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Sitzungsübersicht
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 34
971 8572 7089, 707731
Datum: Montag, 14.03.2022
17:00 - 18:00Übersee-Museum: Digitaler Rundgang Vermittelte Welt – Weltvermittlung im Übersee-Museum
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 34

Vor mehr als 125 Jahren wurde das Übersee-Museum in Bremen eröffnet. Der Gründungsdirektor Hugo Schauinsland träumte von „Einem Museum für alle“, Wissenschaftler*innen und interessierte Laien sollten gleichermaßen angesprochen werden. Dazu entwickelte er Dioramen und Schaugruppen, die - allerdings oftmals stereotype - Einblicke in die Natur und Kultur ferner Länder und Kontinente gaben. Die jetzigen Ausstellung- und Vermittlungskonzepte des Übersee-Museums verfolgen zwar das Grundvorhaben weiterhin, sie unterliegen jedoch dem stetigen gesellschaftlichen Wandel. Es geht vor allem um einen transparenten und kritischen Umgang mit den eigenen Sammlungen im Hinblick auf die Kolonialgeschichte im Austausch mit den Herkunftsgesellschaften. Auf dem digitalen Rundgang führt Sie die Direktorin Prof. Dr. Wiebke Ahrndt durch die Dauerausstellungen des Übersee-Museum Bremen. Der Fokus liegt auf der Ausstellung „Spurensuche“, die sich explizit mit der Geschichte des Hauses beschäftigt. Prof. Ahrndt beleuchtet die Veränderungen in den Sammlungsstrategien und Vermittlungskonzepten. Zudem gibt sie einen Einblick in Restitutionen des Übersee-Museums und Kooperationsprojekte mit Herkunftsgesellschaften.

 

Prof. Dr. Wiebke Ahrndt

Universität Bremen, Deutschland

Vor mehr als 125 Jahren wurde das Übersee-Museum in Bremen eröffnet. Der Gründungsdirektor Hugo Schauinsland träumte von „Einem Museum für alle“, Wissenschaftler*innen und interessierte Laien sollten gleichermaßen angesprochen werden. Dazu entwickelte er Dioramen und Schaugruppen, die - allerdings oftmals stereotype - Einblicke in die Natur und Kultur ferner Länder und Kontinente gaben. Die jetzigen Ausstellung- und Vermittlungskonzepte des Übersee-Museums verfolgen zwar das Grundvorhaben weiterhin, sie unterliegen jedoch dem stetigen gesellschaftlichen Wandel. Es geht vor allem um einen transparenten und kritischen Umgang mit den eigenen Sammlungen im Hinblick auf die Kolonialgeschichte im Austausch mit den Herkunftsgesellschaften. Auf dem digitalen Rundgang führt Sie die Direktorin Prof. Dr. Wiebke Ahrndt durch die Dauerausstellungen des Übersee-Museum Bremen. Der Fokus liegt auf der Ausstellung „Spurensuche“, die sich explizit mit der Geschichte des Hauses beschäftigt. Prof. Ahrndt beleuchtet die Veränderungen in den Sammlungsstrategien und Vermittlungskonzepten. Zudem gibt sie einen Einblick in Restitutionen des Übersee-Museums und Kooperationsprojekte mit Herkunftsgesellschaften.

 

Datum: Dienstag, 15.03.2022
9:00 - 11:30Entgrenzungen von Prävention und Intervention im Kinderschutz
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 34
 

Chair(s): Dr. Stephan Dahmen (Universität Bielefeld, Fakultät für Erziehungswissenschaft, AG1 - Allgemeine Erziehungswissenschaft), Prof. Dr. Helga Kelle (Universität Bielefeld, Fakultät für Erziehungswissenschaft, AG1 - Allgemeine Erziehungswissenschaft)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Fabian Kessl (Bergische Universität Wuppertal, Insttut für Erziehungswissenschaft), Prof. Dr. Helga Kelle (Universität Bielefeld, Fakultät für ErziehungswissenschaftDeutschland, AG1 - Allgemeine Erziehungswissenschaft)

