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Sitzungsübersicht
Sitzung
Poster-Cluster: Vielfältige Forschungslandschaft Inklusive Pädagogik
Zeit:
Montag, 14.03.2022:
11:30 - 13:00

Chair der Sitzung: Susanne Michel, Uni Bremen
Chair der Sitzung: Mira Telscher, Universität Bremen
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 04

991 0587 7576, 569878
Sitzungsthemen:
6. Sonderpädagogik, Deutsch

In diesem Cluster werden acht Poster vorgestellt, die alle deutschsprachig sind.


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Präsentationen

Begrenzte Freizeit? Einfluss der sozialen Herkunft auf die Nutzung organisierter Freizeitangebote im Jugendalter

Dr. Karen Hemming

Deutsches Jugendinstitut, Deutschland

Die Nutzung organisierter Freizeitangebote spielt im Jugendalter eine wichtige Rolle. Das Potenzial der darin stattfindenden non-formalen Bildungsprozesse wird dabei häufig unterschätzt, obwohl es weit über die Förderung schulischer Kompetenzen hinausgehen kann (Farb & Matjasko, 2012). Besonders sozial benachteiligte Jugendliche können von diesen non-formalen Bildungsangeboten profitieren, denn sie haben insgesamt einen größeren Unterstützungsbedarf (Mahoney & Stattin, 2000). Allerdings werden Selektionseffekte der sozialen Herkunft bislang immer noch selten in Wirkungsstudien einbezogen, gleichzeitig ist die bestehende Studienlage wenig differenziert. Es fehlt sowohl an Studien, die die Aktivitätsnutzung über einen längeren Zeitraum betrachten, als auch an Studien, die verschiedene Aktivitätsdeterminanten berücksichtigen (z.B. Dauer, Vielfalt).

Der Beitrag geht entsprechend der Frage nach, welchen Einfluss soziale Herkunftsindikatoren auf die Ausübung organisierter Freizeitaktivitäten und damit verbundener Aktivitätsdeterminanten im Verlauf der Schulzeit haben? Ein besonderer Fokus wird auf die Qualität der Angebote und die Angebotsorte gelegt.

Es werden Befunde einer quantitativen Studie präsentiert, an der n=1.547 Jugendliche in ihrem letzten Pflichtschuljahr (9./10. Klasse, Schuljahr 2019/20) teilgenommen haben. Organisierte Freizeitaktivitäten, die die Jugendlichen im Verlauf ihrer Schulzeit ausgeübt haben, wurden darin differenziert über ein Kalendarium erfasst. Um den Einfluss der sozialen Herkunft zu untersuchen, wurde für die Aktivitätsdeterminanten Dauer und Vielfalt der Aktivität sowie Qualität und Angebotsort jeweils ein separates Regressionsmodell berechnet, dass als Prädiktoren die Herkunftsindikatoren kulturelles, soziales und ökonomisches Kapital (Bourdieu, 1983) sowie Geschlecht, Migrationshintergrund und schulische Leistung berücksichtigt.

Es zeigte sich, dass besonders die Vielfalt an genutzten Aktivitäten durch benachteiligte Lebenslagen der Jugendlichen eingeschränkt wird, dabei ist der stärkste Prädiktor das kulturelle Kapital in der Familie. Zudem nutzen benachteiligte Jugendliche vemehrt Freizeitangebote im schulischen Kontext. Die Befunde werden vor dem Hintergrund der Selektivität außerschulischer Bildungsprozesse diskutiert.



