Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 01
948 9318 8464, 301357
Datum: Sonntag, 13.03.2022
14:00 - 17:00Pre-Conference
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 01

Wir bewegen uns jeden Tag in einem heterogenen und facettenreichen Lehr- und Forschungsraum. Dieser hat sich besonders im letzten Jahr durch die Pandemie noch einmal deutlich verändert. Die Erfahrungen und Erlebnisse, die wir alle in diesem Raum machen, sind ganz individuell. Und doch gibt es auch Strukturen und Differenzverhältnisse, die uns alle beschäftigen – egal ob Junior Researcher, Senior Researcher, Lecturer oder Professor:innen.

Unabhängig von den Statusgruppen wollen wir im Rahmen der 28. DGfE-Kongress mit Ihnen in den Austausch kommen.

Die Veranstaltung umfasst eine gemeinsame Begrüßung aller Teilnehmenden der Pre-Conference sowie im Anschluss daran vier parallel laufende themenfokussierende Fishbowl-Diskussionen mit impulsgebenden Beiträgen. Dabei sind Sie gefragt! Wir laden Sie herzlich zur Teilnahme an einer der vier folgenden Fishbowl-Diskussionen ein.

- Fishbowl A: Forschen und Lehren in Differenzverhältnissen (Prof. Dr. Ulla Licandro, Dr. Martin Podszus)
- Fishbowl B: Sensibles Forschungsdatenmanagement (Prof. Dr. Sigrid Hartong, Angelina Lange)
- Fishbowl C: Internationale Forschungszusammenarbeit (Prof. Dr. Dietmar Frommberger, Anastasia Goncharova)
- Fishbowl D: Zukunftsfähige Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft (Dr. Lisa Janotta, Ralf Streibl)

Eine separate Anmeldung in ConfTool ist erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos.

 

Fishbowl A: Forschen und Lehren in Differenzverhältnissen

Chair(s): Dr. Franziska Bonna

Vortragende: Prof. Dr. Ulla Licandro, Dr. Martin Podszus

Kernaufgabe von Universitäten und Hochschulen bildet das Lehren und Forschen, wobei besonders in der Erziehungswissenschaft gesellschaftliche Differenzverhältnisse, deren (De-)Konstruktion und Machtstrukturen Gegenstand inhaltlicher Auseinandersetzung darstellen. Lehr-, Lern- und Forschungsräume sind von zunehmender Heterogenität geprägt, so dass verschiedene Differenzlinien wie Rassismus, Sexismus, Klassismus und Ableismus thematisiert und kritisch reflektiert werden müssen.

Die inhaltliche Ausrichtung der Fishbowl greift z.B. die differenztheoretischen Beiträge von Erziehungswissenschaftlicher:innen, die (De-)Konstruktion von Differenzlinien im Feld der Forschung, Publikation und Lehre und differenzbezogene Erfahrungen in der Anwendung digitaler Lehre auf. Im Rahmen der Diskussion möchten wir mit Ihnen aktuelle Herausforderungen und Möglichkeiten der universitären Lehre und Forschung hinsichtlich differenztheoretischer Perspektiven in den Fokus stellen.



Fishbowl B: Sensibles Forschungsdatenmanagement

Chair(s): Dr. Roland Happ

Vortragende: Prof. Dr. Sigrid Hartong, Angelina Lange

Ob in Form von Interviews, Umfragen oder Experimenten erhoben – Forschungsdaten bilden eine zentrale Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. Im Forschungsalltag treten jedoch häufig Unsicherheiten und Fragen auf, wenn es um den Umgang mit Forschungsdaten geht: Enthalten die Daten sensible und/oder personenbezogene Informationen, die besonders geschützt werden müssen? Wie dokumentiere ich Kontextwissen, welches für das inhaltliche Nachvollziehen notwendig ist? Wie kann ich erhobene Daten für die Nachnutzung Anderen bereitstellen? Antworten auf diese Fragen werden von Forschungsförderern bereits seit ein paar Jahren bei der Beantragung von Projekten verlangt. Impulse, wie Sie das Thema Forschungsdatenmanagement angehen können und warum es immer wichtiger wird, ist Diskussionsgrundlage dieser Fishbowl.



Fishbowl C: Internationale Forschungszusammenarbeit

Chair(s): Prof. Dr. Michael Gessler

Vortragende: Prof. Dr. Dietmar Frommberger, Anastasia Goncharova

Um Forschungsfragen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten, sind Kooperationen unumgänglich. Dabei treffen Forscher:innen zwar mit einem gemeinsamen wissenschaftlichen Ziel aufeinander, bringen aber unterschiedliche Interessen, Erfahrungen und Standpunkte mit. Internationale Forschungszusammenarbeit ist somit geprägt von heterogenen Forschungsteams, was die Arbeitsorganisation sowie die Kommunikations- und Entscheidungsprozesse im gemeinsamen Projekt beeinflusst. Im Rahmen der Fishbowl möchten wir daher mit Ihnen z.B. folgende Fragen diskutieren: Welche Rolle spielen in der internationalen Forschungszusammenarbeit Stereotype, sprachliche Barrieren, Sympathien und kollegiale Freundschaften zwischen Forscher:innen? Wie sollte ein internationales Forschungsteam aufgestellt werden? Wie lassen sich vor diesem Hintergrund Netzwerke finden/aufbauen/pflegen?



