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Sitzungsübersicht
Sitzung
Geographien der Krise. Internationale Perspektiven auf Bildung in Zeiten der COVID-19 Pandemie
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
9:00 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 26

997 9504 6101, 787748
Sitzungsthemen:
3. Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft, 4. Empirische Bildungsforschung, Sektion 3, Kommission Vergleichende und Internationale Erziehungswissenschaft, Sektion 4, Kommission Bildungsorganisation, Bildungsplanung, Bildungsrecht, qualitativ, Deutsch

Präsentationen

Geographien der Krise. Internationale Perspektiven auf Bildung in Zeiten der COVID-19 Pandemie

Chair(s): Dr. Martin Bittner (FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie), Prof. Dr. Verena Schreiber (PH-Freiburg), Prof. Dr. Bettina Fritzsche (PH-Freiburg), Georg Rissler (Europa-Universität Flensburg)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Bettina Fritzsche (PH-Freiburg), Dr. Rebecca Webb (University of Sussex)

Aus einer international vergleichenden Perspektive spüren wir in vier Vorträgen den spezifischen Geographien der Bildungssteuerung während der Covid-19-Pandemie in den Ländern Deutschland, Schweiz und Neuseeland nach. Wir blicken auf Pfadabhängigkeiten, Programmatiken und Rechtfertigungen der Problembewältigung, ihren Gemeinsamkeiten und Widersprüchen. Folgende Frage beantworten wir:

  • Durch welche Verfahren der medialen und bildungspolitischen Wissensbildung werden unterschiedliche Wahrheitsansprüche geltend gemacht und wie wird die Pandemie in den verschiedenen Ländern als Krise objektiviert?
  • In welchem Verhältnis stehen die spezifischen Bearbeitungsweisen zu möglicherweise bereits bestehenden Bildungskrisen vor Ort?
  • Worin liegt die spezifische Pädagogizität der Pandemie?
  • Welche (ungleichen) Effekte haben die verschiedenen Strategien der räumlichen Distanzierung und Eindämmung auf den Bereich der Bildung? Finden sich hier Hinweise auf eine Entgrenzung von Bildungsprozessen?
 

Beiträge des Panels

 

Orte des Institutionellen während der Pandemie – Zur Inzidenz pädagogischer Diskurse in

Georg Rissler1, Dr. Martin Bittner2
1Europa-Universität Flensburg, 2FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie

Im Zuge der Covid-19-Pandemie wurden in allen Bundesländern in Deutschland seit Februar 2020 durch die Kultusminister der Länder Briefe, Empfehlungen, Verordnungen, Richtlinien, Handreichungen, Informationen und weitere Dokumente erstellt und verschiedene Akteure dabei unterschiedlich adressiert. Durch die Pandemie wird eine weitere Krise des Erziehungs- und Bildungssystems sichtbar. Mittels eines Archivs von o.g. Dokumenten aller sechszehn Bundesländer können wir im Sinne einer Diskursanalyse diskursive Brüche und Entgrenzungen nachzeichnen, die auf ein ambivalentes und bisweilen paradoxes Verhältnis innerhalb des Pädagogischen aufmerksam machen. Gleichsam erzeugt die Pandemie ihre eigene Pädagogizität. Der Beitrag zeichnet entsprechend jene diskursiven Praktiken nach, die auf die Ausgestaltung des Institutionellen der Bildung gerichtet sind. Dabei werden verschiedene Ent-Grenzungen innerhalb der Institutionalisierung sichtbar: Kinder und Jugendliche werden in Bezug auf gesundheitliche Sicherheit problematisiert; Eltern werden zu Akteuren der Schule gemacht; Familien werden zur Übernahme von Sorgebeziehungen erzogen. Damit ist das Verhältnis von Familie und Schule ebenso neu zu bestimmen, wie die Rolle von Kindern und Jugendlichen in der Gesellschaft – beide Perspektivierungen werfen die Frage auf, welche Bedeutung dem politisch-gemeinschaftlichen und verantwortlichen Handeln zugeschrieben wird und wo hierfür der Ort des Institutionellen ist.