Das Symposium fokussiert den Wandel der öffentlichen Thematisierung und der institutionellen Bearbeitungsformen im Kinderschutz und geht der Frage nach, ob und inwiefern Kinderschutz als zunehmend entgrenzter Komplex wohlfahrtstaatlicher Praktiken verstanden werden kann. Neue interprofessionelle Kooperationsgebote führen zu einer Neuverhandlung der Grenzen fachlicher Zuständigkeiten, neue rechtliche Bestimmungen implizieren eine Verlagerung der Grenzen zwischen Intervention und Prävention und die Einführung von Netzwerkinfrastrukturen im Kinderschutz macht neue Formen der Arbeit an (institutionellen) Grenzen notwendig. Auf der Grundlage empirischer und historischer Studien beleuchten die Beiträge des Symposiums Entgrenzungsdynamiken im Kontext professioneller Selbstverständnisse, fachlicher Zuständigkeiten und praktischer Handlungslogiken. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, auf welche Weise sich Entgrenzungen im Kinderschutz manifestieren und wie praktisch mit ihnen umgegangen wird.

 

Beiträge des Panels

 

Familien sozialpädagogisch begleiten: Eine Entgrenzung von Eingriffen in die Elternautonomie?

Dr. Simone Brauchli
Universität Zürich - Institut für Erziehungswissenschaft Lehrstuhl Ausserschulische Bildung und Erziehung

In der Schweiz kommen Sozialpädagogische Familienbegleitungen zum Einsatz, wenn von fachlicher Seite angenommen wird, Eltern gefährdeten das Wohl ihrer Kinder. Mit solchen Eingriffen wird die Selbstbestimmung von Eltern zur Disposition gestellt. Die Gefährdung des Wohls der Kinder stellt hier eine Grenze dar. In jüngerer Zeit wurde in der Kinderschutzforschung eine Tendenz zu einer stärkeren Kontrollorientierung und Risikominimierung konstatiert (Watzlawick 2011). Inwiefern stellen Sozialpädagogische Familienbegleitungen aber eine Entgrenzung von Eingriffen in die Elternautonomie dar? Anhand empirischer Ergebnisse aus einer abgeschlossenen Untersuchung ethnographischen Zuschnitts werden verschiedene Formen von Entgrenzung differenziert. Es wird exemplarisch aufgezeigt, wie sozialpädagogische Fachkräfte im Kontakt mit Eltern ihre Handlungsspielräume nutzen, um mitunter gegen den Willen der Eltern eine solche Maßnahme zu initiieren und zu verlängern – ohne dabei deren Mitwirkungsbereitschaft, die für den Erfolg der Intervention unabdingbar ist, zu verlieren.

Literatur:

Wazlawik, M. (2011). Adressatinnen der Kinderschutzdebatte. In K. Böllert (Hrsg.), Soziale Arbeit als Wohlfahrtsproduktion (S. 15-30). Wiesbaden: Springer VS

 

Netzwerkinfrastrukturen im Kinderschutz und die Entgrenzung interventiver und präventiver Handlungslogiken

Dr. Stephan Dahmen, Anna Hontschick
Universität Bielefeld, Fakultät für Erziehungswissenschaft, AG1 - Allgemeine Erziehungswissenschaft

