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Sitzungsübersicht
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 13
919 1201 4482, 794564
Datum: Montag, 14.03.2022
14:00 - 16:30Grenzen und Entgrenzungen pädagogischen Handelns
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 13
 

Chair(s): Prof. Dr. Werner Helsper (Martin Luther Universität Halle Wittenberg), Prof. Dr. Andreas Wernet (Leibniz Universität Hannover)

Grenzen und Entgrenzungen stellen im Kontext pädagogischen Handelns eine permanente Herausforderung für die beteiligten Akteure dar. Das pädagogische Handeln, das im Zentrum dieses Symposiums stehen soll, ist auf Begrenzungen angewiesen. Nur durch Grenzziehung ist pädagogisches Handeln von anderen Formen des Handelns unterscheidbar und entgeht der Versuchung einer diffusen Allzuständigkeit. Und zugleich droht, bei zu starken Begrenzungen, eine rigide Schließung und Erstarrung im pädagogischen Handeln. „Grenzöffnungen“ und Grenzgänge gehören deswegen konstitutiv zum pädagogischen Handeln. Dabei ist es nicht immer einfach zu bestimmen, wann es sich um notwendige Grenzbewegungen und -öffnungen und wann um diffundierende und übergriffshafte Formen der Entgrenzung handelt. In diese Spannung ist das pädagogische Handeln eingerückt. Das geplante Symposium strebt eine theoretisch und empirisch fundierte Diskussion dieser Spannung von Grenzziehung und Entgrenzung im pädagogischen Handeln an.

 

Beiträge des Panels

 

Einleitung in das Symposium

Prof. Dr. Werner Helsper1, Prof. Dr. Andreas Wernet2
1Martin Luther Universität Halle Wittenberg, 2Leibniz Universität Hannover

Grenzen und Entgrenzungen pädagogischen Handelns: Einleitung in das Symposium

 

Grenzen – Eine kleine Genealogie

Prof. Dr. Norbert Ricken
Ruhr Universität Bochum

›Grenzen‹ provozieren – zumindest modern. Wie in kaum einer anderen Zeit gelten ›Grenzen‹ in der modernen Wahrnehmung als Begrenzungen und Einschränkungen, die Bewegungs- und damit Freiheitsspielräume einzuschränken scheinen und oft mindestens hinausgeschoben, wenn nicht sogar aufgehoben werden sollen. Kaum erstaunlich ist es daher, dass – insbesondere fixe – Grenzsetzungen als Ausdruck autoritärer, anti-liberaler Haltungen wahrgenommen werden und wohl auch werden müssen; modern ist, auf Grenzen mit Kritik, Emanzipation und Ent-Grenzung zu antworten. Das macht es aber umgekehrt – auch derzeit – enorm schwierig, mit Grenzen, mit Begrenzung und Begrenztheit überhaupt umzugehen. Gerade spätmodern rückt immer mehr in den Aufmerksamkeitskreis, dass wir auf einem begrenzten Planeten leben und auch begrenzt unsere Leben führen müssen; insgesamt zeichnet sich eine ambivalente Perspektive ab, in der es einerseits um Begrenztheit geht und andererseits sich aber (faktische, geforderte etc.) Grenzen gerade nicht einfach fix festlegen und durchsetzen lassen.

In diesem Beitrag soll die Figur der ›Grenze‹ in ihren Erscheinungsformen und Ambivalenzen analysiert werden. Im Rahmen einer ›kleinen Genealogie‹ gilt es, die unterschiedlichen Formen der Begrenzung und Begrenztheit zu analysieren; Ziel ist es, eine kleine Typologie der Grenze und des Umgangs mit Grenzen zu rekonstruieren und für erziehungswissenschaftliche Überlegungen fruchtbar zu machen.

 

Anerkennungsbedürftigkeit und Entgrenzung – Zu einer abgeblendeten Verflechtung im Habitus und Handeln von Lehrer*innen

Dr. Marlene Kowalski
Stiftung Universität Hildesheim

Im Diskurs um das Handeln und die Professionalität von (angehenden) Lehrer*innen gibt es zwar eine intensive theoretische und empirische Beschäftigung mit Anerkennungs- und Adressierungsweisen in der Interaktion mit Schüler*innen, dabei wird aber zumeist die eigene Anerkennungsbedürftigkeit von Lehrkräften als konstitutiver Bestandteil des eigenen Habitus ausgeblendet. Im Beitrag wird der Frage nachgegangen, wie sich dieser verdrängte Teil des eigenen Begehrens nach Anerkennung im beruflichen Habitus von Lehrkräften in Bezug zu ihrem Handeln verorten lässt und ob bzw. welche Gefahren der Entgrenzung damit einhergehen. Anschließend an Ergebnisse aus einer empirischen Studie wird diskutiert, welche Auswirkungen das eigene Anerkennungsbegehren von Lehrkräften auf pädagogische Beziehungen und deren mögliche Entgrenzungen haben kann und welche Reflexions- und Professionalisierungsprozesse in der Lehrer*innenbildung notwendig wären.

