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Sitzungsübersicht
Sitzung
Ethnografische Kindheitsforschung als Grenzerfahrung: Forschungsethische Fragen, Ansprüche und Positionierungen
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 20

999 8232 7568, 679473
Sitzungsthemen:
8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, Sektion 8, Kommission Pädagogik der frühen Kindheit, qualitativ, Deutsch

Präsentationen

Ethnografische Kindheitsforschung als Grenzerfahrung: Forschungsethische Fragen, Ansprüche und Positionierungen

Chair(s): Hoa Mai Trần (University of Siegen, Deutschland)

Diskutant*innen: Nicoletta Eunicke (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)

Ethnografische Grenzerfahrungen von Forschenden re- und dezentrieren die Praxis der Kindheitsforschung und geben Impulse für eine verstärkte Debatte über Forschungsethik. Trotz der langjährigen Forderung, Kinder als Akteur*innen und Forschungssubjekte anzuerkennen, bedarf die forschungsethische Auseinandersetzung in der Forschung mit und über Kinder mehr Aufmerksamkeit. Zwar wurden allgemeine ethische Kodizes von diversen Fachgesellschaften formuliert, doch die Perspektiven ethnografischer Kindheitsforschung sind bislang unzureichend berücksichtigt wurden. Ansprüche und Positionierungen in der Forschungsethik mit Kindern wird über Grenzerfahrungen der Forschenden konturiert, in dem offenen und unbequemen Fragen in der ethischen Auseinandersetzung nachgegangen wird. Ziel ist es, method(olog)ische und ethische Orientierungen sowie ethische Gütekriterien kritisch zu diskutieren und zu einer fachdisziplinäre Selbstvergewisserung zur ethischen Praxis in der Kindheitsforschung beizutragen.

 

Beiträge des Panels

 

Die Kinder des Erkenntnissubjekts – Natalität, Angewiesenheit und Alterität als Ausgangspunkte radikaler Forschungsethik

Sabine Hattinger-Allende
Universität Duisburg-Essen

Kindheitsforschung ist forschungsethisch besonders herausgefordert, da Kinder dem wissenschaftlichen Blick ausgesetzt sind, ohne akademische Wissensproduktion mitgestalten zu können. In diesem Beitrag wird die entgrenzte und entgrenzende Leidenschaft der Gegenwart kritisch befragt, „jeden Schleier beiseite zuwerfen, jede Oberfläche zu durchdringen, jede Barriere zu überwinden“ (Copjec 2006, S. 23). So müssen Wege gesucht werden, um dem Erkenntnissubjekt in seinem Begehren nach Wissen Grenzen zu setzen. Anhand einer Ethnographie zu Kindern als politische Subjekte im Kontext einer sozialen Bewegung wird dem forschungsethischen Diskurs der Selbstbegrenzung eine Ethik der Begegnung entgegengestellt. In Bezogenheit auf diejenigen, denen ich in den Zeit-Räumen der Bewegung begegnet bin einerseits und auf die Tradition feministischer Wissenschaftskritik andererseits, ergründe ich in Bezug auf Irigaray Alterität als Ausgangspunkt einer radikalen Forschungsethik (Irigaray 2010). Ich frage nach Angewiesenheit, Natalität und nach der Un/Möglichkeit einer Grenze, die vom anderen herkommt.

Copjec, Joan (2006): The Object-Gaze: Shame, Hejab, Cinema. In: Filozofski Vestnik 27 (2), S. 11-29 (Übersetzung von Autorin).

Irigaray, Luce (2010): Welt teilen. Freiburg, München: Karl Alber.

 

Forschungsethische Fragen in der ethnographischen Beobachtung: Das Folgedilemma der Beobachtung von Beobachtungen

Magdalena Hartmann
Leibniz Universität Hannover

Forschungsethische Fragen durchziehen alle Phasen eines (ethnographischen) Forschungsprozesses. In diesem Beitrag wird der Entstehungsprozess von empirischem Material im Rahmen einer ethnographischen Forschung zum Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren des Early Excellence-Ansatzes fokussiert. Über die Frage der Entziehbarkeit von Kindern aus Beobachtungsprozessen von einer pädagogischen Fachkraft und mir, als Ethnographin, wird ein Folgedilemma identifiziert und über „das Prinzip der Schadensvermeidung und der Schutz der Rechte der untersuchten Personen [hier Kinder]“ (von Unger et al. 2014, S. 21) einer forschungsethischen Auseinandersetzung zugänglich gemacht. Vor diesem Hintergrund werden Fragen der Möglichkeiten der Grenzziehung von Kindern und von mir als Ethnographin in Erhebungs- und Analyseprozessen reflektiert, um darüber eine gemeinsame Diskussion über Herausforderungen von ethischen Fragen in (ethnographischen) Forschungsprozessen zu eröffnen.

