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Sitzungsübersicht
Sitzung
Die Überschreitung von Grenzen des Intimen und Privaten aus pädagogischem Interesse
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
9:00 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 32

989 8677 5580, 272854
Sitzungsthemen:
13. Differentielle Erziehungs- und Bildungsforschung, Sektion 13, Kommission Psychoanalytische Pädagogik, qualitativ, theoretisch, historisch, Deutsch

Präsentationen

Die Überschreitung von Grenzen des Intimen und Privaten aus pädagogischem Interesse

Chair(s): Prof. Dr. Wilfried Datler (Universität Wien), Prof. Dr. Johannes Gstach (Universität Wien)

Diskutant*innen: Dr. Fürstaller Maria (FH Campus Wien), Dr. Marian Kratz (Universität Koblenz-Landau)

Psychoanalytisch orientiertes Denken und Arbeiten hat sich (1.) mit jenen Bereichen der „inneren Welt“ zu befassen, die Menschen mit Hilfe von Abwehr und Widerstand vor sich selbst zu verbergen versuchen. Es entspricht dem Selbstverständnis psychoanalytischer Forschung und Praxis, an dieser Grenze nicht halt zu machen. Eng verwoben ist damit (2.) die Befassung mit jenen Bereichen des Verhaltens und Zusammenlebens, die dem Blick der Öffentlichkeit meist entzogen sind. Denn um Bildungs-, Beziehungs- und Entwicklungsprozesse besser verstehen und gegebenenfalls auch unterstützen zu können, bedarf es oft tiefgehender Einblicke in familiäre und andere Lebensbereiche, die Fremden zumeist nicht zugänglich sind. In diesem Sinn bewegt sich auch Psychoanalytische Pädagogik häufig an und jenseits dieser Grenzen des Intimen und Privaten. Damit sind gewichtige Legitimationsprobleme sowie rechtliche, ethische und methodische Fragen verbunden, die aus verschiedenen Perspektiven diskutiert werden.

 

Beiträge des Panels

 

Unvermeidbare Konflikte: Die Zuspitzung des Interesses am Privaten und Intimen in der Psychoanalytischen Pädagogik

Prof. Dr. Wilfried Datler1, Prof. Dr. Margit Datler2, Regina Studener-Kuras1
1Universität Wien, 2KPH Wien/Krems

Im Beitrag wird zunächst auf zwei wesentliche Aspekte der Entstehung der Psychoanalyse zurückgeblickt: auf die Annahme einer Grenze zwischen dem Bewussten und dem Unbewussten sowie auf das Bemühen, sich mit diesem Bereich des Unbewussten trotz bestehender Widerstände zu befassen und über Unbewusstes auch dann zu publizieren, wenn dies mit den Personen, über welche publiziert wird, allenfalls zum Teil besprochen werden kann. In Verbindung damit begann sich die „psychoanalytic community“ überdies um möglichst unzensierte Einblicke in familiäre und andere soziale Alltagswelten zu gewinnen, um zu fundierten Aussagen über die Bedeutung und Genese psychischer Strukturen gelangen zu können.

Dieses Arbeiten an und jenseits der skizzierten Grenzen zum Privaten und Intimen zeichnet auch Psychoanalytische Pädagogik im Kontext von Forschung, aber auch in der unmittelbaren Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aus. Damit einher gehen methodische Herausforderungen sowie Spannungen und Konflikte, die eng mit der Frage verbunden sind, mit welchem Recht und in wessen Interesse an und jenseits der skizzierten Grenzen gearbeitet wird oder gearbeitet werden kann. Unter exemplarischer Bezugnahme auf Fallmaterialien wird die Relevanz der Unterscheidung zwischen Einwilligung, Zustimmung und Arbeitsbündnis diskutiert und erläutert, weshalb es darüber hinaus die Kategorie der verantworteten Schuld zu bemühen gilt. Bezüge zu den nachfolgenden Beiträgen werden hergestellt.