Fishbowl D: Zukunftsfähige Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft

Chair(s): Fabienne-Agnes Baumann

Vortragende: Dr. Lisa Janotta, Ralf Streibl

Befristete Verträge, unsichere Lebensplanung und Drittmittelfinanzierung – das gehört, insbesondere im Mittelbau, zur Arbeitswirklichkeit an Hochschulen in Deutschland. Unter dem #Ich bin Hanna wurde dieses Thema gerade medial breit diskutiert. Aber welche Auswirkungen hat das „Befristungssystem“ eigentlich auf uns als Wissenschaftler:innen? Ist eine Entgrenzung zwischen Wissenschaft und Politik (als Auftraggeber und Adressat) notwendig? Neben diesen Fragen wollen wir uns damit auseinandersetzen, wie die Arbeitsbedingungen für Wissenschaftler:innen zukünftig gestaltet werden sollen.

 

Datum: Montag, 14.03.2022
11:30 - 13:00Poster-Cluster: Berufliche Bildung - Fokus Ausbildung in Schulen und Betrieben
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 01
Chair der Sitzung: Myrthe Reinsberg, Universität Bremen

In diesem Cluster werden sieben Poster vorgestellt, davon ein englischsprachiges und sechs deutschsprachige Poster.

 

Studierende und Lehrkräfte der beruflichen Bildung – Grenzgänger*innen zweier Welten?

Theo Döppers

JLU Gießen, Deutschland

Vor anderthalb Jahrzehnten veröffentliche Baethge (2006) seine Diagnose vom „deutschen Bildungs-Schisma“, also der „dauerhafte[n] wechselseitige[n] Abschottung von Bildungsbereichen gegeneinander, die darauf beruht, dass jeder Bildungsbereich einer anderen institutionellen Ordnung folgt“ (S. 16). Gemeint sind die Bereiche der beruflichen Bildung und der (höheren) akademischen Bildung.

Nicht nur die Quer- und Seiteneinsteigenden, sondern auch die regulär ausgebildeten Lehrkräfte an berufsbildenden Schulen (bbS) verfügen meist über eine abgeschlossene Berufsausbildung (Berger & Ziegler 2020, S. 209; Friese 2019, S. 212; Micknaß, Huck & Ophardt 2018, S. 11f.). In diesem Sinne lassen sich Lehrkräfte der beruflichen Bildung – und Studierende, die solche werden wollen – als Grenzgänger*innen zwischen der Welt der beruflichen und akademischen Bildung verstehen: sie haben oft vor dem Studium langjährige berufliche Erfahrungen gesammelt, anschließend absolvieren sie ein wissenschaftliches Studium, um wiederum als zukünftige Lehrkräfte berufliches Wissen zu vermitteln (vgl. Bals et al. 2016: 5). Dabei sind die beruflichen Erfahrungen, Studium und Lehrtätigkeit eng miteinander verknüpft. Daraus ergibt sich folgende Fragestellung: Inwiefern verbinden die Untersuchten das angeeignete Wissen aus beiden Bildungsbereichen hinsichtlich ihrer beruflichen Praxis?

Zur Beantwortung der Forschungsfrage werden narrative Interviews geführt, die thematisch fokussiert auf die Berufsbiografie sind (vgl. Nohl 2017). Interviewt wurden Lehrkräfte an berufliche Schulen und Studierende des beruflichen Lehramts. Der Fokus lag dabei u.a. auf den Erfahrungen, welche die Untersuchten vor dem Studium gemacht haben. Die Interviews werden mit der Dokumentarischen Methode (Bohnsack 1989, 2014) ausgewertet. Mit der Methode lassen sich sowohl implizite handlungsleitende Wissensbestände als auch berufsbiografische Orientierungen herausarbeiten.

Die Analyse gibt Aufschluss darauf, inwiefern Personen das Bildungs-Schisma als Grenze erleben, ob trotz zahlreicher „Annäherungen und Überschneidungen“ der beiden Bildungsbereiche in den letzten Jahren (Frommberger 2019) das Bildungs-Schisma weiterbesteht oder ob tatsächlich eine Entgrenzung stattgefunden hat. Darüber hinaus kann herausgearbeitet werden, dass sich die Untersuchten vielfältige Wissensbestände aneignen, welche eine große Rolle für die berufliche Praxis an bbS spielen.



„Aber die meisten träumen halt einfach dann vom Studium.“ – Organisationale Strukturen und pädagogische Praktiken an beruflichen Schulen zur Unterstützung beim Hochschulübergang

Nadine Dörffer1, Nadine Bernhard2

1Leibniz Universität Hannover; 2Humboldt-Universität zu Berlin

Laut Kultusministerkonferenz ist die Vorbereitung auf das Hochschulstudium eine wichtige Aufgabe von Schulen der Sekundarstufe II. Berufliche Schulen, an welchen heutzutage jede dritte Hochschulzugangsberechtigung (HZB) erworben wird, sind dabei insbesondere für Schüler*innen ohne akademischen Bildungshintergrund ein wichtiger Weg zu einer HZB (Autorengruppe Bildungsberichterstattung, 2020; Buchholz & Pratter, 2017). Allerdings ist die tatsächliche Verwertung der HZB, im Sinne eines Übergangs in die Hochschule, weiterhin sozial selektiv (Lörz, 2013).

Wir argumentieren, dass die bloße Ermöglichung von Hochschulzugängen über formale Zertifikate nicht ausreichend ist, sondern dass es an weiteren institutionellen Unterstützungsstrukturen und -praktiken an den Schulen selbst bedarf, um sozial durchlässige Hochschulzugänge zu schaffen. Vor diesem Hintergrund untersuchen wir, wie der Übergang zur Hochschule von den Akteuren an vollzeitschulischen beruflichen Schulen organisational strukturiert sowie pädagogisch begleitet wird. Ziel ist es, nicht nur allgemeine Strukturen und Praktiken an beruflichen Schulen herauszuarbeiten, sondern auch zu untersuchen, inwiefern diese zwischen unterschiedlichen Typen beruflicher Schulen und sozialen Lernendengruppen variieren.