Kindeswohlbezogene Wohlfahrtspraktiken sind durch eine Vielzahl teils widersprüchlicher Rationalitäten und Handlungslogiken gekennzeichnet. Dies drückt sich auch in einer verstärkten Verschränkung präventiver, aushandlungsorientierter Logiken einerseits und ordnungsrechtlich orientierter Hilfe- und Kontrollverständnisse andererseits aus. Neue Formen der Vernetzung, Kooperation und Koordination tragen zudem zu einer Pluralisierung der beteiligten Akteur*innen sowie zur Ausweitung und Entgrenzung kinderschutzrelevanter Beobachtungsräume bei. In dem Beitrag werden lokale Ausprägungen des Verhältnisses von präventiven und interventiven Handlungslogiken in den Blick genommen, da sich trotz einheitlicher bundesgesetzlicher Regelungen eine hohe kommunale Variabilität bezüglich der Ausrichtung, der beteiligten Akteur*innen und der verfahrensförmigen Verknüpfung/Entkopplung von „unterstützenden“ und „kontrollierenden“ Elementen in den lokalen Netzwerkinfrastrukturen beobachten lässt. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf den Fragen, auf welche Weise das Handeln unterschiedlicher Akteur*innen an den „Grenzen“ unterschiedlicher organisatorischer und institutioneller Kontexte koordiniert, die Vermittlung in unterschiedliche Hilfeformen organisiert und wie mit unterschiedlichen Handlungslogiken in situierten kindeswohlbezogenen Wohlfahrtspraktiken umgegangen wird.

 

Professionelle Ent-Grenzungen – eine Rekonstruktion von Selbstverständnissen im Kinderschutz zwischen Kinder- und Jugendhilfe und Medizin

Dr. Stefan Heinitz
Bundesgeschäftsführer Die Kinderschutz-Zentren

Mit der Herausbildung eines modernen Kinderschutzsystems, insbesondere seit den 1960er Jahren in der BRD, übernahmen zunehmend Professionelle aus unterschiedlichen Berufsfeldern und mit verschiedenen disziplinären Hintergründen die Aufgabe, die offenen Konzepte von „Kindeswohl“ und „Kindeswohlgefährdung“ und ihre Grenzen fallbezogen auszudeuten, zu definieren und zu bearbeiten. Diese professionelle Arbeit im Kinderschutz gewinnt gegenwärtig und vor dem Hintergrund der fachöffentlich verhandelten Strukturprobleme des deutschen Kinderschutzes an Bedeutung. Insbesondere in der Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Jugendhilfe und der Medizin entstehen dabei neue Formen, Verfahren und Verständnisse im Sinne eines professionellen „Boundary Work“. Am Fallbeispiel einer Ärztlichen Kinderschutz-Ambulanz in einer westdeutschen Großstadt – einer der ersten Kinderschutzspezialstellen in Deutschland – sollen anhand organisationaler Dokumente aus der Zeit von 1985 bis 2015 Entwicklung und Wandel grundlegender Selbstverständnisse und Handlungsprogramme in diesem Feld rekonstruiert werden (Heinitz 2020). In der Rückschau werden damit ausgewählte Be- und Entgrenzungen professioneller Selbstverständnisse im Kinderschutz sicht- und verstehbar.

Literatur:

Heinitz, Stefan (2020): Wie Kinderschutz gemacht wird. Eine Rekonstruktion professioneller Selbstverständnisse. Weinheim: Beltz Juventa

 
14:00 - 16:00Variable Grenzen frühkindlicher Räume. Relevanzen theoretischer und empirischer Perspektiven auf die Erziehungs- und Bildungsinstitution Kita
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 34
 

Chair(s): Dr. Regine Schelle (Deutsches Jugendinstitut, Deutschland)

Räume können als eine spezifische Strukturierung von institutionalisierten frühpädagogischen Bildungsangeboten angesehen werden und konstituieren sich als hoch dynamische soziale Prozesse auch in Differenz und mit der Etablierung von Grenzen (Löw/Weidenhaus 2018). Angesichts unterschiedlicher theoretischer Zugänge bleibt zu klären, wie variable Grenzen frühkindlicher Räume entstehen und beobachtbar werden, wie sie die Eigenlogik der Kinder be- und entgrenzen und deren Aneignungsverhalten auch im sozialräumlichen Umfeld beeinflussen (Hüllemann u.a. 2019). Insbesondere ist aufzuschlüsseln, wie die Bedeutung von Grenzen in eine Konzeption von Raum einzubinden ist, ohne einer absoluten Perspektive Vorrang einzuräumen. Die Arbeitsgruppe, die sich aus drei Projekten der BMBF-Förderrichtlinie „Qualitätsentwicklung für gute Bildung in der frühen Kindheit“ formiert, wird diese Fragen anhand von empirischen Ergebnissen reflektieren und diskutieren.