Negotiating professional boundaries. Eine Deutungsmusteranalyse über den pädagogischen Umgang von Lehrpersonen mit vielfältigen geschlechtlichen und sexuellen Lebensweisen

Florian Cristóbal Klenk

TU Darmstadt, Deutschland

Die Frage, wie in der Organisation und Institution Schule mit der Vielfalt an Lebensweisen unter den Beschäftigten und Adressat:innen professionell gearbeitet werden kann und soll wird im Postervortrag unter besonderer Berücksichtigung des inter-/nationalen Forschungsstandes zur Situation von LGBTIQ*-Personen im Bildungssystem analysiert. Ausgangspunkt für das Poster stellt die Dissertation des Autors dar, in welcher auf Basis episodischer Interviews (Flick 2011) mit cis‑, trans‑ und inter‑geschlechtlichen sowie hetero‑, bi‑ und homosexuellen Lehrpersonen (n=15) mit dem qualitativen Forschungsansatz der (Reflexiven) Grounded Theory Methodology (Breuer/Muckel/Dieris 2019) drei soziale Deutungsmuster (Bögelein/Vetter 2019) über den professionellen Umgang und die Thematisierung vielfältiger geschlechtlicher und sexueller Lebensweisen rekonstruiert wurden. Anhand ausgewählter empirischer Ergebnisse wird aufgezeigt, wie Lehrpersonen in Rekurs auf unterschiedliche Deutungsmuster die Grenzen der institutionellen Zuständigkeit und professionellen Verantwortung für vielfältige Lebensweisen (Hartmann 2002) diskursiv aushandeln. Im Fokus des Beitrags steht die dialektische Un/Gleichzeitigkeit von Grenzziehungen und Grenzverschiebungen (post-)heteronormativer Normalitätsordnungen aus Perspektive von (LGBTIQ*) Lehrpersonen.



Inklud-e: Professionalisierung für Inklusion und Digitalisierung durch multimediale Formen der Fallarbeit im Lehramtsstudium

Prof. Dr. Petra Büker1, Dr. Katrin Glawe1, Insa Kristin Menke2, Jana Herding1

1Universität Paderborn, Deutschland; 2Universität Bielefeld, Deutschland

Inklusion und Digitalisierung bilden neue Anforderungsbereiche für die Lehrer*innenbildung. Diese Querschnittskompetenzen rein additiv in die Studienpläne zu integrieren, würde wesentliche Synergiepotenziale außen vor lassen. Im Projekt inklud-e wurde ein hochschuldidaktisches Konzept zur Verschränkung inklusiver (KMK 2019) und digitalisierungsbezogener Basiskompetenzen (KMK 2016) in heterogenitätsbezogenen Modulen entwickelt. Der professionelle reflektierte Umgang mit Heterogenität wird durch die Verknüpfung von videographierten Unterrichtssettings und Fallportraits (Moldenhauer et al. 2020) durch die Methode der rekonstruktive Kasuistik (Steinke 2014) angestrebt. In Weiterentwicklung einer frei zugänglichen webbasierten Fallsammlung von Kindern/Jugendlichen mit und ohne besonderen Unterstützungsbedarf (www.vielfaltstabelau.uni-paderborn.de, Büker et al. 2015) werden im Projekt inklud-e Lehr-/Lernmaterialien für bildungswissenschaftliche Lehre über ein CMS zur Verfügung gestellt, in Blended-Learning-Kontexten erprobt und evaluiert. Konkret werden die Fallportraits mit realen Unterrichtsclips (u.a. 360°- Grad) und Audioquellen (z.B. Experten*inneninterviews) verknüpft, indem das Kind/der Jugendliche gedanklich in das Setting hineinprojiziert wird. Dazugehörige Aufgabensets zielen auf inklusiv-mediendidaktische (Kamin et al. 2018), normalismuskritische (Link 2013, Cornel 2021) individuelle und diskursive Reflexionen eigener Normalitäts- und Differenzvorstellungen im Kontext schulischer Teilhabe. Die Beobachtungs-, Analyse-, sowie insbesondere die Reflexionskompetenz bilden gemäß einer professionellen Wahrnehmung von Unterricht (Sherin 2007) die didaktischen Ziele der Sets, deren übergeordnete Leitfrage lautet: Wie kann eine stärken- und bedürfnisorientierte Lernumgebung gestaltet werden, die auf das Ziel größtmöglicher Teilhabe gerichtet ist? Ergebnisse der quantitativen Prä-/Post-Befragung von Grundschullehramtsstudierenden (n=165) aus unterschiedlichen Studienphasen verdeutlichen, welche Potenziale der pädagogisch-reflexiven Arbeit mit multimedial konstruierten „fremden“ Fällen und dem `Handeln im (digitalen) Proberaum“ zugeschrieben werden (Büker et al. 2022 in Vorb.). Es zeigt sich, dass die Entwicklung von Multiperspektivität (Fabel-Lamla & Lindner-Müller 2020) gefördert werden kann. Zu diskutieren ist, welchen Beitrag multimediale Formen der Fallarbeit für die aktuelle Neuausrichtung der Hochschullehre leisten kann.