 

Erziehung an ihren Grenzen oder: Pädagogisches Handeln zwischen Kooperation und Eskalation

Prof. Dr. Sandra Rademacher1, Dr. Eike Wolf2
1Europa Universität Flensburg, 2Ruhr Universität Bochum

Erziehung ist wie jedes soziale Handeln a priori auf Sozialität angewiesen. Pädagogisches Handeln stellt diese Sozialität also nicht her, sondern setzt diese als interaktive Reziprozität und konstitutive Kooperativität immer schon voraus. In diesem Vortrag sollen an familialen und schulischen Erziehungssituationen die Grenzen erzieherischer Möglichkeiten fallrekonstruktiv ausgelotet werden. In den Fällen, die manifest als Interaktionskrisen auffällig sind, wird die Kooperation einseitig aufgekündigt, womit die Beziehungsstrukturen selbst zumindest situativ infrage gestellt und brüchig werden. Eine empirische Erschließung dieser krisenhaften Interaktionen führt uns zu einer theoretischen Perspektive, die es nahelegt, Erziehungskrisen begrifflich als Kooperationskrisen zu fassen und verstehbar zu machen. Insofern Reziprozität und Kooperativität nicht nur begrenzender Rahmen, sondern auch Voraussetzung erzieherischen Handelns sind, nehmen wir mit dem Fokus auf Kooperationskrisen pädagogisches Handeln nicht nur an seinen Grenzen, sondern in den Momenten seiner Grenzüberschreitungen in den Blick. Für pädagogisches Handeln ist dies insofern besonders virulent, als so die strukturell grundgelegten und interaktiv wechselseitigen Entgrenzungen der Akteure abseits rollentheoretischer Modellierungen greifbar werden.

 

Pädagogische Grenzen digitaler Entgrenzungen. Beobachtungen und Rekonstruktionen digital mediatisierter Unterrichtsinterkation

Prof. Dr. Sven Thiersch
Ruh Universität Bochum

Mit der zunehmenden Digitalisierung von Schule und Unterricht werden, nicht zuletzt im Kontext des Fernunterrichts, Entgrenzungen und Verschiebungen von Kommunikation, Wissen, Zuständigkeiten oder des Raum-Zeit-Gefüges herausgearbeitet und diskutiert. Der Beitrag entfaltet im Anschluss an eine system- und strukturtheoretische Perspektive und auf der Grundlage einer empirischen Untersuchung zur Interaktion im digitalisierten Unterricht die These, dass die Digitalisierung neben dieser fluiden und kontingenten Seite zugleich eine Trägheit und Regelmäßigkeit des Unterrichtssystems (re-)produziert. Präsentiert werden zum einen Ergebnisse digitaler Entgrenzungsphänomene in modifizierten Praktiken des Koordinierens, Sichtbarmachens, Verantwortens, Aktivierens und Sicherns. Zum anderen wird gezeigt, wie in der pädagogischen Absicht, Grenzen des Unterrichts (Raum, Zeit, Sozialität) und pädagogische Handlungsprobleme mit neuen Technologien optimierend zu steuern und zu überwinden, im schulischen Feld Optimierungsparadoxien und nicht intendierte Effekte in der Konsolidierung pädagogischer Sozialität und generationaler Differenzen (z.B. entgrenzende Disziplinierungen) hervorgebracht werden. Die Irritationen und Transformationen, die von der „digitalen Lehrkraft“ in den schulisch-pädagogischen Beziehungen und Ordnungen ausgehen, werden in der pädagogischen Interaktion kanalisiert, reguliert bzw. begrenzt und verfestigen so gerade starre Grenzziehungen und die Strukturiertheit des Feldes.

 

Datum: Dienstag, 15.03.2022
9:00 - 11:30Analyse und Reflexion von Grenzbearbeitungen in erziehungswissenschaftlichen Forschungsprozessen
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 13
 

Chair(s): Dr. Thomas Geier (TU Dortmund, Deutschland), Dr. Christoph Haker (Universität Hamburg), Dr. Mandy Singer-Brodowski (FU Berlin)

Diskutant*innen: Dr. Helge Kminek (Goethe-Universität Frankfurt)

Im Symposium werden erziehungswissenschaftliche Forschungsarbeiten zu Nachhaltigkeit, Migration, Rechtspopulismus und muslimischen Lebenswelten auf Prozesse, Praktiken und Diskurse der wissenschaftlichen Grenzziehung, Ent- und Begrenzung sowie Grenzüberschreitung hin analysiert. Im Mittelpunkt steht eine Beobachtung zweiter Ordnung, in der nicht nur gegenstandsbezogene Grenzbearbeitungen analysiert werden, sondern auch die eigene Grenzbearbeitung von Wissenschaftler*innen reflektiert wird. Folgende Fragen sind leitend:

1) Wie werden welche Grenzen in den genannten erziehungswissenschaftlichen Forschungsfeldern konstituiert, überbrückt oder bearbeitet?

2) Wie reflektieren Forscher*innen die eigenen Grenzbearbeitungen in ihrer Auseinandersetzung mit den verschiedenen Forschungsgegenständen und deren Herausforderungen. Wie sind sie zu dieser Reflexion gelangt?

3) Wie hängen die beiden Ebenen der Analyse und Reflexion miteinander zusammen und wie beeinflussen sie sich wechselseitig?

