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Sitzungsübersicht
Sitzung
Poster-Cluster: Berufliches Selbstkonzept im Kontext der Professionalisierung
Zeit:
Montag, 14.03.2022:
11:30 - 13:00

Chair der Sitzung: Dr. Silvia Thünemann, Uni Bremen
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 11

932 6037 0671, J0xYps
Sitzungsthemen:
5. Schulpädagogik, Sektion 5, Kommission Professionsforschung und Lehrerbildung, Deutsch

In diesem Cluster werden sieben Poster vorgestellt, die alle deutschsprachig sind.


Präsentationen

"Irgendwie fühlt sich das gar nicht so an, als würden wir beigebracht bekommen, wie es ist, Lehrerin zu sein oder Lehrerin zu werden" - Lehrer:in werden in Corona-Zeiten

Jannis Graber1, Prof. Dr. Svenja Mareike Schmid-Kühn2, Prof. Dr. Thorsten Fuchs1

1Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz, Fachbereich 1Bildungswissenschaften, Institut für Pädagogik - Allgemeine Pädagogik 2; 2Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz, Fachbereich 1Bildungswissenschaften, Institut für Pädagogik - Schulpädagogik / Allgemeine Didaktik, Bildungssystem- und Schulentwicklungsforschung

Die Corona-Pandemie hat weitreichende Auswirkungen auf Schule, die umfangreich erforscht werden (vgl. RatSWD 2021). Im Fokus stehen dabei Akteur:innen des Schullebens, deren Wahrnehmung von und Umgang mit pandemiebedingten Herausforderungen (vgl. Fickermann & Edelstein 2021). Auch für die Ausbildung angehender Lehrkräfte dürften die Auswirkungen der Pandemie weitreichend sein, da praxisbezogene Ausbildungsanteile – als genuiner Bestandteil der Lehrkräftebildung – zurzeit stark eingeschränkt sind. Praxisphasen im Studium sowie Praxis im Vorbereitungsdienst sollen (eigentlich) Lerngelegenheiten im künftigen Berufsfeld sowie berufliche Orientierung ermöglichen (vgl. z.B. Bach 2020; Gröschner & Klaß 2020; Schubarth & Wachs 2020). Welche Folgen die pandemiebedingten Maßnahmen für angehende Lehrkräfte haben, ist damit eine drängende, jedoch weithin offene Frage.

Im Posterbeitrag wird das Projekt „Lehrer:in werden in Corona-Zeiten“ vorgestellt, in dem Erfahrungen angehender Lehrkräfte auf die Bedeutsamkeit der besonderen Situation für die Lehrkräftebildung hin untersucht werden. Hierfür wurden problemzentrierte Interviews (Witzel 2020) mit 16 angehenden Lehrkräften geführt, die sich während der Corona-Pandemie in verschiedenen Lehrkräfteausbildungs-Phasen befanden (BA-/MA-Studium, Referendariat, Berufseinstieg). In Rekurs auf die vier Kompetenzbereiche der „Standards für die Lehrerbildung“ (KMK 2019) wurden dabei Besonderheiten, Probleme, Lösungsansätze und Zukunftsvorstellungen angesichts der Corona-Pandemie thematisiert; die untersuchten Fälle wurden zu Fallporträts verdichtet.

Erste Ergebnisse weisen auf die Problematik mangelnder Praxiserfahrung für die Professionalisierung und Berufswahl-Reflexion hin. Diesbezüglich lässt sich eine pragmatische Orientierung der angehenden Lehrkräfte nachzeichnen, durch welche ihre berufliche Orientierung, Kompetenzentwicklung und Partizipation in Schulentwicklung abseits der Digitalisierung auf spätere Ausbildungsphasen verschoben oder ausgesetzt werden. Auch, insofern in späteren Praxisphasen von (vermeintlichen) Vorerfahrungen ausgegangen wird, weist dies künftige Herausforderungen für die Lehrkräftebildung auf. Im Posterbeitrag werden die Konzeption der Studie sowie erste Befunde in Form kontrastierender Fallportraits vorgestellt.



