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Sitzungsübersicht
Sitzung
Begrenzungen und Entgrenzungen in den stationären Hilfen zur Erziehung
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 11

932 6037 0671, J0xYps
Sitzungsthemen:
8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, qualitativ, quantitativ, Deutsch

Präsentationen

Begrenzungen und Entgrenzungen in den stationären Hilfen zur Erziehung

Chair(s): Dr. Liane Pluto (Deutsches Jugendinstitut, Deutschland)

In stationären Hilfen zur Erziehung als intensive öffentlich organisierte Hilfe der Kinder- und Jugendhilfe mit einer hohen öffentlichen Verantwortung, einer vulnerablen Adressatengruppe und aus einer Tradition kommend, in der die Hilfe als Intervention gesehen wird, entstehen immer wieder Konstellationen, die die Frage nach Grenzen relevant werden lassen. Zugleich stellt sich die Frage, wie die Hilfen so organisiert und gestaltet werden können, dass sie Entwicklungsprozesse von Kindern und Jugendlichen fördern und deren Teilhabechancen erhöhen. Diese beiden Perspektiven aufgreifend will sich die Arbeitsgruppe mit unterschiedlichen Phänomenen der stationären Hilfen befassen (Nähe und Distanz, Aufnahme- und Ausschlusskriterien von Einrichtungen, pädagogische Stufenpläne) und diese als den Umgang mit und die Bearbeitung von Grenzen sichtbar machen.

 

Beiträge des Panels

 

Professionelle Beziehungen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe – Ein Spannungsfeld von Nähe und Distanz zwischen Begrenzung und Entgrenzung

Prof. Dr. Michael Behnisch, Dorothee Schäfer
Frankfurt University of Applied Sciences

Der Umgang mit Nähe zählt zu den besonderen Herausforderungen im Alltag der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Dabei erweist sich Nähe als zentraler Bestandteil professioneller Beziehungen: Entwicklungsprozesse und die Sicherung emotionaler Bedürfnisse sind durch sie gerahmt – Nähe kann Vertrauen, Offenbarungsprozesse und Enttabuisierung, etwa mit Blick auf Sexualität, ermöglichen. Gleichzeitig bergen Nähe und Intimität in pädagogischen Beziehungen Risiken für Integritätsverletzungen von Kindern, falls sich diese zu entgrenzen drohen. Mit Blick auf den Begriff der Distanz wird deshalb davon ausgegangen, dass Nähe im pädagogischen Handeln stets auch begrenzt sein muss (z.B. durch Schutzkonzepte, institutionelle Regeln). Das hier angedeutete Spannungsfeld wirft also die Frage auf, wie Nähe und Distanz hinsichtlich von Be- und Entgrenzung ausgestaltet sein müssen, um zu emotional förderlichen, zugleich aber schützenden Beziehungserfahrungen beizutragen. Im Vordergrund des Beitrags in der Arbeitsgruppe stehen Ergebnisse aus Interviews mit Fachkräften und jungen Menschen. Ihr Erleben von Intimität, Nähe, Distanz und Zurückweisung verweist darauf, welche Muster pädagogischer Nähe zu identifizieren und hinsichtlich der Professionalisierungsprozesse in der Heimerziehung relevant sind.

 

Aufnahme- und Ausschlusskriterien stationärer Einrichtungen

Dr. Eric van Santen
Deutsches Jugendinstitut

Zur Erhöhung der Problemlösungskompetenz, aber auch als Element der Marktpositionierung wird mitunter auf Differenzierung und Spezialisierung der Angebotsstruktur sozialer Hilfen gesetzt. Die Folgeprobleme von Tendenzen der Differenzierung und Spezialisierung auf der Angebotsebene lassen sich als Entwicklungsdilemmata (Filsinger & Bergold 1993) oder mit den Worten von Olk & Otto (1987) als Ungewissheitsbelastung beschreiben: Je spezialisierter und differenzierter die formalen Hilfesysteme werden, desto höher wird ihre Problemlösungskompetenz und desto geringer ihre Lebensweltorientierung. Gleichseitig existiert neben diesem Dilemma die gesellschaftliche Erwartung der Inklusion der Diversität von Adressatengruppen. Im Beitrag soll auf der Basis fünf bundesweiter quantitativer Erhebungen bei stationären Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung im Zeitraum von 2001 bis einschließlich 2019 der Frage nachgegangen werden, wie sich dies alles in der Entwicklung der Angebotsstruktur niederschlägt und was dies für Folgen für die Struktur der sozialen Dienstleistungen und ihre Adressat:innen hat. Anhand der Betrachtung von Aufnahmekriterien und Ausschlusskriterien von stationären Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung soll diesen Fragen nachgegangen werden, und somit auch, bei welchen Problemlagen bzw. Verhaltensweisen Grenzen gezogen oder auch aufgehoben werden und wie sich diese im Zeitverlauf verändert haben.

 

Verbreitung und Merkmale von Stufenplänen in stationären Hilfen zur Erziehung

Dr. Liane Pluto
Deutsches Jugendinstitut

In stationären Hilfen wurden Stufenpläne bislang vor allem mit intensivpädagogischen Settings oder geschlossener Unterbringung in Verbindung gebracht und diskutiert. In den letzten Jahren wird – auch aus Forschungsperspektive – eine Zunahme von Stufenplänen konstatiert und deren Einsatz kritisiert, indem deren Defizitperspektive auf die Subjekte herausgestellt und die damit verbundenen Aspekte von Verhaltensanpassung, Zwang, Macht, Scham thematisiert werden (Lutz 2019, Clark 2018, Magyar-Haas 2019). In der Diskussion wird deutlich, dass ganz unterschiedliche Ausformungen solcher formaler Grenzsetzungen existieren und bislang wenig bekannt ist, wie verbreitet der Einsatz solcher Instrumente tatsächlich ist. Im Beitrag soll auf der Basis einer bundesweiten Erhebung bei stationären Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung (n = 470) sowohl der Frage nach der Verbreitung im Arbeitsfeld nachgegangen werden als auch anhand einiger dazu abgefragter Merkmale beschrieben werden, wodurch sich die Stufenpläne in der Praxis auszeichnen und zudem wie die Einrichtungen deren Einsatz bewerten. Darüber hinaus soll die Frage verfolgt werden, ob Strukturmerkmale und pädagogischen Grundorientierungen von Einrichtungen identifizierbar sind, die den Einsatz solcher Instrumente begünstigen oder unwahrscheinlich machen.