 

Beiträge des Panels

 

Grenzbearbeitungen der Bezeichnungspraxis Migrationsgesellschaft

Dr. Thomas Geier
TU Dortmund

Der Begriff „Migrationsgesellschaft“ findet in vielen erziehungswissenschaftlichen Publikationen der jüngeren Zeit eine breite Verwendung. In den Versuchen, Gesellschaft als „Migrationsgesellschaft“ zu bestimmen, scheinen Dynamiken von Ent- und Begrenzungsprozessen und damit assoziierten Problematiken in verschiedenen Dimensionen auf: Zum einen auf einer gegenstandstheoretischen Ebene, da Migration zumeist als relevante und/oder bedeutsam gemachte (symbolische, territoriale etc.) Grenzenüberschreitende und/oder bearbeitende bzw. diese irritierende soziale Mobilität angesehen wird; z.B. Grenzen des Nationalstaats. Zum anderen auf einer analytischen Ebene, sobald es darum geht, „Migrationsgesellschaft“ selbst zu definieren, also die damit verbundene Bezeichnungspraxis in ihren Grenzenzu bestimmen; etwa dann, wenn mit dem Begriff Migrationsgesellschaft eine wünschenswerte Alternative zur Thematisierung von Migration als Zu- und/oder Einwanderung verbunden ist. Nicht zuletzt weisen darüber hinaus migrationsgesellschaftliche Diskurse Einsätze auf, die sich ebenfalls als fachdisziplinäre und gesellschaftspolitische Dynamiken von Ent- und Begrenzungen fassen lassen.

Der Beitrag unternimmt angesichts dieser Ent- und Begrenzungen selbst eine Grenzbearbeitung und lotet diese durch eine hegemonietheoretische Klärung der Bezeichnungspraxis „Migrationsgesellschaft“ aus, indem diese als diskursiver Einsatz und als Analyseperspektive gleichermaßen verstanden werden soll.

 

Grenzbearbeitungen wissenschaftlicher Interaktion am Science-Policy-Interface

Janne von Seggern
FU Berlin

Im nationalen Monitoring von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) wird der Prozess zur Implementation von BNE durch verschiedene Akteur*innen mit verschiedenen Studien untersucht. Eine Studie zielt aktuell darauf ab, Reflexions- und Lernprozesse der BNE-Akteur*innen im Sinne transformativer Forschung zu katalysieren und zu analysieren. Begleitend führen die beteiligten Wissenschaftler*innen eine autoethnografische Analyse durch, welche durch zweierlei Faktoren eine wissenschaftliche Grenzbearbeitung an der Schnittstelle von Politik und Wissenschaft problematisiert: Zum einen soll durch eine verstärkte Selbstreflexion auf Herausforderungen transformativer Forschung reagiert werden. Diese beziehen sich insbesondere auf eine Vermischung evidenzbasierter Beratung und Gestaltung und wissenschaftlicher Analyse sowie die subjektive Involviertheit der Wissenschaftler*innen in politische Prozesse. Zum anderen werden genau diese subjektiven Eindrücke der Wissenschaftler*innen zum Forschungsgegenstand und sollen auf der empirischen Datengrundlage von Feldnotizen das zentrale Erkenntnisinteresse beantworten, wie sich das Agieren der transformativ Forschenden am Science-Policy-Interface verändert. In dem Beitrag wird die theoretische Verortung einer solchen selbstreflexiven Wendung (Reflexive Turn) auf die Perspektive der Wissenschaftler*innen selbst vorgestellt und das methodische Vorgehen sowie vorläufige Ergebnisse analytischer und kollaborativer Autoethnografie präsentiert.

 

Grenzbearbeitungen in erziehungswissenschaftlicher Lehr- und Forschungspraxis angesichts neurechter Inszenierungen

Dr. Lukas Otterspeer
TU Dortmund

Anhand vorgelegter Analysen zu Grenzbearbeitungen zwischen Erziehungswissenschaft und Bildungspraxis auf der einen Seite und Gesellschaft bzw. anderen Handlungsfeldern auf der anderen Seite beantwortet der Vortrag die mit dem Symposium aufgeworfenen Fragen. Die zugrunde gelegten Analysen fokussieren dabei rechtspopulistische bzw. neurechte Grenzbearbeitungen. Bezogen auf das Wie der beforschten Grenzbearbeitung rücken einerseits rechtspopulistische Verwendungen erziehungswissenschaftlichen Wissens und andererseits neurechte „Bildungs-“ und „Wissenschaftspraxis“ in den Fokus. Diese Verwendungen und Inszenierungen festigen bereits vorliegende neurechte Problematisierungsweisen und bearbeiten Grenzen von Wissenschaft und Bildung in spezifischer Weise. Mit der Frage nach dem Wieder Reflexion rücken Umgangsweisen mit solchen Verwendungen und Inszenierungen in den Mittelpunkt. Der Vortrag argumentiert hier dafür, Kontinuitäten zwischen akademischer Lehr- und Forschungspraxis einerseits und den herausgearbeiteten Verwendungen und Inszenierungen andererseits stärker in den Blick zu nehmen. Der Zusammenhang der Frage nach dem Wieder untersuchten Grenzbearbeitung und dem Wieder Reflexion rückt dabei in den Mittelpunkt. Eine Überschneidung dieser Fragen identifiziert der Vortrag in der Arbeit an Lehr- und Forschungspraxen, wenn es in diesen gelingt, Kontingenz zu öffnen und damit fundamentalistische Verwendungen und Praktiken zu erschweren.

