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Sitzungsübersicht
Sitzung
Sorge und Subjektivierung
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 05

922 6850 5746, 480192
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, 11. Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft, Ohne Kommission, qualitativ, theoretisch, Deutsch

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Präsentationen

Sorge und Subjektivierung

Chair(s): Dr. Karen Geipel (Technische Universität Berlin), Dr. Sandra Koch (Stiftung Universität Hildesheim)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Meike Sophia Baader (Stiftung Universität Hildesheim)

Die Notwendigkeit von und Angewiesenheit auf Sorge zeigt sich aktuell unter Bedingungen der Corona-Pandemie in besonderer Weise. Dies nimmt die Arbeitsgruppe zum Anlass, um aus differenz- und ungleichheitsreflexiver Perspektive nach dem Verhältnis von Sorge und Subjektivierung in der Erziehungswissenschaft zu fragen. Im Zentrum steht dabei eine subjektivierungsanalytische Perspektive auf „Sorgeordnungen“ (vgl. Baader et al. 2014), aus der sowohl das theoretisch-systematische Verhältnis als auch die qualitativ-empirische Bearbeitung von Sorge und Sorgeverhältnissen ausgelotet wird. Inwiefern Sorgeverhältnisse und -praktiken Möglichkeiten des Subjektwerdens be- bzw. entgrenzen und wie dabei Dimensionen der Differenz, wie bspw. Geschlecht und Generation relevant und wirkmächtig sind, wird in den Beiträgen der Arbeitsgruppe systematisch ausgearbeitet und übergreifend diskutiert.

 

Beiträge des Panels

 

Subjektbildung in Sorge. Antizipationen von Fürsorge im Sprechen über Zukunft

Dr. Karen Geipel
Technische Universität Berlin

In diesem Beitrag wird Sorge als ein zeitliches Sich-vorweg-Sein im Modus der Antizipation zukünftiger Fürsorge in den Mittelpunkt gestellt und als spezifische Praktik der vergeschlechtlichenden Subjektbildung perspektiviert. Dazu werden Sorgebegriffe aus subjektphilosophischen sowie geschlechtertheoretischen Auseinandersetzungen aufgegriffen und in einen diskurs- und subjektivierungsanalytischen sowie qualitativ-empirischen Zusammenhang gestellt.

Anhand sprachlicher Äußerungen aus Gruppendiskussionen mit jungen Frauen wird aufgezeigt, wie sich Prozesse des Werdens zum vergeschlechtlichten Subjekt im Sprechen über Zukunft vollziehen. In den Blick genommen wird, welche Konstruktionen eines zukünftigen Selbst erzeugt und welche ungleichheitsbedingenden Geschlechter-Ordnungen wie in diesen Zukunftsbezügen aufgerufen und (re-)produziert werden. Die zukunftsbezogenen Äußerungen werden dabei als situierte diskursive Praktiken konzeptualisiert. Anhand derer lässt sich aufzeigen, auf welche Art und Weise die Verbindung von Weiblichkeit und (Für-)Sorge als normative Bedingung des geschlechtlichen Werdens hervorgebracht und in Vollzügen der Differenzierung und Normalisierung infrage gestellt und (re-)stablisiert wird. Inwiefern Subjektwerden unter Bedingungen gegenwärtiger Entwürfe und Vorwegnahmen zukünftiger Sorgeordnungen sowohl ermöglicht als auch begrenzt wird, ist Gegenstand einer abschließenden Reflektion der bildungstheoretischen Relevanz.

 

Sorge(-arbeit) und Subjektivierung im Kontext prekärer Mutterschaft

Phries Sophie Künstler
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Mutterschaft lässt sich als zentraler Kristallisationspunkt gesellschaftlicher Debatten in Anbetracht der ‚Neuerfindung des Sozialen‘ (Lessenich 2009) begreifen, wobei insbesondere das Verhältnis von Sorge- und Erwerb(-sarbeit) eine paradoxe Rolle einnimmt. So sind Mütter nunmehr permanent dazu aufgefordert die eigene Subjektposition als ‚gute Mutter‘ innerhalb des unauflösbaren Spannungsfelds allumfassender Sorgeanforderungen und nachdrücklicher Adressierungen als Erwerbssubjekt sowie gegenüber dem gefährlichen Gegenbild der ‚Risikomutter‘ zu behaupten. Gegenwärtige Mutterschaft erscheint in diesem Sinne als Musterbeispiel dafür, wie Sorge immer schon in Macht- und Ungleichheitsverhältnissen organisiert ist. Daran schließt der Beitrag an und nimmt das Verhältnis von Sorge und Subjektivierung empirisch im Kontext prekärer Mutterschaft in den Blick. Anhand der Analyse von Interviews mit jungen erwerbslosen Müttern wird betrachtet, inwieweit die Thematisierungen von Sorge(-arbeit) prekäre Subjektwerdung in diesem Kontext (v)er(un)möglicht. Es wird untersucht, inwieweit (nicht) geteilte Sorge als Be- und Entgrenzung von (prekärer) Subjektivierung im Kontext von Mutterschaft erscheint. Ausgehend davon und anschließend an Loreys Konzeptualisierung des Prekären (Lorey 2015) wird schließlich systematisch nach der Relation von Sorge, Prekarität und Subjektivierung sowie deren Bedeutung für die Erziehungswissenschaft gefragt.

 

Ambivalente Care-Erfahrungen von Care Leaver*innen

Prof. Dr. Angela Rein
Fachhochschule Nordwestschweiz

I

Im Kontext von stationärer Erziehungshilfe wird die Gestaltung von Sorgeverhältnissen für Kinder und Jugendliche von der familiären in die öffentliche Verantwortung übertragen. Dabei sind Normalitätsvorstellungen von Familie und Kindheit relevant für die Konstruktion des Hilfebedarfs.

Im Vortrag wird aus einer subjektivierungstheoretischen Perspektive auf der Basis von biographisch-narrativen Interviews nachgezeichnet, wie Konstruktionen von Hilfebedarf mit Prozessen und Markierungen einhergehen, durch die Kinder und Jugendliche sowie ihre Familien als nicht der Norm entsprechend markiert werden. In Anrufungen wird auf Diskurse rekurriert, die in Verbindung mit Einschätzungen zum Kindeswohl oder auch sozialen Diagnosen stehen. Kinder und Jugendliche werden so zu Subjekten der Hilfe gemacht. In den problemorientierten Adressierungen zeigt sich eine Tendenz der De-Thematisierung von Macht- und Ungleichheitsverhältnissen. Internationale Care-Leaver*innen-Forschungen verweisen dabei auf einen Zusammenhang zwischen dem Aufwachsen in öffentlichen Sorgeverhältnissen und der Übernahme von Care Tätigkeiten für andere (Melkman et al. 2015).

Im Vortrag wird das ambivalente Verhältnis von Care Erfahrungen im Kontext stationärer Erziehungshilfe subjektivierungstheoretisch diskutiert und danach gefragt, welche Bedeutungen vor diesem Hintergrund die Übernahme von Care Tätigkeiten durch Adressat*innen der stationären Erziehungshilfe haben kann.