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Sitzungsübersicht
Sitzung
Lehrer*innenbildung als Ort der Begrenzung: Zur Ent-Politisierung und Re-Politisierung von pädagogischer Professionalität
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 17

974 8805 4588, 362588
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 3. Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft, 5. Schulpädagogik, Sektion 2, Kommission Bildungs- und Erziehungsphilosophie, Sektion 3, Kommission Interkulturelle Bildung, Sektion 5, Kommission Professionsforschung und Lehrerbildung, qualitativ, theoretisch, Deutsch

Präsentationen

Lehrer*innenbildung als Ort der Begrenzung: Zur Ent-Politisierung und Re-Politisierung von pädagogischer Professionalität

Chair(s): Dr. Saphira Shure (Universität Bielefeld, Deutschland), Dr. Oxana Ivanova-Chessex (Pädagogische Hochschule Zürich), Dr. Anja Steinbach (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg), Susanne Gottuck (Universität Duisburg-Essen)

Das Symposium rückt das Politische (in) der Lehrer*innenbildung aus einer differenz- und machttheoretischen Perspektive in den Mittelpunkt und verortet dieses im Ringen um machtvolle Be-, Ent- und Abgrenzungen sowie in Prozessen der De_Thematisierung von Grenzsetzungen. Im Fokus stehen erstens strukturelle Voraussetzungen, diskursive Rahmenbedingungen und etablierte Praktiken, die spezifische Verständnisse von professionellen Subjekten und ihrem Handeln hervorbringen. Solche Begrenzungsprozesse werden zweitens als Praktiken der Ent-Politisierung der Lehrer*innenbildung erkundet und erforscht, was die Beteiligung der Lehrer*innenbildung an der begrenzenden (Re-)Produktion sozialer Ordnungen analytisch zugänglich macht. Lehrer*innenbildung wird drittens als kontingenter Ort diskutiert, der das Potenzial hat, anders gestaltet zu werden. Im Fokus stehen deshalb Auseinandersetzungen mit dem Potenzial der Lehrer*innenbildung im Hinblick auf Re-Politisierungen pädagogischer Professionalität.

 

Beiträge des Panels

 

Kritik am Pflichtmodul Heterogenität – Paradoxien der (Ent-)Politisierung in der Lehrer*innenbildung

Dr. Mai-Anh Boger1, Prof. Dr. Nina Simon2
1Universität Bielefeld, 2Universität Leipzig

In den letzten Jahren ist die Anzahl an Lehramtsstudiengängen, in denen es mindestens eine verpflichtende Veranstaltung zur Reflexion von Ungleichheit, Heterogenität und/oder Inklusion gibt, enorm gestiegen. Freilich ist diese Entwicklung sehr erfreulich. Sie provoziert aber auch Fragen danach, was geschieht, wenn zuvor umkämpfte ‚Außenseiterthemen’ Teil des Pflichtcurriculums werden.

In unserem Vortrag befassen wir uns mit der Perspektive der Studierenden und widmen uns einer Analyse der subjektiven Wahrnehmung und Beschreibung der Lernerfahrungen von Studierenden in Seminaren der Lehrer*innenbildung mit Fokus auf diskriminierungs- und herrschaftskritische Inhalte. Inwiefern finden hier Bewegungen der (Ent-)Politisierung statt? In welchen Begriffen werden die Seminarinhalte von den Studierenden als ‚politische’ oder aber als ‚unpolitische Fakten’ wahrgenommen und beschrieben?

Zur Erörterung dieser Fragen wird zunächst der besagte Prozess der Dissemination kritischer Inhalte und deren Eintritt in den ‚Kanon’, unter Rückgriff auf Arbeiten von Sabine Hark und Gayatri Spivak, theoretisiert. Darauffolgend werden exemplarisch zwei Fallvignetten analysiert, in denen sich Bewegungen an der Grenze zur (Ent-)Politisierung zeigen. Zuletzt wird betrachtet, welche Reflexionsanlässe sich aus diesen theoretischen Überlegungen und empirischen Befunden für hochschuldidaktische Erwägungen ergeben.

 

Intellektualität, Professionalität, Herrschaft – Hegemonietheoretische Perspektiven auf eine politische Lehrer*innenbildung in der Migrationsgesellschaft