 

Beiträge des Panels

 

Grenzerfahrungen von Kindern in Kitas. Phänomenologische Annäherungen

Prof. Dr. Claus Stieve1, Antonina Poliakova2, Michéle Zirves1
1TH Köln, 2Universität zu Köln

Grenzen, die Institutionen inhärent sind (Waldenfels 1984), zeigen sich in Kitas auf vielfältige Weise. Während materielle, sachlich gegebene Grenzen, wie Zäune, Wände, Türen, den Eindruck starrer Be-Grenzung erwecken, werden Grenzen in den Sozialwissenschaften u.a. als „Räume der Differenz“ ins schwer- oder „nicht-Erreichbare“ und damit auch als potentielle „Erweiterung des Bestehenden“ begriffen (Kessl 2009). Im Kita-Alltag zeigen sich Grenzen als relationale Phänomene, in denen Verschiebungen durch pädagogische Intentionen oder Konzeptionen, wie z.B. der Offenen Arbeit, ausgehandelt und verändert werden. Der gelebte Raum der Kinder teilt sich noch weniger in eine sachliche und eine soziale Umgebung auf – beide bilden eine leibliche Erfahrungseinheit (Stieve 2015), in der Grenzen sich erst konstituieren. Im Vortrag wird sich empirisch und phänomenologisch diesen Erfahrungsvollzügen angenähert. Da Raumbildung nicht nur als aktive, sondern auch passivische Erfahrung angesehen wird (Brinkmann/Westphal 2015), gerät zum einen in den Blick, wie Kindern Ein- und Ausgrenzungen im Sinne einer „Ordnung im Entstehen“ (ebd., S. 12) widerfahren. Zum anderen wird fokussiert, wie sich Grenzen in und durch die von Kindern gelebten Räume konstituieren und variieren und welche Bedeutung diese Grenzziehungen für ihre Sozialität und ihre Eigenräume gewinnen.

 

Grenzbearbeitungen aus Kindersicht – errichten, überschreiten, niederreißen

Stephanie Simon1, Jessica Prigge1, Yvonne Gormanns2, Prof. Dr. Katja Gramelt2, Prof. Dr. Barbara Lochner3, Agata Skalska2, Prof. Dr. Werner Thole1
1Universität Kassel, 2Hochschule Düsseldorf, 3FH Erfurt

Unter der Prämisse, dass Räume hergestellt werden, sich in diesen historisch tradierte Strukturierungen materialisieren und diese beständig Transformationsprozessen unterliegen (Lefebvre [1974] 2006), an denen alle Akteur*innen beteiligt sind, beleuchten wir räumliche Arrangements in Kindertageseinrichtungen empirisch gestützt aus der Perspektive von Kindern. Die Räume dort sind von Erwachsenen entworfen, gestaltet und eingerichtet, jedoch insbesondere von Kinder „belebt“. Wie Kinder diese Raumkonstitutionen sehen ist bedeutsam auch für pädagogische Fragen. In diesem Beitrag werden Grenzbearbeitungen der Kinder beleuchtet. Über verschiedene Materialsorten (u.a. videobasierte Kitaführungen, Interviews, Begehungspläne) werden sowohl im Sprechen der Kinder wie auch im Videomaterial unterschiedliche (unsichtbare) Strukturierungen räumlicher Arrangements sichtbar. Die rekonstruktiven Analysen zeigen, wie über zentral gesetzte Altersdifferenzierungen, institutionelle Zugehörigkeiten sowie Artefakte vermeintlich entpersonalisiert Räumlichkeiten strukturiert werden und wie Kinder pädagogisch arrangierte Grenzen anerkennen, überschreiten, niederreißen oder gar selbst Grenzen errichten. Über die kritischen Anfragen der Kinder wird die Variabilität und Entgrenzbarkeit pädagogisch-räumlicher Arrangements in Kitas deutlich.

