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Sitzungsübersicht
Sitzung
Ent- und Abgrenzung im transnationalen pädagogischen Raum – der sozialistische Internationalismus
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
9:00 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 06

917 0452 1118, 983974
Sitzungsthemen:
1. Historische Bildungsforschung, 3. Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft, Sektion 3, Kommission Vergleichende und Internationale Erziehungswissenschaft, theoretisch, historisch, Deutsch

Präsentationen

Ent- und Abgrenzung im transnationalen pädagogischen Raum – der sozialistische Internationalismus

Chair(s): Dr. Jane Weiß (Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland), Prof. Dr. Ingrid Miethe (Justus-Liebig-Universität Gießen), Prof. Dr. Marcelo Caruso (Humboldt-Universität zu Berlin)

Die Idee des proletarischen Internationalismus strebte den Aufbau einer kommunistischen Weltgesellschaft an. Wichtiger Motor war dabei die Dritte Internationale (Komintern). Auch nach ihrer Auflösung 1943 blieben die Ideen der Internationalisierung erhalten. Es entwickelte sich, vor allem nach der Welle der Entkolonialisierungen ab Mitte des 20. Jahrhunderts, ein weltweit wirksames, politisches, sozio-ökonomisches und transkulturelles Netz grenzüberschreitender Beziehungen. Fragen von Bildung und Erziehung spielten hierbei eine Schlüsselrolle, so entstand ein transnationaler pädagogischer Raum. Das Symposium fragt nach den Konstellationen von Ab- und Entgrenzungen in Programmen und Initiativen dieses Verflechtungsraums. Dabei werden disparate pädagogische bzw. bildungspolitische Kontexte diskutiert und zwar sowohl im Zeitraum der wechselvollen Konjunkturen des sozialistischen Weltsystems von den 1920er bis Ende der 1980er Jahre als auch in Ost-West, Nord-Süd und Süd-Süd-Verhältnissen.

 

Beiträge des Panels

 

Die pädagogische Arbeit der Komintern als Teil einer globalen sozialistischen Globalisierung

Prof. Dr. Ingrid Miethe
Justus-Liebig-Universität Gießen

Dieser Beitrag nimmt die pädagogischen Aktivitäten der Komintern (1919-1943) in den Blick und untersucht die Kinderheime, die die Komintern bzw. ihre Unterorganisation, die „Internationale Rote Hilfe“ (IRH), sowie die „Internationale Organisation für die Hilfe der Kämpfer der Revolution“ (MOPR) seit den 1920er Jahren in europäischen Staaten (Deutschland, Schweiz, Österreich, Polen, Schweden, Portugal, Italien) oder auch in der Sowjetunion errichtet und unterhalten hat. Die Grenze zwischen Kinderheimen und Erholungs- und Ferienheimen ist fließend. Teilweise haben Einrichtungen auch beide Funktionen parallel übernommen. Die Forschung zur sozialistischen Bildungszusammenarbeit hat sich bisher auf die Zeit nach 1945 konzentriert. Die Tatsache, dass diese Bildungszusammenarbeit an eine sehr viel längere Vorgeschichte anschließt und sich viele der später gewählten Formen der Zusammenarbeit bereits in den 1920er Jahren im Rahmen der Komintern finden lassen, wurde bisher nicht zur Kenntnis genommen. Der Beitrag greift diese frühen Entwicklungen auf und zeigt, dass diese als eine Vorgeschichte einer internationalistischen Pädagogik im Geiste kommunistischer Ideen und als eine der ersten pädagogischen Entgrenzungen überhaupt beschrieben werden können.

 

Die Auseinandersetzung mit Praxis und Prinzip der Abgrenzung

Prof. Dr. Henning Schluß
Universität Wien

Der Beitrag wendet sich der Spätphase der DDR zu, die als sozialistischer Staat die Prinzipien des Proletarischen, aber vor allem Sozialistischen Internationalismus als Staatsräson vertrat, deren faktische Politik aber nicht erst mit dem Mauerbau 1961 vor allem auf Abgrenzung setzte. So gab es einige internationalistische Vorzeigeprojekte und proklamierte Völkerfreundschaft und internationale Solidarität, der jedoch eine besonders auch in den 1980er Jahren immer weitergehende Abgrenzung selbst von ‚sozialistischen Bruderländern‘ entsprach. Neben der Ausreisebewegung und subversiven Unterwanderungen der Reisebeschränkungen bildeten sich, am klarsten artikuliert im kirchlichen Raum, Initiativen, die diese Abgrenzung auch politisch kritisierten. Auf der Synode des Kirchen-Bundes 1987 brachte eine Gruppe den Antrag „Absage an Praxis und Prinzip der Abgrenzung“ ein, der auf der Synode zwar abgelehnt wurde, aber der zentrale Bezugspunkt für die Auseinandersetzung mit der Abgrenzungspolitik der DRR blieb und in der Gründung der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“ kulminierte. Den pädagogischen Implikationen dieser Dialektik von propagiertem Internationalismus, erlebter Ab- und Ausgrenzung und kritischer Auseinandersetzung damit, zumindest im teil-öffentlichen Raum der Kirche, wird der Beitrag nachgehen.