Interaktion und Interaktionsorganisation im digital-gestützten inklusiven Unterricht. Einblicke in ein rekonstruktiv angelegtes ethnographisches Forschungsvorhaben in der Sekundarstufe I

Marion Yvonne Schwehr

Universität Siegen, Deutschland

Bisherige Analysen im Kontext von Unterricht und digitalen Medien erforschen den Erwerb von Medienkompetenzen, didaktische Aspekte sowie Formen individueller Förderung (vgl. Bastian & Auf­enager 2017). Unberücksichtigt bleibt, wie sich digitale Medien auf das Interaktionsgeschehen des inklusiven Unterrichts auswirken. Interaktionen im Klassenzimmer sind auf besondere Weise störungsanfällig (bspw. durch unterschiedliche Verhaltenserwartungen und -normen) und benötigen deshalb Mechanismen, die die Interaktionsordnung stützen und herstellen (vgl. Thiel 2016).

Hier setzt das ethnographische Dissertationsprojekt an, das als Teil des Verbundprojekts „Unterrichtsent­wicklung in der Sekundarstufe I digital und inklusiv durch Research Learning Communities“ (UDIN) der Universitäten Siegen und Duisburg-Essen fragt, wie digitale inklusive Unterrichtspraxen hergestellt und aufrechterhalten und welche Interaktionsstrukturen und -ordnungen sichtbar werden.

Die Frage, wer oder was den Unterricht stört bzw. wer oder was zur Wiederherstellung einer Ordnung hinzugezogen wird, verweist darauf, dass Unterricht in der Praxis konstruiert wird. Das Handeln der beteiligten Akteure, aber auch die Nutzung von Artefakten (bzw. digitalen Medien) besitzen eine besondere Relevanz bei der Gestaltung und Beeinflussung von Handlungsabläufen. Mit der Brille der Theorie sozialer Praktiken und ihren Transfer auf den schulischen Unterricht kann diese Materialität und das praktische Tun in den Fokus genommen werden und der Frage nachgegangen werden, wie soziale Ordnung entsteht und wie sie stabilisiert wird.

Konzeptionell bezieht sich die Arbeit auf interaktionistische (Medien- und Unterrichts-)Theorien (Goffman 1983, Houben 2018, Schatzki 2001) und Praxistheoretische Perspektiven (Reckwitz 2012). Mithilfe der Ethnomethodologie kann das Tun der Akteure in sozialen Situationen betrachtet werden. Ihr liegt der Gedanke zugrunde, dass sich beobachtbare Strukturen in den einfachsten praktischen Handlungen offenbaren. In Beobachtungsprotokollen werden inklusive unterrichtliche Situationen mit digitalen Medien beschrieben, die Aussagen über die Ordnungsstrukturen von Unterricht (Distanzunterricht und Unterricht in Präsenz) zulassen. Die Protokolle werden im nächsten Schritt mit der Grounded Theory nach Strauss & Corbin (1996) ausgewertet.

Im Beitrag sollen die theoretischen und methodologischen Grundannahmen sowie erste Ergebnisse vorgestellt werden.



