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Sitzungsübersicht
Sitzung
Entgrenzungen und Begrenzungen - eine spannungsreiche Dynamik in psychoanalytisch-pädagogischer Perspektive
Zeit:
Montag, 14.03.2022:
14:00 - 16:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 08

965 1526 3653, 429439
Sitzungsthemen:
8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, 13. Differentielle Erziehungs- und Bildungsforschung, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, Sektion 13, Kommission Psychoanalytische Pädagogik, qualitativ, theoretisch, Deutsch

Präsentationen

Entgrenzungen und Begrenzungen - eine spannungsreiche Dynamik in psychoanalytisch-pädagogischer Perspektive

Chair(s): Prof. Dr. David Zimmermann (Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland)

Das Symposium richtet einen psychoanalytisch-pädagogischen Blick auf Prozesse von "Ent|grenz|ungen (...) in ihrer Bedeutung für Prozesse von Bildung, Erziehung und Sozialisation" (CfP). Ein gemeinsamer Referenzpunkt aller Beiträge des Symposiums liegt in der Erweiterung der pädagogischen Professionalisierungs- und Institutionsentwicklungsdiskurse um unbewusste Prozesse auf der individuellen und sozialen Ebene. Da das Unbewusste im Sinne von verdrängten, also sprachlos gewordenen Vorstellungsinhalten immer auf gesellschaftliche Normen und Zwänge verweist, geht es in der Reflexion von innerpsychischen und Beziehungsdynamiken stets auch um die Kritik dieser sozialen Verwerfungen.

Das Symposium zielt auf die partielle Beantwortung der damit aufgeworfenen Fragen sowohl in grundlagentheoretischer Perspektive als auch unter Bezugnahme auf primär tiefenhermeneutisch fundierte Empirie.

 

Beiträge des Panels

 

Die Entgrenzung der Zweigeschlechtlichkeit und ihre Verunsicherung in professionellen Beziehungen

Lara Spiegler, Prof. Dr. Margret Dörr
Katholische Hochschule Mainz

Im gesellschaftlichen Diskurs ist eine Steigerung der Sensibilität für nicht-binäre Geschlechtsidentitäten zu bemerken. Dennoch bleiben alltagspraktische Unsicherheiten bezüglich der Entgrenzung des heteronormativen Identitätsmodells weiterhin virulent. Im Beitrag werden tiefenhermeneutisch gewonnene Forschungsergebnisse (Lorenzer, 2002) des BMBF-geförderten Forschungsverbunds VISION-RA, welcher Affektabstimmungsprozesse zwischen Fachkräften und Nutzenden gemeindepsychiatrischer Angebote in den Blick nimmt, diskutiert. Anhand eines transkribierten Gesprächs zwischen einer weiblich identifizierten Fachkraft und einem seine Geschlechtsidentität wechselnden Bewohner eines gemeindepsychiatrischen Wohnheims wird der Frage nachgegangen, wie sich die durch die Entgrenzung der Zweigeschlechtlichkeit provozierten Verunsicherungen in Interaktionen mit Menschen, die sich nicht binär identifizieren, niederschlagen. Zentral wird gezeigt werden, wie die die professionelle Beziehung zu entgrenzen drohende Verliebtheit des derzeitig männlich identifizierten Bewohners in die Bemühung der Fachkraft umschlägt, die Beziehung möglichst allumfassend zu begrenzen – wenn nicht gar zu verunmöglichen.

 

Biopolitische Begrenzungen und Disziplinarmacht als Spannungsfeld in Pflegeschaftsverhältnissen

Dr. Mej Hilbold
Université Paris 8 Vincennes Saint-Denis

Die Frage der Grenzen in erschwerten Erziehungsverhältnissen wird auf zwei Ebenen behandelt: zum einen die Grenzen, die sich aus den verschiedenen – gesellschaftlich dominanten - (kognitiven) Kategorien von Kindern ergeben, die man in der Erziehungspraxis sowie in der Forschung finden kann („die traumatisierten Kinder“, „die schwierigen Kinder“), zum anderen die Grenzen, die den Kindern im Rahmen der pädagogischen Beziehung selbst auferlegt werden.

Diese beiden Ebenen entsprechen theoretisch zwei von Michel Foucault identifizierten Modalitäten der Macht: der biopolitischen Macht und der Disziplinarmacht (Foucault, 1975, 1976). Im Beitrag werden die subjektiven, primär unbewusst wirksamen Effekte dieser Machtmodalitäten auf professionelle Pflegeeltern und ihr pädagogisches Handeln diskutiert.

