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Sitzungsübersicht
Sitzung
Grenzgänge in transnationalen Bildungsräumen: Rekonstruktionen von Alltagspraxen an Deutschen Auslandsschulen
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
9:00 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 23
942 7509 3944, 297531
Sitzungsthemen:
3. Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft, 5. Schulpädagogik, Sektion 2, Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, Sektion 3, Kommission Interkulturelle Bildung, Sektion 5, Kommission Professionsforschung und Lehrerbildung, qualitativ, theoretisch, Deutsch

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Präsentationen

Grenzgänge in transnationalen Bildungsräumen: Rekonstruktionen von Alltagspraxen an Deutschen Auslandsschulen

Chair(s): Prof. Dr. Lisa Rosen (Universität Koblenz-Landau), Prof. Dr. Sina-Mareen Köhler (RWTH Aachen)

Diskutant*innen: Dr. Henrike Terhart (Universität zu Köln)

Deutsche Auslandsschulen werden „als grenzüberschreitend operierendes Bildungswesen besonderer Art“ (Adick 2013: 120) und als transnationale Bildungsräume (Adick 2018; Hornberg 2018) sensu Faist und Pries konzipiert. ‚Grenzgänge‘ in der Alltagspraxis werden im Symposium zum einen historisch hinsichtlich der Entwicklung des deutschen Auslandsschulwesens und (religiöser) Grenzziehungen nachgezeichnet. In empirischen Beiträgen wird zum anderen auf Ethnisierungsprozesse im Spiegel der Berufsbiographien von Lehrkräfte fokussiert sowie auf Schüler:innen und die Bedeutung der Peers für die geteilte Erfahrung mehrdimensionaler Grenzüberschreitungen. Zudem werden – minimal kontrastierend – internationale Schulen, darunter auch französische Auslandsschulen, in Lissabon untersucht anhand der Frage, wie diese transnationalen Bildungsräume die Bildungsbiographien von Absolvent:innen prägen. Ein Kommentar rahmt die Ergebnisse vor dem Hintergrund der Konzeptionierung transnationaler Bildung.

 

Beiträge des Panels

 

Das deutsche Auslandsschulwesen aus historischer Perspektive – Zwischen Grenzziehung und politischer Abschottung

Prof. Dr. Christian Kuchler
RWTH Aachen

Die Geschichte der deutschen Auslandsschulen ist von der Geschichtswissenschaft kaum beachtet worden. Allerdings zeigen die wenigen vorliegenden Studien die klare Bedeutung von Be-Grenz-ung für die institutionelle wie auch pädagogische Arbeit der Schulen (Herzner 2018, 2019). Sie definierten sich zunächst als Einrichtungen, die eine – wie auch immer geartete – spezifische Form des „Deutschseins“ konservieren sollten, zugleich dienten sie aber auch als Abgrenzungsorgane gegenüber der autochthonen Gesellschaft. Unterstrichen wurde diese Eigenständigkeit vor allem im 18. und frühen 19. Jahrhundert durch den konfessionellen Charakter der Schulen, da oftmals in geschlossen katholischen Regionen deutsche Auslandsschulen als Gründungen protestantischer Gemeinden entstanden. Spätestens mit der Mitte des 19. Jahrhunderts trat dann neben das religiöse Motiv verstärkt das nationale. Die Schulen nahmen immer mehr die Funktion des Knotenpunktes der deutschsprachigen Communities ein. Hier liefen die Stränge aus allen Bereichen des Gemeindelebens zusammen, im Umgang mit den eigenen Kindern wurde das verhandelt, was als „deutsch“ und als in diesem Sinne erhaltenswert erachtet wurde (Kuchler 2016). Dieses Spannungsfeld zwischen Selbstwahrnehmung als Deutsche im Ausland und als Mittler der Grenzziehung gegenüber dem Gastland will der einführende Vortrag herausarbeiten und aufzeigen, wie im Verlauf des 20. und 21. Jahrhunderts der Versuch unternommen wurde, diese Konfliktlinien zu entschärfen.