 

Sozialräumliche Vernetzung von Kitas zwischen Öffnung und Abgrenzung

Alice Altissimo, Prof. Dr. Peter Cloos, Tom Töpfer
Universität Hildesheim

Das Projekt untersucht, inwieweit sozialräumliche Vernetzung von Kindertageseinrichtungen einen Beitrag zur Verbesserung der gesellschaftlichen Teilhabe von Kindern leistet. Zur Bearbeitung der Projektziele werden Methoden der qualitativen Netzwerkanalyse und der Dokumentenanalyse genutzt und auf die Identifikation von Netzwerkstrukturen der dienstleistungsinfrastrukturellen Öffnung von Kindertageseinrichtungen im Sozialraum und den damit verbundenen Herstellungsweisen struktureller Inclusiveness abgezielt. In dem Beitrag zeigen wir anhand von qualitativen Netzwerkinterviews mit Kita-Leitungen auf wie unterschiedlich sich Kitas öffnen und in den Sozialraum hineinwirken. Kontrastierend lassen sich zwei Modi pointieren, anhand derer Sozialräume eher soziozentrisch oder egozentrisch konstruiert und begrenzt werden. Durch die jeweiligen Entwürfe der Formen der Zusammenarbeit im Sozialraum entgrenzen Kindertageseinrichtungen dabei entweder ihr Aufgabenprofil durch Erweiterung der Aufträge entlang unterschiedlicher Professionsfelder oder grenzen dieses stark ein, indem sie Zuständigkeiten und Raumbezüge zwischen dem Innen (in) der Kita und dem Außen um die Kita positionieren und abgrenzen. Es werden anhand verschiedener Modi sozialräumlicher Vernetzung funktionale und räumliche Grenzziehungen von Kindertageseinrichtungen dargestellt und Implikationen für die Gestaltung gesellschaftlicher Teilhabe von Kindern und Familien skizziert.

 

Datum: Mittwoch, 16.03.2022
9:30 - 11:30Inklusion, Neuzuwanderung und Flucht: Vergleichende Rekonstruktionen sprachlicher Bildung in separierenden und integrativen Schul- und Unterrichtsmodellen
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 34
 

Chair(s): Prof. Dr. Sara Fürstenau (Universität Hamburg), Prof. Dr. Lisa Rosen (Universität Koblenz-Landau, Deutschland)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Michelle Proyer (Universität Wien)

Mit rekonstruktiven Analysen zu In- und Exklusion werden kaum untersuchte schulische Modelle (teilintegrativ, inklusiv) sowie der Übergang in die Regelklasse im Kontext von Neuzuwanderung beleuchtet. Dabei steht die sprachliche Bildung unter den gesetzlichen und institutionellen Vorgaben von drei Bundesländern und unterschiedlicher Schulstufen im Fokus. Kontrastierend wird in den Vorträgen 1) die Präsenz von Exklusionsmechanismen im integrativen als auch im parallelen Modell, 2) die Adressierungen neuzugewanderter Schüler*innen im internationalen Vergleich (Deutschland/Italien) und 3) die diskursive bildungspolitische Rahmung der Deutschförderung gegenüber der pädagogischen Praxis der Sprachfördermaßnahmen im Deutschen untersucht. Nach einführenden Vorträgen zu den Dissertationsvorhaben (2 & 3) und dem DFG-Projekt (1) sollen im Forschungswerkstattformat parallel erste Hypothesen kommunikativ validiert und dann durch einen Kommentar aus dem internationalen Diskursraum gerahmt werden.