Lernen in Antinomien – Ansprüche an eine inklusive Grundschuldidaktik

Prof. Agnes Pfrang1, Dr. Kathrin Müller2

1Universität Erfurt, Deutschland; 2Pädagogische Hochschule Ludwigsburg

In der inklusiven (Grundschul-) Didaktik (z.B. Reich 2014) werden heterogene Lernvoraussetzungen v.a. als Passungsproblem zwischen systemischen Strukturen und individuellen Lernvoraussetzungen diskutiert. Entsprechend beschäftigen sich aktuelle Veröffentlichungen v.a. mit organisatorischen Problematiken der Teilhabe an einer gemeinsamen Beschulung für alle (z.B. Gasterstädt 2019, Meyer 2019, Piezunka 2020, Reiss-Semmler 2019), um einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung für alle Schüler*innen zu ermöglichen. Dass Teilhabe an der Gemeinschaft jedoch mit Spannungen und Widersprüchen im Kontext von Freiheit und Gleichheit verbunden ist (Müller & Pfrang 2021) und ihre rein positive Konnotierung für den pädagogischen Diskurs zu kurz greift (Dietrich 2017), bleibt in diesen Forschungen weitgehend unberücksichtigt. So bleibt auch die Frage offen, wie sich Antinomien von Teilhabe im Grundschulunterricht aus Sicht der Akteure darstellen und diese pädagogisch-didaktisch bearbeitet werden können.

Um dieser Frage nachzugehen, wird Teilhabe gerechtigkeitstheoretisch und kulturanthropologisch als antinomische, pädagogische Ordnung inklusiven Unterrichts gefasst und durch folgende Fragestellungen konkretisiert: 1. Ist Teilhabe im inklusiven Unterricht konstitutiv mit Antinomien verbunden? 2. Sind diese Antinomien von Teilhabe bedeutsam für die beteiligten Akteure? 3. Wie verarbeiten Lehrkräfte die sich darstellenden Antinomien didaktisch? 4. Wie erfahren Schüler*innen die didaktischen Verarbeitungsstrategien?

In der hermeneutischen Analyse werden (inklusive) didaktische Theorien in Bezug auf das zugrundeliegende gerechtigkeitstheoretische und kulturanthropologische Verständnis von Teilhabe reflektiert. Mit einer qualitativ-rekonstruktiven Untersuchung werden die aus der Theorie gewonnenen Erkenntnisse um die Perspektiven der beteiligten Akteure erweitert. Durch teilnehmende Beobachtung und die Durchführung von Fokusgruppen sollen individuelle Denk-, Sicht- und Erfahrensweisen erhoben werden. Die erhobenen Daten werden mit der Objektiven Hermeneutik ausgewertet.

Es wird erwartet, dass gewonnene Erkenntnisse Rückschlüsse auf Besonderheiten bzw. Merkmale einer (inklusiven) teilhabeorientierten Didaktik zulassen und so auch Implikationen für die Unterrichtspraxis abgeleitet werden können.



InDiVers: Inklusive Diagnostik in Verfahren zur Feststellung sonderpädagogischen Förderbedarfs? Zwischen angemessener Förderung und institutioneller Diskriminierung

Dr. Julia Gasterstädt1, Prof. Dr. Katja Adl-Amini2, Anna Kistner1, Florian Cristóbal Klenk2

1Goethe-Universität, Deutschland; 2Technische Universität, Darmstadt

Mit der Forderung nach diskriminierungsfreier und gleichberechtigter Teilhabe aller Menschen in einem inklusiven Bildungssystem geht die Notwendigkeit angemessener Unterstützung einher. Damit ist das Spannungsfeld zwischen der individuellen Beschreibung notwendiger Hilfen und der Gefahr von Stigmatisierung und Diskriminierung angesprochen, das in der Debatte um Dekategorisierung diskutiert wurde (z.B. Walgenbach, 2018). Die regional differenten Feststellungsverfahren sonderpädagogischen Förderbedarfs (SPF) (Gasterstädt, Kistner & Adl-Amini, 2020) können als Lupenstelle für die Bearbeitung dieses Spannungsfelds auf administrativer und schulischer Ebene verstanden werden. Im Rahmen dieser Feststellungverfahren werden Schüler*innen klassifiziert und historisch gewachsene Grenzziehung zwischen Sonder- und allgemeiner Pädagogik sowohl auf organisationaler als auch professioneller Ebene aktualisiert (Heinrich, Urban & Werning, 2013; Tervooren, 2017).