Bedeutung von Mentor*innenprogrammen in den Praxisphasen der Lehramtsausbildung

Dr. Stefan Kulakow, Prof. Dr. Diana Raufelder, Dr. Frances Hoferichter

Universität Greifswald, Deutschland

Ein entscheidendes Ziel des Lehramtsstudiums ist es Studierende mit den notwendigen Kompetenzen auszustatten, damit sie ihren späteren Beruf adäquat ausüben können (Cheng et al., 2010; Jakhelln et al., 2019). Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat dafür vier Kompetenzbereiche definiert, die eine zentrale Bedeutung im Lehrberuf haben: 1) Erziehen, 2) Unterrichten, 3) Beurteilen, und 4) Innovieren. Neben dem Studium generell, werden die universitären Praktika als entscheidende Schnittstelle betrachtet, um die Kompetenzen von Studierenden zu fördern. So konnte bereits in empirischen Arbeiten gezeigt werden, dass Schulpraktika einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung von Selbstwirksamkeit und Selbstkonzept leisten, vor allem, wenn sie durch Mentor*innen begleitet werden (DuBois et al., 2002; Eisfeld, Raufelder, & Hoferichter, 2020). Im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung wurden an allen lehrerbildenden Hochschulen des Landes Mecklenburg-Vorpommern die Praktika dahingehend innoviert, dass eine Form der Mentor*innenbegleitung obligatorisch wurde. Genau genommen, wurden die angehenden Lehrkräfte durch ein multiprofessionelles Team von Peer-Mentor*innen, Schul-Mentor*innen, und Universitäts-Mentor*innen begleitet, um einerseits dem sogenannten Praxisschock entgegenzuwirken und andererseits, die Studierenden optimal in ihrer Kompetenzentwicklung zu unterstützen. Ziel der vorliegenden Studie ist es, die Effektivität dieses Praktikumsansatzes zu evaluieren.

Methoden

An der vorliegenden Studie nahmen 187 Studierende (Mage = 24.5, SD = 4.54; 68% weiblich) unterschiedlicher Lehramtsfächer teil, die mittels standardisierter Fragebogeninstrumente (Gröschner & Schmitt, 2012) zu ihrem Kompetenzstand in den Kompetenzbereichen Erziehen, Unterrichten, Beurteilen, und Innovieren befragt wurden. Die Studierenden nahmen zu drei Messzeitpunkten an der Studie teil (T1: vor dem Praktikum, T2: während des Praktikums, T3: nach dem Praktikum). 120 Studierende waren Teil der Experimentalgruppe, während 67 Studierende in der Kontrollgruppe waren. Längsschnittliche Mehrebenenanalysen wurden in Mplus durchgeführt, um zu untersuchen, ob Zuwächse bei den berichteten Kompetenzen nachgewiesen werden können und ob das Mentor*innenprogramm zu stärkeren Veränderungen führt.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie betonen die Bedeutung von a) frühen Praktika im Lehramtsstudium sowie von b) gut begleiteten Praktika. Auf der Zeitebene (L1) konnte nachgewiesen werden, dass Praktika unabhängig von der Begleitung stets positive Auswirkungen auf die Kompetenzentwicklung der Studierenden hatten. Auf der Ebene der Studierenden (L2) konnte aufgezeigt werden, dass Studierende, die durch Peer-, Schul- oder Universitäts-Mentor*innen begleitet wurden, stärkere Zuwächse in der Kompetenzentwicklung in allen Bereichen — Unterrichten, Erziehen, Beurteilen, Innovieren —zu verzeichnen hatten.



Der Mythos der geborenen Lehrperson

Nico Dietrich

TU Darmstadt, Deutschland

Das Dissertationsprojekt zum Poster mit dem Titel „Der Mythos der geborenen Lehrperson“ [betreut von Prof. Dr. Birgit Ziegler, TU Darmstadt] beschäftigt sich - explorativ - mit den Beliefs von Lehramtsstudierenden, hinsichtlich Ihrer persönlichen Eignung, dem Studium und dem Lehrberuf.