Konzeptionell unterscheiden wir zwischen institutioneller und sozialer Durchlässigkeit. Als eine Bedingung für soziale Durchlässigkeit, d. h. die von sozialen Kategorien unabhängige Möglichkeit von Bildungs- und sozialer Mobilität, wird institutionelle Durchlässigkeit erachtet. Institutionelle Durchlässigkeit betrachtet institutionelle Strukturen, die erfolgreiches Lernen und Zugänge zur Hochschule ermöglichen. Dazu gehören unter anderem Zugangsfragen und Fragen nach der Anerkennung von bereits erworbenen Kompetenzen, aber vor allem auch Fragen nach der institutionalisierten Unterstützung heterogener Lernender durch z. B. Information und Beratung oder eine abgestimmte Didaktik. Dem Institutionenverständnis von Scott (2008) folgend, untersuchen wir daher an den Schulen geltende Regelungen, Normen und Standards sowie geteilte Ideen und Verständnisse dazu, wie der Übergang zur Hochschule gefördert wird.

Zur Erforschung der Unterstützungsstrukturen und -praktiken nutzen wir in unserer qualitativ-rekonstruktiven Studie problemzentrierte Interviews (Witzel, 2000) mit Schul- und Abteilungsleitungen, Lehrkräften und Beratungspersonal an ausgewählten beruflichen Schulen in Niedersachsen und analysieren zusätzlich Schuldokumente und -homepages. Diese werten wir mittels der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Gläser und Laudel (2010) aus. Wir fokussieren uns auf die vollzeitschulischen Angebote beruflicher Schulen, die regulär zu einer HZB führen (Berufliche Gymnasien, Fachoberschulen und Berufsoberschulen). Ziel der Posterpräsentation ist es, das Forschungsdesign und erste Ergebnisse vorzustellen und zu diskutieren.



Kompetenzvalidierung und -anerkennung bei formal geringqualifizierten Beschäftigten in der Altenpflege – Eine ‚unerhörte‘ Entgrenzung in der pflegeberuflichen Bildung?

Dr. Janika Grunau, Lena Sachse

Universität Osnabrück, Deutschland

Vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftebedarfs in der Altenpflege wächst die Bedeutung von Qualifizierungs- und Anerkennungsformaten, die Alternativen zur regulären Berufsausbildung in der Altenpflege darstellen. Neben der Anerkennung von ausländischen Abschlüssen gilt auch die Validierung und Anerkennung von Kompetenzen, die im Rahmen von langjährigen (Hilfs-)Tätigkeiten erworben werden, als Perspektive zur Verbesserung der Fachkräftequote (vgl. Gössling & Schulte-Hemming 2018). Die Diskussion um die berufliche Bildung in der (Alten-)Pflege ist jedoch seit geraumer Zeit durch Akademisierungsbestrebungen des Berufsfeld gekennzeichnet (vgl. Reiber et al. 2017). Diese Bestrebungen stehen offenbar alternativen Bildungs- und Qualifizierungswegen für geringqualifiziert Beschäftigte entgegen – entsprechende Bemühungen und Initiativen blieben bisweilen weitestgehend ‚unerhört‘.

Auf dem Poster wird das Projekt „Valinda“ vorgestellt, in dem ein innovatives, einjähriges Verfahren zur Kompetenzvalidierung und Nachqualifizierung von geringqualifizierten Beschäftigten in der Altenpflege erprobt und evaluiert wurde. Nach erfolgreich bestandener Abschlussprüfung erhielten die Teilnehmer*innen (N=48) die staatliche Anerkennung als Altenpflegefachkraft. Die ersten Ergebnisse der methodenintegrativen Begleitforschung zeigen, dass das Valinda-Verfahren eine zukunftsweisende Bildungs- bzw. Qualifizierungsmöglichkeit für geringqualifizierte Beschäftigte darstellt. Die Qualitätssicherung des Verfahrens stellt hierbei eine grundlegende Prämisse dar, um dem Bildungsanspruch und letztlich auch dem pflegerischen Versorgungsanspruch in der Gesellschaft gerecht zu werden. Genutzt wurde das Verfahren insbesondere von Frauen, die im Durchschnitt über 40 Jahre alt sind, über 10 Jahre Berufserfahrung in der Altenpflege aufweisen und auf eine große Bandbreite an informell erworbenen Kompetenzen zurückgreifen können.

Abschließend wird erörtert, ob und unter welchen Bedingungen eine Co-Existenz verschiedener Bildungs- und Qualifizierungswege und -niveaus für die Altenpflege denkbar und realistisch ist.



Digitale Lernwelten in personenbezogenen Dienstleistungsberufen - Simulationsbasierte Lernmedien am Beispiel der Pflegebildung: Ein Promotionsvorhaben unter dem methodischen Fokus des Lauten Denken

Cornelia Jeremias-Pölking1, Prof. Dr. Dorothee Meister2, Prof. Dr. Nadin Dütthorn1

1FH Münster, Deutschland; 2Universität Paderborn, Deutschland

Die anvisierte Posterpräsentation stellt das Promotionsvorhaben „Digitale Lernwelten in personenbezogenen Dienstleitungsberufen – Simulationsbasierte Lernmedien am Beispiel der Pflegebildung“ vor. Fokussiert wird auf ein qualitativ-methodische Vorgehen der Datenerhebung mittels Lautem Denken im Stil der Grounded Theory.

Mit dem Einsatz von digitalen simulationsbasierten Lernmedien wird die Hoffnung verbunden, Auszubildenden in der Pflege gefahrlose pflegerische Lern- und Erfahrungsräume zu ermöglichen, um pflegespezifische Kompetenzen auch außerhalb von Praxisstätten anzubahnen (Peters et al., 2018). Unter simulationsbasierten Lernmedien sollen sowohl digitale Simulationen als auch Serious Games verstanden werden.

