicklung der Theorie der Heimerziehung. Ansatzpunkt der Überlegungen sind dabei diejenigen Akteur*innen, auf die sowohl Institutionen der Heimerziehung als auch schulische Institutionen gleichzeitig pädagogisch zugreifen, die also zugleich als „Kinder und Jugendliche in Heimerziehung“ und „Schüler*innen“ konstituiert sind. Während in Deutschland die Schulforschung Schüler*innen, die in Heimerziehung leben, bislang noch nicht in den Blick genommen hat, berücksichtigen einige empirische Studien zur Heimerziehung bereits schulbezogene Fragestellungen. Deutlich werden u.a. in qualitativ- rekonstruktiven Studien die Relevanz von Schule a) in den Biographien von Menschen mit Heimerziehungserfahrungen und b) in den Alltagswelten der untergebrachten Kinder und Jugendlichen, in quantitativen Studien die Bedeutung des gegliederten Schulsystems und von Schule als Instanz, die Bildungszertifikate vergibt. Die Beobachtungen zur Verwobenheit von Schule und Heimerziehung im Medium derjenigen, die durch sie pädagogisch adressiert werden, gilt es aufzugreifen und in ihrem theoretischen Gehalt zu erfassen. Die Idee einer empirisch gehaltvollen Theorie der Heimerziehung, die deren systematische Bezüge zu Schule aufnimmt, erfordert dabei Grenzüberschreitungen zwischen bislang disparaten Zugängen und erziehungswissenschaftlichen Teildisziplinen.

 

Zwischen Umerziehung, ‚Kollektivgeist‘ und Bambule: Heimerziehung als Sozialgeschichte Ost-West

Stephanie Meiland
Technische Universität Dresden

Im Vortrag wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Auseinandersetzung mit lebensgeschichtlichen Erfahrungen mit der Institution der DDR-Spezialheime zu einer Weiterentwicklung einer gesamtdeutschen Geschichte der Heimerziehung beitragen kann.
Dazu soll sich zunächst auf Basis von autobiographisch-narrativen Interviews und Jugendhilfe- sowie Heimakten aus einem laufenden Forschungsprojekt zu Spezialheimen in der DDR dem Gegenstand genähert werden, um anschließend verbindende und divergente Elemente einer Heimerziehung als Sozialgeschichte Ost-West herauszuarbeiten. Für eine ‚entgrenzte Theorie der Heimerziehung‘ werden schließlich die Begriffe von „Umerziehung“ und „Kollektiv“ sowohl hinsichtlich der biographischen Rekonstruktionen im jeweils öffentlichen Diskurs um Heimerziehung in Ost und West geprüft und danach gefragt, inwieweit Erziehung als pädagogisches Argument für eine Heimunterbringung jenseits der Herkunftsfamilien fachpolitisch legitimiert wurden. Dreh- und Angelpunkt sind Fragen danach, wie insb. geschlossene Heimunterbringung als pädagogisch entgrenztes und organisatorisch begrenzendes Konstrukt den Eingriff in die zentralen Sozialisationsinstanzen (Familie, Schule, Peers) in den Jugendhilfe- und Heimakten rechtfertigen und wie sich diese Legitimation in die Biographien der Adressat:innen eingeschrieben hat.

 

Zwischen pädagogischem Vermittlungshandeln und Peerorientierung: Heimerziehung als Lernort von Kindern und Jugendlichen

Martin Grosse
Technische Universität Dresden

Auf der Grundlage von Interaktionsprotokollen zwischen Pädagog_innen und Adressat_innen, die im Zuge der Durchführung eines sexualpädagogischen Spiels (Sex-ABC) in der Heimerziehung angefertigt und objektiv-hermeneutisch analysiert wurden, wird in dem Kurzreferat zentral die Frage diskutiert, wie Familialität als eine wesentliche Handlungsstrukturproblematik der Heimerziehung pädagogisch bearbeitet wird. Der Fokus auf Familialität resultiert aus dem Umstand, dass diese im Kontext von Heimerziehung und Sexualität in einer paradoxalen Konstellation zu Tage tritt: Zum einen in der faktischen alltäglichen Abwesenheit der Herkunftsfamilie und zum anderen in der symbolischen Anwesenheit als biographische Erfahrung einer (vorübergehenden und dauerhaften) gescheiterten Familiendynamik. Vor diesem Hintergrund stellt sich die in der Adoleszenz bedeutsame Ablösungsaufgabe von der Herkunftsfamilie als eine paradoxale und zugleich spezifische Herausforderung der Heimerziehung dar. In den bisherigen Analysen artikuliert sich hinsichtlich der aufgeworfenen Perspektive auf Seiten der Pädagog_innen einerseits eine entgrenzende Peerorierentierung, die darin besteht, lebensweltliche Adressat_innenpositionen und Erfahrungen zu übergehen und andererseits mit einer quasi-universalistischen Begrenzung sozialer Lebenswirklichkeiten pädagogisch zu antworten. Die Heimerziehung konturiert sich – vorläufig formuliert – als eine paradoxale Erziehungsagentur.

 

Zwischen Poiesis und Praxis: Das Heim als Herberge von Praxis – nicht Herberge von Kindern

Prof. Dr. Mark Schrödter
Universität Kassel

In der pädagogischen Theoriebildung gibt es eine lange Debatte, ob Erziehung eher als Handeln oder als Herstellen zu begreifen ist oder ob sie Aspekte beider Tätigkeitsformen beinhaltet. Im Vortag wird diese Unterscheidung für eine mögliche Theorie der Heimerziehung diskutiert. Es wird untersucht, inwiefern in der gegenwärtigen Theoriebildung Heimerziehung auf ambivalente Weise zwischen einer Poiesis- und Praxisperspektive hin- und hergeworfen ist. Einerseits scheint sie poietisch als Intervention gefasst und so therapeutisiert zu werden. Andererseits scheint sie praxisförmig als Beziehungsarbeit und Alltagshandeln gefasst zu werden, mit einer Tendenz zur Trivialisierung. In beiden Fällen mag sich ihr sozialpädagogischer Charakter entgrenzen. Im Ausblick wird ein Weg hin zu einer normativen Theorie der Heimerziehung skizziert, die von der Organisation ihren Ausgangspunkt nimmt. Dabei ginge es darum, die Einrichtung nicht mehr bloß als Herberge von Kindern zu konzipieren, sondern als Herberge einer wertvollen Praxis, in die die Kinder und Jugendlichen zu initiieren wären. Diese argumentative Perspektivverschiebung wird als ein Element einer entgrenzenden Theorie der Heimerziehung diskutiert.