Wenngleich die Idee der „geborenen Lehrperson“ in wissenschaftlichen Diskursen schon lange nicht mehr auftaucht, könnte sie in den Köpfen von Lehramtsstudierenden noch immer existieren. Daher stellt sich die Frage, ob dies einen Einfluss auf das Studium hat und ob sich dies im Studium verändert. Die Persönlichkeit von Lehrkräften ist jedenfalls ein zentrales Thema in der Forschung zum Lehrer*innenberuf. Das zeigt sich nicht zuletzt an der Bedeutung des Persönlichkeitsprinzips und den Überlegungen zur Eignung.
Vor diesem Hintergrund zeigten die Studierenden im Rahmen einer Erstsemesterbefragung eine hohe positive Selbsteinschätzung zu ihrer Eignung, bis in das Extrem, dass einige Studierende sich selbst als für den Lehrberuf geboren wahrnehmen. Daraus ergab sich für das Interesse das Selbstbild von Lehramtsstudienanfänger*innen näher zu betrachten und zu untersuchen, ob sich diese Überzeugungen im Lauf des Studiums verändern und wenn ja, in welche Entwicklungsrichtung.

Hierfür wurde ein methodisches Setting nach dem Vertiefungsmodell von Mayring gewählt. Auf eine erste quantitative Studie folgt eine qualitative Vertiefung um erste Ergebnisse genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Vorstudie wurde mit insgesamt knapp 500 Teilnehmer*innen aus vier Kohorten durchgeführt. Darauf folgend wurden 31 leitfadengestützte Einzelinterviews durchgeführt, die teilweise individualisiert auf den quantitativen Teil Bezug nahmen. Diese Interviews wurden - ohne eine vorherige Codierung - explorativ mittels der Dokumentarischen Methode nach Bohnsack, bzw. nach Nohl, der explizit Interviewanalysen mit der Dokumentarischen Methode darstellt, analysiert. Auf Basis dieser Analyse sollen Denkstrukturen erkannt und daraus folgend Kategorien oder Typen von Lehramtsstudierenden mit ihren persönlichen Beliefs gebildet werden.

Ein zweites Interview fand mit der gleichen Teilnehmer:innengruppe nach deren erster Praxisphase statt, um auf eine mögliche Veränderung und Entwicklung ihrer Überzeugungen durch die praktischen Erfahrungen und der ersten Lehrveranstaltungen einzugehen. Sowohl in vergrößerten quantitativen Untersuchung, unter anderem mit Einbezug der pädagogischen Vorerfahrung der Teilnehmer:innen, als auch in den Interviews haben sich die Vermutungen hinsichtlich der Selbstüberzeugung bestätigen können. Zusätzlich konnte eher eine starke Persönlichkeitsorientierung und eine Theorieferne festgestellt werden. Der Längsschnitt der Interviewanalysen zeigt eine große Vielfalt an Weiterentwicklungen der Beliefs der Studierenden. Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich eher eine Bestärkung der Überzeugungen durch die Praxisphasen zeigen.



Professionelle Orientierungen von Lehrkräften - Welche Rolle spielt der Bildungsaufstieg

Fabian Mußél, Raphaela Porsch

Otto-v.-Guericke Universität, Deutschland

Forschungsfrage und Erkenntnisinteresse:

Die forschungsleitende Fragestellung ist, „welche Orientierungen lassen sich in den Biographien von Lehrkräften als Bildungsaufsteiger*in rekonstruieren?“. Dies verweist auf den Zusammenhang struktureller Bedingungen und Lehrkräfteeinstellungen, als Gesamtheit von biographisch verankerten Grundthemen, die sozial erworben sind und sich in handlungsleitenden Orientierungen manifestieren. Der zum Ausdruck kommende Habitus könne „zwischen den polaren Ausdrucksgestalten einer Schulfremdheit einerseits und einer souveränen Leichtigkeit der Bildungsexzellenz andererseits“ (Heslper 2018: 123) rangieren und es entsteht eine „gymnasialen Exklusionlinie“ (ebd.). Dies verweist auf mögliche Lehrstellen in der bisherigen Professionsforschung. Das Poster schließt an das Tagungsthema an, da hier Lehrkräfte als Grenzgänger*innen zwischen institutionellen Anforderungshorizonten und eigenem Bildungserleben gelten.

