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Sitzungsübersicht
Sitzung
Übergänge in Arbeit - Zwischen Entgrenzung und Inklusion
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 34

971 8572 7089, 707731
Sitzungsthemen:
8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, 14. Organisationspädagogik, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, qualitativ, theoretisch, Deutsch

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Präsentationen

Übergänge in Arbeit - Zwischen Entgrenzung und Inklusion

Chair(s): Prof. Dr. Inga Truschkat (Universität Hildesheim, Deutschland)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Inga Truschkat (Universität Hildesheim)

Die Beratung und Begleitung von Übergängen in Arbeit erfährt nicht nur durch die Entgrenzung der Übergänge selbst eine Veränderung, sondern auch die sozial- und bildungspolitischen Entwicklungen fördern eine Entgrenzung auf systembezogener und inhaltlich formaler Ebene. So werden mit der Inklusionsdebatte im Zuge der Un-BRK die Grenzen und Begrenzungen sämtlicher Systeme des Übergangs in Frage gestellt. Zudem erhalten Formen der fallbezogenen und individuellen Problembearbeitung in der Beratung und Begleitung von Übergängen in Arbeit durch arbeitsmarktpolitische Neuerungen eine zunehmende Relevanz. Im Rahmen der Arbeitsgruppe werden diese Entgrenzungen in drei Beiträgen und einem Kommentar aus unterschiedlichen Perspektiven thematisiert. Dabei werden konzeptionelle und empirische Überlegungen erziehungswissenschaftlicher Subdisziplinen und der Rechtswissenschaft aufgegriffen und in einer rahmenden Diskussion theoretisch reflektiert.

 

Beiträge des Panels

 

Arbeitsmarktpolitische Reformen des SGB II: Von der Arbeitsmarktintegration zur sozialen Inklusion?

Luisa Peters
Universität Hildesheim

Anfang 2019 wurde das SGB II reformiert. Das sogenannte Teilhabechancengesetz (THCG) zielt nach §16i SGB II auf die Teilhabe am Arbeitsmarkt. Laut Gesetzesbegründung soll durch „ganzheitliche beschäftigungsbegleitende Betreuung“ die „Beschäftigungsfähigkeit“ von besonders arbeitsmarktfernen Personengruppen gefördert werden. Inhaltlich zeichnet sich das Gesetz einerseits durch die Finanzierung von Arbeitsplätzen im ersten Arbeitsmarkt und andererseits durch die umfassende Beratung und Begleitung von Arbeitsuchenden beim Übergang und Verbleib in dieser Form der Beschäftigung aus.

Novum dieses Instruments ist die erstmalige Benennung von sozialer Teilhabe als Zieldimension. Das THCG bietet nun das Potenzial, für besonders arbeitsmarktferne Personen pädagogisch begleitete Zugänge in den Arbeitsmarkt zu schaffen. Das neue Gesetzt stellt aber auch neue Anforderungen an die Betriebe und Arbeitsuchenden, wohl vor allem aber an die Vermittlungsfachkräfte, die durch dieses Instrument den Ansprüchen einer ganzheitlichen Beratung gerecht werden sollen. Damit wird soziale Teilhabe im Bereich der Arbeitsmarktintegration zu einem entgrenzten Kollektivprojekt. Im Beitrag sollen die Potenziale aber auch die Herausforderungen besprochen werden, die das THCG mit sich bringt. Zudem soll auf Basis erster empirischer Einsichten darauf geblickt werden, welche Praktiken sich bei Vermittlungsfachkräften bisher im Umgang mit dem THCG herausgebildet haben.

