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Sitzungsübersicht
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 32
989 8677 5580, 272854
Datum: Montag, 14.03.2022
14:00 - 16:30Das Erforschen pädagogischer Praxis in Anbetracht von Ent | grenz | ung
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 32
 

Chair(s): Dr. Tamara Ehmann (Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Deutschland), Prof. Dr. Heinz Reinders (Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Deutschland)

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der pädagogischen Praxis stellt einen wichtigen Bereich erziehungswissenschaftlicher Forschung dar, deren Ziel die Überwindung der Grenze zwischen Wissenschaft auf der einen und pädagogischer Praxis auf der anderen Seite ist.

Das Symposium „Das Erforschen pädagogischer Praxis in Anbetracht von Ent | grenz | ung“ setzt sich mit der Gratwanderung des Erforschens pädagogischer Praxis in Anbetracht der Einhaltung wissenschaftlicher Gütekriterien und einer Praxisfokussierung hinsichtlich der praktischen Umsetzbarkeit und Durchführung der Forschung sowie der daraus resultierenden Forschungsergebnisse auseinander.

Durch die vorhandene Interdisziplinarität des Symposiums werden vor diesem Hintergrund einerseits unterschiedliche Forschungsgegenstände diskutiert sowie andererseits verschiedene methodische Herangehensweisen für die Beantwortung der jeweiligen Fragestellungen erörtert.

 

Beiträge des Panels

 

Das Erforschen pädagogischer Praxis

Prof. Dr. Dagmar Bergs-Winkels
Alice Salomon Hochschule Berlin, Deutschland

Der Beitrag bildet den Einstieg in das Symposium und bietet einen allgemeinen Überblick über das Erforschen der pädagogischen Praxis als wichtigen Bereich erziehungswissenschaftlicher Forschung. Deren Ziel ist die Überwindung der Grenze zwischen Wissenschaft auf der einen und pädagogischen Praxis auf der anderen Seite.

Dabei werden das Erforschen der pädagogischen Praxis im Allgemeinen und die Evaluation im Spezifischen als eine am outputorientierte Steuerungsmaßnahmen verstanden. Eine solche Steuerung basiert auf messbaren Bewertungskriterien, die Grundlage für Entscheidungen und Veränderungen sind. Sie impliziert die Möglichkeit, aus Fehlern zu lernen und über die Analyse der Fehler und entsprechenden Veränderungen eine höhere Qualität pädagogischer Projekte, Maßnahmen und Prozessen zu erreichen.

In diesem Sinne nimmt das Erforschen pädagogischer Praxis jeweils eine wissenschaftliche und eine pragmatische Perspektive ein. Durch das „Primat der Praxis“ steht das Erforschen pädagogischer Praxis immer im Spannungsfeld zwischen systematischem wissenschaftlichen Arbeiten und Erkenntnis- und Verwertungsinteresse von Auftraggebenden und Stakeholdern, d.h. den Beteiligten und Betroffenen.

 

Gelingensbedingungen der Digitalisierung in der Erwachsenenbildung und beruflichen Weiterbildung

Lisa Breitschwerdt, Prof. Dr. Regina Egetenmeyer
Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Deutschland

Der Vortrag analysiert die Gelingensbedingungen der Digitalisierung in der Erwachsenenbildung und beruflichen Weiterbildung. Basierend auf einer Literaturanalyse wurde ein Mehrebenenmodell entwickelt (Egetenmeyer et al., 2019), aus dem heraus die Untersuchungsmerkmale abgeleitet wurden. Die Studie orientiert sich methodologisch an der Critical Communicative Method (Gómez et al., 2011) sowie dem gestaltungsorientierten Ansatz (Tulodziecki et al., 2014) und verfolgt damit ein dialogisches Untersuchungsverfahren mit den Praxisfeldern der Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Die Datenbasis wurde in zwei Dachorganisationen und sechs Bildungseinrichtungen generiert. Die Datenerhebung orientiert sich an dem Ansatz der Mixed Methods mit einer Fragebogenerhebung sowie Fokusgruppen und Expert*inneninterviews. Es werden Ergebnisse aus der inhaltsanalytischen Datenanalyse der Fokusgruppen und Expert*inneninterviews vorgestellt.

Literatur

Egetenmeyer, R. et al. (2019). From ‘traditional professions’ to ‘new professionalism’: A multi-level perspective for analysing professionalisation in adult and continuing education. Journal of Adult and Continuing Education, 25(1), S. 7–24.