Matthias Rangger
Universität Bielefeld

In der Hegemonietheorie Antonio Gramscis sind alle Menschen Intellektuelle, da alle aktiv teilhaben an einer Weltauffassung, die dazu beiträgt, die gegebenen Verhältnisse herzustellen, aufrechtzuerhalten und zu verändern. Es verwundert daher kaum, dass Schule und Lehrer*innenbildung besonders interessante Orte für unterschiedliche gesellschaftspolitische Projekte darstellen, auch wenn die Politizität der Projekte meist verschleiert wird. So setzt die in der gegenwärtigen Lehrer*innenbildung vorherrschende „empirische Wende“ einem vermeintlich normativ (respektive ideologisch) Gewünschten eine funktionalistische Orientierung am empirisch Notwendigen entgegen, woraus sich Professionalisierungsprozesse formal bestimmen und output-orientiert planen sowie überprüfen lassen sollen. Das, was als empirisch notwendig gilt, findet seine Referenz allerdings darin, was von den gesellschaftlich und wirtschaftlich dominierenden Verhältnissen gewünscht wird. Eine Orientierung am empirisch Notwendigen bei gleichzeitiger Ausblendung der eigenen Politizität stellt deshalb selbst eine ideologische Verzerrung und Überhöhung des eigenen Autonomieanspruchs dar. Demgegenüber bietet der Horizont der Hegemonietheorie eine Perspektive auf soziale Wirklichkeit an, die Möglichkeiten einer Professionalisierung jenseits der Verleugnung der eigenen Politizität eröffnet. Der Beitrag geht im Anschluss daran allgemeinen Konturen einer explizit politischen Lehrer*innenbildung in der Migrationsgesellschaft nach.

 

Die Politik des Unwissens als (neue) Herausforderung an die Lehrer*innen(fort)bildung

Prof. Dr. María do Mar Castro Varela
Alice Salomon Hochschule Berlin

Agnotologie (Proctor & Schiebinger 2008) ist eine relativ junge Forschungsrichtung. Sie beschäftigt sich mit der Produktion und Stabilisierung von Unwissen. Unwissen wird darin nicht als Nicht-Wissen beschrieben, sondern als das Ergebnis politischer und kultureller Kämpfe im Rahmen von Macht- und Herrschaftsverhältnissen. Unter anderem über Zensur und Manipulation wird dafür gesorgt, dass Wissen unterdrückt und Ignoranz hergestellt wird. Die Agnotologie zeigt sich mit der Epistemologie verflochten, denn oft wird Unwissen produziert, um ein bestimmtes Wissen durchzusetzen.

Nicht nur in Zeiten zunehmender Dominanz sozialer Medien und der damit häufig einhergehenden Desinformation, ist die Frage danach, welches Wissen Anerkennung erhält und welche Ignoranz hervorgebracht wird, bedeutsam. Die postkoloniale Kritik setzt sich seit den 1970er Jahren ebenso damit auseinander, in welcher Weise bestimmtes Wissen eurozentrisch und damit begrenzt ist und auch damit, wie Felder der Unwissenheit stabilisiert werden.

Der Beitrag beschäftigt sich mit der Begrenzung von Wissen und den Feldern der Unwissenheit (in) der Lehrer*innen(fort)bildung. Es kann beispielsweise innerhalb der Lehrer*innenfortbildung mithin nicht nur darum gehen, wie Wissen adäquat vermittelt wird und auch nicht nur darum, welches Wissen vermittelt wird. Lehrer*innen müssen sich auch mit dem produzierten Unwissen auseinandersetzen, das Lernen und Lehren mitstrukturiert.

 

(Un-)Erschütterbare Fundamente (in) der Lehrer*innenbildung? Normativitätstheoretische Überlegungen

Susanne Gottuck1, Oxana Ivanova-Chessex2, Saphira Shure3, Anja Steinbach4
1Universität Duisburg-Essen, 2Pädagogische Hochschule Zürich, 3Universität Bielefeld, 4Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Der Beitrag setzt sich mit Normativitäten, als grundlegende Bedingungen und Strukturelemente der Lehrer*innenbildung, aus differenz- und machttheoretischen Perspektiven auseinander. Normativitäten verstehen wir als explizite oder implizite Ordnungsvorstellungen und Bezugspunkte dessen, wie etwas (nicht) sein soll. Über Praktiken der Setzung, die beispielsweise über hochschulpolitische Dokumente oder bestimmte Thematisierungen im Kontext von Lehrveranstaltungen zum Ausdruck kommen, werden spezifisch normativ gelagerte, gesellschaftliche und (hoch-)schulische Subjektivitäten, Praktiken, Verhältnisse und ‚Materialitäten‘ aufgerufen und hervorgebracht. Es werden gewissermaßen Grenzen des Gewünschten sowie letztlich auch Grenzen des Möglichen entworfen und verwirklicht. In unserem Beitrag arbeiten wir mit dieser Perspektive auf normative Setzungen drei Dimensionen von Normativitäten – politische, präskriptive und subjektivierende – heraus, durch welche die performative Hervorbringung und Be-Gründung von Normativitäten sowie ihre Wirkmächtigkeit als ethisch-moralische Orientierung und Matrix der Subjektivierung erkennbar wird. Daran anschließend zeigen wir das Potenzial dieser normativitätsanalytischen Perspektivierung für eine forschende Auseinandersetzung mit empirischen Daten im Feld der Lehrer*innenbildung auf und diskutieren deren Bedeutung für Prozesse einer normativitätskritischen Professionalisierung angehender Lehrer*innen.