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Sitzungsübersicht
Sitzung
Begrenzung von Mitsprache und Partizipation in der Wissensbildung zum Klimawandel?
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
9:00 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 10

985 3744 2983, 819188
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 6. Sonderpädagogik, 8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, Sektion 3, Kommission Bildung für nachhaltige Entwicklung, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, qualitativ, Deutsch

Präsentationen

Begrenzung von Mitsprache und Partizipation in der Wissensbildung zum Klimawandel?

Chair(s): Dr. David Labhart (Institut Unterstrass, Schweiz), Jana Posmek (Universität Koblenz-Landau), Dr. Barbara Pusch (Universität Koblenz-Landau), Prof. Dr. Michelle Proyer (Universität Wien)

Diskutant*innen: Pascal Bastian (Universität Koblenz-Landau)

Was, wenn nicht der Klimawandel, führt uns die vielschichtigen, teils prekären Verstrickungen von Weltverhältnissen vor Augen? Der Wandel des Klimas ist eine komplexe Angelegenheit und verdeutlicht die Verwobenheit von zeitlichen, räumlichen, disziplinären, kognitiven und (inter)generationalen Be- und Entgrenzungen.

Während die Frage nach der Relevanz des Klimawandels für die erziehungswissenschaftliche Theorie und Praxis zunehmend an Bedeutung gewinnt, blieb die Schnittstelle von Nachhaltigkeit, Partizipation und Inklusion bislang unbeleuchtet. Aus diesem Grund erörtert das Symposium an Hand von vier empirisch-qualitativen Fallstudien wie Mitsprache und Partizipation in der Wissensbildung zum Klimawandel ent- bzw. begrenzt wird.

Damit wird ein Reflexions- und Diskussionsrahmen eröffnet, der sich der Frage annimmt, welches Wissen von wem, wann, wie und warum zählt bzw. ausgegrenzt wird. Wer darf also im Theaterstück um unsere Zukunft mitspielen?

 

Beiträge des Panels

 

Eine Stimme für Stimmlose? Zum Verhältnis von Wissen(schaft) und Partizipation in der Fridays for Future-Bewegung Deutschland

Jana Posmek
Universität Koblenz-Landau

Lange Zeit wurde die Politisierung von Jugend als absent deklariert (Zajak 2020). Mit der Fridays for Future-Bewegung jedoch erlebt(e) die mediale und wissenschaftliche Wahrnehmung junger Menschen als «agents of change» (Han & Ahn 2020, 17) einen Höhepunkt.

Die Stimme Jugendlicher bezüglich des Klimawandels ist kaum mehr zu überhören. Dennoch macht die Bewegung die Begrenztheit der Teilhabemöglichkeit junger Menschen und des Klimas an politischen Entscheidungsprozessen erst sichtbar: Schüler*innen sind allein aufgrund des Wahlrechts von der Politik exkludiert – sie können, ebenso wenig wie das Klima, in der politischen Sphäre für sich sprechen. Hier erweist sich empirisch die Allianz mit Akteuren aus den Wissenschaften, wie Forscher*innen oder Studien, als bedeutsam, insofern sie als Repräsentanten dienen, welche die Belange der Streikenden politik- und sprechfähig machen (Böttger & Reitschuster 2020). Diese Allianz ist für die Aktivist*innen jedoch prekär, da ihnen das Berufen auf «geliehenes Wissen» Vorwürfe der Ahnungslosigkeit, Leichtgläubigkeit oder gar Demokratiefeindlichkeit einbringt, die mit generationalen Grenzziehungen einhergehen.

Der im Kontext eines ethnografischen Dissertationsprojektes angesiedelte Beitrag nimmt unter Rückgriff auf empirisches Material das Verhältnis von jugendlicher Partizipation und Wissen(schaft) und das damit einhergehende Ringen der jungen Aktivist*innen darum, ernstgenommen zu werden, in seiner Ambivalenz in den Blick.

 

Im Schatten der Fridays for Future-Bewegung: Überhörtes Umweltwelt- und Nachhaltigkeitswissen von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund

Dr. Barbara Pusch
Universität Koblenz-Landau

Fridays for Future (FFF), ist eine globale soziale Bewegung von Schüler*innen und jungen Menschen, die sich für möglichst umfassende, schnelle und effiziente Klimaschutz-Maßnahmen einsetzt. Mit ihren weltweiten Protesten hat die Bewegung Politik und Gesellschaft aufgerüttelt. Gleichzeitig wandelte sich damit auch das Bild der Jugend. Durch ihr Aufbegehren – insbesondere auch ihrer Initiatorin Greta Thunberg – wird der Jugend heute zunehmend umwelt- und nachhaltigkeitspolitisches Engagement zugesprochen. Einschlägige Studien zeigen jedoch, dass in unterschiedlichen Milieus nicht nur das Umwelt- und Nachhaltigkeitswissen differiert, sondern auch die Bedeutung, die dieser Thematik beigemessen wird (BMU 2018, Albert et al. 2019). Der klimapolitisch engagierten Jugend, die heute durch die FFF-Bewegung zunehmend Gehör findet (Sommer et al. 2019), steht eine breite, stille und (klima)politisch skeptische Masse gegenüber (BMU 2020). Doch was wissen und denken diese Jugendlichen über Klimawandel, Umwelt und Nachhaltigkeit? Welche Bedeutung messen sie diesem Themenkomplex zu? Und wie blicken Sie in die Zukunft?