 

Grenzbearbeitungen in der Ethnographie muslimischer Lebenswelten

Dr. Magnus Frank
TU Dortmund

Erziehungswissenschaftliche Ethnographien zu muslimischen Lebenswelten sehen sich mit wirkmächtigen, zumeist zugehörigkeitslogischen Diskursen konfrontiert, in denen ‚der‘ Islam als homogenisiertes Kollektivsubjekt hervorgebracht wird. Damit befinden sie sich in einem methodologischen und epistemischen Spannungsverhältnis zu solchen kulturhermeneutischen und ethnomethodologischen Ansätzen, in denen davon ausgegangen wird, ein Feld innerhalb seiner Grenzen ,abstecken‘ und ,begehen‘ zu können, um dort als Feldforscher*in via Teilnahme und Beobachtung zu wissenschaftlichen Erkenntnissen zu gelangen. Denn in den die Bedeutung ,des‘ Islam konstituierenden Diskursen wird das Forschungsfeld entgrenzt, während in ethnographischen Forschungsprozessen zunehmend versucht wird, die Grenzen des Feldes abzustecken.

Der Beitrag fußt auf einer Langzeitethnographie zur Praxis muslimischer Bildungskreise im Kontext der sog. Gülen-Bewegung. Es wird gezeigt, dass die diskursive Situiertheit des Feldes kontinuierlich als Ort ethnographischer Wissensproduktion begriffen werden muss, um neue und irritationsoffene Ergebnisse produzieren zu können. Die Grenzen des Feldes zu bearbeiten, erhält dabei die Bedeutung, die Logiken und Dynamiken, entlang derer die forschenden und beforschten Subjekte in Diskursen positioniert sind, werden und sich positionieren, in die Konstitution des Gegenstandes auf allen Ebenen des Forschungsprozesses miteinzubeziehen, zu reflektieren und für Interventionen zu nutzen.

 
14:00 - 16:00Ethos im Lehrberuf: Pädagogische Haltung an der Grenze zwischen Ethik und Profession
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 13
 

Chair(s): Prof. Dr. Malte Brinkmann (HU Berlin, Deutschland), Prof. Dr. Eveline Christof (Universität für Musik und darstellende Kunst, Wien, Österreich), Prof. Dr. Michael Schratz (Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Österreich)

Zur Erforschung des Berufsethos von Lehrer:innen gibt es keine klaren Befunde. Gleichwohl gehören Haltung bzw. Ethos zum Kernbestand der Vorstellungen von guten, kompetenten und professionellen Lehrpersonen. In dieser Arbeitsgruppe werden Ergebnisse eines Projektes eines internationalen Forschungsteams vorgestellt. Dieses hat im Zuge der Erstellung eines Manuals für Lehramtsstudierende, das Beispiele aus der unterrichtlichen Praxis enthält, eine pädagogisch-ethische sowie professionstheoretische Neufassung von Ethos als pädagogische Praxis erarbeitet: Ethos wird als Übung in der moralischen Entscheidungsfähigkeit bestimmt. Dieses sowohl theoretische als auch praktische Konzept an der Grenze zwischen Ethik und Profession soll vorgestellt und diskutiert werden, wie es für die Lehrer:innenbildung fruchtbar gemacht werden kann. Ausgehend von einem Unterrichtsbeispiel aus dem Manual werden allgemein-pädagogische, professionstheoretische und hochschuldidaktische Perspektiven aufgezeigt.

 

Beiträge des Panels

 

Haltung zeigen – Haltung üben. Ethos im Lehrberuf

Dr. Severin Sales Rödel1, Kristina-Maren Stelze2, Prof. Dr. Malte Brinkmann1
1HU berlin, Deutschland, 2HU Berlin, Deutshcland

Der Beitrag stellt ethische, bildungs- und übungstheoretische Grundlagen für eine Neufassung von Ethos als pädagogische Praxis vor. Ausgehend von einem Beispiel wird Ethos als moralische Entscheidungsfähigkeit unter Bedingungen von Differenz, Pluralität und Kontingenz bestimmt. Zunächst wird der Stand der Forschung zum pädagogischen und professionellen Ethos diskutiert und Desiderate benannt. Eng am Beispiel werden drei mit Ambivalenzen und Antinomien durchzogenen Dimensionen unterschieden: a) Ethos als situierte Handlung und gelungene Praxis; b) Ethos als Haltung im Kontext von Verantwortung; c) Ethos als leibliche, widerständige Stellungnahme auf der Basis (professioneller) Erfahrung. Daran anschließend wird die übungstheoretische Dimension verdeutlicht. Ethos als moralische Entscheidungsfähigkeit und urteilskräftiges Können basiert auf implizitem Wissen und Erfahrung. Es taucht nur in der Praxis und in je spezifischen situativen, ganzheitlichen, impliziten Erfahrungen auf. Es kann daher nicht im Sinne einer Instruktion oder Information gelehrt werden, sondern muss als moralische Entscheidungsfähigkeit eingeübt werden. Als ein Schritt auf dem Weg zur Entwicklung und Einübung eines professionellen Berufsethos werden schließlich Anschlüsse an unterschiedliche Domänen der pädagogischen Professionalität vorgestellt.

