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Sitzungsübersicht
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 19
949 8077 2260, 267441
Datum: Montag, 14.03.2022
14:00 - 16:30Kontingenzen ableistischer Grenzen in schulischen Programmatiken und Praktiken
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 19
 

Chair(s): Prof. Dr. Anja Hackbarth (Johannes-Gutenberg Universität Mainz, Deutschland), Dr. Benjamin Wagener (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Lisa Pfahl (Universität Innsbruck)

Dem schulischen Erziehungs- und Bildungssystem liegen normative Legitimationen fähigkeitsbezogener Grenzziehungen und damit auch von Normalitäts- und Abweichungskonstruktionen zugrunde, die sich mittels des heuristischen Rahmens der Disability Studies in Education als ableist divide identifizieren lassen. In dem Symposium werden diese ableistischen Grenzen entlang schulischer Programmatiken und / oder Praktiken vergleichend betrachtet und im Hinblick auf Kontingenzen, Behinderungen und Teilhabe diskutiert. Dafür werden in den praxeologisch oder diskursanalytisch angelegten Einzelvorträgen transnationale (Vergleich unterrichtlicher Interaktionen in der Schweiz und in Kanada), nationale (Schulcurricula in Österreich) als auch regionale (kleinräumige Schulprofilierungen) Analysefokusse entfaltet. Diese werden abschließend von Prof. Dr. Lisa Pfahl aus der Perspektive der Disability Studies in Education diskutiert.

 

Beiträge des Panels

 

Professionelles Handeln zwischen Individualisierung und Pathologisierung im inklusiven Fachunterricht

Dr. Benjamin Wagener
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Anhand von Videographien des Fachunterrichts in inklusiven Sekundarschulklassen in der Deutschschweiz untersucht der Beitrag das (Spannungs-)Verhältnis von (Identitäts-)Norm und Praxis im Interaktionssystem Unterricht. Die Interaktion zwischen den Schulischen Heilpädagog:innen und den Schüler:innen mit zugeschriebenem „besonderem Bildungsbedarf“ kennzeichnet eine primäre Rahmung durch Pathologisierung und Konstruktion ‚behinderter’ Identität, die durch Absprache eigenverantwortlichen Handelns und partieller Suspendierung der Leistungsordnung und somit der sozialen Schüler:innen-Identität charakterisiert ist. Im Mathematikunterricht steht die stigmatisierende Identitätskonstruktion einem primär sachbezogenen und individualisierenden Typus gegenüber, der mit einer gesteigerten Erwartung an die Eigenverantwortung der Schüler:innen ohne attestierten besonderen Bildungsbedarf einhergeht und Zugriffe auf ihre Person vermeidet. Dies geht zugleich mit fehlenden Anschlüssen an die persönlichen Sachzugänge einher, was das Risiko des Ausschlusses aus dem (gemeinsamen) Unterricht, in dem die Sache als standardisiert hervorgebracht wird, erhöht. Die rekonstruierbare handlungspraktische Grenzziehung zwischen Nicht_Pathologisierung (im soziologischen Sinne) und Nicht_Leistungsfähigkeit eröffnet Anschlüsse an normative Fragen pädagogischer Professionalität im Kontext von Inklusion/Exklusion.

 

Konstruktion von Leistungsdifferenzen im Mathematikunterricht der Sekundarstufe – ein internationaler Vergleich professionalisierter Praxen ein- und mehrgliedriger Schulsysteme

Prof. Dr. Tanja Sturm
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

In dem Beitrag sollen Rekonstruktionen, die auf Basis von Videografien im Mathematikunterricht kanadischer Sekundarschulen generiert wurden, vorgestellt und mit denen des Beitrags von Vortrag 1 verglichen werden. Die im Projekt „Soziale Genese unterrichtlicher Praxen der Konstruktion von (Leistungs-)Differenzen im transnationalen Vergleich“, das in der Praxeologischen Wissenssoziologie verankert ist, generierten Ergebnisse zeigen, dass sich der Mathematikunterricht in mehr- wie in eingliedrigen Schulkontexten durch eine primäre Rahmung der Sachorientierung auszeichnet. Neben dieser Homologie unterscheiden sich damit verbundene unterrichtliche Bewertungspraxen: während in der Deutschschweiz nicht nur die Produkte (z.B. mathematische Rechnung), sondern auch die Schüler:innen, die sie erstellt haben, bewertet werden, weist das kanadische Sample keine vergleichbare Identitätskonstruktionen auf. Fehlerhafte Produkte stellen in den kanadischen Praxen Anlass für versachlichte Erläuterungen dar. Vergleichbare ableistische Grenzziehungen liegen also nicht vor. Eine soziogenetische Erklärung für die unterschiedlichen konstituierenden Rahmungen der Praxen liegt in den kodifizierten Leistungsverständnissen der Schule: während individuelle Leistungszuschreibungen im mehrgliedrigen Schulsystem Grundlage für die Legitimation von Allokationsentscheidungen und damit verbundenen ableistischen Grenzziehungen darstellen, ist dies in eingliedrigen Systemen nicht vergleichbar gegeben.

