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Sitzungsübersicht
Sitzung
Eingrenzungen des Sexuellen – Diskursive Verhandlungen des Verhältnisses von Pädagogik und Sexualität
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 07

910 4494 2285, 855189
Sitzungsthemen:
8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, 11. Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft, Sektion 2, Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, qualitativ, Deutsch

Präsentationen

Eingrenzungen des Sexuellen – Diskursive Verhandlungen des Verhältnisses von Pädagogik und Sexualität

Chair(s): Dr. Thomas Viola Rieske (Europa-Universität Flensburg, Deutschland)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Jeannette Windheuser (Humboldt-Universität zu Berlin)

Das Verhältnis von Pädagogik und Sexualität ist in den vergangenen Jahren verstärkt in den Blickpunkt von Diskursen über pädagogische Professionalität gerückt: Aufarbeitungsprozesse zu sexualisierter Gewalt in pädagogischen Kontexten, Unterstellungen einer 'Frühsexualisierung' durch eine Pädagogik geschlechtlicher und sexueller Vielfalt oder Diagnosen mangelhafter sexueller Bildung arbeiten an einer (erneuten) Be- und Entgrenzung des Sexuellen in Pädagogik. Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich daher mit den Fragen, wie das Verhältnis von Pädagogik und Sexualität mitsamt Be- und Entgrenzungen in erziehungswissenschaftlichen Debatten und in pädagogischer Praxis gestaltet wird und welche Desiderata in Bezug auf Forschung und Theorie zu pädagogischer Professionalität bestehen Die anschließende gemeinsame Diskussion wird durch einen Kommentar eingeleitet, der die Beiträge hinsichtlich ihres (theorie-)geschichtlichen Horizonts rahmt.

 

Beiträge des Panels

 

Bearbeitungen des Sexuellen in berufsbiographischen Narrationen von Pädagog*innen

Dr. Thomas Viola Rieske
Europa-Universität Flensburg

Neben pädagogischen Konzepten und organisationalen Strukturen gelten individuelle Ausformungen pädagogischer Professionalität als wesentliches Moment für die Ermöglichung oder Verhinderung sexualisierter Gewalt in pädagogischen Kontexten (vgl. Wazlawik/Christmann 2018; Retkowski/Thole 2012). Als professionsethische Norm ist diesbezüglich unter Bezugnahme auf psychoanalytische und strukturtheoretische Überlegungen eine „Abstinenzregel“ formuliert worden, nach der Pädagog*innen die Bedürfnisse von Adressat*innen nach Nähe und Distanz in angemessener Weise anerkennen sollten, ohne ihre Machtposition zur Befriedigung eigener entsprechender Bedürfnisse (insbesondere nach Nähe) auszunutzen (vgl. Dörr 2012; Helsper/Reh 2012).

Empirische Studien zeigen jedoch, dass die Umsetzung dieser Regel teilweise zum einen mit heteronormativen und androzentrischen Geschlechterkonstruktionen verknüpft ist und zum anderen mit einer Vermeidung von Sexualität und Sexuellem einhergeht (vgl. Hess/Retkowski 2019; Henningsen/List 2019; Krolzik-Matthei et al. 2019; Urban 2019). Vor diesem Hintergrund werden professionelle Reflexionen von biographisch gewordenen In-Verhältnis-Setzungen von Pädagogik und Sexualität relevant, die über eine Vermeidung diffuser Beziehungslogiken hinausgehen. Der Vortrag diskutiert diese Problematik anhand berufsbiographischer Narrationen von Pädagog*innen und formuliert Überlegungen zu einer kritischen Reflexion und Weiterentwicklung pädagogischer Professionsethik.

 

Konturierungen des Intimen in pädagogischen Praxen

Prof. Dr. Werner Thole1, Svenja Marks2
1Universität Kassel, 2Institut für Theorie und Empirie des Sozialen

Der Beitrag thematisiert aus einer praxeologischen Sicht, wie das Intime situativ und interaktiv zwischen Professionellen sowie Kindern und Jugendlichen in pädagogischen Handlungsfeldern konturiert und austariert wird. Im Vortrag werden Handlungs- und Strukturvarianten pädagogischer Intimität aus einem Forschungsprojekt präsentiert, die über ein qualitativ-rekonstruktives Methodendesign in Triangulation von ethnografischen Beobachtungen (vgl. Geertz 1987; Honer 1989), thematisch zentrierten narrativen Interviews (vgl. Schütze 1983) sowie Gruppendiskussionen (vgl. u. a. Mangold 1960; Nentwig-Gesemann 2002; Bohnsack/Przyborski/Schäffer 2006) gewonnen wurden. Anhand eines Fallbeispiels fokussiert der Beitrag auf die Dimensionen Körper und Geschlecht über den Rückgriff auf Praktiken der Herstellung von Konsens und Zustimmung zu körperlicher Nähe und Berührung. Über den rekonstruktiven Zugriff auf „concepts of consent“ (Bauer 2014) wird eine bislang wenig thematisierte Perspektive eingenommen, die eine die pädagogische Professionalität herausfordernde Thematik in Bezug auf den Komplex der Sexualität, den Umgang mit Körperkontakt und möglichen sexualisierten Grenzverletzungen aufgreift.

 

Normalitätskonstruktionen von Sexualität und Gewalt. Perspektiven junger Menschen auf Schutz, Selbstbestimmung und Grenzüberschreitungen

Prof. Dr. Elisabeth Tuider
Universität Kassel

Der Vortrag stellt Sichtweisen auf sexualisierte Grenzüberschreitungen, Sexualität und Schutz vor, die im Rahmen partizipativer Forschungen mit jungen Menschen mittels einer Onlinebefragung und qualitativer Interviews erhoben und analysiert wurden (vgl. Lips u.a. 2020). Deutlich wird darin, dass nicht die sexuelle Handlung per se, sondern – ganz im Sinne der Verhandlungsmoral (Schmidt 2004; Sigusch 2013) – die Art des Zustandekommens für junge Menschen zentral ist. D.h.: Sexualisierte Grenzüberschreitung beginnt da, wo Einverständnis und Zustimmung nicht vorliegen. Diese Sichtweisen junger Menschen auf Sexualität und Gewalt werden im Rahmen der diskursiven Verschiebungen im Normalitätskontinuum (vgl. Rubin 1984; Link 1999; Foucault 1984) kontextualisiert und diskutiert. Der diskursiv normative Rahmen sexueller Normalität bezieht sich dabei auf juristisch-mediale und aktivistisch politische Debatten, wie sie u.a. mit den Hashtags und Stichwörtern ‚Ja ist Ja‘, #metoo und rape culture zum Ausdruck gebracht werden. Im selben diskursiven Raum bewegen sich auch Verhandlungen des Verhältnisses von Pädagogik und Sexualität, wenn diese sich auf Schutzkonzeptdebatten und –überlegungen beziehen (Rusack 2020; Wolff/Schröer 2018). Wenn wir das diskursive Ringen im normativen Schauplatz Sexualität und Geschlecht als biopolitische Regulierung derselben verstehen, dann stellt sich an Pädagogik auch die Frage, welche Position sie in diesen Regulierungen einnimmt.