Veranstaltungsprogramm

Die Zugänge zu allen Zoom-Räumen finden sie auf der Kongress-Plattform (https://plattform.dgfe2022.de/).
Login mit Ihrem ConfTool-Benutzernamen und Ihrem ConfTool-Passwort.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Veranstaltungen des Kongresses.
- Sie können die Veranstaltungen nach Beitragstyp (u.a. Symposium, Arbeitsgruppe, Forschungsforum, Parallelvorträge), Sprache (Englisch, Deutsch, Englisch und Deutsch in einer Veranstaltung) und Themen (Forschungszugänge, Kommissionen, Sektionen) filtern.
- Bitte wählen Sie ein Datum aus, um nur die betreffenden Veranstaltungen anzuzeigen.
- Wählen Sie eine Veranstaltung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
- Die Vortragenden sind jeweils unterstrichen dargestellt.
- Eine persönliche Agenda kann drei Wochen vor Kongressbeginn auf der Kongressplattform von mcc Agentur für Kommunikation erstellt werden.
- Änderungen des Programmes sind vorbehalten.

 
Nur Sitzungen am Veranstaltungsort 
 
 
Sitzungsübersicht
Sitzung
Aktuelle Spannungsfelder der Sexualmoral: Ambivalenzen des Lustgewinns zwischen Grenzziehungen und Entgrenzungen
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
9:30 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 13

919 1201 4482, 794564
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 11. Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft, 12. Medienpädagogik, Sektion 13, Kommission Psychoanalytische Pädagogik, qualitativ, theoretisch, Deutsch

Präsentationen

Aktuelle Spannungsfelder der Sexualmoral: Ambivalenzen des Lustgewinns zwischen Grenzziehungen und Entgrenzungen

Chair(s): Dr. Melanie Babenhauserheide (Universität Bielefeld, Deutschland), Dr. Sonja Witte (Internationale Psychoanalytsiche Universität Berlin (IPU)), Prof. Dr. Julia König (Gutenberg Universität Mainz)

Seit jeher sind in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um Sexualmoral Bilder und Vorstellungen kindlich-jugendlicher Sexualität, Generationenkonflikte sowie geschlechtsspezifische Aufladungen zentral. Während einerseits Moral als Begrenzung von Möglichkeiten sexuellen Lustgewinns gelten kann, schafft sie andererseits zugleich auch jeweils historisch spezifische Anreize sexueller Erregungen, nicht zuletzt in Form lustvoller moralischer Empörung. Welche Ambivalenzen treten in aktuellen Phänomenen der Sexualkultur in Erscheinung und welche Funktion haben diese in der Wirkungsweise sexualmoralischer Diskurse? Welche Bedeutung haben Reflexionen dieser Ambivalenzen für erziehungswissenschaftliche Perspektiven auf generationale Ordnung, Geschlechterverhältnisse und infantile/adoleszente Sexualität? Diese Fragen diskutieren wir an kulturellen bzw. medialen Fallbeispielen u.a. aus psychoanalytischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive.

 

Beiträge des Panels

 

Pairing Draco Malfoy/Harry Potter: Das Anbahnen sexueller Beziehungen als Grenzüberschreitung in Fan-Erzählungen und ihrer Rezeption

Dr. Melanie Babenhauserheide
Universität Bielefeld

In fan fiction werden populäre Narrationen um- und weitergeschrieben. Im Subgenre slash fiction dichten häufig Mädchen männlichen Figuren 'homosexuelle' Beziehungen an. Viele dieser Erzählungen überschreiten die Grenze von der Liebesgeschichte zur Pornographie. In online-Archiven diskutieren die Leser_innen sie auch im Hinblick auf sexualmoralische Grenzziehungen. Konflikte drehen sich u.a. um den Übergang vom verbalen zum körperlichen Kontakt, da eine Grenzüberschreitung stattfindet, die sich nachträglich als unwillkommen erweisen könnte. Unerwünschte sexuelle Aufmerksamkeit gilt in der Verhandlungsmoral jedoch als anstößig. Gerade in Erzählungen über im canon verfeindete Figuren wie Harry Potter und Draco Malfoy aus Rowlings Jugendreihe ist der Übergang heikel. Konsensmoralische Konzepte schlagen oft verbale Fragen und Antworten als Lösung vor, um eine möglichst risikoarme sexuelle Annäherung zu gewährleisten – doch auch eine Frage kann als Übergriff wahrgenommen werden. Zur Minimierung dieser Problematik werden in Harry Potter-fan fiction oft (zum Teil verbunden mit dem männlich konnotierten Stereotyp vom randy teenager) magische Lösungen wie Telepathie präsentiert, die jedoch ihrerseits einen übergriffigen Charakter haben, weil sie ungefragt körperliche oder mentale Grenzen auflösen. Ausschnitte einzelner Erzählungen über Draco/Harry und ihrer Rezeption werden im Hinblick auf Ambivalenzen sexueller und sexualmoralischer Erregung hin gedeutet.