Nach dem derzeitigen Recherchestand sind pflegespezifische Kompetenzen in einem hohen Maße von Situativität geprägt. Innerhalb weniger Sekunden werden auf der Grundlage verschiedener Sinneseindrücke Deutungs- und Entscheidungsfindungskompetenzen gefordert (Hülsken-Giesler, 2008). Aufgrund körpernaher Handlungen umfassen pflegespezifische Kompetenzen auch Berührungs- und Beziehungskompetenzen (Dütthorn, 2014). Ferner ist der professionelle Umgang mit persönlichen und berufsbezogenen Widersprüchen im Berufsfeld der Pflege zu erlernen (Darmann-Finck, 2010).

Im Promotionsprojekt wird die Fragestellung verfolgt, inwiefern digitale simulationsbasierte Lernmedien in der Pflegebildung einen Erwerb jener pflegespezifischen Kompetenzen ermöglichen. Zielsetzung ist dabei, diesen Kompetenzerwerb im Kontext der simulationsbasierten Lernmedien zu verorten, zu modellieren sowie Chancen und Grenzen digitaler Lernmedien für die Pflegebildung herauszuarbeiten.

Die Datenerhebung bezieht sich auf die Beobachtung und Analyse der konkreten Anwendung verschiedener simulationsbasierter Lernmedien durch Auszubildende in der Pflege. Der Spielverlauf wird im Rahmen von Verfahren des Lauten Denkens videographiert. Über den Einsatz spezifischer Methoden des Lauten Denkens, der Introspektion und dem Stimulated Recall Interview sind empirische Zugänge zu den beobachteten, handlungsrelevanten Kognitionen, sowie Absichten in Entscheidungsprozessen und Handlungsbegründungen zu erwarten (Huber & Mandl, 1982). Diese Präsentation fokussiert auf die methodische (Weiter-)Entwicklung des Lauten Denkens. Über dieses Vorgehen werden schwer und wenig untersuchte professionstheoretische Überlegungen zur Kompetenzaneignung im Kontext der simulationsbasierten Lernmedien zugänglich gemacht.



Separationen in der beruflichen Ausbildung überwinden: Gestaltung eines inklusiven Lernsettings mit beruflichen Rehabilitand:innen und Auszubildenden

Marieke Vomberg1, Prof. Dr. Isabel Zorn2

1Hochschule Niederrhein, Deutschland; 2Technische Hochschule Köln

Die beruflichen Ausbildungssysteme von Auszubildenden und Rehabilitand:innen sind vollständig voneinander separiert. Rehabilitand:in wird man aufgrund von diagnostizierten langfristigen Erkrankungen oder Behinderungen. Die Ausbildung erfolgt dann in einer 2-jährigen Umschulung an einem Berufsförderungswerk. Rehabilitand:innen haben nur während der 6-monatigen betrieblichen Lernphase direkten Kontakt zu Unternehmen und nicht direkt zu Auszubildenden in der gleichen Fachausbildung. Reguläre Auszubildende erhalten meist direkt nach der Schule eine 3-jährige Ausbildung im Unternehmen/Berufsschule. Sie haben dort i.d.R. keinen strukturierten Kontakt zu Menschen mit körperlichen oder psychischen Einschränkungen. Es ergibt sich folgende Fragestellung: Wie lassen sich die im Ausbildungssystem angelegten Grenzen zwischen diesen Ausbildungsformen und den beteiligten Lernenden durchlässiger gestalten, um so inklusivere Formen des gemeinsamen Lernens zu entwickeln? Wie können beide Gruppen gemeinsam ihre Kompetenzen erweitern und dabei voneinander profitieren?

Solange Ausbildungssysteme noch nicht inklusiv gestaltet sind, können inklusive Bildungseinheiten zu Themen von umfassender Relevanz genutzt werden, um beide Gruppen zusammenzubringen. Neben prüfungsrelevanten Lerninhalten der Ausbildung bieten sich insb. überfachliche Kompetenzen an, die von Interesse für die ausbildenden Unternehmen sind: Medienkompetenz (Krämer et al. 2017; Härtel et al. 2018), Selbstlernkompetenz (Europäisches Parlament 2006, S. 16; Kultusministerkonferenz 2016) und Inklusionskompetenz (insb. für Auszubildende) (Autor:in 2020, 14 f.; Charta der Vielfalt e.V. 2017, S. 19). Die Gruppen kommen zur Erstellung eines gemeinsamen Lernmediums in inklusiven Tandems zusammen, wodurch diese Kompetenzen gefördert werden.

Der Beitrag wird darstellen, wie die Separation von Rehabilitand:innen und Auszubildenden durch ein kollaboratives, digitales und inklusives Lernsetting (hier Tandemarbeit) verringert werden kann, indem sie an einem gemeinsamen Projekt der Lernmedienerstellung arbeiten. Zusätzlich werden Implikationen zur Gestaltung des Szenarios digitaler ‚Interaktion und Kollaboration‘ (Huber 2014, S. 46) mit Online- und Offline-Phasen der Zusammenarbeit aufgezeigt, während außerdem das Konzept des ‚Lernen durch Lehren‘ (Martin 2000) berücksichtigt wird (sowohl im Tandem selbst, als auch bei der Lernmedienerstellung).