Gómez, A. et al. (2011). Critical Communicative Methodology: Informing Real Social Transformation Through Research. Qualitative Inquiry, 17 (3), S. 235–245.

Tulodziecki, G. et al. (2014). Gestaltungs- und entwicklungsorientierte Bildungsforschung (Enzyklopädie Erziehungswissenschaft Online EEO). Weinheim: Beltz Juventa.

 

Förderung medienpädagogischer Kompetenzen bei Lehramtsstudierenden – Evaluation eines Intensivpraktikums als Professionalisierungsmaßnahme

Dr. Sarah Lange, Larissa Ade, Daniel Then, Prof. Dr. Sanna Pohlmann-Rother
Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Deutschland

Um Medienkompetenzen bei Lehramtsstudierenden zu fördern, lassen sich Praxisphasen im Studium als Lerngelegenheiten nutzen, die zur Kompetenzentwicklung der Studierenden beitragen können.

Mit dem Ziel, handlungsbezogene Medienkompetenzen bei Studierenden des Lehramts an Grundschulen auszubilden, wurde im Wintersemester 2018/19 an einer bayrischen Universität ein 10-wöchiges Intensivpraktikum am Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik eingeführt. Das Praktikumskonzept basiert darauf, den Studierenden die Möglichkeit zu bieten, selbst entwickelte Unterrichtsszenarien mit und über digitale Medien in diesem geschützten Rahmen zu erproben und somit das Praktikum zur Berufsfelderprobung im Bereich ‚Lehren und Lernen mit digitalen Medien‘ zu nutzen.

Im Rahmen der formativen Evaluation wurde in drei Semestern ab Wintersemester 2018/19 qualitativ-empirisch die Perspektive der Studierenden erhoben. Die Stichprobe umfasste Studierendengruppen aus drei Praktikumskohorten (gesamt N=20), die nach dem Praktikum in leitfadengestützten Gruppeninterviews befragt wurden. Die Auswertung erfolgte anhand der qualitativen Inhaltsanalyse mit deduktiv-induktiver Kategorienbildung. Die Mehrheit der Befragten gibt an, durch das Praktikum ermutigt worden zu sein, digitale Medien in ihrem zukünftigen Unterricht einzusetzen. Zudem zeigen sie ein vertieftes Verständnis für die Potenziale und Anforderungen eines digital gestützten Unterrichts.

 

Identifikation integrations- und empowermentfördernder Gelingensbedingungen pädagogischen Handelns im Kontext von geflüchteten und migrierten Familien

Dr. Tamara Ehmann, Sylvia Klinge, Prof. Dr. Heinz Reinders
Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Deutschland

Insbesondere außerschulische Bildungsangebote stellen Räume der Integrations- und Empowermentförderung von geflüchteten und migrierten Heranwachsenden und deren Familien dar. Auf Grundlage von zwei Begleitstudien im Bereich der außerschulischen Bildungsangebote können Aussagen über integrations- sowie empowermentfördernde Gelingensbedingungen getätigt werden. In beiden Studien kamen sowohl qualitative als auch quantitative Längsschnittstudien zum Einsatz. Hierbei wurden die Projektdurchführenden zur Umsetzung der jeweiligen Gelingensbedingungen sowie ihrer Einschätzung hinsichtlich des Integrations- sowie Empowermentsbestrebens der Teilnehmenden innerhalb ihrer Praxisprojekte befragt.

Die anfangs angenommene theoretische Grundlage pädagogischer Institutionen nach Merkens (2006) konnte durch die durchgeführten wissenschaftlichen Begleitstudien nicht vollumfänglich belegt werden, sodass aufgrund der pädagogischen Praxis eine Theorieerweiterung vorgenommen wurde.

An diesen beiden vorgestellten Begleitstudien soll die eingangs aufgezeigte Gratwanderung des Erforschens von pädagogischer Praxis abschließend reflektiert und forschungsleitende Implikationen insbesondere im Bereich der Verwendung des Transfers von Forschungsergebnissen und dessen Grenzen diskutiert werden.