Empirisch wird sich der Beitrag auf eine Forschung über Pflegefamilien stützen, die aus syrischen Kriegsgebieten (Islamischer Staat und später syrische oder türkische Lager) nach Frankreich repatriierte Kinder aufgenommen haben. Es wurden 4 semistrukturierte Interviews mit Pflegeeltern geführt, die insgesamt 6 Kinder aufgenommen haben. Sie wurden dann thematisch und tiefhermeneutisch analysiert. Das Spannungsfeld zwischen normativem Erziehungsrahmen und der angenommenen Besonderheit der Kinder ist eines der zentralen Motive der Interviews und wird hier zum Thema der Diskussion über die Grenzen.

 

Entgrenzte Professionalität und unbewältigte Nähe in der Arbeit mit marginalisierten Geflüchteten

Katharina Obens, Prof. Dr. David Zimmermann
Humboldt-Universität zu Berlin

Der Beitrag fragt nach den Beziehungsdynamiken zwischen hoch engagierten Mitarbeitenden des bundesweit ersten Beratungs- und DaZ-Qualifizierungsprojekt und Geflüchteten mit kognitiven Beeinträchtigungen. Auf der Basis einer längsschnittlich und partizipativ angelegten wissenschaftlichen Begleitung des Projekts (mit tiefenhermeneutischer Analyse von Interviews und Unterrichtsbeobachtungen) wird das Wechselspiel sozialer Begrenzungen und beziehungsdynamischer Entgrenzungen aus psychoanalytisch-pädagogischer Perspektive diskutiert. Anschließend werden Möglichkeiten der partiellen Auflösung dieses Spannungsfelds vorgestellt.

In den Forschungsdaten spiegeln sich zum einen die umfassenden gesellschaftlichen Begrenzungen jenes Arbeitsfelds wieder: Geflüchtete mit psychosozialen Beeinträchtigungen an der Schnittstelle von Flüchtlingsversorgung und dem System Behindertenhilfe leiden an der fehlenden Repräsentanz in den Versorgungssystemen. Zum anderen zeigen sie aber auch auf, dass die Mitarbeitenden versuchen einen „Familienersatz“ für die Ratsuchenden darzustellen. Sie versuchen die defizitären Hilfemaßnahmen durch eigenes Engagement auszugleichen und bilden eine „eingeschworene Gemeinschaft“ mit den Ratsuchenden, bei deren Ausgestaltung auch die eigene Migrationsgeschichte der Mitarbeitenden eine Rolle spielt und in der es zu zahlreichen Erosionen sowohl professioneller Nähe-Distanz-Regulierung als auch professioneller Ansprüche kommen kann.

 

Was darf ich sagen, wie muss ich's sagen? - Überlegungen zur Begrenzung durch Sprachnormierungen, ihrer psychodynamischen Funktion und ihren pädagogischen Implikationen

Dr. Achim Würker
Gymnasium Darmstadt

Der Beitrag wird sich aus psychoanalytisch-pädagogischer Perspektive mit der Problematik der aktuellen Debatte um Sprachnormierungen befassen, wie sie u.a. um Themen wie Rassismus und Gender geführt wird. Allgemein kann diese Debatte verstanden werden als eine Abwehr der Identitätsverunsicherungen, wie sie durch die bedrohlichen globalen Entwicklungen und die von ihnen ausgelösten Gefühle von Desorientierung und Machtlosigkeit ausgelöst werden (Bezugnahme auf u.a. Reinke 1998, Fourest 2020, Türcke 2021 sowie aktuellen Presseartikel). Schwerpunkt des Beitrags ist es, in psychoanalytisch-pädagogischer Perspektive unter Bezugnahme auf Lorenzers sozialisations- und symboltheoretischen Überlegungen (Lorenzer 1970, 1981, 2002) die bewusstseinsferne Dynamik zu untersuchen, die hierbei im Spiel ist. Unter Einbeziehung von Szenen aus der pädagogischen und sozialpädagogischen Praxis wird der Versuch unternommen zu ertasten, welche Dynamik von Be- und Entgrenzungen sich im Zusammenhang mit sprachlichen Normierungen entfalten kann. Im Sinne von Hypothesen werden abschließend Möglichkeiten zur Debatte gestellt, wie den negativen Effekten dieser Dynamik entgegengewirkt werden kann.