 

Beiträge des Panels

 

Ein Vergleich von Exklusionsmechanismen im integrativen und parallelen Modell – Einblicke in drei Hamburger Stadtteilschulen

Simone Plöger, Dr. Elisabeth Barakos
Universität Hamburg

Neu zugewanderte Schüler*innen werden in Hamburg zunächst in Internationalen Vorbereitungsklassen (IVK) unterrichtet und wechseln im Schnitt nach zwölf Monaten in die Regelklasse. Im Rahmen des DFG-geförderten Projekts SpraBÜ (Sprachliche Bildung am Übergang) nutzen wir einen ethnographischen Forschungsansatz, um sprachliche Bildungsangebote und -prozesse am Übergang von Vorbereitungs- in Regelklasse in drei Stadtteilschulen zu analysieren. Anhand einer Explorationsstudie (vgl. Plöger in Vorb.) haben wir einen institutionell ethnographisch-reflexiven Ansatz entwickelt (Plöger/Barakos im Erscheinen), mit dem wir Schulen begleiten, in denen Schüler*innen sowohl integrativ (über eine additive Sprachförderung begleitend zum Regelunterricht) als auch parallel (über separate, parallel geführte Vorbereitungsklassen) beschult werden (vgl. Dewitz/Massumi 2017). Im Beitrag wird mittels eines Vergleichs untersucht, welche Exklusionsmechanismen sowohl im integrativen als auch im parallelen System präsent sind und situativ wirksam werden. In unserem Datenkorpus beziehen wir uns auf Protokolle aus teilnehmenden Beobachtungen und informellen Gesprächen, Interviews mit Schulleitungen, Lehrkräften sowie ausgewählten Fokusschüler*innen. Durch den Vergleich können wir datenbasiert den Habitus der IVK als Grenzort institutioneller und individueller Ansprüche problematisieren und beide Modelle der Beschulung mit Hinblick auf Bildungsungleichheiten diskutieren.

 

Adressierungen neuzugewanderter Kinder und Jugendlicher im Alltag integrativer Schulformen in Deutschland und Italien

Fenna tom Dieck
Universität Koblenz-Landau

Die Bildungssysteme Deutschlands und Italiens sind durch unterschiedliche historisch gewachsene Strukturen des schulorganisatorischen Umgangs mit Neuzuwanderung gekennzeichnet: Während in Deutschland die Beschulung neuzugewanderter Schüler*innen häufig über einen Zeitraum von mehreren Jahren teilintegrativ oder gänzlich von der übrigen Schüler*innenschaft separiert erfolgt (Vogel/Stock 2018: A11), werden neuzugewanderte Schüler*innen in Italien meist von Beginn an in Regelklassen beschult (Grigt 2018: B9; Dovigo 2020).

Dies bildet einen Ausgangspunkt der Dissertation „Schulische Teilhabe neuzugewanderter Kinder & Jugendlicher im internationalen Vergleich“. Einem ethnographischen Zugang folgend wurde hier der schulische Alltag von Kindern und Jugendlichen aus unterschiedlichen Migrationskontexten im Alter von neun bis fünfzehn Jahren in mehreren Feldphasen teilnehmend beobachtet. Im Fokus stehen Settings gemeinsamen Unterrichts in Regelklassen in jeweils zwei Schulen in Italien und Deutschland in vergleichender Perspektive (Fritzsche 2013: 198; Proyer/Bilgeri 2021: 308). Die Auswertungen des erhobenen Materials erfolgen mit der Grounded Theory (Charmaz 2014). Den Fokus dieses Beitrags bilden Rekonstruktionen von Adressierungen (Rose/Ricken 2018: 168) neuzugewanderter Schüler*innen durch Mitschüler*innen und pädagogisch Professionelle. In diesem Zusammenhang werden interaktive Prozesse der Grenzziehung und -bearbeitung im Kontext sprachlicher Bildung herausgearbeitet.

