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Sitzungsübersicht
Sitzung
Schulqualität und Schulentwicklung an Schulen mit besonderen Herausforderungen bzw. besonders belasteten Schulen – Gelingensbedingungen und Voraussetzungen
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
9:30 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 37

917 8728 1811, 494922
Sitzungsthemen:
4. Empirische Bildungsforschung, 5. Schulpädagogik, 14. Organisationspädagogik, Sektion 4, Arbeitsgruppe Empirische Pädagogische Forschung, Sektion 4, Kommission Bildungsorganisation, Bildungsplanung, Bildungsrecht, qualitativ, quantitativ, Deutsch

Präsentationen

Schulqualität und Schulentwicklung an Schulen mit besonderen Herausforderungen bzw. besonders belasteten Schulen – Gelingensbedingungen und Voraussetzungen

Chair(s): Prof. Dr. Stephan Gerhard Huber (Pädagogische Hochschule Zug, Schweiz), Prof. Dr. Christoph Helm (Johannes Kepler Universität Linz, Österreich), Dr. Rolf Strietholt (International Association for the Evaluation of Educational Achievement)

In diesem Forschungsforum sollen Gelingensbedingungen und Voraussetzungen für Schulentwicklung an besonders belasteten Schulen bzw. Schulen mit besonderen Herausforderungen betrachtet werden. Daher wird zunächst der Frage nachgegangen, welche nationalen und internationalen empirischen Ergebnisse zu Qualitätsdiagnose- und -entwicklungsprozessen an besonders belasteten Schulen vorliegen. Daran anknüpfend werden Studien vorgestellt, die sich mit der Wirkung von Maßnahmen der Führungskräfteentwicklung und Schulentwicklungsmaßnahmen in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Berlin beschäftigen. Weiterhin soll der Frage nachgegangen werden, ob und wie der Ansatz der design-basierten Schulentwicklung gewinnbringend für den deutschen Kontext genutzt werden kann und eine Kombination von design-Prinzipien und Elementen der evidenzorientierten und netzwerkbasierten Schulentwicklung möglich ist. Zudem sollen theoretische und v.a. methodologische Konsequenzen diskutiert werden.

 

Beiträge des Panels

 

Schulqualität multiperspektivisch erfassen – Eine multitrait, multiinformant, multilevel Analyse

Prof. Dr. Christoph Helm1, Stephan. G. Huber2, Rolf Strietholt3
1Johannes Kepler Universität Linz, Österreich, 2Pädagogische Hochschule Zug, Schweiz, 3International Association for the Evaluation of Educational Achievement Hamburg

Die Erfassung von Schulqualität erfolgt meist über Einschätzungen von Schulleiter*innen oder Lehrkräften, selten werden beide Akteursgruppen als Informationsquelle herangezogen. Studien, die nur auf Informationen einer Gruppe basieren, bergen die Gefahr in verzerrten Befunden zu münden, da bspw. Schulleitungen dazu tendieren, die Qualität an der eigenen Schule positiver einzuschätzen als sie tatsächlich ist („cheerleading effect“, Bingham et al., 1993).

Im Vortrag präsentieren wir eine multitrait-multiinformant study zur Erfassung einer Reihe zentraler Schulqualitätsmerkmale aus Schulleiter- und Lehrerperspektive. Mittels Cross-Level Group Measurement Models (Kim, Wang & Kiefer, 2018) prüfen wir, ob die bei Schulleiter*innen und Lehrkräften eingesetzten, identischen Items auch in beiden Akteursgruppen dasselbe latente Konstrukt auf Schulebene erfassen (Messinvarianzprüfung). Auf Basis messinvariant erfasster Konstrukte prüfen wir dann mittels Unterschieds- und Zusammenhangsanalysen, inwiefern die Einschätzungen zu den Schulqualitätsmerkmalen zwischen den beiden Personengruppen variieren; oder anders formuliert: Wie einig sich Schulleitungen und (ihre) Lehrkräfte hinsichtlich der Schulqualität (am Schulstandort) sind. Dazu werden Daten der impakt-Studie (N = 116 Schulleiter/innen, 2380 Lehrpersonen) herangezogen. Auf Basis der Befunde wird diskutiert, wie bestehende Befunde aus bisherigen Schulqualitätsuntersuchungen zu interpretieren und einzuordnen sind.

 

Wirkung von Maßnahmen der Führungskräfteentwicklung und Schulentwicklung

Prof. Dr. Stephan Gerhard Huber1, Prof. Dr. Christoph Helm2, Marius Schwander1, Jane Pruitt1, Julia Alexandra Schneider1
1Pädagogische Hochschule Zug, Schweiz, 2Johannes Kepler Universität Linz, Österreich

In zwei Bundesländern werden Maßnahmen der Professionalisierung und der Schulentwicklung an rund 200 Schulen über fünf Jahre qualitativ und quantitativ untersucht, um die Qualität und die Veränderung der Qualität von Schulmerkmalen und die Einschätzung der Qualität der Maßnahmen und deren wahrgenommen Nutzen (Angebots-Nutzungsmodell (Fend, 1980)) zu erfassen.