 

Curriculum und Fähigkeit

Prof. Dr. Tobias Buchner
PH Oberösterreich

Curricula stellen ein politisches Programm dar, über welches die Parameter der Subjektproduktion an Schulen geregelt werden sollen. So findet sich darin festgelegt, welches Wissen und welche Fähigkeiten an Schulen erworben werden sollen – um die gesellschaftlich benötigten, ‚erwünschten Bürger*innen‘ zu produzieren. Darüber werden implizit auch fähigkeitsbezogene Konstruktionen von ‚Normschüler*innen‘ vollzogen – und damit verwobene Grenzziehungen nahegelegt.

Bezugnehmend auf das Konzept des ‚Ableism‘ wird im Beitrag das Zusammenspiel von Fähigkeit und Curricula untersucht. Dazu wird im Rahmen einer diskursanalytischen Herangehensweise der Frage nachgegangen, welche unterschiedlichen Fähigkeitserwartungen sich in verschiedene Lehrpläne der Sekundarstufe I in Österreich eingeschrieben finden – und aufgezeigt, welche Normalitätskonstruktionen sowie Behinderungen von Teilhabe darüber impliziert werden.

So werden die in Curricula der Gymnasien, Mittel- sowie der Sonderschulen eingelagerten, unterschiedlich konnotierten fähigkeitsbezogenen Grenzziehungen herausgearbeitet. Dabei wird aufgezeigt, wie über fähigkeitsbezogene Konstruktionen ein grundlegender ‚great divide‘ im Sinne einer qua curricularer Definitionen nahegelegten Unterteilung in nicht_normal zwischen Schüler*innengruppen forciert wird - aber auch wie Hierarchisierungen oberhalb des ‚ableist divide‘, zwischen Schüler*innen der Gymnasien und der Mittelschulen, nahegelegt werden.

 

Räumliche Konstituierung von Normalität und Abweichung

Prof. Dr. Anja Hackbarth1, Dr. Patricia Stošić2
1Johannes-Gutenberg Universität Mainz, 2Goethe-Universität Frankfurt

Im folgenden Beitrag wird die räumliche Konstituierung von Normalität und Abweichung als fähigkeitsbezogene Grenzziehung auf der Ebene von Einzelschulen im Bildungsraum reflektiert. Der Bildungsraum lässt sich dabei raumtheoretisch (u.a. Löw 2001) als Konstellationen von Schulen verstehen, die durch die Platzierung von Schulen an bestimmten Orten und durch spezifische Praktiken (z.B. der Schulprofilierung) hervorgebracht werden. Vorgestellt werden machtvolle einzelschulbezogene Grenzziehungen, die aus dokumentarisch analysierten Interviews mit Schulleitenden sowie mit Eltern von Kindern mit sonderpädagogischen Förderbedarfen aus dem vom BMBF geförderten Projekt "Lokale Konstellationen inklusiver Bildung. Wissen, Handeln, Organisation im Bildungsraum (LoKoBi)" rekonstruiert wurden. Diesen expliziten fähigkeitsbezogenen Grenzsetzungen unterliegen Normalitäts- und Abweichungskonstruktionen, die insbesondere an den Rändern der Grenzen sowohl kontingent als auch fluide aufscheinen, was wiederum neue Optionen von Zugängen als auch von Ausschlüssen schafft.

Literatur

Löw, M. (2001). Raumsoziologie. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

 

Datum: Dienstag, 15.03.2022
9:00 - 11:30Entgrenzung als (neue) Anforderung an den Lehrberuf?
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 19
 

Chair(s): Ralf Parade (Universität Kassel, Deutschland), Lea Kallenbach (Universität Rostock), Magdalena Förster (Universität Erfurt), Mia Lücke (Universität Hannover), Dr. Wilfried Göttlicher (Masaryk University)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Thomas Häcker (Universität Rostock)

Vor dem Hintergrund umfassender gesellschaftlicher Wandlungsprozesse wird in den Sozialwissenschaften seit Längerem eine Entgrenzung von Arbeit konstatiert, die im Leittypus des „Arbeitskraftunternehmers“ (Voß & Pongratz 1998) oder der imperativischen Anrufung des „unternehmerischen Selbst“ (Bröckling 2007) kulminiert. Mit Blick auf seine eigentümliche Strukturbeschaffenheit stellt sich nun die Frage, inwiefern auch der Lehrberuf von derartigen Transformationsprozessen betroffen ist und ,Entgrenzung‘ damit zu einer (neuen) Anforderung an den Lehrberuf wird. Im Symposium wird sich dieser Frage sowohl theoretisch als auch anhand empirischen Materials aus Perspektive der Schulentwicklungs-, der Professions- sowie der historischen Bildungsforschung angenähert.