Methodologie:

Pädagogische Orientierungen werden als mentale Strukturen aufgefasst, die subjektiv repräsentiert sind. Sie werden dabei durchaus als kollektiv erachtet, da sie aus geteilten Erfahrungen im Handlungsfeld der Schule erwachsen und an die Oberfläche treten. Es werden mittels des autobiographisch-narrativen Interviews verbale Daten erhoben, die mit der Dokumentarischen Methode ausgewertet werden. Ziel ist die „Explikation des Orientierungsrahmen“ (u. a. Bohnsack 2021) für die anschließende Typenbildung der Rekonstruktion des eigenen Bildungserlebens und damit verbundene biographischen Erschwernissen, Umwegen oder Neuanfängen.


Sample:

Erst wurden als Bildungsaufsteiger*in definierte Lehrkräfte (höherer Bildungsabschluss als die Eltern) befragt. Später wurde das Sample um bestimmte Differenzkategorien die als Risikofaktoren für erfolgreiche Bildungspfade hinzugezogen. In der letzten Erhebungsrunde wurde das konstante Merkmal des Bildungsaufstiegs vernachlässigt. Dies begründet sich mit der Fallkontrastierung durch Gegenbeispiele für die spätere soziogenetische Typenbildung. Insgesamt wurden 14 Interviews geführt mit Lehrkräften unterschiedlicher Fachrichtungen und Schulformen.

Ergebnisse:

Es zeigt sich eine Basistypik von Lehrkräften, die als Bildungsaufsteiger gelten im Kontrast zu Lehrkräften ohne solche Erfahrungen. Auf der sinngenetischen Ebene zeigen sich erste Orientierungsrahmen des eigenen Bildungserlebens, die auf Suchbewegungen, Passungskonstellationen und deren Bearbeitungsweise im Sprechakt rekurrieren.



Schulleitungen und Fachfremdheit: Relativierungen und Akzentuierungen eines Problems

Fabian Gräsel, Prof. Dr. Raphaela Porsch

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland

Fachfremdes Unterrichten bezieht sich auf die Situation von Lehrkräften, die regelmäßig ohne eine Ausbildung in einem Fach Unterricht erteilen (Porsch, 2020). Dieses Phänomen ist national wie international weit verbreitet, d.h. ein hoher Anteil von Unterricht findet durch Lehrkräfte ohne die entsprechende Lehrbefähigung statt. Gründe liegen in der Präferenz für das Klassenlehrer*innenprinzip und im Fachlehrkräftemangel (ebd.). Gegenstand empirischer Arbeiten waren bislang vor allem die Auswirkungen auf Schüler*innenleistungen (vgl. Porsch & Whannell, 2019) als auch der Umgang durch Lehrkräfte (z.B. Lagies, 2019). Fachfremdes Unterrichten wird mehrheitlich als Problem bewertet, da davon ausgegangen wird, dass ohne fachliches und fachdidaktisches Wissen die Qualität des Unterrichts eingeschränkt ist und Lehrkräfte im Besonderen beansprucht werden. Bislang kaum betrachtet wurde jedoch die Rolle von Schulleitungen, obwohl diese nicht zuletzt durch die Erweiterung der Autonomie von Schulen eine zentrale Bedeutung u.a. für die Personalführung und -entwicklung einnehmen. Schulleiter*innen tragen durch ihre Einstellungen und Praktiken maßgeblich zur Etablierung von Systemen zur Qualitätssicherung von Unterricht und der Professionalisierung von Lehrkräften bei. Basierend auf der Vorstellung von Bacchi und Goodwin (2016) und ihrem Ansatz „What’s the problem represented to be?“ (WRP), ist das Ziel der Studie, die Perspektive der Schulleitungen in Bezug auf das Problem des fachfremden Unterrichtens beschreiben zu können. Datengrundlage bilden elf Interviews an Grundschulen und weiterführenden Schulen, die mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2018) ausgewertet wurden. Zentral ist die Frage, ob Schulleitungen das Phänomen grundlegend als Problem ansehen und mithilfe welcher Begründungen Relativierungen und Akzentuierungen vorgenommen werden. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass alle Befragten an ihren Schulen mit dem Problem regelmäßig konfrontiert sind, der Situation kritisch gegenüberstehen und diese grundsätzlich an ihren Schulen vermeiden wollen. Die Ergebnisse zeigen ferner, dass etablierte Unterstützungsstrukturen an den Schulen, Eigenschaften der Lehrkräfte wie hohes Engagement und Fachinteresse sowie fächerübergreifende Kompetenzen oder die Art und (subjektiv bewertete) Schwierigkeit der Fächer relativierend angeführt werden und deutlich gegenüber Akzentuierungen überwiegen.