Literatur

Merkens. H. (2006). Pädagogische Institutionen. Pädagogisches Handeln im Spannungsfeld von Individualisierung und Organisation. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

 

Datum: Dienstag, 15.03.2022
9:00 - 11:30Die Überschreitung von Grenzen des Intimen und Privaten aus pädagogischem Interesse
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 32
 

Chair(s): Prof. Dr. Wilfried Datler (Universität Wien), Prof. Dr. Johannes Gstach (Universität Wien)

Diskutant*innen: Dr. Fürstaller Maria (FH Campus Wien), Dr. Marian Kratz (Universität Koblenz-Landau)

Psychoanalytisch orientiertes Denken und Arbeiten hat sich (1.) mit jenen Bereichen der „inneren Welt“ zu befassen, die Menschen mit Hilfe von Abwehr und Widerstand vor sich selbst zu verbergen versuchen. Es entspricht dem Selbstverständnis psychoanalytischer Forschung und Praxis, an dieser Grenze nicht halt zu machen. Eng verwoben ist damit (2.) die Befassung mit jenen Bereichen des Verhaltens und Zusammenlebens, die dem Blick der Öffentlichkeit meist entzogen sind. Denn um Bildungs-, Beziehungs- und Entwicklungsprozesse besser verstehen und gegebenenfalls auch unterstützen zu können, bedarf es oft tiefgehender Einblicke in familiäre und andere Lebensbereiche, die Fremden zumeist nicht zugänglich sind. In diesem Sinn bewegt sich auch Psychoanalytische Pädagogik häufig an und jenseits dieser Grenzen des Intimen und Privaten. Damit sind gewichtige Legitimationsprobleme sowie rechtliche, ethische und methodische Fragen verbunden, die aus verschiedenen Perspektiven diskutiert werden.

 

Beiträge des Panels

 

Unvermeidbare Konflikte: Die Zuspitzung des Interesses am Privaten und Intimen in der Psychoanalytischen Pädagogik

Prof. Dr. Wilfried Datler1, Prof. Dr. Margit Datler2, Regina Studener-Kuras1
1Universität Wien, 2KPH Wien/Krems

Im Beitrag wird zunächst auf zwei wesentliche Aspekte der Entstehung der Psychoanalyse zurückgeblickt: auf die Annahme einer Grenze zwischen dem Bewussten und dem Unbewussten sowie auf das Bemühen, sich mit diesem Bereich des Unbewussten trotz bestehender Widerstände zu befassen und über Unbewusstes auch dann zu publizieren, wenn dies mit den Personen, über welche publiziert wird, allenfalls zum Teil besprochen werden kann. In Verbindung damit begann sich die „psychoanalytic community“ überdies um möglichst unzensierte Einblicke in familiäre und andere soziale Alltagswelten zu gewinnen, um zu fundierten Aussagen über die Bedeutung und Genese psychischer Strukturen gelangen zu können.

Dieses Arbeiten an und jenseits der skizzierten Grenzen zum Privaten und Intimen zeichnet auch Psychoanalytische Pädagogik im Kontext von Forschung, aber auch in der unmittelbaren Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aus. Damit einher gehen methodische Herausforderungen sowie Spannungen und Konflikte, die eng mit der Frage verbunden sind, mit welchem Recht und in wessen Interesse an und jenseits der skizzierten Grenzen gearbeitet wird oder gearbeitet werden kann. Unter exemplarischer Bezugnahme auf Fallmaterialien wird die Relevanz der Unterscheidung zwischen Einwilligung, Zustimmung und Arbeitsbündnis diskutiert und erläutert, weshalb es darüber hinaus die Kategorie der verantworteten Schuld zu bemühen gilt. Bezüge zu den nachfolgenden Beiträgen werden hergestellt.

 

Vom Überschreiten intimer Grenzen im Kontext von Erziehungshilfe und Forschung: Young Child Observation in Familien und Eltern-Kleinkind-Gruppen