 

Transnationalität und Verflechtungen. Die internationalen Bildungskooperationen der DDR mit Mosambik und Finnland

Dr. Sónia Vaz Borges, Dr. Jane Weiß
Humboldt-Universität zu Berlin

Die DDR unterhielt ein Programm von weit verzweigten internationalen Bildungskooperationen. Anlass der Zusammenarbeit war der jeweils stattfindende gesellschaftliche Transformationsprozess, wie der antikoloniale Befreiungskampf bzw. eine sozialistische Revolution oder, wie im Fall skandinavischer Länder, angestrebte Bildungsreformen. Es gab sowohl gegenseitigen Austausch zu Bildungsfragen, wie gemeinsame Symposien und Konsultationsbesuche, als auch konkrete Unterstützungsleistungen, wie die Bereitstellung von Lehr- und Unterrichtsmaterialien als auch die jahrelange Entsendung von DDR-Beratern und -Ausbildern in die jeweiligen Länder. Der Beitrag präsentiert und diskutiert jeweils differente Aspekte von Ab- und Entgrenzungen mit einem verflechtungsgeschichtlichen Zugang. Zum einen wird anhand eines Mathematiklehrbuch, das noch während des mosambikanischen Befreiungskampfes in Kooperation mit der DDR entwickelt und produziert und ebenso in Angola und Guinea-Bissau verwendet wurde, Transnationalität und Zirkulation als innerafrikanische Entgrenzung thematisiert. Zum anderen verweisen die präsentierten vielfältigen und vielgestaltigen Kommunikations- und Austauschprozesse zwischen Finnland und der DDR zwischen 1959 und 1989 auf dem Gebiet der Bildung auf die Mehrdimensionalität bilateraler Beziehung. Hierbei stehen vor allem die Gleichzeitigkeit von Entgrenzung und wechselseitigen Abgrenzungen im Fokus.

 

Grenzziehungen auf der Insel der Entgrenzten. Programm und Wirkung nationaler Abgrenzungen im Bildungsexperiment der Isla de la Juventud (1979-1990)

Dayana Murguía1, Prof. Dr. Marcelo Caruso2
1Instituto de Historia de Cuba (Havanna)/Humboldt-Universität zu Berlin, 2Humboldt-Universität zu Berlin

Zwischen 1977 und 1990 lernten zehntausende Schüler/innen und Studenten/innen aus 40 Ländern auf der seitdem als Isla de la Juventud (Insel der Jugend) bekannten zweitgrößten Insel Kubas. Aus der punktuellen Bildungshilfe für angolanische Waisenkinder wurde ein riesiger Bildungskomplex, in dem Kuba mit vielfältigen Schul- und Ausbildungsprogrammen ihre starke Stellung im sozialistischen transnationalen System ausbaute und festigte. Somit versorgte Kuba tausende Kinder und Jugendliche aus Asien, Afrika und Lateinamerika mit einer höher wertigen Schulbildung und auch Ausbildungen, als dieses in ihren Heimatländern möglich war. Der Gebäudekomplex aus zahlreichen Schulen und Wohnheimen war ein Sinnbild einer vor Ort sichtbaren und erfahrbaren, entgrenzten sozialistischen Solidarität und Kooperation. Zur Entgrenzung eigener Identitäten gehörte bspw. auch, dass Spanisch zur lingua franca wurde sowie die häufigen Austauschmöglichkeiten und Treffen. Dennoch sind bereits die Einteilungen auf dem Gelände von vielfältigen Abgrenzungen charakterisiert. Einerseits waren Wohnheime und Schulen weiterhin national organisiert. Andererseits war eine der expliziten Ziele des Programms, die jeweilige kulturelle und nationale Identität zu bewahren. Der Vortrag fokussiert auf der Grundlage von Dokumenten und Interviews auf Formen expliziter und subtiler Abgrenzungen in ihrer Spannung zur Entgrenzung sozialistischer Solidarität.