Wie beurteilen Fach- und Schulleitungen angehende Lehrer*innen im Referendariat? Eine qualitativ-rekonstruktive Dokumentenanalyse von Langzeitbeurteilungen in NRW

Christoph Kruse

Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Deutschland

Vor dem Hintergrund der Debatte um die Professionalität von Lehrer*innen und aufgrund der immanenten Selektionsthematik erscheinen Beurteilungen in der Lehrerbildung, insbesondere in der zweiten Phase, als gleichsam kaum erforschter und dennoch hoch relevanter Forschungsgegenstand. Am Ende des Vorbereitungsdiensts (VD) in Nordrhein-Westfalen verfassen Fach- und Schulleitungen Gutachten, in denen Fähigkeiten und vollzogene Entwicklungen von Lehrer*innen im Vorbereitungsdienst (LiV) dargelegt und begründet werden. Im Anschluss an den Professionalitätsdiskurs und mit Bezugnahme auf „[p]raxistheoretische Perspektiven auf die Lehrerinnen- und Lehrerbildung“ (Bennewitz, 2020, Titel) zielt die explorative Dokumentenanalyse (Hoffmann, 2018) auf eine Rekonstruktion des Gesamtbildes einer professionellen Lehrperson anhand dieser Gutachten. Fragen danach, welche Erwartungen an die LiV angelegt werden und wie die Beurteilungen begründet werden, bilden den Hauptfokus der Untersuchung von etwa 60 Gutachten verschiedener Schulformen und Unterrichtsfächer. Zu diesem Zweck ist aufgrund der explorativen Anlage, der kausalanalytischen Fragestellung und der Materialmenge im Projekt eine rekonstruktive Vorgehensweise anhand der Grounded-Theory-Methodologie (Strauss, 1998) geplant.

Weil im VD ein breites Spektrum des Lehrer*innenhandelns zur Begutachtung steht, wird im Sinne interdisziplinärer Entgrenzung zudem das Verhältnis von fachlichen, fachdidaktischen und allgemeinpädagogischen Ausbildungsaspekten in der Beurteilung erforscht. Aufbauend auf den Befunden von Gerlach (2020), die eher auf eine Grenzziehung entlang der shulman’schen Dreiteilung in der Ausbildungspraxis hindeuten, könnten sich in der Beurteilung durchaus diesbezügliche Verbindungslinien zeigen. Ferner werden ebenfalls in den Gutachten eingelagerte Vorstellungen von (gelingendem) Unterricht von Fach- und Schulleitungen empirisch in den Blick genommen.

Im Posterbeitrag sollen vornehmlich forschungsdesignbezogene Entscheidungen dargelegt sowie ggf. erste Ergebnisse präsentiert werden. Somit lassen sich im Projekt insgesamt empirische Erkenntnisse zur Diskussion um die Problematik des „unzureichenden Konsens über die Erfolgskriterien einer gelungenen Berufseinführungsphase im wissenschaftlichen und politischen Diskurs“ (Rauin, 2014, S. 575) erwarten.