Der vorgeschlagene Beitrag setzt an diesen Fragen an und analysiert umwelt- und nachhaltigkeitsrelevante Wissenskontexte und Zukunftsvorstellungen von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund. Die empirische Basis hierfür liefert die Pilotstudie «Mein ökologischer Fußabdruck: BNE in der interkulturellen Schule», in im Herbst 2020 in Landau/Pfalz durchgeführt wurde.

 

Nachhaltigkeit und Inklusion – Herausforderungen der Vermittlung und Erschließung von Klimawandel in inklusiven Lehr- und Lernkontexten

Prof. Dr. Michelle Proyer
Universität Wien

Ausgehend von grundlegenden Überlegungen zum Nexus Nachhaltigkeit, Klima und Inklusion (Pufé 2017, Miethlich 2019) geht der Beitrag darauf ein, wie (angehende) Lehrpersonen Herausforderungen rund um die Erschließung und Vermittlung der Komplexität des Klimawandels und andere die Nachhaltigkeit betreffende Themen navigieren, um unterschiedliche Gruppen von Lernenden (z.B. Jugendliche mit Migrationserfahrung und Behinderung) zu erreichen. Im Rahmen von zwei Fokusgruppen mit insgesamt 7 Personen (5 und 2) wurden Ende 2020 (angehende) Lehrpersonen mit und ohne Behinderung im Umfeld der Inklusiven Pädagogik zum Aufzeigen von Herausforderungen eingeladen. Mittels Situationsanalyse (Clarke et al. 2018) wurden die Ergebnisse analysiert, kontrastiert und kontextualisiert. Zentrale Ergebnisse verweisen darauf, dass sich aufgrund mangelnder Auseinandersetzung im Studium, vermeintlich nicht vorhandenen Interesses der diversen Lernenden oder ungeeigneter didaktischer Materialien (Mangel an inklusiv-didaktischen Unterlagen) für verschiedene Gruppen eine Reihe von Herausforderungen, die neben zahlreichen anderen Aufgaben im schulischen Alltag nur schwer bewältigbar sind, ergeben. Des Weiteren werden die Distanzen in der Lebensgestaltung hinsichtlich Nachhaltigkeit von Lehrpersonen selbst und Schüler*innen thematisiert.

 

Un/Vernunft in inklusiven Hochschulseminaren

Dr. David Labhart
Institut Unterstrass an der Pädagogischen Hochschule Zürich

«Weiterleben kann die Menschheit nur, wenn sie von Grund auf anders denken lernt» (Capra 1984). Mit Blick auf den Klimawandel ist die Aufforderung, die in den 1980er-Jahren als Untertitel des Buches «Wendezeit» des Physikers Fritjof Capra formuliert wurde, heute aktueller denn je. Max Horkheimer (1991) formulierte ungefähr ein Jahrzehnt früher seine «Kritik zur instrumentellen Vernunft»: Eine vernünftige Vernunft denunziert nach ihm die subjektive Vernunft – ein positivistisches Denken im Sinne eines «bloßen stumpfsinnigen Apparat zum Registrieren von Fakten» (ebd.: 72). Was in den letzten ungefähr 150 Jahren als vernünftig galt, gilt es zu Hinterfragen, um gemeinsam vernünftiger werden zu können. Die Grenze der Vernunft muss bearbeitet werden.

Als ein möglicher Ansatzpunkt zu dieser Herausforderung widmet sich der Beitrag einem Forschungsvorhaben, das die logische Intelligenz, wie sie in Intelligenztests gemessen wird, als vernünftiges Denken in Frage stellt. So wird der Frage nachgegangen, ob in inklusiven Gruppen vernünftigeres Wissen erschaffen werden kann. In Akteur-Netzwerk-theoretischer Methodologie wurden mit ethnografischer Beobachtung inklusiven Lehrveranstaltungen beigewohnt. Die ANT-Analyse ermöglicht, zu beschreiben, was in solchen Lehrveranstaltungen eine Stimme hat sowie den Spuren eines anderen Denkens nachzugehen um Reflexionen zu Intelligenz und Vernunft anzustellen.