 

Bildung auf Distanz. Über Raumproduktionen und Kindheitsnarrative in Zeiten von Corona

Prof. Dr. Verena Schreiber
PH-Freiburg

Raumproduktionen sind ein zentrales Instrument gesellschaftlicher Problembearbeitung. So basieren die aktuellen Maßnahmen zur Infektionseindämmung von COVID-19 in Deutschland neben Impfungen maßgeblich auf räumlichen Steuerungsformen in Gestalt von Begrenzungen, Abstandsregeln und Abschottungen (distancing), zeitlich befristeten Festsetzungen (Ausgangssperren, Quarantäne) oder Kontaktkontrollen (tracing). Der Vortrag untersucht den Einfluss raumbezogener Hygienepolitiken auf den Bereich der Bildung. Er verortet sich konzeptuell im Feld der Gouvernementalitäts- und Biopolitikforschung und fokussiert auf empirischer Ebene insbesondere auf mediale und politische Debatten um Schulen und Kindertageseinrichtungen, die in den letzten Monaten zu zentralen Experimentierfeldern einer räumlichen Infektionskontrolle avanciert sind. Mithilfe einer Foucault-informierten Diskursanalyse von schulbezogenen COVID-Verordnungen und -maßnahmen sowie medialen Berichterstattungen über Kindheit und Schule während der Corona-Pandemie in Deutschland wird herausgearbeitet, wie Kindheit in unserer Gesellschaft einerseits grundsätzlich als ein Problem unerwünschter und nur schwer kontrollierbarer Massenbewegung konzeptualisiert wird und andererseits raumbezogene Praktiken der Steuerung von Zirkulation Ausschlussrisiken und Normierungseffekte für Kinder bergen.

 

Vermeiden von Bildungskrisen durch Kontinuität: Bildungspolitisches Framing und Umgangsweisen mit der Corona-Pandemie in der Schweiz

Dr. Jeannine Wintzer
Universität Bern, Schweiz

Erfolg und die Akzeptanz von Homeschooling korrelieren mit technischen und räumlichen Bedingungen sowie zeitlichen und emotionalen Ressourcen von Eltern oder Geschwister. Schüler:innen, die bereits vor dem Ausbruch der Pandemie in chancenvielseitigen Kontexten lernen konnten, haben auch unter Coronabedingungen Vorteile, das Homeschooling für eine vielversprechende individuelle Bildung zu nutzen. In Schweizer Medien und Politik nehmen diese bildungswissenschaftlichen Erkenntnisse einen großen Raum ein – was nicht zuletzt dazu führte, dass die Schulen bereits in der ersten Welle frühzeitig wieder geöffnet wurden und entstandene Nachteile für junge Menschen aus chancenniedrigen Kontexten durch Mentoring-Programme und lokale Projekte auszugleichen versuchten. In der zweiten und dritten Welle verzichteten die kantonalen Erziehungsdirektionen komplett auf Schulschließungen und setzten im Gegensatz dazu auf einen aktiven und offensiven Umgang mit Corona und Hygienemaßnahmen. Im Zuge dessen ist eine mediale Problembeschreibung zu erkennen, die die Gründe und Konsequenzen von Bildungskrisen in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion stellt. Mit Hilfe Rekonstruktiver Methoden und der Framing Analysis beleuchtet der Beitrag grundlegende Argumentationsstrategien des „Schweizer Modells“ und analysiert, wie politische Entscheidungsprozesse medial vorbereitet, gestützt und legitimiert werden.

 

Zwischen Freiheit, Care-Handeln und Abschottung. Neuseelands Weg in der Pandemie und seine Auswirkungen auf Kinder und Familien

Dr. Christina Ergler
University of Otago, Neuseeland

Evidenzbasierte Entscheidungen der Politik, transparente Handlungsanweisungen, Care-Handeln und Empathie prägen den Umgang mit COVID-19 in Neuseeland. Am 25. März 2020 trat in Neuseeland ein harter Lockdown in Kraft: Die Grenze wurden geschlossen, alle Einwohner:innen wurden verpflichtet, sich zu Hause aufzuhalten und Kontakte wurden untersagt. Öffentliche und private Einrichtungen und Geschäfte, inklusive aller Schulen, Kindergärten und Universitäten wurden geschlossen, ausgenommen der systemrelevanten Einrichtungen wie Arztpraxen, Apotheken und Supermärkte. Das öffentliche und private Leben kam innerhalb von zwei Tagen für fünf Wochen zum Erliegen und wurde danach nur langsam mithilfe von vier transparenten COVID-Stufen wieder hochgefahren. Der Vortrag untersucht die Auswirkungen der COVID-19 Politik in Neuseeland, die von einem Mantra der Außenabschottung und landesweiten Eliminierung des Virus geprägt ist, auf Kinder und ihre Familien und lässt sich theoretisch in der Literatur um Care-Praktiken und -Handeln verorten. Es wird insbesondere herausgearbeitet, dass diese tiefgreifenden Einschnitte in das private und öffentliche Leben Hand in Hand mit einer Disposition von Care und Empathie gingen und sich dadurch – trotz zunehmender Armut, Doppelbelastung von Eltern und Erzieher:innen, Trennung von transnationalen Familien und tiefgreifenden Einschnitten in die mentale Gesundheit von jungen Leuten – im ersten Anschein durch eine inhärent kinderfreundliche Politik auszeichnen.