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Sitzungsübersicht
Sitzung
Grenzen und Entgrenzungen pädagogischen Handelns
Zeit:
Montag, 14.03.2022:
14:00 - 16:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 13

919 1201 4482, 794564
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 5. Schulpädagogik, Sektion 2, Kommission Bildungs- und Erziehungsphilosophie, Sektion 2, Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, Sektion 5, Kommission Professionsforschung und Lehrerbildung, qualitativ, theoretisch, Deutsch

Präsentationen

Grenzen und Entgrenzungen pädagogischen Handelns

Chair(s): Prof. Dr. Werner Helsper (Martin Luther Universität Halle Wittenberg), Prof. Dr. Andreas Wernet (Leibniz Universität Hannover)

Grenzen und Entgrenzungen stellen im Kontext pädagogischen Handelns eine permanente Herausforderung für die beteiligten Akteure dar. Das pädagogische Handeln, das im Zentrum dieses Symposiums stehen soll, ist auf Begrenzungen angewiesen. Nur durch Grenzziehung ist pädagogisches Handeln von anderen Formen des Handelns unterscheidbar und entgeht der Versuchung einer diffusen Allzuständigkeit. Und zugleich droht, bei zu starken Begrenzungen, eine rigide Schließung und Erstarrung im pädagogischen Handeln. „Grenzöffnungen“ und Grenzgänge gehören deswegen konstitutiv zum pädagogischen Handeln. Dabei ist es nicht immer einfach zu bestimmen, wann es sich um notwendige Grenzbewegungen und -öffnungen und wann um diffundierende und übergriffshafte Formen der Entgrenzung handelt. In diese Spannung ist das pädagogische Handeln eingerückt. Das geplante Symposium strebt eine theoretisch und empirisch fundierte Diskussion dieser Spannung von Grenzziehung und Entgrenzung im pädagogischen Handeln an.

 

Beiträge des Panels

 

Einleitung in das Symposium

Prof. Dr. Werner Helsper1, Prof. Dr. Andreas Wernet2
1Martin Luther Universität Halle Wittenberg, 2Leibniz Universität Hannover

Grenzen und Entgrenzungen pädagogischen Handelns: Einleitung in das Symposium

 

Grenzen – Eine kleine Genealogie

Prof. Dr. Norbert Ricken
Ruhr Universität Bochum

›Grenzen‹ provozieren – zumindest modern. Wie in kaum einer anderen Zeit gelten ›Grenzen‹ in der modernen Wahrnehmung als Begrenzungen und Einschränkungen, die Bewegungs- und damit Freiheitsspielräume einzuschränken scheinen und oft mindestens hinausgeschoben, wenn nicht sogar aufgehoben werden sollen. Kaum erstaunlich ist es daher, dass – insbesondere fixe – Grenzsetzungen als Ausdruck autoritärer, anti-liberaler Haltungen wahrgenommen werden und wohl auch werden müssen; modern ist, auf Grenzen mit Kritik, Emanzipation und Ent-Grenzung zu antworten. Das macht es aber umgekehrt – auch derzeit – enorm schwierig, mit Grenzen, mit Begrenzung und Begrenztheit überhaupt umzugehen. Gerade spätmodern rückt immer mehr in den Aufmerksamkeitskreis, dass wir auf einem begrenzten Planeten leben und auch begrenzt unsere Leben führen müssen; insgesamt zeichnet sich eine ambivalente Perspektive ab, in der es einerseits um Begrenztheit geht und andererseits sich aber (faktische, geforderte etc.) Grenzen gerade nicht einfach fix festlegen und durchsetzen lassen.

In diesem Beitrag soll die Figur der ›Grenze‹ in ihren Erscheinungsformen und Ambivalenzen analysiert werden. Im Rahmen einer ›kleinen Genealogie‹ gilt es, die unterschiedlichen Formen der Begrenzung und Begrenztheit zu analysieren; Ziel ist es, eine kleine Typologie der Grenze und des Umgangs mit Grenzen zu rekonstruieren und für erziehungswissenschaftliche Überlegungen fruchtbar zu machen.

