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Sitzungsübersicht
Sitzung
Institutionelle Be- und Entgrenzungen im transnationalen Bedingungsgefüge. Schule zwischen Re- und Transnationalisierung
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 22

980 0700 1274, 502109
Sitzungsthemen:
3. Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft, 4. Empirische Bildungsforschung, 5. Schulpädagogik, Sektion 2, Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, Sektion 3, Kommission Interkulturelle Bildung, qualitativ, Deutsch

Präsentationen

Institutionelle Be- und Entgrenzungen im transnationalen Bedingungsgefüge. Schule zwischen Re- und Transnationalisierung

Chair(s): Dr. Melanie David-Erb (Goethe-Universität Frankfurt, Deutschland), Dr. Friederike Dobutowitsch (Leuphana Universität Lüneburg), Dr. Caroline Gröschner (TU Braunschweig)

Die AG thematisiert Be- und Entgrenzungen auf bildungsinstitutioneller Ebene, die sich im Zusammenhang mit transnationalen Lebenswelten von Schüler*innen ergeben. Die Beiträge stützen sich auf Erkenntnisse aus drei aktuellen qualitativ empirischen Projekten, die sich mit Grenzen und ihrer Aufhebung im Kontext Schule aus einer transnationalen Perspektive auseinandersetzen und laden zur Diskussion theoretischer wie methodischer Herausforderungen ein.

Im Zentrum der Analysen stehen dabei Schulen als Organisationen und deren Umgang mit sich zunehmend transnational gestaltenden Lebenswirklichkeiten von Schüler*innen, sowie die Perspektive von Individuen, die als Beteiligte auf der Mikroebene an institutionellen Praktiken teilhaben.

Die Beiträge versammeln sich um folgende Kernfragen: Wie gehen Schulen auf transnationale Bedingungen ein? Wie werden institutionelle Grenzen konstruiert und wie nehmen die unterschiedlichen Akteur*innen diese Grenzen wahr? Wo werden sie aufgehoben oder geöffnet?

 

Beiträge des Panels

 

Formale und non-formale Bildungsinstitutionen in transnationalen Realitäten. Bildungskooperationen aus einer Perspektive der Mesoebene

Dr. Melanie David-Erb
Goethe-Universität Frankfurt

Ein Desiderat der erziehungswissenschaftlichen Transnationalisierungsforschung betrifft den non-formalen Bildungssektor (Pfaff u.a. 2019). Diverse private Initiativen kooperieren mit Schulen des formalen Sektors. Dabei positionieren sie sich in einem Spannungsfeld des Partikularen (exklusive Zielgruppe) und des Transnationalen (Grenzüberschreitenden) bei gleichzeitiger Angliederung an ein öffentliches Schulsystem, das als Maßstab für das zu Lernende gilt. Diese Rahmenbedingungen konstituieren ein Umfeld, in dem die Bedürfnisse von Lernenden mit transnationalen Biografien besondere Berücksichtigung finden können.

Daher zielt der Vortrag auf die Analyse des Zusammenspiels von formalen und non-formalen Bildungsinstitutionen. Zentral ist die Frage nach Gelingensbedingungen von Kooperationen, die an der Schnittstelle von formalen und non-formalen Angeboten agieren; dadurch gerät auch die Rolle non-formaler Akteur*innen im formalen System in den Blick.

Exemplarisch wird die Kooperation zwischen einem non-formalen Bildungsträger und formalen Schulen untersucht, im Rahmen derer sich junge Menschen mit transnationalen Biografien auf den Schulabschluss vorbereiten. Die Analysen von Experteninterviews mit Projekt- und Schulleitungen und von teilnehmenden Beobachtungen an den Koordinationsgesprächen geben Aufschluss über Mechanismen der Kooperation und über Strukturen der Be- und Entgrenzung von formalen Institutionen in Hinblick auf Anforderungen transnationaler Bedingungen ihres Umfeldes.

 

Grenzziehungen in der Grundschule. Re- und transnationale Vorstellungen von Grundschulleitungen in „sozial deprivierter“ Lage

Dr. Caroline Gröschner
TU Braunschweig

Ausgehend von der Annahme, dass im Sprechen über Schüler*innen in der Schule sich Zuschreibungen herkunftsbedingter Andersheiten zeigen, sollen Aussagen von Grundschulleitungen, die als bedeutende Akteur*innen im Rahmen der Gestaltung und Entwicklung von Schule betrachtet werden (ex. Rolff 2012), in den Fokus des zweiten Beitrags gerückt werden. Dieses Sprechen setzt dabei auch den Rahmen pädagogischen Handelns innerhalb der Schule und konstituiert das Selbstverständnis von Schulleitungen und Schule und legt die schulisch legitimierten Normen sowie die Ausgestaltung des schulischen Alltags fest. Der Beitrag verhandelt mithilfe von Expert*inneninterwiews, die qualitativ rekonstruktiv analysiert wurden, unterschiedliche Perspektiven und Handlungsorientierungen sowie (trans-)nationale Vorstellungen von Grundschulleitungen in „sozial deprivierter“ Lage, die leitend für den schulischen Alltag sind. Sichtbar wird, dass durch die Zuschreibungen von „kulturellen“ Differenzen, die vor allem als Defizite und Abweichungen von der Norm bewertet werden, das pädagogische Handeln seitens der Schule legitimiert und daran ausgerichtet wird. Solche Zuschreibungen werten dabei transnationale Lebenswelten ab und verweisen auf diese Weise auf nationale Norm(-vorstellung)en und Orientierungen (auch) an Grundschulen in „sozial deprivierter“ Lage. Diese Setzungen durch Schulleitungen können als Be- und Entgrenzung von schulischem Handeln und somit als Konstruktion des Normalen verstanden werden.

 

Der schulische (Fremd-)Sprachenkanon als Anlass für die Be- und Entgrenzung transnationaler Bildungsbiographien. Retrospektive Deutungen von Erfahrungen als Schüler*in durch mehrsprachige Studierende.

Dr. Friederike Dobutowitsch
Leuphana Universität Lüneburg

Transnationale Migrationserfahrungen junger Menschen gehen häufig mit dem Besuch mehrerer nationaler Bildungssysteme mit je unterschiedlichen majoritären Instruktionssprachen und Fremdsprachenangeboten einher. Nicht zuletzt die Debatte des Rats für Migration im Jahr 2020 macht mit Blick auf die Schulbildung in Deutschland deutlich, dass der schulische Sprachenkanon nur in begrenztem Maße das im transnationalen sozialen Raum erworbene Sprachkönnen aufzugreifen vermag (Vogel 2020; auch: Hopp & Jakisch 2020). In der Folge scheint eher eine Gleichzeitigkeit von schulischen Fremdsprachenangeboten und einer Dethematisierung oder Diskriminierung von transnational erworbenem Sprachkönnen der Fall zu sein.

Ausgehend von diesem Bedingungsgefüge stellt der Beitrag Erfahrungen und Strategien von Schüler*innen selbst in den Fokus. Die Daten entstammen sprachbiographischen Erzählungen mehrsprachiger Studierender, die retrospektiv auf ihre transnationalen schulischen Erfahrungen zurückblicken. Die Erzählungen zeugen von ermöglichenden und begrenzenden Momenten im Erfahrungsraum des schulischen Fremdsprachenunterrichts und werden in dem Beitrag anknüpfend an migrationspädagogische Perspektivierungen über die Macht der Sprache(n) (Dirim u.a. 2018) eingeordnet und diskutiert.