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Nur Sitzungen am Veranstaltungsort 
 
 
Sitzungsübersicht
Sitzung
Im Grenzbereich von Familie und Schule
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 37

917 8728 1811, 494922
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 5. Schulpädagogik, Sektion 2, Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, Sektion 5, Kommission Schulforschung und Didaktik, Sektion 5, Kommission Grundschulforschung und Pädagogik der Primarstufe, qualitativ, Deutsch

Präsentationen

Im Grenzbereich von Familie und Schule

Chair(s): Prof. Dr. Karin Bräu (Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutschland), Prof. Dr. Hedda Bennwitz (Universität Kassel)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Dominik Krinninger (Universität Osnabrück)

Familie und Schule sind über die Kinder und Jugendlichen miteinander verbunden. Eltern und Lehrer*innen haben Erwartungen aneinander, beziehen sich aufeinander, stimmen überein oder ärgern sich übereinander und verhandeln Vorstellungen zu Erziehung und Bildung; sie kooperieren oder sie tun es nicht. Und auch die Kinder und Jugendlichen müssen in diesem Grenz- oder Schnittbereich (was zu bestimmen wäre) agieren. Während aus strukturfunktionalistischer Perspektive Schule und Familie als zwei Felder mit unterschiedlichen, sich ergänzenden, Aufgaben im Kontext von Erziehung und Bildung gesehen werden, wird in der AG auf den Grenz-/Schnittbereich von Schule und Familie fokussiert, bei dem es dann um gemeinsam hervorgebrachte Praktiken – auch mit Hilfe von Artefakten, wie z.B. Hausaufgabenhefte – und um Differenzerfahrungen geht. Diese werden sowohl aus der Perspektive der Erwachsenen als auch der der Kinder und nicht zuletzt im Hinblick auf die Herstellung sozialer Ungleichheit diskutiert.

 

Beiträge des Panels

 

Involvierung, Abgrenzung, Anpassung. Handlungsorientierungen von Grundschulkindern zwischen Familie und Schule

Prof. Dr. Tanja Betz, Nicoletta Eunicke
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Das bessere, gar optimierte Zusammenwirken von Schule und Familie steht nicht nur angesichts des Problems ungleicher Bildungschancen hoch im Kurs. Im Fokus der auf die Schule bezogenen praxisorientierten und wissenschaftlichen Fachliteratur stehen vielfältige Formen der Elternarbeit und prominent: die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. Ein engeres Verhältnis zwischen Familie und Schule gilt als vielversprechend für Kinder: Das intensivere Zusammenwirken diene dem Wohl der Kinder, die wechselseitige Öffnung zwischen Schule und Familie sei in ihrem Interesse und der enge Austausch befördere ihren Schulerfolg. Auffällig wenig sind indessen die Kinder, ihre Positionen im und Perspektiven auf das Verhältnis zwischen Schule und Familie im Fokus. Im Beitrag wird aus der theoretischen Perspektive der sozialwissenschaftlichen Kindheitsforschung und auf Basis von 13 Gruppendiskussionen mit Dritt- und Viertklässlern im Forschungsprojekt „Kinder zwischen Chancen und Barrieren“ mittels rekonstruktiver Analysen aufgezeigt, dass und inwiefern Kinder konträre Handlungsorientierungen aufweisen. Sie teilen miteinander die Differenzerfahrung, als Kind(er) in die (neue) Gestaltung des Verhältnisses zwischen Familie und Schule eingebunden zu sein. Ihre kollektiven Handlungsorientierungen im Umgang mit dieser Erfahrung unterscheiden sich in korrespondierenden, separierenden und akzeptierenden Handlungsmodi.

 

Im Grenzbereich: Das „Hausaufgabenheft“ als gemeinsame Praxis von Schule und Familie

Prof. Dr. Hedda Bennewitz1, Prof. Dr. Karin Bräu2, Laura Fuhrmann2
1Universität Kassel, 2Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Das Hausaufgabenheft – zunächst als individuell geführtes Heft zum Festhalten und Erinnern der Hausaufgaben – hat heute oft institutionalisierte Formen angenommen, das zusätzlich ein Kommunikationsmedium zwischen Elternhaus und Schule darstellt. Während direkte Kontakte, also persönliche Begegnung oder Telefonate selten sind und relativ aufwändig organisiert werden müssen, können über das Hausaufgabenheft schnell Informationen und Anliegen ausgetauscht werden. Es dient also als ‚Organizer‘ und kann zugleich Dienste als Kontroll- und Disziplinierungsinstrument erfüllen, wenn Schüler*innen und Eltern darüber zur Einhaltung schulischer Normen aufgefordert werden. Im Beitrag wird aus einer praxeologische Perspektive der Grenzbereich von Schule und Familie über das Hausaufgabenheft analysiert. Als typisches Artefakt der Kommunikation werden das Medium selbst sowie sein Einsatz in der Schule und in der Familie in den Blick genommen. Er wird danach gefragt, welche Funktionen, impliziten Wissensbestände und Subjektpositionen sich an den Gebrauch des Heftes binden und wie sich diese mit dem Transfer von einer Institution in die andere verändern. Die Analyse richtet sich also auf die sozialen Praktiken, die mit dem Hausaufgabenheft verknüpft sind.

 

Ethnographie jenseits von Feldern. Die Schnittmenge von Schule und Familie

Prof. Dr. Jürgen Budde1, Dr. Martin Bittner2
1Universität Flensburg, 2FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie

Eine erziehungswissenschaftliche Ethnographie, die sich an praxistheoretischen Ansätzen orientiert, ist herausgefordert zu überdenken, was als ‘ethnographisches Feld’ verstanden werden kann. Beobachtungen von Erziehungs- und Bildungspraktiken können sich nicht ausschließlich auf eine Institution wie die Schule oder die Familie beziehen, sondern müssen die Schnittmenge von Praktiken in den Blick nehmen, die sich zu Konstellationen verbinden. Die Relationierung von Familie und Schule lässt sich praxistheoretisch fassen, wenn die Institutionen nicht als Felder verkürzt wahrgenommen werden. Damit wird ein geschlossener Feldbegriff aufgelöst. Für eine an Fragen sozialer Ungleichheit interessierten Erziehungswissenschaft folgt daraus die Notwendigkeit, Kontexte (verschiedene Bildungs- und Erziehungsorte, weitere Familien, etc.) in den Blick zu nehmen, da diese analytisches Relationierungspotenzial anbieten. Erst in einer Optik, die nicht individualisierend auf Passungen zwischen Schülerinnen und Schulkultur oder auf singuläre ‚Felder‘ (Schule und Familie) blickt, sondern Konstellationen von Familien und Schulen analysiert, werden jene Unterschiede sichtbar, die als Ungleichheit beschrieben werden können. Der Beitrag plädiert dafür, solche Konstellationen oder „sites“ (Schatzki 2002) als Gegenstand für eine erziehungswissenschaftliche Ethnographie zu konzipieren, die sich Fragen sozialer Ungleichheit verpflichtet fühlt.