 

Beiträge des Panels

 

Resonanz und Entfremdung in der Schule – Professionalisierung im Kontext gesellschaftlicher und organisationaler Beschleunigung

Lea Kallenbach1, Magdalena Förster2
1Universität Rostock, 2Universität Erfurt

An der Schnittstelle von Schulentwicklungs- und Professionalisierungsforschung entsteht die Frage, wie die Dynamiken der fortwährenden Beschleunigung, Innovationsverdichtung und Effizienzsteigerung in modernen Gesellschaften (Rosa 2005; 2016) die Organisation Schule und das professionelle Lehrer*innenhandeln strukturieren. Formen der Neuen Steuerung (Altrichter & Maag Merki 2016) sind eine Antwort auf Ebene der Organisation: Schulen als teilautonome Organisationen sollen im Rahmen systematischer Schulentwicklung möglichst flexibel und effizient auf diese Veränderungen reagieren. Gleichzeitig werden Erwartungshorizonte an den schulischen Output standardisiert (vgl. Altrichter et al. 2016, 243). Allein in diesen Prozessen lassen sich Entgrenzungstendenzen feststellen.

Mit Blick auf Professionalisierung sind hier strukturtheoretische Überlegungen anschlussfähig, die die Fragen aufwerfen, wie Lehrkräfte die oben skizzierten Spannungsverhältnisse aus der Gleichzeitigkeit der widersprechenden Anforderungen ausbalancieren bzw. mit diesen Entgrenzungstendenzen umgehen und was das für das Relationsgefüge von Lehrkraft und Schule bedeutet. Hierfür beziehen wir uns auf einen weltbeziehungssoziologischen Ansatz (Rosa 2016), der mit den beiden Modi der Resonanz und Entfremdung eben genau dieses Relationsgefüge differenzierter als bisher üblich beschreibbar macht. Exemplarisch werden unsere Überlegungen anhand eigener Forschungsergebnisse (Gercke i. E.; Kallenbach i. E.) illustriert.

 

Entgrenzung und Grenzsetzung im Kontext schulischer Inklusion – Erfahrungswissen Studierender verschiedener Lehramtsstudiengänge  

Mia Lücke
Universität Hannover

Inklusion als die zentrale schulische Reformmaßnahme der letzten 12 Jahre verändert nicht nur das Verständnis von Schule und Unterricht, sondern stellt alle Akteur*innen des Systems Schule vor veränderte Anforderungen und Aufgaben (vgl. Schwohl & Sturm 2010, 14). In diesem Kontext wird Inklusion im zweiten Vortrag als gegenwärtige Handlungsanforderung an den Lehrer*innenberuf herausgegriffen und am empirischen Material untersucht, welche Entgrenzungen und Grenzsetzungen Lehramtsstudierende im Hinblick auf die Anforderungen schulischer Inklusion erfahren. Ausgangspunkt dafür ist, dass sich bereits Lehramtsstudierende – wenn auch nur antizipatorisch – mit veränderten Anforderung von Schule und Unterricht konfrontiert fühlen (vgl. Junge 2020, 249), sie jedoch nicht oder nur begrenzt über handlungsleitendes Erfahrungswissen zur Bewältigung dieser Anforderungen verfügen. Daraus resultiert ein Transformationsdruck bestehender Erfahrungsstrukturen. Vor diesem Hintergrund ist für den Vortrag insbesondere von Interesse, welche der von den Lehramtsstudierenden wahrgenommenen Entgrenzungen sowie Grenzsetzungen als von der eigenen Person ausgehend oder als fremdbestimmt erfahren werden. Die herangezogenen Daten entstammen Gruppendiskussionen mit Studierenden des sonderpädagogischen und des gymnasialen Lehramts, welche unter Anwendung der dokumentarischen Methode (vgl. Bohnsack 2014) rekonstruiert wurden.