 

Integrierte Hilfen für inklusive Übergänge

Dr. Andreas Oehma
Universität Hildesheim

Das Konzept der Integrierten Hilfen ist in den 1990er Jahren im Kontext der Erziehungshilfen breit diskutiert, erprobt und evaluiert worden. Eine Übertragung oder gar Diskussion im Kontext der Hilfen am Übergang in Arbeit hat jedoch nie stattgefunden, obwohl die Problemdiagnosen und Entwicklungen in diesem Bereich - angefangen bei der Versäulung und Maßnahmeorientierung hin zu Übergangsmanagement und Jugendberufsagenturen - dies nahelegen würden. Im Rahmen der Diskussion um Inklusion am Übergang in Arbeit, um ein inklusives Ausbildungssystem und inklusive Arbeitsmärkte wird das Konzept auch theoretisch hoch anschlussfähig. Der Beitrag skizziert diese Parallelen und entwirft ein Konzept der „integrierten Hilfen am Übergang in Arbeit“. Ziel ist dabei, die Zweiteilung in Hilfen für benachteiligte Menschen und Menschen mit Behinderungen ebenso wie die innere Versäulung des sog. Übergangssystems zu überwinden. Zugleich gilt es, die Hilfe- und Unterstützungsleistungen grundsätzlich in die Regelsysteme für Ausbildung zu integrieren bzw. sie zu einem regelhaften Unterstützungssystem zusammenzufassen, das flexibel je nach Bedarf Hilfe und Unterstützung beim Übergang sowie bei Beschäftigung am regulären Arbeitsmarkt gewährt.

 

Übergänge zu einem inklusiven Arbeitsmarkt? – Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsmarkt nach dem SGB IX und ihre Wirkungen

Prof. Dr. Michael Wrase
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Art. 27 der UN-BRK beinhaltet die Verpflichtung, Menschen mit Behinderungen Übergänge auf einem offenen, inklusiven und effektiv zugänglichen Arbeitsmarkt zu eröffnen. Weniger konsequent als beim Recht auf inklusive Beschulung aber im Kern vergleichbar geht es um einen Vorrang von unterstützten Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

In der Realität ist aber die Zahl der in segregierten Werkstätten beschäftigten Menschen in den vergangenen Jahren signifikant angestiegen, Übergänge erfolgen weiterhin oder sogar verstärkt aus Sonderstrukturen der Bildung (Förderschulen) in Sonderstrukturen der Ausbildung und Arbeit. Der zuständige UN-Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen hat vor diesem Hintergrund die Gesetzeslage und Praxis in Deutschland scharf kritisiert.

Dabei hat das Bundesteilhabegesetz die Möglichkeiten für inklusive Ausbildungs- und Beschäftigungsverhältnisse deutlich erweitert. Zu nennen sind insbesondere die Leistungen an Arbeitgeber, das Budget für Arbeit bzw. Ausbildung, die Unterstützte Beschäftigung, die Beschäftigung durch Inklusionsbetriebe und andere Leistungserbringe.

In dem Beitrag wird der Frage nachgegangen, wie die regulative Wirksamkeit der genannten Instrumente aus rechtswissenschaftlicher Perspektive mit Blick auf das Ziel eines inklusiven Ausbildungs- und Arbeitsmarktes einzuschätzen ist. Es soll zugleich eine erste (vorsichtige) Bewertung in Bezug auf die Implementation von Art. 27 UN-BRK gegeben werden.

 

Kommentar: Übergänge in Arbeit zwischen Entgrenzung und Inklusion. Theoretische Schlaglichter auf empirische Entwicklungen

Prof. Dr. Inga Truschkat
Universität Hildehseim

Im Rahmen des Kommentars werden die Beiträge aus einer theoretischen Perspektive reflektiert. Dazu werden theoretische Konzepte des Übergangs, der Pädagogisierung und der Inclusiveness aufgegriffen und aufgezeigt, dass diese Konzepte sich jeweils in spezifischer Weise zwischen individueller Gestaltung und struktureller Rahmung bewegen. Mit Bezug auf die Beiträge werden sie unter der Fragestellung diskutiert, welche Entgrenzungs- und Inklusionsprozesse in den aktuellen Entwicklungen im Bereich der Begleitung und Beratung von Übergängen zu erkennen sind.

Der Kommentar soll damit eine umfassende und erziehungswissenschaftlich inspirierte Diskussion über das Verhältnis von Entgrenzung und Inklusion im Kontext der Begleitung und Beratung von Übergängen in Arbeit anregen.