Christin Reisenhofer, Dr. Kathrin Trunkenpolz
Universität Wien

Unter Bezugnahme auf langjährige Erfahrungen mit der Beobachtung von Kindern in Familien und Kindertagesstätten wird von einem aktuellen Forschungsprojekt berichtet, das in Wien in Kooperation mit den Instituten für Erziehungshilfe (Child Guidance Clinic) und dem Österreichischen Verein für Individualpsychologie (ÖVIP) durchgeführt wird. Im Zentrum steht das Angebot einer „Eltern-Kleinkind-Gruppe” nach dem Konzept der „Parent-Toddler Groups“ des Anna Freud Centers in London sowie dessen wissenschaftliche Begleitung. Diese dient der Untersuchung der Frage, welche Erfahrungen Eltern und Kinder in der Gruppe machen, welche dadurch angestoßenen Veränderungen sich in der Familie ergeben und welche Folgen dies für die Entwicklung der Kinder hat. Im Rahmen eines multiperspektivischen Forschungsansatzes kommt Young Child Observation nach dem Tavistock-Konzept in den Gruppen sowie in den Familien zum Einsatz. Da die Familien über – mitunter konflikthaft erlebte – Erfahrungen mit der Kinder- und Jugendhilfe verfügen, ergeben sich für alle Beteiligten besonders gewichtige Fragen bezüglich des intendierten Überschreitens von privaten und intimen Grenzen. Im Vortrag wird aus der Perspektive des universitären Forschungsteams unter Einbeziehung von Fallmaterial diskutiert, was für das gewählte Forschungsvorgehen spricht, welche Bedeutung den Vorerfahrungen der Familien zukommt und welche methodischen Überlegungen bereits in den Anbahnungsprozessen zum Tragen kommen.

 

An den Grenzen des „informed consent“: Die Veröffentlichung von Kasuistischem im Spannungsfeld von Verpflichtung, Schuld, Angst und Selbstzensur

Prof. Dr. Michael Wininger
Bertha von Suttner Privatuniversität (St. Pölten), Wiener Psychoanalytische Vereinigung (WPV)

Der Veröffentlichung von Fallmaterial führt in der Psychoanalyse generell und in der Psychoanalytischen Pädagogik im Speziellen 1.) zur Entwicklung von Theorien und dient 2.) der Verdeutlichung von konkretem Handeln und dessen Folgen. Es entspricht daher dem psychoanalytisch-pädagogischen Gegenstand und Erkenntnisinteresse, dass in Studien nach dem Besonderen des Einzelfalls gefragt wird. Weil dabei dem Unbewussten und Abgewehrten besondere Beachtung geschenkt wird, handeln Forschungsergebnisse oft von intimen Aspekten, die mit den Akteuren der untersuchten Prozesse nur begrenzt besprochen und kommunikativ validiert werden können. Gilt es Forschungsergebnisse zu publizieren, führt dies zu Spannungen zwischen Publikationswünschen und -verpflichtungen und der (potentiellen) Verletzung von Intimitätsgrenzen und Verschwiegenheitsregeln. In der Psychoanalyse wird dazu ein differenzierter Diskurs geführt, der auf den Bereich der Psychoanalytischen Pädagogik bezogen wird. Es werden Strategien zum Umgang mit der beschriebenen Problematik sowie deren Vor- und Nachteile vorgestellt. Die Beachtung empfohlener Vorgangsweisen befreit Wissenschaftler*innen aber nicht davon, sich mit eignen Emotionen zu befassen, die mit dem Publizieren psychoanalytisch-pädagogischer Forschungsergebnisse verbunden sind. Es wird dafür plädiert, neben narzißtischen Aspekten vor allem die Befassung mit Emotionen wie Angst, Schuld oder Scham als Bestandteil wissenschaftlicher Professionalität zu begreifen.

 
14:00 - 16:00Positionierungen von Kindern und kindheitspädagogischen Fachkräften im Kontext von generationaler Ordnung und sozialer Ungleichheit – Ethnografische Perspektiven im Gespräch
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 32
 

Chair(s): Dr. Stephanie Spanu (TU Dortmund, Deutschland)

Die Arbeitsgruppe betrachtet theoretische und empirische Perspektiven auf Positionierungen in der Kindheit. Dabei wird das Arbeiten an Grenzen aus drei verschiedenen Perspektiven diskutiert: Inhaltlich über die generationale Ordnung und soziale Ungleichheit, disziplinär über die Verortung in Kindheitspädagogik und-soziologie und methodisch über verschiedene ethnografische Forschungsansätze.

Positionierungen können als diskursiver Prozess verstanden werden, in dem sich Individuen selbst und anderen Positionen zuweisen.

Mit diesem Zugriff entfaltet sich wiederum ein komplexes Verhältnis zwischen den Praktiken des Positionierens, der Fremd- und Selbstpositionierungen von Kindern und Fachkräften beziehungsweise dem Verhältnis sozio-struktureller Positioniertheiten der Kinder (und deren Eltern). Diese beiden Spannungsfelder werden in der Arbeitsgruppe in zwei Vorträgen beleuchtet und anschließend zur Diskussion gestellt.

