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Sitzungsübersicht
Sitzung
Zur Bearbeitung und Hervorbringung prekärer Positionierungen – Empirische Rekonstruktionen zur Sinnhaftigkeit und Funktionalität lehrer*innenseitiger Entgrenzungen
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
9:00 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 09

982 4768 1881, 040174
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 5. Schulpädagogik, Sektion 2, Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, Sektion 5, Kommission Professionsforschung und Lehrerbildung, qualitativ, Deutsch

Präsentationen

Zur Bearbeitung und Hervorbringung prekärer Positionierungen – Empirische Rekonstruktionen zur Sinnhaftigkeit und Funktionalität lehrer*innenseitiger Entgrenzungen

Chair(s): Dr. Daniel Goldmann (Eberhard Karls Universität Tübingen, Deutschland), Prof. Dr. Nele Kuhlmann (Friedrich-Schiller-Universität Jena, Deutschland)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Fabian Dietrich (Universität Bayreuth, Deutschland)

Lehrer*innenseitige Entgrenzungen gegenüber Schüler*innen stellen ein empirisch omnipräsentes Phänomen dar, das in seiner sozialen Sinnhaftigkeit noch nicht umfassend geklärt wurde. Im Symposium wird auf Grundlage von empirisch-rekonstruktiven Analysen die Frage bearbeitet, welche situativen und berufsspezifischen Problemstellungen in entgrenzenden Bezugnahmen bearbeitet und inwiefern darin funktionale Momente sichtbar werden. In den mehrperspektivisch-angelegten theoretischen Rückbindungen wird deutlich, dass lehrer*innenseitige Entgrenzungen auf prekäre Positionierungen – im Sinne einer Anerkennungsbedürftigkeit oder einer Unsicherheit bzgl. der eigenen Professionalisiertheit – antworten, ohne diese Prekarität aber dadurch stillstellen zu können. Diese Figur der Bearbeitung und gleichzeitigen Hervorbringung prekärer Positionen wollen wir abschließend zum Anlass nehmen, die professionstheoretische Frage nach den Bedingungen und Grenzen des Lehrer*innenseins neu aufzunehmen.

 

Beiträge des Panels

 

Anerkennungsbedürfnisse diesseits und jenseits der Grenzen des Schulischen – Rekonstruktionen zu Aushandlungen zwischen Lehrpersonen während der pandemie-bedingten Schulschließungen

Prof. Dr. Nele Kuhlmann
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Im Kontext der Pandemie kam es zu flächendeckenden Schulschließungen, Wechselunterricht und der Umstellung auf ‚Distanzlernen‘. Diese weitreichenden Eingriffe machen nicht nur eine Neuaushandlung der Grenzen des Schulischen notwendig, sie lassen auch sichtbar werden, was Schule und Unterricht als Interaktion unter leiblich Anwesenden auszeichnet. Während der Pandemie erhobene Gruppeninterviews mit Lehrpersonen eines Kollegiums machen deutlich, dass die Bezugnahmen auf die körperliche Abwesenheit von Schüler*innen während der ersten Schulschließung sehr unterschiedlich ausfallen. In der anerkennungs- und berufskulturtheoretischen Ausdeutung (Balzer/Ricken 2010; Terhart 1996) lassen sich darin je spezifische Anerkennungsbedürfnisse von Lehrpersonen rekonstruieren, die – so die Annahme – nicht durch die derzeitige Situation erzeugt, wohl aber krisenhaft und dadurch sichtbar(er) werden. So reichen die Bezugnahmen über einen impliziten Kontaktabbruch zu Schüler*innen, über das Bedürfnis einer Novizin, sich selbst in der Interaktion mit Schüler*innen als ‚richtige Lehrerin‘ zu erfahren bis hin zu entgrenzenden Positionierungen, in denen sich die Lehrperson als bedürftig gegenüber einer umfassenden Anerkennung durch die Schüler*innen zeigt. Im Beitrag werden sowohl die verschiedenen Modi der Be- und Entgrenzung in der Bezugnahme auf Schüler*innen in ihrer sozialen Funktionalität wie auch berufskulturelle Typiken der Aushandlung dieser teils konträren Bedürfnisse rekonstruiert.

 

Zwischen den Zeilen. Anerkennungstheoretische Perspektiven auf ironische Disziplinierungen im Unterricht