Abiturientenspezifische Bildungsprogramme in der Berufsbildung - Entgrenzung tradierter Bildungslaufbahnen

Dr. Ariane Neu

FernUniversität in Hagen, Deutschland

Von seinem historischen Ursprung her ist das Abitur als Hochschulpropädeutikum angelegt. Entsprechend nimmt die Mehrzahl der (Fach-)Abiturient*innen ein Hochschulstudium auf, wohingegen der berufliche Bildungsweg vermehrt nicht als gleichwertige Alternative wahrgenommen wird (vgl. Schneider et al. 2017). Da jedoch in den vergangenen Jahrzehnten die Zahl der hochschulzugangsberechtigten Schulabsolvent*innen in Deutschland kontinuierlich gewachsen ist und der Anteil nicht-studienberechtigter Schulabsolvent*innen abgenommen hat, wird es für ausbildende Unternehmen zunehmend schwieriger, Ausbildungsstellen im Bereich der dualen Berufsausbildung besetzen zu können. Um daher den nach wie vor existierenden Bedarf an beruflich qualifizierten Fachkräften decken zu können, stellt sich die Frage, wie in der beruflich-betrieblichen Bildung Bildungsprogramme entwickelt und durchgeführt werden können, die für (Fach-)Abiturient*innen eine attraktive Alternative zum Hochschulstudium darstellen.

Der Posterbeitrag stellt die sog. Abiturientenprogramme im Einzelhandel als eine Möglichkeit zur Diskussion. Bei diesen spezifischen Bildungsprogrammen handelt es sich um einen Qualifizierungsweg, der sich explizit an studienberechtigte Schulabsolvent*innen richtet und eine berufliche Ausbildung eng mit einer beruflichen Fortbildung verknüpft, sodass die Absolvent*innen innerhalb von etwa drei Jahren sowohl einen Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf als auch in einem staatlich geregelten Fortbildungsberuf erwerben.

Diese abiturientenspezifischen Bildungsprogramme tangieren das Thema Entgrenzung somit in zweierlei Hinsicht: Zum einen bezüglich der für Deutschland charakteristischen Segmentierung von höherer Allgemeinbildung und Berufsbildung und zum anderen hinsichtlich des strukturierten Nacheinanders von Aus- und Fortbildung.

Empirische Basis des Beitrages bilden 27 qualitative Interviews, die die Autorin im Rahmen ihres Promotionsverfahrens im Zeitraum 04/2018 bis 03/2019 mit institutionellen Akteuren sowie mit Teilnehmenden der sog. Abiturientenprogramme im Einzelhandel zu den folgenden leitenden Fragestellungen geführt hat:

  • Wie werden die Abiturientenprogramme curricular entwickelt und durchgeführt?
  • Was macht die Attraktivität der Abiturientenprogramme aus Sicht von Teilnehmenden aus?


Enhancing the participation of vulnerable minority communities in Technical and Vocational Education and Training

Sophie Meinke

Universität Osnabrück, Germany

Globally, vulnerable minority communities often face challenges of lower educational attainment, higher educational dropout and a lower economic participation.

Particularly the participation in Technical and Vocational Education and Training (TVET) promises to be a means to bridge the gap between severe poverty and an access to the labour market, with a positive effect on the societal inclusion of these minority groups.

Particularly, the minority ethnic communities of Roma, Ashkali and Egyptians in the Republic of Kosovo show low educational attainment rates, specifically in upper secondary education, including TVET (UNICEF, 2017). Overall, they constitute the most vulnerable and most poverty-affected minority groups in Kosovo (Civil Rights Defenders (CRD), 2017). Despite the existence of several strategic documents and measures to improve the educational and economic participation of these groups, little progress has been made, especially regarding their participation in TVET.

The PhD Research therefore aims at finding explanatory approaches for the integration of vulnerable minority groups in TVET, through the example of Roma, Ashkali and Egyptian communities in Kosovo. An evidence-base for improving the participation of those groups shall be created to advise political decision makers and influencing actors in Kosovo.

To gain a holistic understanding, hampering factors, fostering factors and piloted approaches will be researched through four complementary methods: 1) A Systematic Review of international research on the integration of minority groups in TVET will create an evidence-base to understand hampering and fostering factors and piloted approaches in the international context. 2) A narrative review of policy and implementation documents in Kosovo will identify existing measures and gaps. 3) Expert Interviews in Kosovo will allow to get the experts’ opinions on the previously identified factors, approaches, their suitability for Kosovo and underlying causes for the low participation. 4) Focus Group Discussions will allow to assess how the affected population and other stakeholders perceive the potential and actual measures and adaptation needs for Kosovo.

The findings will generate new theoretical categories which will be reflected on the basis of initial theoretical approaches, such as Structural Theory of Discrimination (Burns, 2011).

The research contributes to the further development of existing theories and supports the creation of an evidence-base to improve the integration of minority groups in TVET.

 
14:00 - 16:30Entgrenzungen im Zugang zu (früh-)kindlichen Bildungseinrichtungen? Handlungsspielräume zwischen (staatlicher) Steuerung, strukturellen Bedingungen und elterlichen Wahlmustern
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 01
 

Chair(s): Prof. Dr. Nina Hogrebe (HAW Hamburg, Deutschland), Prof. Dr. Johanna Mierendorff (MLU Halle-Wittenberg, Deutschland), Gesine Nebe (MLU Halle-Wittenberg, Deutschland), Stefan Schulder (HAW Hamburg, Deutschland)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Peter Cloos (Universität Hildesheim), Dr. Ingela Naumann (University of Edinburgh)

Zugangschancen zum (früh-)kindlichen Bildungsbereich sind ungleich verteilt. Im Elementarbereich sind Partizipationsmöglichkeiten u.a. durch Platzknappheit eingeschränkt und sozial selektiv (Pavolini & Van Lancker 2018). Zusätzlich zeigen sich – auch im Primarbereich – Entmischungsprozesse (Segregation), die auf begrenzte Zugänge zu bestimmten Einrichtungen oder Einrichtungsformen hinweisen.­ Akteure der Angebotsseite (Politik, Administration, Träger, Einrichtungen) können im Rahmen gegebener Bedingungen Kindern den Zugang zu Bildungsangeboten erschweren oder eröffnen. Innerhalb dieser Handlungsräume bewegen sich die Nachfrager der Bildungsangebote (Drange & Telle 2020). Das Symposium hat das Ziel, das Zusammenspiel der oben genannten Dimensionen aus nationaler und internationaler Perspektive auszuloten, in denen sich der Zugang zu Bildungseinrichtungen realisiert, und zu diskutieren, welche Grenzziehungen oder Entgrenzungsbestrebungen dabei sichtbar werden.