 

Erschöpftes Lehrpersonal zwischen Selbstverwirklichung und Entgrenzung

Ralf Parade
Universität Kassel

Über epidemiologische Befunde zu Belastungsfolgen in der spätmodernen Arbeitswelt und ein vermehrtes Auftreten psychischer Erkrankungen im Zuge gesellschaftlicher Transformationsprozesse wird diffizil gestritten (vgl. etwa Dornes 2016; Fuchs et al. 2018). Gleichzeitig besitzen sozialwissenschaftliche Fragen nach den Auswirkungen von entgrenzter Arbeit und damit verbundenen Subjektidealen (vgl. Bröckling 2007; Ehrenberg 2008; Reckwitz 2019) in der Spätmoderne eine derartige Brisanz, dass sie auch mit Blick auf den Lehrberuf Berücksichtigung finden sollten. Zumal auch hier empirische Belege vorzuliegen scheinen, die eine Zunahme des subjektiven Belastungsempfindens sowie ein erhöhtes Burnoutrisiko bei Lehrpersonen konstatieren (vgl. Klusmann & Waschke 2018; Hardwig & Mußmann 2018; Hansen et al. 2020; Seibt & Kreuzfeld 2021). Für den Beitrag wurden im Rekurs auf das Theoriegebäude der Hermeneutischen Wissenssoziologie (vgl. etwa Soeffner 1989; Hitzler et al. 1999) sowie seine diskurstheoretische Erweiterung (vgl. Keller 2011; Bosančić et al. 2019) Biographie- und Diskursanalysen trianguliert, um die subjektivierende Wirkmacht gesellschaftlich objektivierter und in Diskursen zirkulierender Wissensbestände auf erschöpftes und als solches auch medizinisch pathologisiertes Lehrpersonal zu untersuchen.

 

Sozialarbeiter, Fürsorgerin, Heimatforscher und Pionier der Zukunft. Entgrenzungen zwischen Arbeit und Freizeit in Deutungen zur Berufsrolle von Landlehrern und -lehrerinnen, Österreich 1918-1945

Dr. Wilfried Göttlicher
Masaryk University

Deutungen der Berufsrolle von Lehrer*innen, die auf eine Entgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit hinauslaufen, sind kein auf die Gegenwart begrenztes Phänomen. Das soll im vorgeschlagenen Beitrag am Beispiel der Debatte über die österreichische Landschule und ihre Reform im Zeitraum 1918 bis 1945 aufgezeigt werden. Im Zusammenhang mit dieser Debatte haben Angehörige der Berufsgruppe zahlreiche Publikationen verfasst, in denen sich Deutungen der eigenen Berufsrolle finden. Typisch für solche Deutungen war, dass sich die Zuständigkeit von Lehrer*innen inhaltlich nicht auf Erziehung und Unterricht für die Kinder und räumlich nicht auf die Schule beschränkte.

Vier spezifische Topoi über die Berufsrolle von ländlichen Lehrpersonen lassen sich herausarbeiten: Zunächst der Landlehrer als ländlicher Sozialarbeiter, die Landlehrerin als mütterliche Fürsorgerin und der Landlehrer als Heimatforscher. Gemeinsam ist diesen Topoi, dass hier das alltägliche Zusammenleben mit der ländlichen Bevölkerung Basis des pädagogischen Wirkens von Lehrer*innen ist. Das impliziert eine Entgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit. Eine solche ist auch beim vierten Topos gegeben, der im Zusammenhang mit dem Engagement von (typischerweise männlichen) Lehrern für die Schulreform steht. Auch hier betätigt sich der Lehrer als Pionier der Zukunft weit über die Grenzen seiner unmittelbaren beruflichen Verpflichtungen hinaus.

 
14:00 - 16:00Schädigung durch die Kinder- und Jugendhilfe
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 19
 

Chair(s): Prof. Dr. Gertrud Oelerich (Bergische Universität Wuppertal, Deutschland), Katharina Gundrum (Bergische Universität Wuppertal, Deutschland), Charis Hengstenberg (Bergische Universität Wuppertal)

Auf einer programmatischen Ebene ist es wesentliches Ziel Sozialer Arbeit, die Handlungsfähigkeit von Personen wie auch die Funktionsfähigkeit ihrer lebensweltlichen Zusammenhänge zu stützen, zu ergänzen und ggf. (partiell) zu ersetzen. Über diesen Weg soll gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht und Sozialintegration realisiert werden. Zugleich wird Soziale Arbeit dieser Integrationsabsicht häufig nicht gerecht. So ist es im Diskurs durchaus bekannt, dass ihre Angebote und Maßnahmen z.T. nur sehr eingeschränkt in Anspruch genommen werden oder sogar schädigende Folgen für die Inanspruchnehmenden zeitigen können. Die Arbeitsgruppe will anhand von drei Vorträgen Überlegungen zu Schädigung in der Kinder- und Jugendhilfe diskutieren, strukturieren und präzisieren. Dabei sollen insbesondere solche Phänomene, wie bspw. Ausgrenzung und Stigmatisierung, im Fokus stehen, die nicht unmittelbar mit Schädigung assoziiert werden, sich aber als die Inanspruchnehmenden schädigend rekonstruieren lassen.

