Conference Agenda

The access to all Zoom rooms can be found on the congress platform (https://plattform.dgfe2022.de/en).
Login with your ConfTool user name and your ConfTool password.

Here you can find an overview and details of the sessions of this congress.
- You can filter the sessions by contribution type (including symposium, working group, research forum, parallel lectures), language (English, German, English and German in one event) and topics (research access, commissions, sections).
- Please select a date to show only sessions at that day.
- Please select a single session for detailed view (with abstracts).
- The speakers are shown underlined.
- A personal agenda can be created three weeks before the start of the congress on the congress platform of mcc Agentur für Kommunikation.
- The programme is subject to change.

 
Only Sessions at Location/Venue 
 
Session Overview
Session
Bildung des Menschen im Anthropozän. Die Grenzen des Menschen neu erforschen. Einsätze Pädagogischer Anthropologie
Time:
Tuesday, 15/Mar/2022:
9:00am - 11:30am

Virtual location: Zoom Seminar room 33

979 9782 2284, 577578
Session Topics:
2. General Education, Division 2, Subdivision Philosophy of Education, Division 2, Subdivision Educational Anthropology, qualitative, non-empirical theoretical, English and German in one event

Show help for 'Increase or decrease the abstract text size'
Presentations

Bildung des Menschen im Anthropozän. Die Grenzen des Menschen neu erforschen. Einsätze Pädagogischer Anthropologie

Chair(s): Prof. Christoph Wulf (FU Berlin), Prof. Jörg Zirfas (Universität Köln)

Discussant(s): Prof. Birgit Althans (Düsseldorf Kunstakademie), Dr. Friederike Schmidt (Uni Siegen), Prof. Sabine Seichter (Universität Salzburg)

In der Erziehungswissenschaft treffen wir auf die Erkenntnis, dass der Mensch sich durch bestimmte Praktiken und Technologien partiell oder ganz verändern kann. Dabei spielt die Verschiebung und Neubestimmung von Grenzen im Welt-, Menschen- und Selbstbild eine wichtige Rolle. Welche Bedeutung haben diese Erfahrungen der Grenze für Erziehung und Bildung? Nicht alles, was menschenmöglich ist, darf aus ethischen Gründen realisiert werden.Welchen Beitrag leisten die Forschungen und Reflexionen pädagogischer Anthropologie in diesem Zusammenhang und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Erziehung und Bildung? Grundlegende Veränderungen mit neuen Grenzverschiebungen im menschlichen Welt- und Selbstverständnis sind erforderlich. Dazu gehören nicht nur der Klimawandel und die mit ihm verbundenen destruktiven Entwicklungen, sondern auch die digitale Transformation. Hinzu kommen die Wissenschaften, die an der Verwirklichung nachhaltiger Entwicklung und Bildung arbeiten.

 

Presentations in this panel

 

Education as Human Knowledge in the “Anthropocene”.

Prof. Nathanaël Wallenhorst1, Prof. Christoph Wulf2
1Universität Angers, 2FU Berlin

The discourses on this subject take as their starting point the fact that the fate of the planet today is largely determined by human beings; at the same time, however, human lives are determined by the fate of the planet. Our destructive acts contribute to climate change, the destruction of the environment, the depletion of non-renewable resources, the nuclear arms race, etc. Responsible for this development are conceptions of humanity which are inherently violent, and it is this violence that needs to be addressed. Central to this process are the boundaries and the self-limitations of human actions. An example illustrates how destructive modes of behavior can be reduced if we modify our conception of humanity. We present empirically supported hypotheses which show the importance of conceptions of humanity, performative behavior, and mimetic learning for new social practices to emerge, such as rituals, gestures and customs in the context of education for sustainability. Imagining alternative conceptions and practices is an important part of a creative education for sustainable development.

 

Die Grenzen der Transformation zur Nachhaltigkeit. Pädagogisch-anthropologische Perspektiven