Das interdisziplinäre, vom BMBF geförderte Verbundprojekt „InDiVers“ setzt hier an und fragt vor dem theoretischen Hintergrund institutioneller Diskriminierung (Gomolla & Radtke, 2009) danach, wie die Entscheidung über und Legitimation von Exklusion und die dem zu Grunde liegende Differenzordnung hervorgebracht werden. Uns interessiert, wie in diesen Verfahren pädagogisch Andere konstruiert werden, wie diese Prozesse in regional ausdifferenzierte Strukturen eingebettet sind und wie professionelle Akteure diese deuten und gemeinsam mit anderen Akteuren (z.B. Erziehungsberechtigten) vor dem Hintergrund je spezifischer Handlungslogiken und Normen prozessieren.

Dazu untersuchen wir die Feststellung von SPF in vier Bundesländern und verbinden die Rekonstruktion der regionalen Akteurskonstellationen mit der qualitativ‑längsschnittlichen Untersuchung von Verfahren im Einzelfall auf Ebene der Einzelschule.

As Forschungsdesign ist an der Grounded Theory Methodologie (Strauss, 1998) und Situationsanalyse (Clarke, Friese & Washburn, 2018) orientiert und trianguliert verschiedene vor allem qualitative Daten. Zum Transfer der Ergebnisse in die Praxis werden in Workshops in den Erhebungsregionen Impulse für die Weiterentwicklung der Verfahren vor Ort gesetzt und in einem ko-konstruktiven Prozess mit Personen aller Lehrkräftebildungsphasen Konzepte zur differenzreflexiven Professionalisierung von Lehrkräften entwickelt. Im Rahmen der Posterpräsentation stellen wir das Design sowie erste Einblicke in die Erhebung und Analyse vor.



Kinder als Akteur:innen von Inklusion. Eine Ethnographie.

Katharina Sufryd

Universität Duisburg-Essen, Deutschland

Das Promotionsprojekt ‚Kinder als Akteur:innen von Inklusion‘ ist als ein Teilprojekt in das Graduiertenkolleg zu querschnittlichen Fragen der Lehrer:innenbildung (GKqL) eingegliedert. Thematisch orientiert sich das Forschungsinteresse an der Feststellung einer systematischen 'Re-Produktion' sozialer Ungleichheit über die Herstellung von Differenz in institutionalisierten Selektionsprozessen im Bildungsverlauf von Kindern (vgl. Gomolla/Radtke 2009; vgl. Machold/ Wienand 2021). Vor dem Hintergrund der erziehungswissenschaftlichen Fachdebatte, um die gegenwärtigen inklusiven Verhältnisse, setzt sich dieses Projekt mit den strukturellen und organisationsspezifischen Ein- und Ausschlüssen von Kindern auseinander. Mit der Perspektive auf die grundsätzliche Teilnahme kindlicher Subjekte an der Re-Produktion sozialer Wirklichkeit wird auch von deren Involviertheit in Machtverhältnissen und in Ordnungen von Differenz und dessen Interdependenzen ausgegangen. Damit reagiert diese Arbeit auf das Desiderat in der erziehungs- und bildungswissenschaftlichen Inklusionsforschung, Kinder als Akteur:innen der Inklusion wahrzunehmen (vgl. Machold 2015).

