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Sitzungsübersicht
Sitzung
Entgrenzte Normalitäten? – Die Erforschung von Selbst- und Weltverhältnissen im Kontext digitaler Transformationen
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
9:30 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 22
980 0700 1274, 502109
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, Sektion 2, Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, qualitativ, theoretisch, Deutsch

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Präsentationen

Entgrenzte Normalitäten? – Die Erforschung von Selbst- und Weltverhältnissen im Kontext digitaler Transformationen

Chair(s): Dr. Frank Beier (Technische Universität Dresden, Deutschland), Dr. Merle Hinrichsen (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Dr. Julia Lipkina (Universität Siegen), Dr. Maike Lamprecht (Universität Bielefeld)

Das Forschungsforum stellt die Frage nach der Erforschung und Konstitution „neuer“ Formen von Selbst- und Weltverhältnissen im Kontext der Digitalisierung. Zentral wird diskutiert, ob es auch neuer methodologischer Überlegungen in der qualitativen Bildungs- und Biografieforschung bedarf, um digitale „Medialiserungsformen des Selbst“ (Heinze 2018) adäquat zu erfassen und welchen Beitrag althergebrachte Konzepte leisten können. Durchaus kritisch soll sich damit auseinandergesetzt werden, ob es sich tatsächlich um eine „neue Normalität“ handelt und welche bildungstheoretischen Herausforderungen damit verbunden sind. Anhand von empirischen Beispielen werden konkrete Formen sozialer Selbstpräsentationen vorgestellt und methodologische Schlussfolgerungen gezogen. Das Forschungsforum geht aus dem Post-Doc-Netzwerk der QBBF-Kommission hervor und liefert einen Rahmen, innovative Ansätze zur Erforschung des Digitalen aus sehr unterschiedlichen Perspektiven zur Diskussion zu stellen.

 

Beiträge des Panels

 

Grenzen des Sagbaren verschieben? Die Artikulation von Rassismus- und Sexismuserfahrungen in Sozialen Medien

Dr. Merle Hinrichsen1, Betül Karakoc2
1Goethe-Universität Frankfurt am Main, 2Goethe-Universität Frankfurt

Die Verwobenheit von Rassismus- und Sexismus erhält in Folge jüngster Diskursereignisse zunehmende Aufmerksamkeit; insbesondere soziale Medien wie Instagram fungieren als Möglichkeitsräume des Austausches und der transnationalen Vernetzung (Kemp-Graham 2018). Diskussionen dort werden von konservativen Medien aufgegriffen und eröffnen Optionen, diskursive Sagbarkeitsgrenzen zu verschieben und gesellschaftlichen Tabuisierungen zu begegnen. Dies gilt auch für die Thematisierung von Diskriminierung in Bildungsinstitutionen. So finden sich in sozialen Medien vermehrt Posts, in denen marginalisierte Subjekte eigene biographische Erfahrungen präsentieren.

Unser Beitrag setzt hier an und fragt nach Form, Funktion und Bedeutung solcher medialen Selbstpräsentationen und den damit einhergehenden sozialen Positionierungen. Dabei stehen Möglichkeiten der Widerstandsartikulation ebenso im Fokus wie (neu entstehende) Sagbarkeitsgrenzen. Empirische Grundlage für diese Untersuchung bildet die Triangulation von schriftlichen Artikulationen von Diskriminierungserfahrungen und narrativen Interviews mit den Autor*innen; die Rekonstruktion erfolgt mit einer Kombination von aus Biographie- und Diskursanalyse.

Kemp-Graham, K. Y. (2018). # BlackGirlsMatter: A Case Study Examining the Intersectionality of Race, Gender, and School Discipline. Journal of Cases in Educational Leadership, 21(3), 21-35.

 

“Sehen und Gesehen werden” - Bildungstheoretische Perspektiven auf Artikulationsspielräume in digitalen Konferenzen