Zum Professionalisierungsbeitrag Forschenden Lernens in Hinblick auf den Nutzen bildungswissenschaftlichen Wissens – Zur Rekonstruktion der Sichtweisen von Lehramtsstudierenden für Berufskollegs

Larissa Wilczek, Prof. Dr. Ulrike Weyland

Universität Münster, Deutschland

Das Praxissemester in Nordrhein-Westfalen zielt darauf ab, Theorie und Praxis professionsorientiert miteinander zu verbinden (MSW, 2010). Eine besondere Lerngelegenheit wird im Forschenden Lernen gesehen (Weyland, 2019). In Hinblick auf dessen Professionalisierungsbeitrag werden spezifische Erwartungen, wie u.a. die Anbahnung einer forschenden Grundhaltung sowie eine vertiefende Auseinandersetzung mit z.B. bildungswissenschaftlichem Wissen, formuliert. Befunde verdeutlichen, dass Studierende das Praxissemester zwar insgesamt positiv, Studienprojekte hingegen deutlich kritischer bewerten (Fichten & Weyland, 2019).

Mit Blick auf die Binnenperspektive von Studierenden bedarf es weitergehender Erkenntnisse. Hieran knüpft diese Forschungsarbeit an. Dabei wird insbesondere auf das bildungswissenschaftliche Wissen fokussiert und der Frage nachgegangen, welche Sichtweisen zum Professionalisierungsbeitrag Forschenden Lernens unter der spezifischen Perspektive des Nutzens bildungswissenschaftlichen Wissens vorliegen.

Auf Basis von 18 leitfadengestützten Konstruktinterviews, jeweils zu Beginn und nach dem Praxissemester, wurde eine umfassende qualitative Inhaltsanalyse (Kuckartz, 2016) durchgeführt. Zunächst wurde herausgearbeitet, über welches Verständnis die Studierenden bezüglich des Forschenden Lernens und des bildungswissenschaftlichen Wissens verfügen. Es wurde analysiert, welchen Professionalisierungsbeitrag sie dem Forschenden Lernen in Hinblick auf die Erweiterung ihres bildungswissenschaftlichen Wissens zuschreiben. Dabei wurde sowohl das gegenwärtige Studium als auch das zukünftige Lehrer*innenhandeln an Berufskollegs avisiert. Ebenfalls wurde erfasst, inwieweit sich die Sichtweisen über die Dauer des Praxissemesters verändert haben.

Erste Ergebnisse deuten eine Typenbildung bei den Studierenden an. Dabei scheinen sich die Sichtweisen in Hinblick auf Faktoren wie die eigenständige Wahl des Themas, die Offenheit und das Interesse seitens schulischer Akteure sowie das universitäre Begleitformat zu unterscheiden.

Literatur

Fichten, W. & Weyland, U. (2019). Empirische Zugänge zu Forschendem Lernen. In M. Schiefner-Rohs et al. (Hrsg.), Forschungsnahes Lehren und Lernen in der Lehrer*innenbildung. Forschungsmethodische Zugänge und Modelle zur Umsetzung, (S. 25-46). Berlin: Lang

Kuckartz, U. (2016). Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung. 3. Aufl. Weinheim: Beltz

MSW NRW (2010). Rahmenkonzeption zur strukturellen und inhaltlichen Ausgestaltung des Praxissemesters im lehramtsbezogenen Masterstudiengang. Online: https://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/lehrerbildung/downloads/praxisphasen/rahmenkonzeptionps_hp.pdf

Weyland, U. (2019). Forschendes Lernen im Praxissemester? – Hintergründe, Chancen und Herausforderungen. In M. Degeling, et al. (Hrsg.), Herausforderung Kohärenz: Praxisphasen in der universitären Lehrerbildung. Bildungswissenschaftliche und fachdidaktische Perspektiven, (S. 25-64). Bad Heilbrunn: Klinkhardt