 

Vom Überschreiten intimer Grenzen im Kontext von Erziehungshilfe und Forschung: Young Child Observation in Familien und Eltern-Kleinkind-Gruppen

Christin Reisenhofer, Dr. Kathrin Trunkenpolz
Universität Wien

Unter Bezugnahme auf langjährige Erfahrungen mit der Beobachtung von Kindern in Familien und Kindertagesstätten wird von einem aktuellen Forschungsprojekt berichtet, das in Wien in Kooperation mit den Instituten für Erziehungshilfe (Child Guidance Clinic) und dem Österreichischen Verein für Individualpsychologie (ÖVIP) durchgeführt wird. Im Zentrum steht das Angebot einer „Eltern-Kleinkind-Gruppe” nach dem Konzept der „Parent-Toddler Groups“ des Anna Freud Centers in London sowie dessen wissenschaftliche Begleitung. Diese dient der Untersuchung der Frage, welche Erfahrungen Eltern und Kinder in der Gruppe machen, welche dadurch angestoßenen Veränderungen sich in der Familie ergeben und welche Folgen dies für die Entwicklung der Kinder hat. Im Rahmen eines multiperspektivischen Forschungsansatzes kommt Young Child Observation nach dem Tavistock-Konzept in den Gruppen sowie in den Familien zum Einsatz. Da die Familien über – mitunter konflikthaft erlebte – Erfahrungen mit der Kinder- und Jugendhilfe verfügen, ergeben sich für alle Beteiligten besonders gewichtige Fragen bezüglich des intendierten Überschreitens von privaten und intimen Grenzen. Im Vortrag wird aus der Perspektive des universitären Forschungsteams unter Einbeziehung von Fallmaterial diskutiert, was für das gewählte Forschungsvorgehen spricht, welche Bedeutung den Vorerfahrungen der Familien zukommt und welche methodischen Überlegungen bereits in den Anbahnungsprozessen zum Tragen kommen.

 

An den Grenzen des „informed consent“: Die Veröffentlichung von Kasuistischem im Spannungsfeld von Verpflichtung, Schuld, Angst und Selbstzensur

Prof. Dr. Michael Wininger
Bertha von Suttner Privatuniversität (St. Pölten), Wiener Psychoanalytische Vereinigung (WPV)

Der Veröffentlichung von Fallmaterial führt in der Psychoanalyse generell und in der Psychoanalytischen Pädagogik im Speziellen 1.) zur Entwicklung von Theorien und dient 2.) der Verdeutlichung von konkretem Handeln und dessen Folgen. Es entspricht daher dem psychoanalytisch-pädagogischen Gegenstand und Erkenntnisinteresse, dass in Studien nach dem Besonderen des Einzelfalls gefragt wird. Weil dabei dem Unbewussten und Abgewehrten besondere Beachtung geschenkt wird, handeln Forschungsergebnisse oft von intimen Aspekten, die mit den Akteuren der untersuchten Prozesse nur begrenzt besprochen und kommunikativ validiert werden können. Gilt es Forschungsergebnisse zu publizieren, führt dies zu Spannungen zwischen Publikationswünschen und -verpflichtungen und der (potentiellen) Verletzung von Intimitätsgrenzen und Verschwiegenheitsregeln. In der Psychoanalyse wird dazu ein differenzierter Diskurs geführt, der auf den Bereich der Psychoanalytischen Pädagogik bezogen wird. Es werden Strategien zum Umgang mit der beschriebenen Problematik sowie deren Vor- und Nachteile vorgestellt. Die Beachtung empfohlener Vorgangsweisen befreit Wissenschaftler*innen aber nicht davon, sich mit eignen Emotionen zu befassen, die mit dem Publizieren psychoanalytisch-pädagogischer Forschungsergebnisse verbunden sind. Es wird dafür plädiert, neben narzißtischen Aspekten vor allem die Befassung mit Emotionen wie Angst, Schuld oder Scham als Bestandteil wissenschaftlicher Professionalität zu begreifen.