 

Entwicklung von Professionalität zwischen Wissenschafts- und Praxisbezug. Das EPIK-Modell

Dr. Gabriele Schauer, Prof. Dr. Michael Schratz, Robert Pham-Xuan
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Österreich

Die Aneignung eines professionellen Berufsethos erfolgt in der kritischen Auseinandersetzung mit den strukturellen Anforderungs- und Handlungslogiken beruflicher Praxis. Dieser Entwicklungsprozess kann dabei nicht bewusst gesteuert werden, sondern vollzieht sich implizit durch die explizite Übung moralischer Entscheidungsfindungen. Die professionstheoretische Rahmung konkretisiert sich hierbei durch ein mehrperspektivisches Professionsdomänenkonzept, welches aus komplexen Bündeln von Fähigkeiten, Fertigkeiten, und Haltungen besteht, die wiederum in der schulischen Praxis in Beziehung zum jeweiligen Unterrichtsfach bzw. zur fachdidaktischen Vermittlung stehen. Die Verbindung zwischen dem Domänenkonzept und ethischen Handlungsvollzügen konkretisiert sich domänenspezifisch entlang einer normativ ethischen Vorstellung von Praxis. Durch diese Beziehung können die sich in den Beispielen zeigenden Ambivalenzen auch aus professionstheoretischer Perspektive beleuchtet werden. Hiervon ableitend, sollen die Domänen im Kontext des Übens moralischer Entscheidungsfähigkeit sowie urteilskräftigem Können, als eine professionstheoretische und pädagogische Reflexionsebene für situatives und handlungsproblematisches Handeln sensibilisieren. Die Verbindung zwischen professionstheoretischen und ethischen Implikationen wird als eigenständiger reflexiver Schritt zur Einübung eines Berufsethos anhand des vorgestellten Beispiels exemplifiziert.

 

Ein Manual als professionsspezifisches Instrument zur Einübung eines pädagogischen Ethos

Dr. Evi Agostini1, Prof. Dr. Eveline Christof2, Prof. Dr. Johanna Schwarz3
1Uni Wien, 2Universität für Musik und darstellende Kunst, Wien, Österreich, 3Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Österreich

Dieser Beitrag stellt das Konzept sowie die theoretische Fundierung des oben beschriebenen Manuals vor, zeigt beispielhaft dessen Umsetzungsmöglichkeiten auf und gibt Einblicke in erste Anwendungen. Es wird der Frage nachgegangen, wie Ethos als moralische Entscheidungsfähigkeit im Sinne der aristotelischen Phronesis in der Lehrer:innenbildung vermittelt werden kann und mit welchen Herausforderungen dabei zu rechnen ist. Dafür werden erstens die unterschiedlichen (hochschul-)didaktischen Schritte vorgestellt, wie das Finden und Begründen unterschiedlicher Lesarten einer Situation, das Durchleben von Phasen der Irritation und Distanzierung sowie das Erkennen und Abwägen alternativer Handlungsmöglichkeiten. Im Durchleben der in den Beispielen aufgezeigten Ambivalenzen wird den ethischen Prämissen Rechnung getragen, dass erstens die ,Angemessenheit‘ einer situativen, praktischen Handlungserfahrung erst im Nachhinein thematisiert, eingeschätzt und beurteilt werden kann und zweitens diese ,Angemessenheit‘ nicht darin besteht, nach normativen Vorgaben innerhalb festgesetzter Grenzen zu handeln, sondern das Besondere an einer Situation wahrzunehmen und im Sinne einer moralischen Entscheidungsfindung darauf zu antworten. Anhand der konkreten Umsetzung und Evaluation sollen abschließend erste empirische Ergebnisse im Hinblick auf die Herausbildung eines pädagogischen Ethos diskutiert werden.

 

Datum: Mittwoch, 16.03.2022
9:30 - 11:30Aktuelle Spannungsfelder der Sexualmoral: Ambivalenzen des Lustgewinns zwischen Grenzziehungen und Entgrenzungen
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 13
 

Chair(s): Dr. Melanie Babenhauserheide (Universität Bielefeld, Deutschland), Dr. Sonja Witte (Internationale Psychoanalytsiche Universität Berlin (IPU)), Prof. Dr. Julia König (Gutenberg Universität Mainz)

Seit jeher sind in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um Sexualmoral Bilder und Vorstellungen kindlich-jugendlicher Sexualität, Generationenkonflikte sowie geschlechtsspezifische Aufladungen zentral. Während einerseits Moral als Begrenzung von Möglichkeiten sexuellen Lustgewinns gelten kann, schafft sie andererseits zugleich auch jeweils historisch spezifische Anreize sexueller Erregungen, nicht zuletzt in Form lustvoller moralischer Empörung. Welche Ambivalenzen treten in aktuellen Phänomenen der Sexualkultur in Erscheinung und welche Funktion haben diese in der Wirkungsweise sexualmoralischer Diskurse? Welche Bedeutung haben Reflexionen dieser Ambivalenzen für erziehungswissenschaftliche Perspektiven auf generationale Ordnung, Geschlechterverhältnisse und infantile/adoleszente Sexualität? Diese Fragen diskutieren wir an kulturellen bzw. medialen Fallbeispielen u.a. aus psychoanalytischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive.

