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Sitzungsübersicht
Sitzung
„Wovon wir reden…? – Eine disziplinübergreifende Diskussion zwischen Fachdidaktiken, Erziehungswissenschaft und Inklusionstheorie“
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 32

989 8677 5580, 272854
Sitzungsthemen:
5. Schulpädagogik, Sektion 5, Kommission Schulforschung und Didaktik, theoretisch, Deutsch

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Präsentationen

„Wovon wir reden…? – Eine disziplinübergreifende Diskussion zwischen Fachdidaktiken, Erziehungswissenschaft und Inklusionstheorie“

Chair(s): Prof. Dr. Michael Ritter (Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Simone Seitz (Freie Universität Bozen, Italien)

Betrachtungen und Analysen schulischer Inklusion gehören zu den zentralen Themen der Fachdidaktiken. Die einzelnen Felder der fachdidaktischen Inklusionsforschung sowie der erziehungswissenschaftlichen Forschung zum Fachunterricht haben eine Reihe spezifischer Befunde zu den Wechselbeziehungen von Inklusions- und Fachdidaktik, zu unterrichtspraktischen Überlegungen, zur Diagnostik und zur Professionalisierung von Lehrkräften hervorgebracht, während parallel der Fachunterricht selbst zum Gegenstand (rekonstruktiver) Inklusionsforschung wurde. Damit geht jedoch eine Fragmentierung der fachdidaktischen Inklusionsforschung einher, die zu einer Rekontextualisierung der Inklusionsthematik in eigener fachspezifischer Logik führt. Hier setzt der Beitrag an, indem epistemologische Verortungen, wechselseitige Bezugnahmen, empirische Befunde und sich ergebende Herausforderungen zum inklusiven Unterricht in den Fächern Deutsch, Mathematik, Religion und Kunst vergleichend diskutiert werden.

 

Beiträge des Panels

 

Inklusion und Religionspädagogik

Prof. Dr. Ulrike Witten
Universität Bielefeld

Die Religionspädagogik (RP) legt viel Wert darauf, mehr als eine Fachdidaktik Religion zu sein und nimmt dementsprechend breit die Lernorte religiöser Bildung, Erziehung und Sozialisation sowie der Lebensalter in den Blick – das gilt auch für ihr Verständnis von Inklusion. In ihrer Auseinandersetzung mit Inklusion konnte die RP auf die Traditionen der integrativen RP zurückgreifen, was zu einer recht frühen Auseinandersetzung mit Inklusion führte, die jedoch auf Menschen mit Behinderung konzentriert war.

RP beansprucht, sowohl Menschenbilder und Begründungsmuster als auch ideologiekritische Unterscheidungen in den Inklusionsdiskurs einzuspielen. Das führt zu einem Verständnis, RP sei zur Inklusion prädestiniert, zur Überzeugung der Gleichwertigkeit von Lernprozessen, der Annahme, Inklusion sei vor allem eine Haltungsfrage seitens der professionals als auch zu einer kritischen Sichtung des Inklusionsdiskurses. Ebenso liegen sehr elaborierte religionspädagogische „Übersetzungen“ der Inklusionstheorie vor, wie z.B. die inklusive RP der Vielfalt.

Kritisch ist anzumerken, dass sich die empirischen Hinweise häufen, dass Schüler*innen in Abhängigkeit von verschiedenen Differenzkategorien (Geschlecht, Milieu und religiöse Sozialisation) nicht gleichermaßen von den Angeboten des Religionsunterrichts profitieren, sondern es zu Differenzsetzungen und Exklusionen kommt, was hinsichtlich des Inklusionsdiskurses jedoch noch nicht ausreichend reflektiert wird.

 

Sprachlich-literarisches Lernen zwischen Kompensation und Diversifizierung

Prof. Dr. Michael Ritter
Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg

In der Deutschdidaktik erfolgt der Anschluss an die Terminologie der Inklusiven Pädagogik seit 2013 (z.B. Ritter & Hennies, 2013; Pompe, 2015; Hochstadt & Olsen 2019), die konzeptionelle Arbeit knüpft aber an bestehende Theoriestränge an, die auf Basis soziologischer Exklusionskategorien (Milieu, Gender, Migration/DaZ) fachbezogene Differenz als ontologisches Problem modellieren. Dabei dominieren kompensatorische Ansätze, die im Zuge der großen Leistungsvergleichsstudien (PISA, IGLU) oft das Konstrukt Lesekompetenz in den Blick rücken. Demgegenüber finden sich auch Publikationen, die einen diversifizierenden Ansatz vertreten und eher auf das Potenzial von adaptiven und flexibel elaborierbaren Unterrichtsangeboten verweisen. Eine sozialkonstruktivistische Perspektive auf die Konstruktion von Heterogenität ist dabei eher marginal.