 

Beiträge des Panels

 

Entgrenzendes Sprechen über Benachteiligung und Position(ierung)en im kindheitspädagogischen Alltag

Dr. Sylvia Nienhaus1, Sebastian Amann2, Anja Kerle3
1Universität Osnabrück, 2Katholische Hochschule NRW, 3Universität Hildesheim

Der vorliegende Beitrag greift den Schwerpunkt der Arbeitsgruppe anhand von Selbst- und Fremdpositionierungen auf und thematisiert anhand von drei qualitativ-rekonstruktiven Perspektiven unterschiedliche Facetten und Möglichkeiten des Sprechens-über und des Sprechens-mit benachteiligten Kindern und Familien.

Im ersten Input werden ausgehend von der bildungspolitisch proklamierten Relevanz von Kindertagesstätten zum Abbau sozialer Ungleichheiten das Aufrufen von Vorurteilen durch verschiedene Akteur_innen gegenüber potenziell benachteiligten Kindern und ihren Familien anhand von Interviewdaten genauer beleuchtet.

Das Sprechen-über Armut kann, so argumentiert der zweite ethnographische Input, als Schauplatz der Inszenierung anerkennbarer pädagogischer Praxis gedeutet werden. Diskutiert wird außerdem der besondere Stellenwert von Grenzen und Grenzverschiebungen in Familienzentren.

Ausgehend von zentralen Desideraten der kindheitspädagogischen Forschung im Kontext von Kinderarmut werden im dritten Input Überlegungen und Erprobungen zu einer ethnographischen armutsbezogenen und kinderrechtsbasierten Forschung mit jungen Kindern vorgestellt.

 

Fluide Positionierungen. Ab- und Entgrenzungen in der Interaktion von Akteur_innen frühkindlicher Einrichtungen.

Teresa Erlenkötter1, Laura von Albedyhll2
1Universität Siegen, 2Pädagogische Hochschule Weingarten

Der erste Beitrag thematisiert generationale Positionierungsprozesse (Machold, 2018) von Kindern und pädagogischen Fachkräften und betrachtet den alltäglichen Vollzug dieser Praktiken. Bezugnehmend auf die Diskussion um Übernahme und Abgrenzung von normativen Anforderungen durch die Akteur_innen (Meseth et.al., 2019) machen wir durch mikroanalytische Beobachtungen von Interaktionen Positionierungen sichtbar.

Die fluiden Aushandlungsprozesse, die unterschiedliche Positionierungen in Interaktionen ermöglichen, und so zu einer Verortung in dem generationalen Verhältnis der Teilnehmenden führen (Lange, 2013), werden dabei nicht nur verbal ausgetragen. Auch durch den Einbezug von Dingen werden Grenzen stets neu gesetzt, ausgehandelt oder überwunden (Nohl, 2013). Durch den Gebrauch der Dinge im Vollzug werden Positionierungen von Akteur_innen zueinander verortet (Rabenstein, 2018).

Anhand von ethnografischen Beobachtungsprotokolle aus zwei verschiedenen Forschungsprojekten, die hier gemeinsam diskutiert werden, fragen wir wie Fachkräfte und Kinder die Rolle, die ihnen qua Institution, im Sinne „guter Kindergartenkinder“ und „guter pädagogischer Fachkräfte“ zugewiesen wird, in das Interaktionsgeschehen einbringen oder aussetzen. Wir zeigen Hinweise, wie generationale Grenzsetzungen durch den Bezug auf die Dinge in diesen Interaktionen sichtbar werden.

 

Datum: Mittwoch, 16.03.2022
9:30 - 11:30Institutionelle Begrenzungen? Forschungsperspektiven auf die De-/Institutionalisierung des Pädagogischen
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 32
 

Chair(s): Prof. Dr. Anja Tervooren (Universität Duisburg-Essen, Deutschland), Prof. Dr. Fabian Kessl (Bergische Universität Wuppertal), Prof. Dr. Claudia Machold (Bergische Universität Wuppertal), Prof. Dr. Nicolle Pfaff (Universität Duisburg-Essen), Prof. Dr. Martina Richter (Universität Duisburg-Essen)

Diskutant*innen: Dr. Stephan Dahmen (Universität Bielefeld), Prof. Dr. Nicolas Engel (Goethe-Universität Frankfurt)