 

Beiträge des Panels

 

Pairing Draco Malfoy/Harry Potter: Das Anbahnen sexueller Beziehungen als Grenzüberschreitung in Fan-Erzählungen und ihrer Rezeption

Dr. Melanie Babenhauserheide
Universität Bielefeld

In fan fiction werden populäre Narrationen um- und weitergeschrieben. Im Subgenre slash fiction dichten häufig Mädchen männlichen Figuren 'homosexuelle' Beziehungen an. Viele dieser Erzählungen überschreiten die Grenze von der Liebesgeschichte zur Pornographie. In online-Archiven diskutieren die Leser_innen sie auch im Hinblick auf sexualmoralische Grenzziehungen. Konflikte drehen sich u.a. um den Übergang vom verbalen zum körperlichen Kontakt, da eine Grenzüberschreitung stattfindet, die sich nachträglich als unwillkommen erweisen könnte. Unerwünschte sexuelle Aufmerksamkeit gilt in der Verhandlungsmoral jedoch als anstößig. Gerade in Erzählungen über im canon verfeindete Figuren wie Harry Potter und Draco Malfoy aus Rowlings Jugendreihe ist der Übergang heikel. Konsensmoralische Konzepte schlagen oft verbale Fragen und Antworten als Lösung vor, um eine möglichst risikoarme sexuelle Annäherung zu gewährleisten – doch auch eine Frage kann als Übergriff wahrgenommen werden. Zur Minimierung dieser Problematik werden in Harry Potter-fan fiction oft (zum Teil verbunden mit dem männlich konnotierten Stereotyp vom randy teenager) magische Lösungen wie Telepathie präsentiert, die jedoch ihrerseits einen übergriffigen Charakter haben, weil sie ungefragt körperliche oder mentale Grenzen auflösen. Ausschnitte einzelner Erzählungen über Draco/Harry und ihrer Rezeption werden im Hinblick auf Ambivalenzen sexueller und sexualmoralischer Erregung hin gedeutet.

 

„Sexualization of a child“ – Grenzüberschreitende Kunst und sexualmoralische Grenzziehungen im Kontext von #MeToo

Dr. Sonja Witte
IPU

Die #MeToo-Debatte gilt weithin als eine Zäsur im gesellschaftlichen Umgang mit sexuellen Grenzüberschreitungen und geschlechtsspezifischen Machtungleichheiten. Die These des Beitrags lautet, dass im Kontext der #MeToo-Debatte exemplarisch Konfliktpotentiale des verhandlungsmoralischen Paradigmas gegenwärtiger Sexualkultur hervortreten und sich diese in spezifischer Weise in Aushandlungen sexualmoralischer Grenzziehungen angesichts ‚Pädophilie‘ inszenieren.

Der Beitrag beschäftigt sich mit einer an das Metropolitan Museum (NYC) gerichteten Petition, die sich im Zuge von #MeToo gegen die Präsentation des Gemälde „Thérèse rêvant“ (Balthus 1938) richtete. Die Analyse der in der Kampagne aufgerufenen ‚pädophil-grenzüberschreitenden‘ Aspekte des Kunstwerks zielt auf die Frage, inwiefern kulturell-gesellschaftliche Verhandlungen von sexuellen Grenzüberschreitungen und sexualmoralischen Grenzziehungen mit (geschlechtlich aufgeladenen) Bildern und Vorstellungen kindlich-jugendlicher Sexualität verbunden sind und sich hier prädestiniert Ambivalenzen und Grenzen des verhandlungsmoralischen Paradigmas abzeichnen. Angeregt werden soll zur Diskussion, inwiefern kulturelle Konflikthaftigkeit sexualmoralischer Diskurse für erziehungswissenschaftliche Perspektiven auf gegenwärtige Phänomene des Geschlechterverhältnisses und infantiler Sexualität von Bedeutung sind.

 

„Nur das Schlimmste verhindern!“ Prävention als Versuch der Begrenzung des (un)heimlich Sexuellen

Prof. Dr. Julia König
Gutenberg Universität Mainz

In den letzten Jahren häufen sich hitzige, moral(ist)isch aufgeladene Debatten und Skandale im Spannungsfeld von Kindern, Kindheit und Sexualität, deren Fluchtpunkt sowohl auf progressiver wie konservativer oder rechter Seite der Präventionsgedanke setzt. So werden sowohl die kritisierte wie auch eingeforderte sexualmoralische Grenzziehungen im Erziehungs- und Bildungsbereich durch den Hinweis auf eine ungenügende oder auch fehlgeleitete Prävention begründet.

Diese Dynamik soll im Beitrag daraufhin analysiert werden, welchen Nöten und Bedürfnissen die projektiv aufgeladenen Verfolgungsphantasien und entsprechende Präventionsmaßnahmen entgegenkommen, und inwiefern sich diese als Versuch einer Begrenzung eines unheimlich Heimlichen begreifen lassen. Besonders in den Fokus genommen wird dabei der andauernde öffentliche Angriff auf die ‚Sexualpädagogik der Vielfalt‘ durch medial breit flankierte Initiativen ‚Besorgter Eltern‘ und sich als sexualmoralische Aktivist:innen inszenierender politischer Akteur:innen einerseits und andererseits die kollektive Phantasie von der auf das ‚unschuldige Kind‘ lauernden Bestie, die dann nach Herzenslust gejagt werden kann. Gezeigt werden soll auf dieser Grundlage, inwiefern die erwachsene Irritation über kindliche Sexualität und darin die Verkennung der Differenz (und damit der Grenze) zwischen kindlicher und erwachsener Sexualität diese Dynamik der präventiv legitimierten Jagd befeuern.