 
14:00 - 16:00Übergänge in Arbeit - Zwischen Entgrenzung und Inklusion
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 34
 

Chair(s): Prof. Dr. Inga Truschkat (Universität Hildesheim, Deutschland)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Inga Truschkat (Universität Hildesheim)

Die Beratung und Begleitung von Übergängen in Arbeit erfährt nicht nur durch die Entgrenzung der Übergänge selbst eine Veränderung, sondern auch die sozial- und bildungspolitischen Entwicklungen fördern eine Entgrenzung auf systembezogener und inhaltlich formaler Ebene. So werden mit der Inklusionsdebatte im Zuge der Un-BRK die Grenzen und Begrenzungen sämtlicher Systeme des Übergangs in Frage gestellt. Zudem erhalten Formen der fallbezogenen und individuellen Problembearbeitung in der Beratung und Begleitung von Übergängen in Arbeit durch arbeitsmarktpolitische Neuerungen eine zunehmende Relevanz. Im Rahmen der Arbeitsgruppe werden diese Entgrenzungen in drei Beiträgen und einem Kommentar aus unterschiedlichen Perspektiven thematisiert. Dabei werden konzeptionelle und empirische Überlegungen erziehungswissenschaftlicher Subdisziplinen und der Rechtswissenschaft aufgegriffen und in einer rahmenden Diskussion theoretisch reflektiert.

 

Beiträge des Panels

 

Arbeitsmarktpolitische Reformen des SGB II: Von der Arbeitsmarktintegration zur sozialen Inklusion?

Luisa Peters
Universität Hildesheim

Anfang 2019 wurde das SGB II reformiert. Das sogenannte Teilhabechancengesetz (THCG) zielt nach §16i SGB II auf die Teilhabe am Arbeitsmarkt. Laut Gesetzesbegründung soll durch „ganzheitliche beschäftigungsbegleitende Betreuung“ die „Beschäftigungsfähigkeit“ von besonders arbeitsmarktfernen Personengruppen gefördert werden. Inhaltlich zeichnet sich das Gesetz einerseits durch die Finanzierung von Arbeitsplätzen im ersten Arbeitsmarkt und andererseits durch die umfassende Beratung und Begleitung von Arbeitsuchenden beim Übergang und Verbleib in dieser Form der Beschäftigung aus.

Novum dieses Instruments ist die erstmalige Benennung von sozialer Teilhabe als Zieldimension. Das THCG bietet nun das Potenzial, für besonders arbeitsmarktferne Personen pädagogisch begleitete Zugänge in den Arbeitsmarkt zu schaffen. Das neue Gesetzt stellt aber auch neue Anforderungen an die Betriebe und Arbeitsuchenden, wohl vor allem aber an die Vermittlungsfachkräfte, die durch dieses Instrument den Ansprüchen einer ganzheitlichen Beratung gerecht werden sollen. Damit wird soziale Teilhabe im Bereich der Arbeitsmarktintegration zu einem entgrenzten Kollektivprojekt. Im Beitrag sollen die Potenziale aber auch die Herausforderungen besprochen werden, die das THCG mit sich bringt. Zudem soll auf Basis erster empirischer Einsichten darauf geblickt werden, welche Praktiken sich bei Vermittlungsfachkräften bisher im Umgang mit dem THCG herausgebildet haben.

 