Durch den Längsschnitt werden ebenfalls Daten erhoben, welche die aktuelle Schulsituation unter Pandemiebedingungen abbilden. Hierzu werden ebenfalls Auswertungen erfolgen, um zu erfassen, wie sich Merkmale der Qualitäten, Rahmenbedingungen, Prozesse und Ergebnisse für die Schulen in der Krise verändert und ausgewirkt haben.

Es werden ausgewählte Ergebnisse vorgestellt, u.a. zu direkten und indirekten Effekten des Schulleitungshandelns auf die Inklusion am Schulstandort im Längsschnitt (mittels latentem Mehrebenen-Mediationsmodell), zu Veränderungen in Schulqualitätsmerkmalen und der Qualitäten der erfolgten Professionalisierungs- und Unterstützungsmaßnahmen (längsschnittliche Analysen, Angabe von Effektstärken) sowie zu qualitativen Inhaltsanalysen im Rahmen von Fallstudien und vertiefter Untersuchungen der Interventionen.

Insgesamt konnte festgestellt werden, dass sich sowohl positive als auch negative Veränderungen in unterschiedlichen Ausprägungen an den Schulen im Verlauf des Programms zeigen, die mit spezifischen Schulmerkmalskonfigurationen, aber auch mit kontextualen außerorganisatorischen Merkmalen zusammenhängen.

 

Schulentwicklung an Schulen in sozialräumlich benachteiligter Lage – Zum Zusammenhang von Entwicklungskultur, Entwicklungsprozessen und Entwicklungsergebnissen

Eunji Lee, Dr. Marko Neumann, Dr. Susanne Böse, Prof. Dr. Kai Maaz
DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation

Schulen in sozialräumlich benachteiligter Lage sind aufgrund ihres Standortes mit besonderen Herausforderungen konfrontiert und weisen oftmals einen erhöhten Entwicklungs- und Förderbedarf auf (Klein, 2017). Entsprechend wird die Förderung von Schulentwicklungsprozessen als eine mögliche Form der Unterstützung für Schulen in sozialräumlich benachteiligter Lage angesehen.

Vor diesem Hintergrund wird im Beitrag das Berliner Bonus-Programm zur Unterstützung von Schulen in sozialräumlich benachteiligter Lage fokussiert, durch das Schulentwicklungsprozesse an den teilnehmenden Schulen angeregt werden sollen. Mit Rückgriff auf das comprehensive framework for effective school improvement (Stoll et al., 2006) wurde untersucht, inwieweit Merkmale der Entwicklungskultur, Entwicklungsprozesse und Entwicklungsergebnisse in Zusammenhang stehen und inwieweit Entwicklungsergebnisse durch Entwicklungskultur und -prozesse vorhergesagt werden. Hierfür wurden längsschnittliche Daten von 90 Schulleiterinnen und Schulleitern mittels Korrelations- und Pfadanalysen untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Merkmale der Entwicklungskultur vielfach mit denen der Entwicklungsprozesse korrelieren. Es sind ebenfalls einige Korrelationen zwischen Kultur- und Prozessvariablen mit Entwicklungsergebnissen zu finden. Für die Vorhersage der Entwicklungsergebnisse ging insbesondere die datengestützte Entscheidung für die Mittelverwendung als signifikanter Prädiktor hervor.

 

Kombination evidenzorientierter, netzwerk- und designbasierter Schulentwicklungsansätze in Schulen in benachteiligten Lagen: Potenziale und Grenzen.

Prof. Dr. Nina Bremm
Pädagogische Hochschule Zürich, Schweiz

Der Beitrag widmet sich der Frage, ob und wie der Ansatz der design-basierten Schulentwicklung (Mintrop & Zumpe, 2019; Bryk, 2015) gewinnbringend für den deutschen Kontext genutzt werden kann. Zudem wird diskutiert, ob sich design-Prinzipien und Elemente der evidenzorientierten und netzwerkbasierten Schulentwicklung so kombinieren lassen, dass dem häufig diskutierten Problem des ‚up-scalings‘ (Holtapples, 2019) fruchtbar begegnet werden kann.

Dazu wurde im Rahmen eines Schulentwicklungsprojekts für Schulen in kritischen Lagen eine Strategie gewählt, die eben diese Konzepte und Elemente kombiniert. Zunächst wurden Fragebogendaten von Lehrkräften, Eltern und Schülern aus 36 Schulen verwendet, um Netzwerke zwischen Schulen zu bilden, die sich viermal im Jahr trafen. Darüber hinaus wurde jede Schule von einem Schulentwicklungscoach unterstützt, um mithilfe von design- und evidenzorientierten Prinzipien, Coachings und schulinternen Lehrkräftefortbildungen an schulspezifischen Entwicklungen zu arbeiten.

Die Analysen aus Gruppendiskussionen mit Schulleitungen, Lehrkräften und Schulentwicklungsberatern zum Projektende zeigen, dass der Ansatz sehr fruchtbar für Schulen war, die bereits vor Projektstart über eine relativ hohe Schulentwicklungskapazität (Maag Merki & Fend, 2017) verfügten. Schulen, die hingehen über weniger starke Strukturen zur Eigenentwicklung verfügten, hätten wahrscheinlich von einem klassischen und enger begleitetem design-Ansatz mehr profitiert.