 

Beiträge des Panels

 

Ausmaß und Ursachen von Kita-Segregation auf regionaler Ebene

Nora Jehles
TH Köln, Deutschland

Vor dem Hintergrund der vertikalen und horizontalen Pluralität des Kita-Systems in Deutschland werden Ausmaß und Ursachen von Segregation untersucht. Als Kita-Segregation wird der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in den Einrichtungen der öffentlichen, evangelischen, katholischen und anderer Träger verstanden. In dem Beitrag wird der Frage nachgegangen, ob sich Kinder mit Migrationshintergrund in Kitas bestimmter Träger konzentrieren, ob es regionale Unterschiede zwischen den Ländern und den 559 Jugendämtern gibt und ob Strukturmerkmale der Jugendämter einen Einfluss auf das Ausmaß der Kita-Segregation haben.

Für einen bundesweiten Überblick über das Ausmaß der Segregation wird die amtliche Kita-Statistik genutzt. Mit quantitativ-deskriptiven Verfahren werden Segregationsmuster zwischen den Ländern und Jugendämtern beschrieben. Es werden Zusammenhänge zwischen dem Ausmaß der Kita-Segregation und Strukturmerkmalen der Jugendämter herausgearbeitet. Dabei werden erhebliche regionale Unterschiede bezüglich des Anteils von betreuten Kindern mit Migrationshintergrund deutlich. Darüber hinaus zeigt sich, dass zwischen den Jugendämtern einzelner Länder z.T. erhebliche Unterschiede bestehen. Auffällig ist, dass insbesondere in Großstädten Kinder mit Migrationshintergrund vorallem in öffentlichen Kitas betreut werden.

 

Stadt, Land, Träger: Kontextspezifische Segregationsmuster und Kitaplatzvergabeprozesse in West- und Ostdeutschland

Prof. Dr. Nina Hogrebe1, Prof. Dr. Johanna Mierendorff2, Gesine Nebe2, Stefan Schulder1
1HAW Hamburg, Deutschland, 2MLU Halle-Wittenberg, Deutschland

Segregation und die resultierende Einrichtungskomposition wird zunehmend als ungleichheitsrelevante Dimension im Elementarbereich erkannt. Allerdings gibt es nur wenig Forschung über Bedingungsfaktoren, die Segregationsprozesse verstärken oder abmildern. Wenngleich vereinzelte Lokalstudien darauf hinweisen, dass die Zusammensetzung von Kindertageseinrichtungen mit ihrer Trägerschaft in Verbindung steht (z.B. Strohmeier et al. 2014), ist der Einfluss der pluralen Trägerlandschaft mit Blick auf konzeptionelle Profile und mögliche Segregationseffekte kaum untersucht (vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2020, S. 83). Insbesondere gibt es bislang keine Arbeiten, die Segregation als Ergebnis und den diese Ergebnisse hervorbringenden Prozesse gleichermaßen in den Blick nehmen.

Der Beitrag stellt die Ergebnisse einer Studie dar, die quantitative Sekundäranalysen von nationalen Bildungsstudien (n = 165 bis 685 Kitas) und qualitative Interviews mit Trägern und Einrichtungsleitungen (n = 35) miteinander verbindet, um Segregationsmuster in spezifischen Bedingungskonstellationen aufzuzeigen und entsprechende Handlungsanforderungen und -logiken der Akteure im Kontext lokal eingebetteter Platzvergabeprozesse zu beschreiben. Im Ergebnis zeigen sich (fast) keine generellen trägerspezifischen Segregationsmuster, sondern vielmehr regional spezifische Ausgestaltungen, die für die entsprechenden Akteure bestimmte Handlungsbedingungen darstellen, innerhalb derer sie sich positionieren.

 

KiTa-Zugang im Kontext wohlfahrtsstaatlicher Traditionen: Empirische Ergebnisse qualitativer Fallstudien zu lokaler Zugangssteuerung in Deutschland, Kanada und Schweden

Dr. Antonia Scholz, Britta Menzel
Internationales Zentrum Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (ICEC)

Viele Länder haben sich zum Ziel gesetzt, sozialen Ungleichheitsverhältnissen entgegen zu treten, indem sie die Zugangsbedingungen ihrer frühkindlichen Bildungs- und Betreuungssysteme besonders für Kinder aus benachteiligten Lebenslagen verbessern. Ihre KiTa-Politik ist dabei nicht zuletzt in die jeweiligen wohlfahrtsstaatlichen Traditionen eingebettet. Dies gilt nicht nur für programmatische Zielsetzungen auf nationaler Ebene, sondern auch für die konkrete Umsetzung von KiTa-Zugängen in lokalen Kontexten.

Hier setzt der vorliegende Beitrag an und nimmt die Zugangsgestaltung in Deutschland, Kanada und Schweden insbesondere auf den lokalen Steuerungsebenen empirisch in den Blick. Ziel ist dabei die jeweiligen Wohlfahrtslogiken der FBBE-Systeme und die lokale Ausrichtung der Zugangssteuerung zu KiTa in Bezug zueinander zu setzen. Datengrundlage bilden qualitative Experteninterviews, die im Rahmen von Fallstudien mit Kommunalverwaltungen und Trägern in ausgewählten Kommunen geführt wurden.