Die Moderne ist durch die Institutionalisierung des Pädagogischen innerhalb von sich mehr und mehr ausdifferenzierenden, untereinander kontrastierenden pädagogischen Feldern gekennzeichnet, in denen sich aktuell eine widersprüchliche, in manchen Feldern gegenläufige Verschränkung von Institutionalisierung und Deinstitutionalisierung abzeichnet. Allerdings wird letztere eher selten thematisiert. Im Forschungsforum wird diese Gleichzeitigkeit als De-/Institutionalisierung in den Mittelpunkt gestellt und flexible Begrenzungen des Pädagogischen in systematischer und methodologischer Perspektive exemplarisch bezogen auf die pädagogischen Felder der Jugendhilfe und der Bildung in der frühen Kindheit diskutiert. Dabei wird das Desiderat einer erziehungswissenschaftlichen Institutionalisierungstheorie ausgeleuchtet, die auf dem Vergleich und der qualitativen Erforschung unterschiedlicher pädagogischer Felder aufbaut.

 

Beiträge des Panels

 

Institutionalisierung als Ringen um Passung. Perspektiven einer erziehungswissenschaftlichen Institutionalisierungsforschung

Prof. Dr. Fabian Kessl
Bergische Universität Wuppertal

Institutionalisierung in pädagogischen Kontexten lässt sich über die Modi der Verrechtlichung und Professionalisierung sowie der Routinisierung von pädagogischer Praxis und deren Organisation fassen (vgl. Honig 2002). Vor diesem Hintergrund wird eine systematische Perspektive für die erziehungswissenschaftliche Institutionalisierungsforschung am Beispiel der Jugendhilfe ausgeleuchtet und das alltägliche Tun der beteiligten Akteur:innen als Praxis und Organisation der Institutionalisierung gefasst (Münchmeier 1992). In einer rekonstruktiven Analyse ist diese Praxis als Ringen um Passungsverhältnisse zu identifizieren: erstens auf der Ebene der pädagogischen Interaktion als Passung zwischen Erbringung und Inanspruchnahme, zweitens der Ebene der pädagogischen Organisation als Passung zwischen Leitungsinteressen und Fallbearbeitung und drittens jener der Allokation und politischen Legitimation als Passung zwischen Leistungsauftrag und organisational-fachlicher Ausgestaltung. In dem Ringen der beteiligten Akteur:innen um die notwendigen Passungsverhältnisse auf diesen Ebenen zeigen sich nicht nur Form und Inhalt der Praxis und Organisation institutionalisierter Bildung und Erziehung. Vielmehr lassen sich hier auch die widersprüchliche Gleichzeitigkeit von Institutionalisierungsprozessen und Deinstitutionalisierungsdynamiken ebenso wie die politische und kulturelle Auseinandersetzung um die institutionellen Grenzen und Begrenzungen pädagogischer Praxis und Organisation analysieren.

 

De-/Institutionalisierung als methodologische und methodische Herausforderung. Perspektiven ethnographischer Zugänge zur frühen Kindheit

Prof. Dr. Claudia Machold1, Prof. Dr. Anja Tervoooren2
1Bergische Universität Wuppertal, 2Universität Duisburg-Essen

Prozesse der Institutionalisierung von Kindheit stellen seit jeher einen der zentralen Bezugspunkte der sozial- und erziehungswissenschaftlichen Kindheitsforschung dar. Gerade im Feld der frühen Kindheit lassen sich im Zuge des Ausbaus der Kindertagespflege und ihrer Diversifizierung eine zunehmende Verrechtlichung, Routinisierung und Professionalisierung beobachten. Wird in der Kindheitsforschung bereits vor einem „methodologischen Institutionalismus“ gewarnt (Eßer & Schröer, 2019), ist dennoch bisher nicht in den Blick gekommen, dass dieser Institutionalisierungsschub auch von Formen der Deinstitutionalisierung begleitet wird (Tervooren 2021). Ausgehend von kindheitstheoretischen Betrachtungen wird der Frage nachgegangen, wie die Perspektive der De-/Institutionalisierung methodologisch erarbeitet und methodisch umgesetzt werden kann. Dabei wird die „Institutional Ethnography“ (Smith 2005) als Forschungszugang vorgeschlagen, der sich empirisch mit der Bedingtheit von Handeln in und durch institutionelle Kontexte befasst. Sein Potenzial für eine Empirie der De-/Institutionalisierung des Pädagogischen wird am Beispiel der im Feld der Kindertagespflege vor dem Hintergrund der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention beobachtbaren Prozesse der De-/Institutionalisierung ausgelotet. In den Blick kommen damit auch Veränderungen in der Art und Weise, wie Normalitäten in früher Kindheit konstruiert und Klassifikationen organisiert und prozessiert werden.

