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Sitzungsübersicht
Sitzung
(Neu)Rechte Aufführungen von Wissenschaftlichkeit und ihre Diskurse über Bildungspraxis. Erziehungswissenschaftliche Bestandsaufnahmen und Grenzbearbeitungen
Zeit:
Montag, 14.03.2022:
14:00 - 16:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 06

917 0452 1118, 983974
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, Sektion 2, Kommission Bildungs- und Erziehungsphilosophie, Sektion 2, Kommission Wissenschaftsforschung, qualitativ, theoretisch, Deutsch

Präsentationen

(Neu)Rechte Aufführungen von Wissenschaftlichkeit und ihre Diskurse über Bildungspraxis. Erziehungswissenschaftliche Bestandsaufnahmen und Grenzbearbeitungen

Chair(s): Dr. Severin Rödel (Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland), Dr. Lukas Otterspeer (TU Dortmund), Dr. Christoph Haker (-)

Die (neue) Rechte verfolgt mit hegemonialen Strategien das Ziel, Grenzen zwischen Politik und anderen Gesellschaftsbereichen zu überschreiten, zu bearbeiten und zu verwischen. Teil dieses Hegemonieprojekts ist es, durch Entgrenzungen institutionell und inhaltlich im Bildungs- und Wissenschaftsbereich Fuß zu fassen und damit Diskurse langfristig zu prägen. In der dabei aufgeführte Bildungs- und Wissenschaftspraxis zeigen sich Kontinuitäten zum etablierten Bildungs- und Wissenschaftsbereich.

Das interdisziplinäre Symposium vereint Beiträge aus der politischen Theorie, der Soziologie, der Allg. Erziehungswissenschaft, der Sozialpädagogik sowie der Kindheits- und Familienforschung und widmet sich Praktiken, in denen Grenzen zum Bildungs- und Wissenschaftsbereich verschoben oder verwischt werden. Ziel ist dabei eine Bestandsaufnahme sowie Theoretisierung solcher Grenzbearbeitungen und die Diskussion möglicher erziehungswissenschaftlicher Reaktionen und Reflexionen.

 

Beiträge des Panels

 

Das "Volk" der neuen Rechten: Rechtspopulismus als Herausforderung

Dr. Kolja Möller
TU Dresden

Der Vortrag entwickelt eine Analyse neuerer rechtspopulistischer Bewegungen. Dabei wird insbesondere darauf eingegangen, in welchem Sinne man hier von Entwicklungen sprechen kann, die tatsächlich „neu“ und „populistisch“ sind und sich von den etablierten Mobilisierungsformen rechtsextremer und neo-faschistischer Bewegungen unterscheiden. Dafür wird eine systemtheoretisch inspirierte Perspektive eingenommen, die beobachtet, wie die handelnden Akteure auf bestehende systemische Kontexte und kommunikative Infrastrukturen in Recht, Politik und Gesellschaft zurückgreifen. So wird es möglich den Rechtspopulismus deutlicher von anderen Politikformen zu unterscheiden und seine spezifische Funktion zu bestimmen. Sodann rekapituliert der Vortrag unterschiedliche Theorieansätze mit Blick auf mögliche Konsequenzen für einen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen. Im Mittelpunkt stehen hier konflikttheoretische Überlegungen im Anschluss an die klassische Bonapartismusanalyse der kritischen Theorie, die – wie der Vortrag in einem letzten Schritt zeigen wird – zu aussichtsreicheren politischen und auch pädagogischen Strategien im Umgang mit dem neueren Rechtspopulismus beitragen kann.

 

Erziehungswissenschaft im Lichte rechtsradikaler Diskurse über Bildung und Schule

Prof. Sabine Andresen, Lukas Dintenfelder
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Der Vortrag basiert auf einer Diskursanalyse (neu)rechter Texte zu Bildung und Schule. Die Ergebnisse sollen im Lichte erziehungswissenschaftlicher Kritik diskutiert werden. Dafür wird auf Adornos politische Adressierung aus dem Jahr 1967 Bezug genommen (Adorno 2019; s.a. Weiß 2019). Angesichts des erstarkenden Rechtradikalismus, so Adorno, dürfe man weder resignativ bleiben noch in ein „schlecht zuschauerhaftes Verhältnis zur Wirklichkeit“ fallen (ebd., S. 55). „Wie diese Dinge weitergehen und die Verantwortung dafür, wie sie weitergehen, das ist in letzter Instanz an uns.“ (ebd.) Ein daran anknüpfender Beitrag der Erziehungswissenschaft ist die Analyse, wie für die Disziplin relevante Themen auch zur Grenzziehung rechtsradikaler Akteur:innen genutzt werden. Neben der Familie sind hier Bezüge auf die Institution Schule zentral. Dies hat die systematische Sichtung von Beiträgen ergeben. Dafür wurden die Artikel in der neurechten Sezession im Netz, die zwischen Anfang 2015 und Sommer 2020 erschienen sind, auf die Thematisierung pädagogischer Felder durchsucht. Im Korpus der Analyse zur Schule befinden sich 60 Artikel von 10 verschiedenen Autor*innen. Für die Untersuchung war von Interesse, welche Themen wie angesprochen werden und was dadurch mit verhandelt wird. Wie die Schule der Gegenwart thematisiert wird, mit welchen Zuschreibungen und Grenzziehungen sie verbunden ist sowie welche Modi der Entgrenzung sich identifizieren lassen, steht im Zentrum des Vortrags.