Die Ergebnisse zeigen, wie lokale Akteure in den drei Ländern ihre Handlungsspielräume in der Zugangsgestaltung nutzen. In international vergleichender Perspektive wird deutlich, inwieweit sich lokales Steuerungshandeln im Feld KiTa dabei in der jeweiligen Wohlfahrtstradition verorten lässt. Gleichzeitig zeigen sich diesbezüglich auf unterschiedlichen Ebenen aber auch Brüche, die Zugänge in unterschiedlichem Maße begrenzen oder öffnen und damit Ungleichheitsverhältnisse beeinflussen (können).

 

Soziale (Ent-)Mischung in Quartier und Schule? Segregationsdynamiken im Kontext elterlicher Grundschulwahl

Alina Goldbach1, Dr. Isabel Ramos Lobato2
1Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung, Dortmund, 2Universität Helsinki

Neben dem Handlungsspielraum institutioneller Akteure und der sozialräumlichen Struktur hat das elterliche Wahlverhalten einen entscheidenden Einfluss auf den (ungleichen) Zugang zu Bildungseinrichtungen. Insbesondere für bildungsaffine Mittelschichtseltern ist die Wahl der ‚richtigen‘ Einrichtung zu einem sensiblen Thema geworden (Wilson & Bridge 2019). Elterliche Netzwerke sowie Fragen der sozialen Passung scheinen dabei eine große Rolle zu spielen. Unklar ist jedoch, inwieweit das Wahlverhalten von Mechanismen, die explizit über den lokalen Kontext des Wohnquartiers vermittelt sind, gesteuert wird und welchen Einfluss die Intersektionalität des individuellen sozialen und ethnischen Hintergrunds der Eltern hat.

Anhand einer Kombination quantitativer und qualitativer empirischer Daten analysiert der vorliegende Beitrag wie sich das Zusammenspiel aus elterlichem (lokalem) Sozialkapital, ihrer Informationszugänge sowie schulischer Informationspolitik und Profilbildung auf die elterliche Grundschulwahl auswirkt. Somit werden neben der Quantität und Entwicklung von Schulwahl und -segregation auch die dahinterliegenden Motive und Abwägungsprozesse erfasst. Vor dem Hintergrund der 2008 in Nordrhein-Westfalen abgeschafften Grundschuleinzugsbereiche wurde für die empirische Erhebung ein sozial und ethnisch gemischtes Quartier in Düsseldorf ausgewählt, in dem mehrere Grundschulen in unmittelbarer Nähe zueinander liegen, jedoch von sehr unterschiedlicher Zusammensetzung geprägt sind.

 

Datum: Dienstag, 15.03.2022
14:00 - 16:00Digital Platforms and the Remaking of Spacetimes in Education Policy, Governance and Practice
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 01
 

Chair(s): Prof. Dr. Sigrid Hartong (Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Deutschland)

The emphasis of this international working group is on better understanding the surging spatiotemporal power of digital platforms in education, including learning software, monitoring infrastructures, or digital com­munity building environments such as hackathons. It hereby responds to the growing need in digital education policy, governance and practice scholarship to rethink and transcend ‘static’ (e.g., topographically bordered) represen­tations of space or ‚linear‘ (e.g., chronological) understandings of time. Presenting different findings from international collaborations between German, Belgian, Finnish and Australian scholars, this working group not only discusses what platforms in education are and how they can be analyzed in their remaking of spacetimes in education (e.g. nation states, classical learning environments, policy arenas, etc.), but equally what effects this remaking produces (e.g., transforming notions of ‚good‘ education, of educa­tional professionality, etc.).

 

Beiträge des Panels

 

Navigating European (Plat)Forms For Learning Online: Are They Opening Up?

Karmjin van de Oudeweetering
KU Leuven, Belgien

European education policies have increasingly focused on the uptake of online platforms, such as platforms for Massive Open Online Courses (MOOCs) or Online Educational Resources (OER), often situating it within a discourse of ‘opening up’ education (European Commission, 2018). That is, such policies draw on a wider Open Education (OE) movement that positions ‘openness’ as a virtue of unlimited accessibility to, democratic development of, and collaborative engagement in, educational content (Weller, 2014). The enactment of this kind of openness through MOOCs and OER platforms has been contested, as some refer to them as the engines of accessibility while others emphasize the various kinds of closures they install. This contribution gives an overview of multiple case studies on online platforms that are financed through European education policies. By deploying a method of ‘active navigations’, these studies all focused on the enactment of new forms of space-time through these platforms. The studies thereby mainly focused on whether and how these (plat)forms generated ‘open’ and ‘European’ spaces-times, leading to an argument that these forms are necessarily bordered and closed, but in multifarious ways. Furthermore, the studies presents the ‘agile’ and ‘interactive’ operations of these platforms and stresses how the constant combination of stability-change ‘opens’ up various new ways for navigating and making educational spaces-times.

 

Where Are We Heading? New Spatiotemporal Forms Of Digital Educational Policymaking: The Case Of A German Hackathon

Annina Förschler1, Prof. Mathias Decuypere2
1Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Deutschland, 2KU Leuven, Belgien

In the course of the worldwide pandemic, a new digital platform-based form of policymaking as well as a platform based way of organizing (EdTech) movements arose in Germany: Hackathons. Hereby a nation-wide educational Hackathon, claiming to “shape schooling of tomorrow together” (https://wirfuerschule.de/), took place in June 2020. This contribution wants to empirically investigate how the Hackathon, hosted on different platforms, actually creates specific new sort(s) of digital education space(s), and even more, how it (re)configures times – in our case specific sorts of futures.