 
14:00 - 16:00„Wovon wir reden…? – Eine disziplinübergreifende Diskussion zwischen Fachdidaktiken, Erziehungswissenschaft und Inklusionstheorie“
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 32
 

Chair(s): Prof. Dr. Michael Ritter (Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Simone Seitz (Freie Universität Bozen, Italien)

Betrachtungen und Analysen schulischer Inklusion gehören zu den zentralen Themen der Fachdidaktiken. Die einzelnen Felder der fachdidaktischen Inklusionsforschung sowie der erziehungswissenschaftlichen Forschung zum Fachunterricht haben eine Reihe spezifischer Befunde zu den Wechselbeziehungen von Inklusions- und Fachdidaktik, zu unterrichtspraktischen Überlegungen, zur Diagnostik und zur Professionalisierung von Lehrkräften hervorgebracht, während parallel der Fachunterricht selbst zum Gegenstand (rekonstruktiver) Inklusionsforschung wurde. Damit geht jedoch eine Fragmentierung der fachdidaktischen Inklusionsforschung einher, die zu einer Rekontextualisierung der Inklusionsthematik in eigener fachspezifischer Logik führt. Hier setzt der Beitrag an, indem epistemologische Verortungen, wechselseitige Bezugnahmen, empirische Befunde und sich ergebende Herausforderungen zum inklusiven Unterricht in den Fächern Deutsch, Mathematik, Religion und Kunst vergleichend diskutiert werden.

 

Beiträge des Panels

 

Inklusion und Religionspädagogik

Prof. Dr. Ulrike Witten
Universität Bielefeld

Die Religionspädagogik (RP) legt viel Wert darauf, mehr als eine Fachdidaktik Religion zu sein und nimmt dementsprechend breit die Lernorte religiöser Bildung, Erziehung und Sozialisation sowie der Lebensalter in den Blick – das gilt auch für ihr Verständnis von Inklusion. In ihrer Auseinandersetzung mit Inklusion konnte die RP auf die Traditionen der integrativen RP zurückgreifen, was zu einer recht frühen Auseinandersetzung mit Inklusion führte, die jedoch auf Menschen mit Behinderung konzentriert war.

RP beansprucht, sowohl Menschenbilder und Begründungsmuster als auch ideologiekritische Unterscheidungen in den Inklusionsdiskurs einzuspielen. Das führt zu einem Verständnis, RP sei zur Inklusion prädestiniert, zur Überzeugung der Gleichwertigkeit von Lernprozessen, der Annahme, Inklusion sei vor allem eine Haltungsfrage seitens der professionals als auch zu einer kritischen Sichtung des Inklusionsdiskurses. Ebenso liegen sehr elaborierte religionspädagogische „Übersetzungen“ der Inklusionstheorie vor, wie z.B. die inklusive RP der Vielfalt.

Kritisch ist anzumerken, dass sich die empirischen Hinweise häufen, dass Schüler*innen in Abhängigkeit von verschiedenen Differenzkategorien (Geschlecht, Milieu und religiöse Sozialisation) nicht gleichermaßen von den Angeboten des Religionsunterrichts profitieren, sondern es zu Differenzsetzungen und Exklusionen kommt, was hinsichtlich des Inklusionsdiskurses jedoch noch nicht ausreichend reflektiert wird.

 

Sprachlich-literarisches Lernen zwischen Kompensation und Diversifizierung

Prof. Dr. Michael Ritter
Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg

In der Deutschdidaktik erfolgt der Anschluss an die Terminologie der Inklusiven Pädagogik seit 2013 (z.B. Ritter & Hennies, 2013; Pompe, 2015; Hochstadt & Olsen 2019), die konzeptionelle Arbeit knüpft aber an bestehende Theoriestränge an, die auf Basis soziologischer Exklusionskategorien (Milieu, Gender, Migration/DaZ) fachbezogene Differenz als ontologisches Problem modellieren. Dabei dominieren kompensatorische Ansätze, die im Zuge der großen Leistungsvergleichsstudien (PISA, IGLU) oft das Konstrukt Lesekompetenz in den Blick rücken. Demgegenüber finden sich auch Publikationen, die einen diversifizierenden Ansatz vertreten und eher auf das Potenzial von adaptiven und flexibel elaborierbaren Unterrichtsangeboten verweisen. Eine sozialkonstruktivistische Perspektive auf die Konstruktion von Heterogenität ist dabei eher marginal.