Integrierte Hilfen für inklusive Übergänge

Dr. Andreas Oehma
Universität Hildesheim

Das Konzept der Integrierten Hilfen ist in den 1990er Jahren im Kontext der Erziehungshilfen breit diskutiert, erprobt und evaluiert worden. Eine Übertragung oder gar Diskussion im Kontext der Hilfen am Übergang in Arbeit hat jedoch nie stattgefunden, obwohl die Problemdiagnosen und Entwicklungen in diesem Bereich - angefangen bei der Versäulung und Maßnahmeorientierung hin zu Übergangsmanagement und Jugendberufsagenturen - dies nahelegen würden. Im Rahmen der Diskussion um Inklusion am Übergang in Arbeit, um ein inklusives Ausbildungssystem und inklusive Arbeitsmärkte wird das Konzept auch theoretisch hoch anschlussfähig. Der Beitrag skizziert diese Parallelen und entwirft ein Konzept der „integrierten Hilfen am Übergang in Arbeit“. Ziel ist dabei, die Zweiteilung in Hilfen für benachteiligte Menschen und Menschen mit Behinderungen ebenso wie die innere Versäulung des sog. Übergangssystems zu überwinden. Zugleich gilt es, die Hilfe- und Unterstützungsleistungen grundsätzlich in die Regelsysteme für Ausbildung zu integrieren bzw. sie zu einem regelhaften Unterstützungssystem zusammenzufassen, das flexibel je nach Bedarf Hilfe und Unterstützung beim Übergang sowie bei Beschäftigung am regulären Arbeitsmarkt gewährt.

 

Übergänge zu einem inklusiven Arbeitsmarkt? – Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsmarkt nach dem SGB IX und ihre Wirkungen

Prof. Dr. Michael Wrase
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Art. 27 der UN-BRK beinhaltet die Verpflichtung, Menschen mit Behinderungen Übergänge auf einem offenen, inklusiven und effektiv zugänglichen Arbeitsmarkt zu eröffnen. Weniger konsequent als beim Recht auf inklusive Beschulung aber im Kern vergleichbar geht es um einen Vorrang von unterstützten Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

In der Realität ist aber die Zahl der in segregierten Werkstätten beschäftigten Menschen in den vergangenen Jahren signifikant angestiegen, Übergänge erfolgen weiterhin oder sogar verstärkt aus Sonderstrukturen der Bildung (Förderschulen) in Sonderstrukturen der Ausbildung und Arbeit. Der zuständige UN-Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen hat vor diesem Hintergrund die Gesetzeslage und Praxis in Deutschland scharf kritisiert.

Dabei hat das Bundesteilhabegesetz die Möglichkeiten für inklusive Ausbildungs- und Beschäftigungsverhältnisse deutlich erweitert. Zu nennen sind insbesondere die Leistungen an Arbeitgeber, das Budget für Arbeit bzw. Ausbildung, die Unterstützte Beschäftigung, die Beschäftigung durch Inklusionsbetriebe und andere Leistungserbringe.

In dem Beitrag wird der Frage nachgegangen, wie die regulative Wirksamkeit der genannten Instrumente aus rechtswissenschaftlicher Perspektive mit Blick auf das Ziel eines inklusiven Ausbildungs- und Arbeitsmarktes einzuschätzen ist. Es soll zugleich eine erste (vorsichtige) Bewertung in Bezug auf die Implementation von Art. 27 UN-BRK gegeben werden.

 

Kommentar: Übergänge in Arbeit zwischen Entgrenzung und Inklusion. Theoretische Schlaglichter auf empirische Entwicklungen

Prof. Dr. Inga Truschkat
Universität Hildehseim

Im Rahmen des Kommentars werden die Beiträge aus einer theoretischen Perspektive reflektiert. Dazu werden theoretische Konzepte des Übergangs, der Pädagogisierung und der Inclusiveness aufgegriffen und aufgezeigt, dass diese Konzepte sich jeweils in spezifischer Weise zwischen individueller Gestaltung und struktureller Rahmung bewegen. Mit Bezug auf die Beiträge werden sie unter der Fragestellung diskutiert, welche Entgrenzungs- und Inklusionsprozesse in den aktuellen Entwicklungen im Bereich der Begleitung und Beratung von Übergängen zu erkennen sind.

Der Kommentar soll damit eine umfassende und erziehungswissenschaftlich inspirierte Diskussion über das Verhältnis von Entgrenzung und Inklusion im Kontext der Begleitung und Beratung von Übergängen in Arbeit anregen.