 

Vereinnahmungen von Kindern, Kindheiten und Familie in rechtspopulistischen Narrativen im Kontext der COVID-19-Pandemie

Lukas Schildknecht, Julian Sehmer, Stephanie Simon
Universität Kassel

Kindheit stellt eine gesellschaftliche Arena unterschiedlichster Diskurse dar (Klinkhammer 2014) – an denen Kind-Bilder sowie Vorstellungen „guter Kindheit“ sichtbar werden (Bühler-Niederberger 2020). Weitgehend konsensual scheint den Erwachsenen, durch die angenommene Angewiesenheit der Kinder auf Sorge, die eigene Position als Sorgende zu autorisieren. Hier schließen rechtspopulistische Artikulationen an und reklamieren zunehmend Deutungsmacht in Bezug auf Erziehung (Andresen 2018; Grabau 2013), indem sie u.a. mit autoritären Erziehungsvorstellungen auf die Angewiesenheit des Kindes auf „Führung“ (Simon/Thole 2021) rekurrieren. Im Kontext der aktuellen Pandemie hat diese Thematisierung u.a. in Verschwörungsnarrativen und durch die Mobilisierung rechter Akteur*innen in der Gruppe der sog. Corona-Leugner*innen eine Dynamisierung erfahren.

Im Beitrag wird untersucht, wie im Kontext der sog. Corona-Proteste die Figur der Sorge um Kinder und Familien als vulnerable Subjekte (Baader et al. 2013) strategisch gegen staatliches oder solidarisches Handeln von den Teilnehmer*innen ins Feld geführt wird. Darüber soll nachgezeichnet werden, wie Narrative aus den Sorgediskursen, die auch erziehungswissenschaftliche Debatten prägen, rechtspopulistisch transformiert werden und wie dieser Entwicklung begegnet werden kann.

 

Wie hältst du es mit der Wahrheit? Ein kritisches Review zur Grenze von Wissenschaft und (neuer) Rechten

Dr. Christoph Haker1, Dr. Lukas Otterspeer2
1-, 2TU Dortmund

Die Grenze zwischen Wissenschaft und (neuer) Rechten wird nicht nur durch die neue Rechte bearbeitet, sondern auch durch Wissenschaftler*innen. Dies geschieht aktuell über gegenwartsdiagnostische Begriffe wie Fake News (Jaster/Lanius 2019), Halbwahrheiten (Gess 2021), Postfaktizität (Hendricks/Vestergaard 2018) oder Post-Truth (McIntyre 2018), die auch in der Erziehungswissenschaft Anklang finden. Diese Schlüsselbegriffe umreißen einen interdisziplinären Diskurs, in dem die Politik und insbesondere rechte Politik als das Andere markiert wird. Allerdings wird nicht nur eine Fremdbeschreibung der (neuen) Rechten explizit, sondern auch eine implizite Selbstbeschreibung der Wissenschaft vorgenommen.

Der Vortrag nimmt diese Ausgangssituation zum Anlass, die genannten Gegenwartsdiagnosen einem systematischen und kritischen Review zu unterziehen. Erstens rückt die Frage nach den vorliegenden Fremdbeschreibungen, also nach dem aus der Wissenschaft skizzierten Bild neurechter Wahrheitsszenen (Langenohl 2014) in den Mittelpunkt. Hieraus leiten sich zweitens, analog zu einem Foto-Negativ, die Selbstbilder der Wissenschaft und ihr Wahrheitsverständnis ab. Drittens folgt ein vergleichendes Fazit. Ziel dieser Rekonstruktion ist, Wissenschaftlichkeit und Wahrheit als Negative von Fake News, Halbwahrheiten, Postfaktizität und Post-Truth der Kritik zugänglich zu machen und so zu einer Positionierung zu kommen, die ein nicht-fundamentalistisches Wissenschafts- und Bildungsverständnis ausbaut.