 

Anerkennungsbedürftigkeit und Entgrenzung – Zu einer abgeblendeten Verflechtung im Habitus und Handeln von Lehrer*innen

Dr. Marlene Kowalski
Stiftung Universität Hildesheim

Im Diskurs um das Handeln und die Professionalität von (angehenden) Lehrer*innen gibt es zwar eine intensive theoretische und empirische Beschäftigung mit Anerkennungs- und Adressierungsweisen in der Interaktion mit Schüler*innen, dabei wird aber zumeist die eigene Anerkennungsbedürftigkeit von Lehrkräften als konstitutiver Bestandteil des eigenen Habitus ausgeblendet. Im Beitrag wird der Frage nachgegangen, wie sich dieser verdrängte Teil des eigenen Begehrens nach Anerkennung im beruflichen Habitus von Lehrkräften in Bezug zu ihrem Handeln verorten lässt und ob bzw. welche Gefahren der Entgrenzung damit einhergehen. Anschließend an Ergebnisse aus einer empirischen Studie wird diskutiert, welche Auswirkungen das eigene Anerkennungsbegehren von Lehrkräften auf pädagogische Beziehungen und deren mögliche Entgrenzungen haben kann und welche Reflexions- und Professionalisierungsprozesse in der Lehrer*innenbildung notwendig wären.

 

Erziehung an ihren Grenzen oder: Pädagogisches Handeln zwischen Kooperation und Eskalation

Prof. Dr. Sandra Rademacher1, Dr. Eike Wolf2
1Europa Universität Flensburg, 2Ruhr Universität Bochum

Erziehung ist wie jedes soziale Handeln a priori auf Sozialität angewiesen. Pädagogisches Handeln stellt diese Sozialität also nicht her, sondern setzt diese als interaktive Reziprozität und konstitutive Kooperativität immer schon voraus. In diesem Vortrag sollen an familialen und schulischen Erziehungssituationen die Grenzen erzieherischer Möglichkeiten fallrekonstruktiv ausgelotet werden. In den Fällen, die manifest als Interaktionskrisen auffällig sind, wird die Kooperation einseitig aufgekündigt, womit die Beziehungsstrukturen selbst zumindest situativ infrage gestellt und brüchig werden. Eine empirische Erschließung dieser krisenhaften Interaktionen führt uns zu einer theoretischen Perspektive, die es nahelegt, Erziehungskrisen begrifflich als Kooperationskrisen zu fassen und verstehbar zu machen. Insofern Reziprozität und Kooperativität nicht nur begrenzender Rahmen, sondern auch Voraussetzung erzieherischen Handelns sind, nehmen wir mit dem Fokus auf Kooperationskrisen pädagogisches Handeln nicht nur an seinen Grenzen, sondern in den Momenten seiner Grenzüberschreitungen in den Blick. Für pädagogisches Handeln ist dies insofern besonders virulent, als so die strukturell grundgelegten und interaktiv wechselseitigen Entgrenzungen der Akteure abseits rollentheoretischer Modellierungen greifbar werden.

 

Pädagogische Grenzen digitaler Entgrenzungen. Beobachtungen und Rekonstruktionen digital mediatisierter Unterrichtsinterkation

Prof. Dr. Sven Thiersch
Ruh Universität Bochum

Mit der zunehmenden Digitalisierung von Schule und Unterricht werden, nicht zuletzt im Kontext des Fernunterrichts, Entgrenzungen und Verschiebungen von Kommunikation, Wissen, Zuständigkeiten oder des Raum-Zeit-Gefüges herausgearbeitet und diskutiert. Der Beitrag entfaltet im Anschluss an eine system- und strukturtheoretische Perspektive und auf der Grundlage einer empirischen Untersuchung zur Interaktion im digitalisierten Unterricht die These, dass die Digitalisierung neben dieser fluiden und kontingenten Seite zugleich eine Trägheit und Regelmäßigkeit des Unterrichtssystems (re-)produziert. Präsentiert werden zum einen Ergebnisse digitaler Entgrenzungsphänomene in modifizierten Praktiken des Koordinierens, Sichtbarmachens, Verantwortens, Aktivierens und Sicherns. Zum anderen wird gezeigt, wie in der pädagogischen Absicht, Grenzen des Unterrichts (Raum, Zeit, Sozialität) und pädagogische Handlungsprobleme mit neuen Technologien optimierend zu steuern und zu überwinden, im schulischen Feld Optimierungsparadoxien und nicht intendierte Effekte in der Konsolidierung pädagogischer Sozialität und generationaler Differenzen (z.B. entgrenzende Disziplinierungen) hervorgebracht werden. Die Irritationen und Transformationen, die von der „digitalen Lehrkraft“ in den schulisch-pädagogischen Beziehungen und Ordnungen ausgehen, werden in der pädagogischen Interaktion kanalisiert, reguliert bzw. begrenzt und verfestigen so gerade starre Grenzziehungen und die Strukturiertheit des Feldes.