Drawing on newer lines of critical platform studies, understanding digital platforms as powerful socio-technical assemblages, this contribution adopts a topological perspective (Lury, 2012) that allows to analyze digital education platforms in terms of which relations they (do not) enable, which sort(s) of circulation they offer, enact or prioritize and especially: which sorts of futures and imaginaries they design and anticipate (Lury, 2021; Jasanoff, 2015).

The research interest is therefore threefold: (1) to stress the role of platforms in contemporary educational policymaking, (2) by focusing on how imaginaries of schooling as performed in the Hackathon and changing forms of education policymaking co-constitute each other and (3) to investigate, how such new forms can be approached theoretically and methodologically.

 

Towards A Topological Genealogy For Platform Research In Education

Prof. Mathias Decuypere1, Dr. Steven Lewis2
1KU Leuven, Belgien, 2ACU Brisbane, Australien

This paper presents topological genealogy as a methodology to research transnational digital governance, and particularly how digital platform infrastructures are implicated in enacting such forms of governance. Inspired by the field of social topology, topological genealogy is centrally interested in investigating the conjoined production of digital infrastructures and present-day education policymaking as governance; as well as how both produce, and are produced by, processes of flows, flux and change. Notably, the methodology helps to disentangle digital governance in, through and as change, and in doing enables to empirically investigate the shifting spacetimes of education as enacted in/on present-day digital platform infrastructures.

Through a worked example of the European Commission’s eTwinning platform, the presentation shows the methodology of topological genealogy in action, and complements the topological analysis with methodological foregroundings. These show how the methodology impacts as much the fabrication of research data and its subsequent analysis as it impacts the doings of the researcher.

 

„Lifelong Platform“ – Insights Into The Digital (Education) State of Estonia

Prof. Dr. Sigrid Hartong1, Prof. Nelli Piattoeva2
1Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Deutschland, 2Tampere University, Finnland

As part of its emancipation process from the UdSSR, Estonia initiated an exceptional ‚rebranding‘ strategy, which not only included a deliberate ‘re-positioning’ with Europe, but equally the invention of ‚E-Estonia‘ (Savchenko 2019). Approaching open data and ‘digital citizenship’ as key to modern democracy shifted Estonia´s imagination of the state into what Budnitskiy (2018) described as ‚digital nationalism‘. As a result, Estonia established an extensive platform architecture – a digital governmental ecosystem – in which citizens i.a. traverse education (from kindergarten to lifelong learning) through the Estonian Education Information System (EHIS). It is this ‚seamlees‘ platfor­mization of education which equally turned Estonia into a global role model for reform.

Being situated within a larger qualitative study on Education as a platform state, the aim of this contribution is twofold: First, we provide an introduction to the E-Estonia/EHIS platform architecture and its operations. Second and building on this overview, we use the Estonian case to discuss the transformative spatiotemporal power of platforms, which is how E-Estonia/EHIS have reshaped, but equally have been shaped by the ‘spacetimes’ of the ‘(national) Estonian education system’. We thus seek to better understand how we can (further) make sense of the notion of ‚bordering‘ and the role of ‚the state‘ in providing public education in times of rising platformization.

 

Datum: Mittwoch, 16.03.2022
9:00 - 9:30Kulturprogramm: Nihan Devecioğlu
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 01

Exklusives Konzert der Sängerin Nihan Devecioğlu

Die Sängerin Nihan Devecioğlu hat exklusiv für den Bremer DGfE-Kongress ein Konzert zusammengestellt, das uns musikalisch auf den letzten Kongresstag einstimmt.

Nihan Devecioğlu ist ausgebildete Konzert- und Opernsängerin, ordnet sich aber nicht einem einzigen Genre zu. Als Ergebnis der Erkundung und Erforschung einer Vielzahl von Techniken in Vokalimprovisationen hat sie eine eigene, unvergleichliche Stimmpraxis entwickelt, mit der sie die Grenzen musikalischer Traditionen, Genres und Epochen bewußt überschreitet, dabei auch immer wieder auf ihre musikalischen Wurzeln, die in der türkischen Sufi- und Volksmusik liegen, zurückkommend.

Nihan Devecioğlu hat nach ihrem Bachelor in Medien und Kommunikationswissenschaften an der Bilgi Universität Istanbul ihren Master in Musik an der Technischen Universität Istanbul gemacht, am Mozarteum in Salzburg hat sie 2003-2008 Gesang und Oper studiert. Die freischaffende Künstlerin lebt in Barcelona. Mit ihrem multinationalen Ensemble „The Single Camels“ gastierte sie in den vergangenen Jahren wiederholt am Bremer Theater am Goetheplatz. Hier wirkt sie als Schauspielerin und Sängerin aktuell im Stück „MutterVaterLand“ (von Akin Sipal, Premiere war im Sommer 2021) mit.

Sie singt für uns:

Beautiful Day – Improvisation

Beata Viscera Maria Virginis von Pérotin (12. Jh. Notre Dame, Paris)

Yağmur Yağar Taş Üstüne (traditionelles Lied aus der Türkei)

Improvisation mit Kalimba

Istanbul´u dinliyorum (Gedicht von Orhan Veli (1914-1950, Istanbul), Musik: Nihan Devecioğlu)

16:15Verabschiedung
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 01

Bei der Verabschiedung werden die Posterpreise überreicht: Ein Posterpreis der DGfE in Zusammenarbeit mit dem Verlag Barbara Budrich (https://www.dgfe.de/dgfe-kongresse/posterpreis) und ein Publikumspreis.