 

Beiträge des Panels

 

Schädigung durch die Kinder- und Jugendhilfe. Stand des Diskurses und Systematisierungsversuch.

Katharina Gundrum, Charis Hengstenberg
Bergische Universität Wuppertal

Der Beitrag liefert eine erste theoretische Rahmung zu Schädigung durch (Nicht-)Inanspruchnahme von Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe. Es werden Überlegungen, Untersuchungen und Analysen zu dem Themenkomplex ‚Schädigung von Nutzer*innen‘ Sozialer Arbeit, konzentriert auf das Feld der Kinder- und Jugendhilfe, zusammengetragen und strukturiert. Hierbei bildet der Forschungskontext der Sozialpädagogischen Nutzerforschung den Ausgangspunkt, wobei gleichwohl ein breiterer Blick auf die Thematik geworfen wird. Schädigung als Folge der Inanspruchnahme eines sozialpädagogischen Angebotes wird dabei als Einschränkung der bis dato bestehenden Möglichkeiten für eine produktive Bewältigung der alltäglichen Lebensgestaltungsaufgaben konzipiert. Zurückgegriffen wird in dem Vortrag u.a. auf Interviewanalysen, die zeigen, dass die Inanspruchnahme personenbezogener sozialer Dienstleistungen aufgrund mangelnder Beteiligungsmöglichkeiten für die Nutzer*innen schädigende Formen annehmen kann und dass Prozesse der Inanspruchnahme als Exklusionsprozesse mit schädigenden Folgen rekonstruiert werden können.

 

Verlegen, Abschieben und Abweisen - Schädigung im Kontext freiheitsentziehender Maßnahmen

Dr. Mischa Engelbracht
Universität Erfurt

Freiheitsentziehende Maßnahmen gehören zu den umstrittensten (Unterstützungs-)Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe. Wobei sowohl der Grad als auch die Form der im Einrichtungsalltag interdependent wirkenden Machtquellen/- mittel (Elias 1977; Wolf 1999) nicht nur in der Interaktion der beteiligten Akteur*innen, sondern in der gesamten Breite des Einrichtungssettings wirkmächtig ist. Unbestritten ist aus dieser Perspektive auch, dass der Freiheitsentzug als „Maximalintervention“ die stärkste mögliche Machtquelle der Kinder- und Jugendhilfe, aber auch der entsprechenden Einrichtung, darstellen soll. Hierdurch werden entsprechende Einrichtungen als Ultima-Ratio Maßnahme zur Endstation eines Verlege- und Abschiebeprozesses. Das der Rückgriff auf eine Maximalintervention nicht nur besonders zu legitimieren ist, sondern auch besondere Risiken einer Schädigung birgt, muss dabei Gegenstand der pädagogischen Auseinandersetzung sein. In dem Beitrag wird auf Grundlage ethnografischer Daten das Feld der freiheitsentziehenden Maßnahmen unter dem Fokus der Schädigung ihrer Nutzer*innen beleuchtet und der Frage nachgegangen, welche Machtquellen in freiheitsentziehenden Maßnahmen in Interaktionen besonders wirken, welche anderen Machtquellen dadurch verunmöglicht werden und welche Risiken einer Schädigung ihrer Nutzer*innen dadurch entstehen.

 

