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Sitzungsübersicht
Sitzung
Zwischen Be- und Entgrenzung von Zeit und Raum – Pandemie als krisenhafte Erfahrung
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 20

999 8232 7568, 679473
Sitzungsthemen:
1. Historische Bildungsforschung, 2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 12. Medienpädagogik, Ohne Kommission, qualitativ, historisch, Deutsch

Präsentationen

Zwischen Be- und Entgrenzung von Zeit und Raum – Pandemie als krisenhafte Erfahrung

Chair(s): Dr. Lilli Riettiens (Universität zu Köln, Deutschland)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Mandy Schiefner-Rohs (TU Kaiserlautern)

Die Arbeitsgruppe widmet sich dem (bisweilen paradoxen) Spannungsfeld von raum-zeitlicher Be- und Entgrenzung in Pandemiezeiten in historischer wie aktueller Perspektive. Wir gehen davon aus, dass auf die raum-zeitlich entgrenzte Pandemie in jeweiligen Gegenwarten mit raum-zeitlicher Begrenzung reagiert wurde/wird, während sich in der Begrenzung Potenziale erneuter Entgrenzung abzeichnen. Vor diesem Hintergrund rücken wir Fragen nach Erfahrungen subjektiver Zeit bzw. nach dem alltäglich-gegenwärtigen Empfinden von Zeit und Raum während einer Pandemie bzw. unter Quarantäne in den Mittelpunkt, die sich im reflexiven Verhältnis von Subjekt und Welt niederschlagen. In Rückbindung an tradierte Diskurse der Erziehungswissenschaft diskutieren wir dabei auch die sich daraus ergebenden Implikationen für formale Bildungskontexte in Pandemiezeiten und unter Bedingungen der Digitalität sowie für die Disziplin selbst.

 

Beiträge des Panels

 

Zur strikten Zuteilung von Zeit und Raum – Subjektives Zeitempfinden unter Quarantäne

Dr. Lilli Riettiens
Universität zu Köln

Die im 14. Jahrhundert erfundene Quarantäne als »Isolation auf Zeit« (Schwara 2011: 224) dient noch heute der Infektionseindämmung. Mit dem Ziel »ungeregelte Zusammenkünfte zu verhindern, die pathologische Übertragungen möglich machen« (Rölli 2005: 535), wird verdächtigten oder infektiösen Körpern ein »klar bestimmte[r] Platz« zugewiesen (ebd.: 359), den sie für eine definierte Zeit nicht verlassen dürfen. Diese strikte Ein- und Zuteilung des Raumes von Seiten der Behörden lässt sich in Anlehnung an Foucault als Disziplinarmaßnahme lesen, die den Ort der Quarantäne als (nahezu) isolierten Raum hervorbringt. Während sich Quarantäne also nicht ohne die Momente Zeit und Raum bzw. ohne von außen ›auferlegte‹ Zeiten und Räume denken lässt, fragt der Vortrag vor allem nach dem subjektiven Zeitempfinden unter Quarantäne.

Im Anschluss an eine Historisierung und Theoretisierung von Quarantäne als Spezialfall von Begrenzung in Zeiten entgrenzter Pandemie geht der Vortrag anhand einer Analyse spanischsprachiger Reiseberichte aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert der Frage nach, wie Schiffsreisende ihr Empfinden ›der Zeit‹ unter Quarantäne beschrieben. In Anlehnung an eine Theorie transformatorischer Bildung (vgl. Schäfer 2013; Koller 2018) gilt es dabei, ein mögliches Bildungspotenzial von Quarantäne kritisch zu diskutieren – zwischen krisenhafter Erfahrung und (potenziell) verunmöglichter reflexiver Auseinandersetzung von Ich und Welt.

 

›Die Zukunft kann nicht beginnen‹ – Digitalität, Temporalstruktur und Bildung

Dr. Christian Leineweber
FernUniversität in Hagen

Mit der noch andauernden Corona-Pandemie hält der Versuch einer zunehmenden Digitalisierung des Bildungssystems an. Wo Distanz geboten ist, lassen digitale Medien räumliche Grenzen aufheben und das Klassenzimmer oder den Hörsaal zum lernenden Subjekt bringen (vgl. Simanowski 2018). Gleichsam weisen kulturtheoretische Reflexionen der Gegenwart darauf hin, dass Digitalität mit Steigerungs- und Vermessungslogiken einhergeht (vgl. Mau 2017), die das Subjekt unter Verantwortung stellen und kritisch als unternehmerisches Selbst (vgl. Bröckling 2013) deuten lassen.

Ziel des Vortrags ist es, diese beiden Tendenzen zu vereinen und zu reflektieren. Ausgehend von der pädagogischen Anthropologie lautet die These, dass der Gedanke an eine positiv gestaltbare Zukunft eine integrale Kategorie von Bildung ist (vgl. de Haan 2014). Daran anknüpfend gilt es zu zeigen, dass digitaler Fortschritt auf der Ebene der subjektiven Erfahrungswelt in enger Verbindung zu Beschleunigung und unsicheren Zukunftsvorstellungen steht (vgl. Rosa 2012). Insofern dies den Weg zu einer positiven Zukunft zu versperren droht, scheint es notwendig, das Verhältnis von Digitalität und subjektiver Unsicher­heit für die Analyse von Bildungsprozessen zu berücksichtigen. Im Rückgriff auf den transformatorischen Bildungsbegriff (vgl. Marotzki 1990), der Krisenerfahrungen als konstitutiv für Bildung anerkennt, nimmt der Vortrag dieses Verhältnis auf und exploriert Anschlüsse für eine temporaltheoretische Bildungsforschung.

 

Selbsterzählungen zum Empfinden von Zeit und Raum – Rekonstruktion studentischer Pandemie-Erfahrungen

Prof. Dr. Sandra Hofhues
FernUniversität in Hagen

Während alle gesellschaftlichen Bereiche von mehreren Wellen der COVID-19-Pandemie betroffen waren, ist ein konstitutives Merkmal dieser Entwicklungen, dass möglichst alle dieser Bereiche, einschließlich des sozialen Lebens, mittels Distanzierung aufrechterhalten werden sollten – darunter auch Bildungsinstitutionen. Die Entgrenzung von Lernerfahrungen u. a. bei Studierenden im Kontext Universität ist dabei evident. Und doch bleiben die Transformationen der formalen Bildung selbst – mit samt ihrer gestalteten Räume und Möglichkeiten – bisher wenig beleuchtet.

Ziel des Vortrags ist daher zu zeigen, dass und wie Lehre in Pandemiezeiten nicht bloß einem von außen gesetzten Zweck folgte, sondern zur persönlichen Entwicklung im Sinne von Bildung beigetragen hat (vgl. Vortragende_r 3; Sesink 2006). So knüpft der Vortrag an ein Seminar im Sommersemester 2020 an, das die Pandemie zum Gegenstand studentischer Forschung und Reflexion machte. Je zehn Tagebucheinträge von insgesamt 32 Studierenden regten zur Selbstpositionierung im Kontext eigener Pandemie-Erfahrungen an. Jene werden im Vortrag hinsichtlich der Frage ausgewertet, welches Empfinden von Zeit und Raum in ihnen ausgedrückt wird und welche Sichtweise(n) studentische Erfahrungsräume spiegeln (vgl. Bohnsack 2017). Immerhin dokumentieren sich darin sowohl subjektive Sorgen und Ängste als auch empirische Einblicke in studentische Selbsterzählungen unter Bedingungen anhaltender Pandemie.