 
14:00 - 16:00Digitalisierung in der Erwachsenen- und Weiterbildung: Potenziale digitaler Medien für Zugänge zu Weiterbildungsangeboten
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 13
 

Chair(s): Prof. Dr. Halit Öztürk (Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Deutschland)

Die Arbeitsgruppe diskutiert Fragen nach der Bedeutung digitaler Medien in der Erwachsenen- und Weiterbildung insbesondere mit dem Blick auf die Möglichkeiten und Grenzen ihrer Zugänglichkeit und adressat:innenorientierten Gestaltung. Zuerst wird die Teilnahme an digitalen Bildungsformaten auf Basis der AES-Daten beleuchtet. Darauf folgt ein Beitrag zu Einstellungen und zur Teilnahme von Personen unterschiedlicher Qualifikationsniveaus an Weiterbildung mit digitalen Medien. Im Anschluss werden zum einen das Bildungsformat der Massive Open Online Courses hinsichtlich seiner Potenziale für die Kompetenzentwicklung und zum anderen das vhs-Lernportal mit Blick auf seine Anwendung und die Schulung von Kursleitenden diskutiert. Zuletzt werden erste Ergebnisse eines Forschungsprojektes zu digitalen Ansprachemöglichkeiten von Adressat:innen der Alphabetisierung und Grundbildung vorgestellt

 

Beiträge des Panels

 

(Weiter-)Bildung mit digitalen Medien im AES: Operationalisierung und Ergebnisse

Frauke Bilger, Alexandra Strauß
Kantar Public, Deutschland

Die BMBF-Studie zum Weiterbildungsverhalten in Deutschland dient u.a. als Instrument des (bildungspolitischen) Monitorings im Rahmen der Erwachsenenbildung und wird seit dem Jahr 2007 nach dem Konzept des EU-weiten Adult Education Survey (AES) alle zwei bis drei Jahre erhoben (Bilger et. al. 2017). Neben den zentralen Trendindikatoren werden im Rahmen der Studie bildungspolitisch relevante Themenschwerpunkte aufgegriffen, zuletzt im AES 2018 mit der Zusatzstudie Digitalisierung in der Weiterbildung (BMBF 2020).

Der Beitrag geht zunächst darauf ein, wie im Rahmen der Studie ein Instrument zur Messung der Teilnahme an Bildung mit digitalen Medien entwickelt und als dauerhaftes Instrument für ein bildungspolitisches Monitoring von „Bildung mit digitalen Medien“ zunächst in die Folgebefragung des deutschen AES 2020 übernommen wurde. Mit den beiden Erhebungen des AES 2018 und 2020 können erste Ergebnisse zur Veränderung der Teilnahme gezeigt werden. Aus gegebenem Anlass wurden in den AES 2020 corona-spezifische Zusatzfragen eingesetzt, darunter auch die Frage zur Veränderung von Bildungsaktivitäten von Präsenz zu Onlineformaten. Im Beitrag wird vor allem folgenden Fragen nachgegangen: Erleichtern Bildungsangebote mit digitalen Medien den Zugang zu Bildung für bildungsferne Zielgruppen? Gab es besondere gruppenspezifische Veränderungen zwischen den Jahren 2018 und 2020, auch mit Blick auf die veränderten Rahmenbedingungen im Kontext der Pandemie?

 

Einstellungen zu digitalen Medien und Teilnahme an digital gestützter Weiterbildung

Dr. Sara Reiter
Freie Universität Berlin

Hinsichtlich der Frage nach der Förderung der Chancengleichheit in der Weiterbildung werden mit dem Einsatz digitaler Medien sowohl Potenziale als auch Risiken verbunden (Rohs, 2020, S. 37). Blickt man auf die empirische Befundlage zur Teilnahme an digital gestützter Weiterbildung, so zeigt sich auch hier das in der Weiterbildung allgemein bekannte Muster, dem zufolge Personen mit höheren Qualifikationen eine höhere Teilnahmequote aufweisen als Personen mit niedrigen Qualifikationen (BMBF, 2020, S. 35f.). Als Ursachen für die ungleiche Teilnahme können fehlende Gelegenheiten ebenso als relevant erachtet werden wie unterschiedliche Voraussetzungen und Präferenzen der Adressat:innen, mit digitalen Medien zu lernen (u.a. Rohs, Pietraß & Schmidt-Hertha, 2020, S. 368; Hawlitschek & Fredrich, 2018, S. 9). Der vorliegende Beitrag knüpft an die zuletzt genannte Perspektive an. Auf Grundlage der Daten des Adult Education Survey 2018 wird bezugnehmend auf handlungstheoretische Modelle (Theory of Planned Behavior, Technology Acceptance Model) untersucht, inwiefern Einstellungen zu digitalen Medien in Zusammenhang mit der Teilnahme an digital gestützten Weiterbildungsangeboten stehen und inwiefern sie zur Erklärung von Teilnahmeunterschieden zwischen unterschiedlichen Qualifikationsgruppen beitragen können. Abschließend werden Implikationen für die Forschung und Praxis diskutiert.