Stigmatisierungen und Schädigungen durch Inanspruchnahme der Jugendberufshilfe

Katja Jepkens
Hochschule Düsseldorf

Maßnahmen im Übergang zwischen Schule und Erwerbsarbeit verorten vielfach die Probleme und Defizite der nicht erfüllten Arbeitsmarkteinmündung von jungen Erwachsenen und die Lösungen in institutionellen Praktiken. Damit markieren sie zugleich, dass die indizierten Probleme subjektiv und gemessen an einer vorgegebenen Normativität und konstruierten Normalität bearbeitet werden müssen. So gehen mit der Markierung Teilnehmer*in einer Maßnahme eine Reihe von Zuschreibungen einher: Die Teilnahme an einer solchen Maßnahme macht die Abweichung von der „normalen“ Einmündung in eine Erwerbsarbeit öffentlich sichtbar. In Anlehnung an Goffman können diese Zuschreibungen als „Mittel zur Kategorisierung von Personen […], die man für Mitglieder dieser Kategorien als gewöhnlich und natürlich empfindet“ (Goffman 2012 [1963]), bestimmt werden. Soziale Einrichtungen verwalten und etablieren diese Kategorien: So müssen Maßnahmen im Übergang zwischen Schule und Erwerbsarbeit bei (Jugend-)Berufshilfeträgern explizit von jenen genutzt werden, die es zu dem jeweiligen Zeitpunkt nicht schaffen konnten, eigenständig in eine Ausbildung und/oder Erwerbsarbeit einzumünden. Im Rahmen des Vortrags wird anhand des empirischen Materials deutlich, dass sich Stigmatisierungen und Schädigungen auf durch Dritte zugeschriebene negative Konnotationen und formalisierte Inkompetenzzuschreibungen zurückführen lassen, die mit der Inanspruchnahme einhergehen.

 

Datum: Mittwoch, 16.03.2022
9:30 - 11:30Begrenzte Hilfe? Entgrenzte Kontrolle? Aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen in der Jugendstraffälligenhilfe in Deutschland und in der Schweiz
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 19
 

Chair(s): Dr. Simone Brauchli (Universität Zürich, Schweiz), Dirk Lampe (Deutsches Jugendinstitut München)

In jüngerer Zeit haben sich die kriminalpolitischen Vorzeichen, unter denen Jugendhilfe im Strafverfahren stattfindet, in Deutschland und der Schweiz verändert. Die Ausrichtung auf Risikominimierung und Prävention, Akzentuierungen von punitiven Zugängen sowie die wachsende Bedeutung von Diagnostik und Prognostik prägen die aktuelle fachliche Debatte. Diese Entwicklungen können als Ausdruck eines veränderten gesellschaftspolitischen Umgangs mit grundlegenden Spannungsfeldern der Jugendstraffälligenhilfe gedeutet werden. Sie weisen in Richtung einer Entgrenzung von kontroll- und sicherheitsorientierten Maßnahmen, zulasten von Hilfe- und Erziehungsmaßnahmen als zentralem Moment der Sozialen Arbeit. Inwiefern spiegeln diese Einschätzungen aber die aktuelle Fachpraxis und die damit verbundenen Herausforderungen im Feld der Jugendstraffälligenhilfe wider? Diesen Fragen wird anhand von empirischen Studien aus Deutschland und der Schweiz in einer ländervergleichenden Perspektive nachgegangen.

 

Beiträge des Panels

 

Der pädagogische Gebrauch ‚justizieller Drohkulissen‘ als Entgrenzung?

Patrick Zobrist
Hochschule Luzern

Im Spannungsfeld von „Hilfe und Kontrolle“ in der Jugendstraffälligenhilfe akzentuieren sich Fragen nach den Bedingungen und Möglichkeiten professionellen Handelns (Dollinger 2012; Scherr 2015). Der Vortrag gibt Einblicke in erste Ergebnisse eines Forschungsprojektes zur Sozialen Arbeit in schweizerischen Jugendstrafverfolgungsbehörden. In der Studie werden Gesprächs-, Beobachtungs- und Interviewdaten von Interaktionen zwischen straffällig gewordenen Jugendlichen und den Sozialarbeiter:innen aus einer interaktionistisch-machttheoretischen Perspektive rekonstruiert. Es wird dargelegt, wie strukturell angelegte ‚justizielle Drohkulissen‘ in der Interaktion zwischen den Adressat:innen und den Sozialarbeiter:innen aufgebaut und zur Herstellung einer Kooperation in der Arbeitsbeziehung pädagogisch verwendet werden. Im Vortrag soll diskutiert werden, wie diese Praktiken die Soziale Arbeit auf der Ebene der Arbeitsbeziehung entgrenzen können.

Literatur:

Dollinger, Bernd (2012): Professionelles Handeln im Kontext des Jugendstrafrechts. Konzeptionelle Bestimmungen und empirische Hinweise. In: Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform 95, S. 1–17.

Scherr, A. (2015). Professionalisierung im Kontext von Hilfe und Kontrolle. Der Fall Jugendgerichtshilfe. In R. Becker-Lenz, S. Busse, G. Ehlert, & S. Müller (Hrsg.), Bedrohte Professionalität (S. 165–187). Wiesbaden: Springer.