 

„Sexualization of a child“ – Grenzüberschreitende Kunst und sexualmoralische Grenzziehungen im Kontext von #MeToo

Dr. Sonja Witte
IPU

Die #MeToo-Debatte gilt weithin als eine Zäsur im gesellschaftlichen Umgang mit sexuellen Grenzüberschreitungen und geschlechtsspezifischen Machtungleichheiten. Die These des Beitrags lautet, dass im Kontext der #MeToo-Debatte exemplarisch Konfliktpotentiale des verhandlungsmoralischen Paradigmas gegenwärtiger Sexualkultur hervortreten und sich diese in spezifischer Weise in Aushandlungen sexualmoralischer Grenzziehungen angesichts ‚Pädophilie‘ inszenieren.

Der Beitrag beschäftigt sich mit einer an das Metropolitan Museum (NYC) gerichteten Petition, die sich im Zuge von #MeToo gegen die Präsentation des Gemälde „Thérèse rêvant“ (Balthus 1938) richtete. Die Analyse der in der Kampagne aufgerufenen ‚pädophil-grenzüberschreitenden‘ Aspekte des Kunstwerks zielt auf die Frage, inwiefern kulturell-gesellschaftliche Verhandlungen von sexuellen Grenzüberschreitungen und sexualmoralischen Grenzziehungen mit (geschlechtlich aufgeladenen) Bildern und Vorstellungen kindlich-jugendlicher Sexualität verbunden sind und sich hier prädestiniert Ambivalenzen und Grenzen des verhandlungsmoralischen Paradigmas abzeichnen. Angeregt werden soll zur Diskussion, inwiefern kulturelle Konflikthaftigkeit sexualmoralischer Diskurse für erziehungswissenschaftliche Perspektiven auf gegenwärtige Phänomene des Geschlechterverhältnisses und infantiler Sexualität von Bedeutung sind.

 

„Nur das Schlimmste verhindern!“ Prävention als Versuch der Begrenzung des (un)heimlich Sexuellen

Prof. Dr. Julia König
Gutenberg Universität Mainz

In den letzten Jahren häufen sich hitzige, moral(ist)isch aufgeladene Debatten und Skandale im Spannungsfeld von Kindern, Kindheit und Sexualität, deren Fluchtpunkt sowohl auf progressiver wie konservativer oder rechter Seite der Präventionsgedanke setzt. So werden sowohl die kritisierte wie auch eingeforderte sexualmoralische Grenzziehungen im Erziehungs- und Bildungsbereich durch den Hinweis auf eine ungenügende oder auch fehlgeleitete Prävention begründet.

Diese Dynamik soll im Beitrag daraufhin analysiert werden, welchen Nöten und Bedürfnissen die projektiv aufgeladenen Verfolgungsphantasien und entsprechende Präventionsmaßnahmen entgegenkommen, und inwiefern sich diese als Versuch einer Begrenzung eines unheimlich Heimlichen begreifen lassen. Besonders in den Fokus genommen wird dabei der andauernde öffentliche Angriff auf die ‚Sexualpädagogik der Vielfalt‘ durch medial breit flankierte Initiativen ‚Besorgter Eltern‘ und sich als sexualmoralische Aktivist:innen inszenierender politischer Akteur:innen einerseits und andererseits die kollektive Phantasie von der auf das ‚unschuldige Kind‘ lauernden Bestie, die dann nach Herzenslust gejagt werden kann. Gezeigt werden soll auf dieser Grundlage, inwiefern die erwachsene Irritation über kindliche Sexualität und darin die Verkennung der Differenz (und damit der Grenze) zwischen kindlicher und erwachsener Sexualität diese Dynamik der präventiv legitimierten Jagd befeuern.