Anne Sophie Otzen
Universität Bremen

Explizite Formen der Disziplinierung im Unterricht genießen keinen guten Ruf. Vielmehr stehen sie unter dem Verdacht auf „äußere[n] Zwang“ zu setzen, wohingegen aus pädagogischer Perspektive „die Befähigung zur Selbstführung“ das Ziel jedes pädagogischen Handelns sein sollte (Langer/Richter 2015, S. 216). Darüber hinaus tendieren sie auch immer wieder dazu – wie empirische Studien zeigen – Schüler*innen auf entgrenzende Weise zu exponieren (Wernet 2018). Obwohl pädagogisch delegitimiert, gehören Disziplinierungen zum schulischen Alltag, wobei auffällt, dass sich viele dieser Praktiken im ironischen Modus ereignen. Ziel des Beitrags ist es zu zeigen, wie sich diese impliziten und augenzwinkernden Sprechakte einerseits als Ausdruck der Strukturierungsmacht der Lehrperson sowie andererseits als Zeichen ihrer Anerkennungsbedürftigkeit verstehen lassen. Grundlegend für die anerkennungstheoretische Perspektive des Vortrags ist die Annahme, dass im Wechselspiel der Adressierungen die Beteiligten sich nicht nur gegenseitig zu jemanden machen, sondern sich auch als ein spezifischer jemand zeigen (vgl. exempl. Ricken et al. 2017). Wie ironische Disziplinierungen Schüler*innen – auch durchaus entgrenzend – adressieren und gleichzeitig für die Lehrpersonen einen Modus darstellen, ihre prekäre Autorität – im Sinne der „Imagepflege“ (Goffman 1975) – zu bearbeiten, soll anhand von Transkripten aus dem Schulunterricht rekonstruiert werden.

 

Entgrenzende Verortung. Zur Funktion der pädagogischen Entgrenzung der Schüler*innenrolle im Kontext einer bi-professionellen Kulturellen Unterrichtsentwicklung

Dr. Maike Lambrecht1, Prof. Dr. Saskia Bender2
1Ruhr-Universität Bochum, 2Universität Bielefeld

Die im Zuge des Ausbaus des Ganztags aktualisierte reformpädagogische Forderung nach einer Öffnung der Schule hat zu einer Erweiterung schulisch-außerschulischer Kooperationen geführt. Damit einher geht auch der Anspruch einer konzeptionellen Verzahnung von Ganztagsangebot und Unterricht, was jedoch die schulische Positionierung unterschiedlicher Professionen zueinander erfordert. Vor diesem Hintergrund fokussiert der Beitrag in berufskulturtheoretischer Perspektive (Kramer, Idel & Schierz 2018) auf die entgrenzende Bearbeitung von Lehrer*innen-Künstler*innen-Kooperationen im Rahmen Kultureller Unterrichtsentwicklung (Fuchs & Braun 2018). Anhand wechselseitiger Bezugnahmen in Tandeminterviews wird der prekäre Status der Künstler*innen objektiv-hermeneutisch rekonstruiert (Oevermann et al. 1979). Anschließend wird gezeigt, wie diese prekäre schulische Verortung künstlerseitig durch die Entgrenzung der Schüler*innenrolle versucht wird zu bearbeiten. Ob eine schulische Verortung über diese Aufforderung zur Entgrenzung gelingen kann, hängt vom professionellen Selbstverständnis der Lehrer*innen ab, d. h. davon, inwiefern diese die künstlerische Entgrenzung entweder begrenzen oder als funktional im Sinne eines „erziehenden Unterrichts“ deuten. Diese Beobachtungen werden sowohl professions- als auch schultheoretisch im Hinblick auf die Funktionalität der rekonstruierten Entgrenzung für eine arbeitsteilige Stabilisierung des Schulischen diskutiert.

 

Entgrenzungen als Kompetenzkompensation – Zur Herausforderung strikter Rollen-förmigkeit und Gelassenheit im Umgang mit schüler*innenseitigen Entgrenzungen

Dr. Daniel Goldmann
Eberhard Karls Universität Tübingen

Lehrkräfte werden nach Wernet (2003) ihrer Rolle gerecht, wenn sie schüler*innenseitige Entgrenzungen mit strikter Rollenförmigkeit und damit einer „Vermeidung von Entgrenzung und Distanzlosigkeit“ (ebd.: 152) begegnen. Entgrenzungen wurde jedoch professionstheoretisch bisher „kaum Aufmerksamkeit“ (Wernet 2018: 242) geschenkt. Dieser Beitrag greift die Beobachtung Wellendorfs (1967) auf, dass in Kollegien Inkompetenz von Lehrkräften an der äußeren Erscheinung der Undiszipliniertheit der Klasse festgemacht wird, und diskutiert anhand von rekonstruktiv ausgewerteten Interviews, inwieweit Entgrenzungen Ausdruck einer solchen ‚äußerlichen‘ Bestimmung von pädagogischer Professionalität sind. Die These ist, dass entgrenzende Disziplinierungen den stets unzureichenden Versuch darstellen können, die Unsicherheit in der eigenen Professionalisiertheit kompensatorisch zu bearbeiten. Zur Bestimmung des hinter der Unsicherheit liegenden Problems nutzt der Beitrag die These Luhmanns (2002, 152f.), dass v. a. Misserfolge die eigene stabile Annahme professioneller Kompetenz herausfordern, und reformuliert diese Anforderung als doppeltes Kompetenzproblem der (Nicht-)Zuständigkeit und des (Nicht-)Könnens (vgl. Verf.). Dies hilft die dahinter liegende Schwierigkeit für die Lehrkräfte genauer zu verstehen und zu verdeutlichen, dass weder die Forderung nach Gelassenheit noch die Aufforderung zur strikten Einhaltung der Rollenförmigkeit hinreichend für eine Unterlassung von Entgrenzungen sind.