Dr. Nino Ferrin, Dr. Ingrid Kellermann
FU Berlin

Schon seit längerer Zeit tritt die globale Krise als ökologische, pandemische und politische in Erscheinung und bringt die Menschen in ihrem alltäglichen Handeln in die Schwierigkeit, sich zwischen zwei konkurrierenden Handlungs- und Verhaltensmöglichkeiten und den ihnen impliziten Menschenbildern entscheiden zu müssen. Denn um die drängenden Probleme der Menschheit zu bearbeiten, ist die Veränderung vieler Gewohnheiten und die Entwicklung neuer Lebens-Perspektiven und -Szenarien erforderlich. Doch viele Menschen wollen und können die einmal eingeübten Praktiken ihres alltäglichen Lebens nicht verändern. Sie widersetzen sich dem Anspruch, ihre Lebenswelt im Sinne einer Entwicklung in Richtung auf mehr Nachhaltigkeit zu verändern. Ihre Verweigerung, an der Eindämmung von Umwelt- und anderen Katastrophen mitzuwirken, wirft die Frage auf, welche zukunftsbezogenen Orientierungsmuster sich für die erforderliche Transformation des Ist-Zustandes entwickeln lassen und welchen Beitrag Erziehung, Bildung und Sozialisation für deren Verwirklichung leisten können. Am Beispiel der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesrepublik 2021 werden solche grundlegenden Muster nachhaltiger Bildung untersucht und auf die ihnen zugrundeliegenden Menschenbilder hin analysiert. Zudem wird die Frage untersucht, welche Möglichkeiten und Grenzen das utopische Potential der Nachhaltigkeitsstrategie 2021 für Erziehung und Bildung hat.

 

Hacking Humanity: Digitalität und Anthropopraxis

Prof. Benjamin Jörissen
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Forschungen zum Projekt der Historischen Anthropologie und der Pädagogischen Anthropologie haben in den letzten Jahrzehnten vielfältig dazu beigetragen, ihre Ausgangsthese der immanenten Historizität ihres Gegenstands anhand konkreter Bezugsfelder zu entfalten. „Der Mensch“ ist nicht einfach als Gegenstand der anthropologischen Reflexion „gegeben“; er geht vielmehr aus kulturellen Praktiken – des Körpers, der Wahrnehmung und Imagination, des Gedächtnisgebrauchs, der Mimesis, des Selbst- und Gemeinschaftsbezugs im Ritual, wesentlich auch aus intentional-formativen Praktiken der Erziehung, der Körpermodifikation (Medizin) und Körpererweiterung (Technik und Medialität) hervor. Das kulturelle Wissen des Menschen über den Menschen ist für das, was sich zusammenfassend als Anthropopraxis bezeichnen lässt, maßgeblich. Digitalisierung ist vor diesem Hintergrund als zutiefst kulturell und anthropologisch relevantes Phänomen zu verstehen: sie greift in die tradierten kulturellen Anthropopraxen ein. Auge vs. „Retina“-Display, Sinnlichkeit vs. digitale Sensorik, Hermeneutik vs. Deep Learning, Urteilskraft vs. Automated Decision Making, Sozialität vs. Social Stream, Anerkennung vs. Echokammer, Humangenom vs. Biotinkering, Bildsamkeit vs. präemptives Profiling: Die dem zugrundeliegende Logik des Hackens ist keine neue, doch ihre Akteure sind es. Der Beitrag untersucht die Bedeutung und die Anschlüsse von Pädagogik im Zeitalter des Designs und Engineerings des Humanen.

 

Grenzen der Kompetenz: Der Mensch als könnendes Lebewesen. Eine anthropologische Perspektive.

Prof. Johannes Bilstein
Universität Innsbruck

Das für den gesamten Ausbildungs- und Erziehungsbereich paradigmatische Vordringen von Kompetenz-Orientierung als regulativer Idee pädagogischen Handelns hat zu einer Reihe von inzwischen auch intensiv diskutierten und kritisierten Konsequenzen geführt: eingegrenzte Bedeutung des Kanons, vervielfältigte Notwendigkeiten und Möglichkeiten der Kontrolle, Imaginationen der institutionellen und individuellen Optimierung von Lernprozessen, Veränderte Bedeutung von Lern-Inhalten. Damit bewegt sich diese Orientierung in einer alten Tradition der Steuerung und der rationalen Kontrolle, die eng mit den säkular-aufklärerischen Ansprüchen menschlicher Weltbewältigung verknüpft ist. Zugleich fokussiert sich diese kompetenzorientierte, an der ökonomischen und biographischen Produktivierung von individuellen Entwicklungsprozessen ausgerichtete Perspektive auf lediglich eine Art vieler möglicher Weltbezüge des Menschen – insofern grenzt sie die Komplexität und Polyvalenz menschlicher Verwobenheiten massiv ein. Andere, nicht auf „Können“ gerichtete Orientierungen werden dagegen ausgeblendet, vernachlässigt und ausgegrenzt. Nimmt man die Gesamtheit dieser möglichen Weltbezüge in den Blick, erscheint insbesondere der Umgang mit Kunst und Kultur unvergleichlich vielfältiger, reicher und anthropologisch angemessener.