 

Digitale Kompetenzen für österreichische Privatangestellte: Erfahrungen mit der Entwicklung, Durchführung und Evaluation eines Massive Open Online Courses

Dr. Martin Ebner1, Sarah Edelsbrunner1, Dr. Sandra Schön1, Karin Steiner2
1Technische Universität Graz, Österreich, 2abif – analyse. beratung. interdisziplinäre forschung, Österreich

Die zunehmende Digitalisierung verändert berufliche Tätigkeiten und Berufsbilder (Bliem et al. 2018). In einem gemeinsamen Vorhaben des Forschungs- und Beratungsinstitut ABIF (Analyse Beratung und interdisziplinäre Forschung), der Gewerkschaft der Privatangestellten – Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) sowie der TU Graz wurde auf Grundlage des europäischen DigComp-Modells (Carretero et al. 2017) bzw. des österreichischen Pendants (BMDW 2018) ein sog. Massive Open Online Course konzipiert, der im Frühjahr 2021 mit mehr als 1.700 Teilnehmenden durchgeführt wurde („DigiSkills für alle – Machen Sie sich fit für die digitale Welt!“, https://imoox.at/course/DISKA). Der Kurs wurde dabei aufbauend auf Erfahrungen mit MOOCS für ähnliche Zielgruppen (Ebner et al. 2015) u.a. mit einem Arbeitsheft angeboten. Der Beitrag stellt Konzeption, Gestaltung und Evaluation des Vorhabens vor und zieht eine kritische Bilanz zu den Herausforderungen und Chancen eines solchen Vorhaben zur Erhöhung digitaler Kompetenzen in der Arbeitnehmendenschaft.

 

Blended Learning mit dem vhs-Lernportal

Michael Thiel, Gabi Netz
Deutscher Volkshochschul-Verband eV. (DVV)

Mit der Corona-Krise erfährt digitales Lernen einen immensen Aufschwung, allerdings lässt sich schon für die letzten Jahre ein stetiger Relevanzgewinn digital gestützten Lernens in der Erwachsenen- und Weiterbildung verzeichnen. Mithilfe digitaler Plattformen wie dem vhs-Lernportal können Teilnehmende zeit- und ortsunabhängig im eigenen Tempo lernen und individuell via Online-Tutoring gefördert werden. Das vhs-Lernportal wird vor allem im Bereich Grundbildung und DaZ eingesetzt und hat sich als hilfreiches und breit genutztes Lerninstrument etabliert - die im vhs-Lernportal verfügbaren Online-Module des Integrationskurses bspw. sind vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) als Lehrwerk zugelassen. Es hat sich dabei gezeigt, dass der Einsatz in Kursen vielfältige Herausforderungen (Heterogenität der Teilnehmenden und der Kursleitungen hinsichtlich Medienkompetenz, technische Ausstattung der Einrichtungen etc.) mit sich bringt. Besonders die zielgerichtete Schulung von Kursleitungen ist ein integraler Bestandteil der Projektarbeit, damit Online-Phasen didaktisch sinnvoll und gewinnbringend in bestehende Kursformate integriert werden können. Der Beitrag thematisiert und diskutiert, wie diesen Herausforderungen begegnet werden kann, welche Best Practice- und Schulungs-Konzepte daraus erwachsen sind und wie Teilnehmende und Kursleitungen ihrerseits mit Anregungen und regelmäßigem Feedback die technisch-inhaltliche Weiterentwicklung des vhs-Lernportals begleitet haben.

 

Ansprachewege für Angebote der Alphabetisierung und Grundbildung in digitalen Räumen

Prof. Dr. Halit Öztürk, Vera Lüneberg, Eva Humt
Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Deutschland

Der Beitrag vertieft das Thema der Zugänge zu Weiterbildungsangeboten hinsichtlich der Möglichkeiten einer digitalen Ansprache von Adressat:innen von Alphabetisierungs- und Grundbildungsangeboten, deren Erreichbarkeit nach wie vor eine zentrale Problemstellung bildet (Grotlüschen 2016, S. 11ff.). Der Beitrag präsentiert zunächst konzeptionelle Grundlagen des vom BMBF geförderten Forschungsprojekts „Ansprachewege für Angebote der Alphabetisierung und Grundbildung in digitalen Räumen (DiAnA)“, das Erkenntnisse zur Bedeutung des sozialen Umfelds von gering literalisierten Personen (ebd.) mit der Nutzung digitaler Medien durch die Adressat:innen (Grotlüschen et al. 2019, S. 32) und Personen ihres sozialen Umfeldes verknüpft und Möglichkeiten der sozialraumbezogenen Ansprache in digitalen Räumen untersucht. Im Anschluss an die Entfaltung dieses konzeptionellen Rahmens werden erste Forschungsergebnisse hinsichtlich des digitalen Nutzungsverhaltens und Möglichkeiten der Ansprache von Anbieter:innen, Teilnehmenden und dem sozialräumlichen Umfeld von Adressat:innen der Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit präsentiert und diskutiert.