Von Unger, Hella; Narimani, Petra & M´Bayo, Rosaline (Hrsg.) (2014): Forschungsethik in der qualitativen Forschung. Reflexivität, Perspektiven, Positionen. Wiesbaden: Springer VS.

 

Rationalität als Herausforderung: Verwicklungen in die Erfahrungen von Kindern in Institutionen

Bettina Brenneke
Universität Duisburg-Essen

Im Zuge forschungsethischer Perspektiven und Ansprüche rückt auch die ethnographische Wissensproduktion über Kinder und Kindheiten in ein neues Licht. Eine zentrale Herausforderung, die ich in meiner ethnographischen Studie zum Übergang vom Kindergarten und in die Grundschule bearbeite, sind Binaritäten, die Forschungspraxis und Wissensproduktion durchziehen. Dabei gilt es mit der Gefahr umzugehen, dass die eigene Perspektive und die Perspektiven der Kinder auf Ko-Konstruktionen von bspw. Kindergartenkind – Schulkind oder auch Kita – Schule eine dualistische und hierarchisierende Wirkung entfalten können. In dem Beitrag soll der Frage nachgegangen werden, wie ein wissenschaftliches (Nach-)Denken und Sprechen über kindliche Erfahrungen und Beziehungen, wie Käte Meyer-Drawe (2000) vorschlägt, im Sinne eines „Sowohl-als-Auch“ und „Weder-Noch“ stattfinden kann. „Zwischenmöglichkeiten“ (Meyer-Drawe 2000, 10) der Erkenntnis eröffnen sich, wenn Rationalität auch in ihrer leiblichen Dimension berücksichtigt wird. Im Fokus stehen Relationen und Verwicklungen, die wiederum die Grenzziehungen der Kinder, die an der Forschung beteiligt sind, sowie eigene (Erkenntnis-)Grenzen aufzeigen.

Meyer-Drawe, Käte (2000): Illusionen von Autonomie. Diesseits von Ohnmacht und Allmacht des Ich. 2. Auflage. München: Peter Kirschheim Verlag.

 

Zombies, Töten und die Momo-Challenge: Vom un/zumutbaren Content für Kinder im Kontext (medien)ethischer Fragen

Hoa Mai Trần
Universität Siegen

Im Beitrag wird der Frage nachgegangen, was Kindern in welcher Weise an digitalem Content zugemutet werden kann, wenn es um „problematische“ digitale Inhalte geht. Die ethnografisch-qualitativen Kindheitsforschungserfahrungen werfen durch irritierende, ethische Momente ethisch Fragen auf: Welche Rolle kommt der forschenden Person zu, wenn potentiell angstauslösende, gewaltvolle Inhalte von Kindern einsehbar werden? Der Umgang mit Grenzerleben (als integritätsüberschreitend) zwischen Kind und Erwachsenen divergiert mitunter. Entlang einer posthumanistischen Ethik, welche nicht mehr nur reaktiv-negativ, sondern als experimenteller Rahmen und Wechselbeziehung verstanden wird, wird die Forschende und das Handeln Teil eines agentiellen Arrangements. Dem mehr als Menschlichem im Handeln und der Forschungspraxis wird mehr Aufmerksamkeit gewidmet und dadurch die Ethik in der Forschung Kindern im digitalen Medienkontext neu überdacht.

Diaz-Diaz, Claudia & Semenec, Paulina (2020): Posthumanist and New Materialist Methodologies. Research After the Child. Singapore: Springer Singapore.

Guillemin, Marilys & Gillam, Lynn (2004): Ethics, Reflexivity, and “Ethically Important Moments” in Research. Qualitative Inquiry 10(2), S. 261–280.

Stapf, Ingrid, Prinzing, Marlis & Köberer, Nina (Hrsg.) (2019): Aufwachsen mit Medien. Zur Ethik mediatisierter Kindheit und Jugend. Baden-Baden: Nomos.