Insofern bewegt sich die inklusive Deutschdidaktik auch im Spannungsverhältnis didaktisierter Konzepte differenzierten Unterrichts und (schrift-)kultureller Ansprüche an das kommunikativ-pragmatische und literar-ästhetische Sprachhandeln; zunehmend auch unter dem Eindruck der Digitalisierung. Die Theorietraditionen einer heterogenitätssensiblen Sprachbildung und die tradierten Schwerpunkte der Deutschdidaktik hier noch stärker an die Terminologien und Paradigmen der Inklusiven Pädagogik anschlussfähig zu machen, stellt sich als zentrale Herausforderung heraus.

 

Inklusion – (k)ein Kunststück

Dr. Michaela Kaiser
Universität Potsdam

Seit den 1980er Jahren ist in der Kunstdidaktik eine Abwendung von den sachorientierten Zugängen zugunsten einer Hinwendung zu den subjektorientierten Zugängen zu verzeichnen, die in den 1990er und frühen 2000er Jahren mit Konzepten wie dem der Künstlerischen Bildung sowie der Ästhetischen und Künstlerischen Forschung abermals an Bedeutung gewonnen haben. Mit ebendieser Subjektorientierung wird in der Kunstdidaktik auch den Herausforderungen der schulischen Inklusion begegnet und es werden von hier aus Konzepte und kunstunterrichtliche Szenarien entwickelt, die ihren Fokus auf die Individualisierung künstlerischer Lernwege richten, hierbei aber weder inklusionsdidaktische Theorien reflektieren noch die Frage nach ko-konstruktivem Lernen berühren, gleichwohl sowohl die rezeptiven als auch die produktiven Anteile im Kunstunterricht hier Anknüpfungspunkte böten. Eine differenzversierte Reflexion kunstdidaktischer Unterrichtspraktiken und Fachkulturen, die im Sinne eines professionellen Umgangs mit der Heterogenität von Lernenden dringend geboten scheint, steckt mit wenigen Ausnahmen jedoch in den Anfängen, was sich mitunter auf den regelmäßig zu findenden Rekurs auf die Geschichte der Outsider Art begründet. Hier sind die Anschlüsse zu einer (rekonstruktiven) Inklusionsforschung zu suchen und es stellt sich die Frage nach professionalisierungsbezogenen den Implikationen für die Rolle von Kunstlehrkräften, die im Rahmen der Arbeitsgruppe zur Diskussion gestellt werden sollen.

 

Differenz und Differenzierung – Mathematisches Lernen im Kontext von Inklusion und Ungleichheit

Dr. Timo Dexel
Bergische Universität Wuppertal

Die Auseinandersetzung mit Inklusion erfolgte in der Mathematikdidaktik zunächst zögerlich, mittlerweile sind einige empirische/theoretische Studien sowie praxisorientierte Vorschläge zum inklusiven Mathematikunterricht veröffentlicht worden. Dabei fällt im deutschsprachigen Diskurs auf, dass v.a. die Entwicklung von geeigneten Aufgaben, die leistungsbezogene Differenzierungsmöglichkeiten bieten, im Fokus steht. Hier wird an Diskurse der 90er Jahre angeknüpft, die in der Mathematikdidaktik im Kontext von offenem Unterricht geführt wurden. Beiträge hingegen, die sich mit den Ansprüchen von Inklusion und diesbezüglich tiefgreifenden theoretischen wie praktischen Konsequenzen problematisierend auseinandersetzen, oder aber die grundsätzliche Frage nach Exklusion durch den Mathematikunterricht stellen, sind eher selten. Auf der anderen Seite werden mit inklusionsdidaktischen Konzeptionen wie der „entwicklungslogischen Didaktik“ grundsätzliche bildungstheoretische Positionen des Mathematikunterrichts in Frage gestellt. Eine Herausforderung für die Mathematikdidaktik besteht also darin, Ursachen und Folgen von Ungleichheit durch den Mathematikunterricht zu erforschen und zu reflektieren. Zudem müsste zu den Erkenntnissen und Positionen der erziehungswissenschaftlichen Inklusionsforschung begründet Stellung bezogen und in mathematikdidaktische Theoriebildung ggf. miteinbezogen werden.