Dr. Julia Lipkina
Universität Siegen

Videokonferenzsysteme wie Zoom erlauben es, Nähe und Verbundenheit auf Distanz zu erleben. Obwohl sie der analogen Kommunikation ganz nahe kommen, entstehen mit ihnen andere Erfahrungs- und Handlungsräume, die das Verhältnis zu sich selbst und anderen transformieren können. So lassen sich Aspekte der Identität stärker in den Vordergrund stellen und optimierte Varianten des Selbst entwerfen. Besonders die Tatsache, sich selbst beim Sprechen zu sehen, impliziert eine Form der Selbstkontrolle und -inszenierung, die in der Kommunikation Face-to-Face undenkbar wäre. Gleichzeitig bleibt das Sich-Ansehen lediglich eine Simulation, in der das Subjekt trotz Anwesenheit des Anderen nur sich selbst spürt. Der geplante Beitrag fragt nach möglichen Folgen der intensivierten Selbstwahrnehmung bei gleichzeitigem Verlust des (an-)erkennenden Blickes des Gegenübers für Bildungsprozesse von Subjekten. Dazu sollen die kommunikativen und sozialen Strukturen virtueller Konferenzen vor dem Hintergrund einer artikulationstheoretischen Fassung von Bildung (Lipkina 2021) diskutiert werden, um nach Möglichkeiten und Restriktionen für Bildungsprozesse und ihrer empirischen Erfassung zu fragen.

Lipkina, J. (2021): Bildung und Transformation ‚anders denken’. Über die Bedeutung positiver Erfahrungen für Bildungsprozesse im Anschluss an Charles Taylor. ZfPäd 67, 1, 102-119.

 

Entgrenzung oder neue Normalität? Überlegungen zur Transformation von Bildungswelten im Kontext von Digitalisierung und Inklusion

Dr. Frank Beier
TU Dresden

Erziehungswissenschaftliche Theoriebildung hat sich über Jahrzehnte hinweg an der Relationierung von Subjekt und Objekt abgearbeitet. Während in den klassischen pädagogischen Auseinandersetzungen bspw. Fragen der Ermächtigung zur Autonomie durch heteronome Handlungsrahmen thematisiert werden und dabei ganz grundsätzlich - in etwa mit dem Begriff der Bildsamkeit - das Wesen pädagogischen Handelns an Bildungsprozessen austarieren, scheint sich die erziehungswissenschaftliche Debatte in den letzten Jahren deutlich verschoben zu haben. Neue Ankerpunkte sind stattdessen gesellschaftliche Transformationsprozesse wie Digitalisierung oder Inklusion. In beiden Diskursen wird eine neue Normalität propagiert, deren Subjektivierungsmechanismen zwar breit kritisiert, jedoch kaum mehr für pädagogische Theoriebildung genutzt werden. Während in der Inklusionsdebatte vor allem Differenzkonstruktionen und deren reifikatorische Wirkung angesprochen werden, werden im Digitalisierungsdiskurs v.a. Techniken der Selbstdarstellung und segregierter Kommunikationsräume diskutiert. Pädagogische Diskurse reagieren darauf, wenn überhaupt reaktiv. Im Beitrag sollen diese „Entgrenzungen“ systematisch hinterfragt werden. Erziehungswissenschaftliche Diskurse – so die These des Beitrags – sollten sich auf Grundprobleme pädagogischen Handelns beziehen, die durch gesellschaftliche Transformationen beeinflusst werden, anstatt vice versa gesellschaftliche Transformationsprozesse pädagogisch begleiten zu wollen.

 

Digitalität und Latenz – Methodologische Überlegungen zum „entgrenzenden“ Charakter rekonstruktiver Bildungs- und Biographieforschung

Dr. Maike Lambrecht
Universität Bielefeld

Neue Medien sind Ausdruck und Steigerung dessen, was A. Nassehi (2019) als „digitale Struktur“ moderner Gesellschaften bezeichnet hat. Digitalisierung stellt für den Soziologen Nassehi eine Form gesellschaftlicher Selbstbeobachtung dar, die Ordnung über Mustererkennung generiert, also latente Regelmäßigkeiten sichtbar macht. Darin sieht er auch die Ursache für das „Unbehagen“, das der aktuelle technologische Digitalisierungsschub im modernen Subjekt erzeuge: dieses gründe im „Sichtbarwerden der Unsichtbarkeit der gesellschaftlichen Antezendenzbedingungen des individuellen Lebens“ (S. 44). Vor diesem Hintergrund stellt der Vortrag methodologische Überlegungen zu einer erziehungswissenschaftlichen Bildungs- und Biographieforschung an, die die Frage der Digitalität zunächst einmal reflexiv auf diese Forschung selbst und ihr „entgrenzendes“ Interesse am Latenten des Sozialen wenden. Davon ausgehend werden in einem zweiten Schritt Anschlussfragestellungen skizziert, die sich aus diesen methodologischen Überlegungen für eine rekonstruktive Bildungs- und Biographieforschung im Kontext des Digitalen ergeben. Dabei ist insbesondere danach zu fragen, was das eigentlich Spezifische am aktuellen technologischen Digitalisierungsschub ist.

Nassehi, A. (2019). Muster. Theorie der digitalen Gesellschaft. München: C.H. Beck.