Insofern bewegt sich die inklusive Deutschdidaktik auch im Spannungsverhältnis didaktisierter Konzepte differenzierten Unterrichts und (schrift-)kultureller Ansprüche an das kommunikativ-pragmatische und literar-ästhetische Sprachhandeln; zunehmend auch unter dem Eindruck der Digitalisierung. Die Theorietraditionen einer heterogenitätssensiblen Sprachbildung und die tradierten Schwerpunkte der Deutschdidaktik hier noch stärker an die Terminologien und Paradigmen der Inklusiven Pädagogik anschlussfähig zu machen, stellt sich als zentrale Herausforderung heraus.

 

Inklusion – (k)ein Kunststück

Dr. Michaela Kaiser
Universität Potsdam

Seit den 1980er Jahren ist in der Kunstdidaktik eine Abwendung von den sachorientierten Zugängen zugunsten einer Hinwendung zu den subjektorientierten Zugängen zu verzeichnen, die in den 1990er und frühen 2000er Jahren mit Konzepten wie dem der Künstlerischen Bildung sowie der Ästhetischen und Künstlerischen Forschung abermals an Bedeutung gewonnen haben. Mit ebendieser Subjektorientierung wird in der Kunstdidaktik auch den Herausforderungen der schulischen Inklusion begegnet und es werden von hier aus Konzepte und kunstunterrichtliche Szenarien entwickelt, die ihren Fokus auf die Individualisierung künstlerischer Lernwege richten, hierbei aber weder inklusionsdidaktische Theorien reflektieren noch die Frage nach ko-konstruktivem Lernen berühren, gleichwohl sowohl die rezeptiven als auch die produktiven Anteile im Kunstunterricht hier Anknüpfungspunkte böten. Eine differenzversierte Reflexion kunstdidaktischer Unterrichtspraktiken und Fachkulturen, die im Sinne eines professionellen Umgangs mit der Heterogenität von Lernenden dringend geboten scheint, steckt mit wenigen Ausnahmen jedoch in den Anfängen, was sich mitunter auf den regelmäßig zu findenden Rekurs auf die Geschichte der Outsider Art begründet. Hier sind die Anschlüsse zu einer (rekonstruktiven) Inklusionsforschung zu suchen und es stellt sich die Frage nach professionalisierungsbezogenen den Implikationen für die Rolle von Kunstlehrkräften, die im Rahmen der Arbeitsgruppe zur Diskussion gestellt werden sollen.

 

Differenz und Differenzierung – Mathematisches Lernen im Kontext von Inklusion und Ungleichheit

Dr. Timo Dexel
Bergische Universität Wuppertal

Die Auseinandersetzung mit Inklusion erfolgte in der Mathematikdidaktik zunächst zögerlich, mittlerweile sind einige empirische/theoretische Studien sowie praxisorientierte Vorschläge zum inklusiven Mathematikunterricht veröffentlicht worden. Dabei fällt im deutschsprachigen Diskurs auf, dass v.a. die Entwicklung von geeigneten Aufgaben, die leistungsbezogene Differenzierungsmöglichkeiten bieten, im Fokus steht. Hier wird an Diskurse der 90er Jahre angeknüpft, die in der Mathematikdidaktik im Kontext von offenem Unterricht geführt wurden. Beiträge hingegen, die sich mit den Ansprüchen von Inklusion und diesbezüglich tiefgreifenden theoretischen wie praktischen Konsequenzen problematisierend auseinandersetzen, oder aber die grundsätzliche Frage nach Exklusion durch den Mathematikunterricht stellen, sind eher selten. Auf der anderen Seite werden mit inklusionsdidaktischen Konzeptionen wie der „entwicklungslogischen Didaktik“ grundsätzliche bildungstheoretische Positionen des Mathematikunterrichts in Frage gestellt. Eine Herausforderung für die Mathematikdidaktik besteht also darin, Ursachen und Folgen von Ungleichheit durch den Mathematikunterricht zu erforschen und zu reflektieren. Zudem müsste zu den Erkenntnissen und Positionen der erziehungswissenschaftlichen Inklusionsforschung begründet Stellung bezogen und in mathematikdidaktische Theoriebildung ggf. miteinbezogen werden.