Vor dem Hintergrund einer kontinuierlichen sozialen Ungleichheit, bei gleichzeitigem Inklusionsanspruch, ist es interessant zu erfahren, wie Kinder in den sozialpädagogischen und bildungssystemischen Räumen die inklusiven Prozesse mitgestalten. Im Hinblick auf diese qualitativ ausgerichtete Forschungsfrage werden ethnographische Daten im Rahmen eines Feldforschungsprojektes erhoben. Im Zentrum dabei steht das Verfahren zur Klärung von Leistungsvoraussetzungen (§ 35a SGB VIII und § 13(1) AO SF). Dieser Verfahrensweg lässt sich als eine institutionelle Praxis im Kontext schulischer Inklusion einordnen, die sich auf das individuelle Recht des Kindes in seiner individuellen Förderung stützt. Die Kinder stehen im Zuge einer Leistungsbewilligung unter der Bedarfsklärung einer sonderpädagogischen Expertise, medizinischen Diagnostik und sozialpädagogischen Einschätzung. Trotz dieses Einsatzes für die Rechtsprechung des Kindes auf dem Weg zu Bildung und Teilhabe, ist unter den organisationsspezifischen Bedingungen und pädagogischen Zuständigkeiten von Inklusion, die Perspektive des Kindes in seiner Vollzugspraxis aus dem Blick geraten.

Die Datenauswertung erfolgt im Sinne einer rekonstruktiven Sozialforschung im Grounded Theory Verfahren zirkulär und interpretativ. Differenz- und anerkennungstheoretische Einsichten (vgl. Ricken et al. 2017) stellen den heuristischen Rahmen für die Analyse dar.

Das Poster stellt Materialauszüge vor und lädt dazu ein, die ersten Einsichten und den Forschungszugang zu diskutieren und zu reflektieren.



Frühe Literalität, Frühe Mathematik und Wellbeing in der individuellen Lernentwicklungsanalyse für die inklusive Transition Kita – Schule (ILEA-Basis-T)

Shary-Jasmin Abbassi2, Lina Sietas3, Helke Redersborg1, Nicole Reichenbach1

1Universität Leipzig; 2Julius-Maximilians-Universität Würzburg; 3Universität Flensburg

In den bildungswissenschaftlichen Diskurs um eine gelingende Transition in die Grundschule wird im BMBF Verbundprojekt „Individuelle Lernentwicklungsanalyse von Basiskompetenzen in der inklusiven Transition Kita–Schule (ILEA-Basis-T)“ die Zielgruppe der Kinder mit erheblichen Lern- und Entwicklungsrückständen eingebracht. Insbesondere für sie ist eine verzahnte entwicklungsorientierte diagnostische Begleitung am Übergang in die Grundschule von Bedeutung (Petriwskyj et al., 2014; Simmons et al., 2007). Allerdings fehlen diagnostische Instrumente, welche die Lernentwicklung auf unteren Kompetenzstufen adäquat abbilden, obwohl sie für eine entwicklungsorientierte Lernprozessdokumentation und das Gelingen der Transition mitentscheidend sind (Fabian & Dunlop, 2007; Athola et al., 2011). Im Projekt werden diesbezüglich Diagnosebausteine zur Frühen Literalität und der Frühen Mathematik sowie zur Erfassung des im Entwicklungsprozess bedeutungstragenden psycho-sozialen Wohlbefindens (Wellbeing) entwickelt und erprobt. Zudem werden entsprechende Förderanregungen erarbeitet. Die vier im BMBF-Projekt verbundenen Promotionsvorhaben werden im Rahmen der Posterpräsentation gebündelt vorgestellt und die Synergieeffekte zwischen ihnen für das Gesamtvorhaben herausgearbeitet. Die Promotionen fokussieren jeweils einen der drei folgenden Inhaltsbereiche: Frühe Literalität (Helke Redersborg), Frühe Mathematik (Shary-Jasmin Abbassi & Lina Sietas) sowie Wellbeing (Nicole Reichenbach). Ansätze zur Bearbeitung der großen methodischen Herausforderungen in der Entwicklung diagnostischer Verfahren für die sehr heterogene Zielgruppe werden ebenso präsentiert und zur Diskussion gestellt wie das partizipative Vorgehen insgesamt unter dem Einbezug von pädagogischen Fachkräften.