 

Entgrenzter Schutz der Gesellschaft? Normative Bezugspunkte in Schweizer Jugendanwaltschaften

Dr. Simone Brauchli
Universität Zürich

Das Schweizer Jugendstrafrecht ist am Schutz und an der Erziehung von jugendlichen Straftäter:innen orientiert. Die begriffliche Unschärfe dieser beiden Rechtsbegriffe, die in Anlehnung an Scheiwe (2013) auch als «Grenzobjekte» gefasst werden können, ermöglichen Kommunikation und Kooperation zwischen den unterschiedlichen am Jugendstrafverfahren beteiligten Berufsgruppen. Zugleich gibt es Hinweise darauf, dass Risikoorientierung und ein Bestreben, die Gesellschaft vor Straftäter:innen zu schützen, die gegenwärtige Strafrechtspraxis in der Schweiz bestimmen (Lindenau und Meier Kressig 2015).

Inwieweit manifestiert sich in den Perspektiven und Selbstverständnissen von Fachkräften der Sozialen Arbeit und der Jurisprudenz in Jugendanwaltschaften eine Orientierung an den genannten normativen Bezugspunkten? Gibt es empirische Hinweise für Tendenzen einer entgrenzten Orientierung am Schutz der Gesellschaft? Inwiefern sind der Schutz und die Erziehung jugendlicher Straffälliger sowie der Schutz der Gesellschaft für die interprofessionelle Zusammenarbeit in Jugendanwaltschaften von Bedeutung?

Diesen Fragen wird anhand von empirischen Befunden aus qualitativen Interviews zur interprofessionellen Zusammenarbeit in Jugendanwaltschaften in der Schweiz nachgegangen.

 

Entgrenzter Zugriff – Begrenztes Verstehen? Beschuldigte in Jugendstrafverfahren nach der Reform des Jugendgerichtsgesetzes

Dirk Lampe, Annemarie Schmoll
Deutsches Jugendinstitut München

Sind junge Menschen in einem Jugendstrafverfahren Beschuldigte, führt das bei ihnen in der Regel zu diffusen Ängsten und Unsicherheiten. Sie werden mit ihnen unbekannten Verfahrensabläufen konfrontiert und verschiedene institutionelle Akteure mit je eigenen Aufgaben und Handlungsweisen greifen auf sie zu und erforschen u.a. ihre Persönlichkeit, Lebensumstände und ihr Verhalten. Gleichzeitig drohen im Ausmaß und den Folgen nur schwer abschätzbare Sanktionierungen (Dollinger et al., MSchrKrim 2016, 325 ff.). Weitgehend empirisch ungeklärt ist in diesem Kontext, wie junge Menschen ein Jugendstrafverfahren insgesamt erleben, verstehen und deuten. Dies betrifft auch das Handeln der unterschiedlichen verfahrensbeteiligten Institutionen (u.a. Jugendhilfe, Polizei, Staatsanwaltschaft). Infolge des „Gesetzes zur Stärkung der Verfahrensrechte von Beschuldigten im Jugendstrafverfahren“ (2019) müsste die Jugendhilfe im Strafverfahren nun früher in die Verfahren eingebunden werden, um zeitnaher Kontakte zu jungen Beschuldigten aufzubauen, diese über ihre Rechte sowie die Abläufe, Rollen und Zuständigkeiten im Strafverfahren aufzuklären und ihre Beteiligung in Verfahren zu stärken. Ausgehend von diesen Neuregelungen wird im Vortrag anhand qualitativer Interviews mit jungen Menschen deren Sichtweise auf ihr Strafverfahren und die handelnden Akteure, mit Fokus auf die Jugendhilfe im Strafverfahren, eruiert und vorgestellt.

 
14:00 - 16:00Begrenzende Praxis? Ethnographische Perspektiven zur Genese von Differenz und Ungleichheit in der Grundschule
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 19
 

Chair(s): Prof. Dr. Claudia Machold (Bergische Universität Wuppertal, Deutschland)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Melanie Kuhn (Pädagogische Hochschule Heidelberg)

Immer wieder wird das Selbstverständnis der Grundschule als Schule für alle durch Befunde herausgefordert, die zeigen, dass sie nicht in der Lage ist, die Herkunftsabhängigkeit von Bildung merklich zu verändern. Ausgehend von praxis-, differenz- und ungleichheitstheoretischen Perspektiven werden in dieser Arbeitsgruppe Ergebnisse von drei neueren ethnographischen Studien diskutiert, die Einblicke in die Alltagspraxis der Grundschule geben. Unter der Frage, welchen Beitrag diese Praxis zur Genese von Differenz und Ungleichheit leistet, werden zunächst die Ergebnisse der Studien präsentiert, um sie anschließend anhand eines Kommentars und der gemeinsamen Abschlussdiskussion in ein Verhältnis zu setzen. Dabei kommen sowohl die unterschiedlichen Kontextbedingungen (Grund- bzw. Primarschulen in Deutschland und der Schweiz) als auch Verbindungslinie spezifischer Phänomene in den Blick.