 

Social boundary (un)making an deutschen Schulen in der Türkei: Ethnisierungsprozesse im Spiegel der Berufsbiographien von (angehenden) Lehrkräften und Schulleitungen

Janine Fißmer, Prof. Dr. Lisa Rosen
Universität Koblenz-Landau

In der Bildungspolitik wird angenommen, dass Lehrkräfte durch die Tätigkeit an einer deutschen Auslandsschule – so die Kultusministerkonferenz – „interkulturelle Kompetenzen“ (KMK 2017: 4) erwerben. Ausgangspunkt bildet der „Mythos“ (Leutwyler/Meierhans 2013: 26), dass Auslandsaufenthalte „quasi automatisch“ (ebd.; Mantel et al.2020) für den Umgang mit migrationsbedingter Diversität professionalisieren. Daran anknüpfend sowie auch an der theoretischen Rahmung deutscher Auslandsschulen als transnationale Bildungsräume (Adick 2017; Szakács-Behling et al. 2021) gehen wir in dem Projekt „Professionalisierung für die Schule der Migrationsgesellschaft durch Lehrkräftemobilität“ (Fißmer/Rosen 2021; Panagiotopoulou et al. 2020: 194ff) der Frage nach, welchen Stellenwert (angehende) Lehrkräfte ihren berufspraktischen Erfahrungen an einer deutschen Schule im Ausland (retrospektiv) beimessen. Im Vortrag präsentieren wir Grounded Theory Analysen (Charmaz 2014) von biographisch-narrativ orientierten Interviews mit dem Fokus auf das social boundary (un)making im Alltag deutscher Auslandsschulen in der Türkei und ziehen hierzu die Theorie sozialer Grenzziehungsprozesse (Wimmer 2013) heran. Rekonstruiert wird u.a., wie (angehende) Lehrkräfte und Schulleitungen dort – wie auch im schulischen Alltag in Deutschland – unter dem Label ‚mit türkischem Migrationshintergrund‘ als „Migrationsandere“ (Mecheril 2004: 36) positioniert und stigmatisiert werden (Mantel 2020).

 

Internationale Schulen als transnationale Bildungsräume? Bildungsbiographien von Absolvent:innen internationaler Schulen in der Region Lissabon

Dr. Anne Schippling
CIES-Iscte

Das Feld der internationalen Schulen – mit Auslandsschulen als eine Form – ist in den letzten Jahrzehnten weltweit stark expandiert und hat sich auf verschiedene Weise ausdifferenziert. In Portugal ist diese Entwicklung weniger rasant verlaufen, aber seit 2000 haben diese Schulen auch hier zunehmend Verbreitung gefunden, allerdings noch immer begrenzt auf den Privatschulsektor (Schippling/Abrantes 2018). Der Beitrag untersucht Bildungsbiographien von Absolvent:innen internationaler Schulen mit unterschiedlichem Profil in Lissabon, darunter auch französische Auslandsschulen, ca. zwei Jahre nach deren Übergang in die Hochschule. Im Fokus steht dabei die Frage, ob und, wenn ja, in welcher Weise die internationalen Schulen mit Blick auf deren Alltagspraxis als transnationale Bildungsräume (Adick 2005, 2018; Hayden 2011; Hornberg 2018) verstanden werden können und wie die Bewegung in diesen Räumen die Bildungsbiographien von Absolvent:innen dieser Schulen prägen (Keßler/Schippling 2019; Keßler 2020). Vorgestellt werden Ergebnisse der zweiten Phase eines Forschungsprojektes zum Feld der internationalen Schulen in Lissabon, in welcher biographisch-narrative Interviews mit Absolvent:innen von drei Schulen mit unterschiedlichem internationalen Profil mit der dokumentarischen Methode (Bohnsack 2010; Nohl 2012) analysiert wurden. Es wird gezeigt, in welcher Weise die Bewegung in transnationalen Bildungsräumen insbesondere die Phase des Übergangs in die Hochschule prägt.