 

Beiträge des Panels

 

Die schulische Selektion als soziale Praxis: Aushandlungen von Bildungsentscheidungen beim Übergang von der Primarschule in die Sekundarstufe I

Prof. Dr. Daniel Hofstetter
Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik, Zürich)

Bildungsstatistiken belegen einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Hintergrund der Schüler*innen und ihrer Platzierung in den hierarchisierten Sektionen der Sekundarstufe I. Solange die Ursachen des Phänomens notorischer Ungleichheiten in der Bildungsbeteiligung umstritten sind, hofft man auf wissenschaftliche Klärung der statistisch gemessenen Effekte. Die ethnografisch angelegte Studie leuchtet die Black Box schulischer Selektion beim Übergang von der Primarschule in die Sekundarstufe I aus und nimmt die sozialen Selektionsprozesse und Praktiken des Schulpersonals im Umgang mit sozial ungleichen Kindern und Eltern in den Blick. Im Beitrag werden mit der „Protoselektion“, der „Antizipierungsarbeit“, der „Dominanz und Unterwerfung“ und der „Passungsarbeit“ vier Phänomene besprochen, die innerhalb institutionell-organisatorischer Rahmenbedingungen in der Interaktion zwischen Eltern, Schulpersonal und Schüler*innen zur Reproduktion schulischer Ungleichheiten beitragen.

 

Die Herstellung von Differenz in der Grundschule. Eine Langzeitethnographie

Prof. Dr. Claudia Machold
Bergische Universität Wuppertal

Die Prämisse der ethnographischen Langzeitstudie (DFG-anonym) besteht darin, dass Praktiken des Unterscheidens im Alltag der Grundschule einen Beitrag zur Genese von Ungleichheit leisten. Als praxis- und differenztheoretisch ausgerichtete Forschung, wird im Vortrag expliziert, wie in den Praxisformen Unterricht, der Elternsprechtagsgespräch und Interview, Akteur*innen an Praktiken partizipieren, die leistungs- und herkunftsbezogene Unterschiede von Schüler*innen prozessieren und so die Differenzordnung der Grundschule reproduzieren. In den Blick kommt dabei die Normalerwartung der Grundschule. Die Aufschichtung dieser Praktiken gibt dann anhand von Analysen zu Datenbasierten Porträts, die die Konstruktion spezifischer Grundschulkinder und ihrer Bildungsbiographie über vier Jahre in den Blick nehmen, Einblicke in ihren Beitrag zur Genese von Ungleichheit. Denn, so zeigen die Ergebnisse der Analysen zur Praxis der Schulformempfehlung und Schulformwahl am Ende der Grundschulzeit, diese Konstruktionen dienen der Plausibilisierung des Übergangs. Insgesamt zeichnet die Studie nach, wie alle Akteur*innen an der Herstellung des meritokratischen Prinzips teilnehmen und so seine Illusion aufrecht erhalten.

 

Lehrkräfte und soziale Ungleichheit. Eine ethnographische Studie zum un/doing authority in Grundschulen

Dr. Florian Weitkämper
Pädagogische Hochschule Freiburg

Das ethnographischen Promotionsprojekt (Graduiertenförderung der FES, 2014-2016) untersucht in ‚inklusiven‘ Grundschulen in Deutschland, welche Rolle Lehrkräften bei der Zuweisung, Verhandlung und Ermöglichung von Bildungskarrieren zukommt. Die Studie zeichnet nach, wie durch Prozesse eines un/doing authority, verstanden als wechselseitige Verhandlung von Autorität zwischen Lehrkräften und Schüler*innen, soziale Differenzen in Bildungsungleichheiten überführt werden. Neben Prozessen einer Re-Inszenierung sozialer Differenzverhältnisse kann gezeigt werden, dass Lehrkräfte Differenzen in Reflexionsprozessen als Legitimierungs- und Diskriminierungsgelegenheiten nutzen. In diesem Sinne werden Praktiken der Bebilderung und Klassifikation in ihrer ermächtigenden wie begrenzenden Weise im Rahmen schulischer Anerkennungsverhältnisse rekonstruiert. Insgesamt bietet das Projekt damit einen Einblick in das Verhältnis von Autorität, wechselseitiger Verletzlichkeit bzw. (teils) pathologischer Verletzung und sozialer Ungleichheit.