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Sitzungsübersicht
Sitzung
Grenzüberschreitungen im schulischen Kontext empirisch messen
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 27

966 5165 8308, 374428
Sitzungsthemen:
3. Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft, 4. Empirische Bildungsforschung, Sektion 3, Kommission Interkulturelle Bildung, Sektion 3, Kommission Vergleichende und Internationale Erziehungswissenschaft, Sektion 4, Kommission Bildungsorganisation, Bildungsplanung, Bildungsrecht, qualitativ, Deutsch

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Präsentationen

Grenzüberschreitungen im schulischen Kontext empirisch messen

Chair(s): Dr. Anne Piezunka (Goethe-Universität Frankfurt, Deutschland), Josefine Matysiak (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung), Dr. Linda Supik (Goethe-Universität Frankfurt)

Diskutant*innen: Dr. Ruta Yemane (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung), Benjamin Schulz (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung)

Im schulischen Kontext kommt es immer wieder zu Grenzüberschreitungen in Form von Diskriminierung bzw. seelischer Gewalt gegenüber Schüler_innen (z. B. Krumm & Weiß 2000; Karabulut 2020, Prengel 2019). In der empirischen Sozialforschung wird das Ziel verfolgt unter anderem mit Hilfe von quantitativen Datenerhebungen verschiedene Formen von Grenzüberschreitungen im schulischen Kontext sichtbar zu machen. Hierbei zeigt sich jedoch, dass bestimmte Aspekte in der Operationalisierung, also der Umwandlung von theoretischen Konzepten in empirisch messbare Merkmale, bisher nicht ausreichend berücksichtigt werden (u. a. Aikins et al. 2020; Baumann et al. 2018, Matysiak 2018; Gyamerah 2015). Im Rahmen der Arbeitsgruppe setzen wir uns mit verschiedenen Aspekten in Bezug auf die empirische Messbarkeit von seelischer Gewalt bzw. Diskriminierung auseinander, wie subjektiven Deutungen von seelischer Gewalt, Herausforderungen aus wissenschaftlicher Perspektive sowie Aspekten der Operationalisierung.

 

Beiträge des Panels

 

Subjektive Deutungen von Grenzüberschreitungen durch Lehrkräfte

Dr. Anne Piezunka
Goethe-Universität Frankfurt

Der erste Beitrag arbeitet mit Hilfe von leitfadengestützten Interviews heraus, wie Grenzüberschreitungen aus der Perspektive von Lehrkräften gedeutet werden. Dabei liegt der Fokus auf seelischer Gewalt, weil dieses Konzept es ermöglicht Erfahrungen zu berücksichtigen, die über eine Ungleichbehandlung aufgrund einer oder mehrerer Differenzkategorien hinausgehen. Zentrale Themen der Interviews sind, inwiefern seelische Verletzungen aufgrund der Selektionsfunktion von Schule (vgl. Fend 2006) überhaupt vermeidbar sind und wer die Definitionsmacht in Bezug auf seelische Gewalt haben sollte. Durch die Anwendung des Sensemaking-Ansatzes (vgl. Spillane et al. 2002; Weick 1985) wird das Ziel verfolgt, die verschiedenen Rahmenbedingungen, die bei der Deutung eine Rolle spielen, z. B. biographische Erfahrungen, in den Blick zu nehmen. Die Aussagen der Lehrkräfte werden in Bezug gesetzt zu rechtlichen Vorgaben zu seelischer Gewalt, z. B. Nennung in den Schulgesetzen und Rechtsprechungen, sowie in Bezug auf theoretische und empirische Arbeiten aus der Forschung zu Diskriminierung (z. B. Hormel und Scherr 2010) sowie der Beziehung zwischen Lehrkräften und Schüler_innen (z. B. Kowalski 2020, Pianta 1999, Hagenauer & Raufelder 2020; Richey et al. 2014).

In Bezug auf die empirische Messbarkeit wird ein Beitrag zur Definition von seelischer Gewalt geleistet und deutlich gemacht, inwiefern es unterschiedliche Deutungen hiervon aus der Perspektive von Lehrkräften gibt.

 

Wissenschaftliche Herausforderungen bei der empirischen Festlegung von Differenzlinien

Josefine Matysiak
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Für eine empirische Sichtbarmachung von Diskriminierungen im schulischen Kontext ist es notwendig, Differenzlinien zu operationalisieren. Daher ist ein Ziel der quantitativen Bildungsforschung, die betroffenen Gruppen durch Kategorisierungen in Datensätzen möglichst präzise zu schätzen.

Im zweiten Beitrag wird auf definitorische Herausforderungen für Forschende am Beispiel des Migrationshintergrundes eingegangen. Diese Kategorie weist eine große Diskrepanz zwischen ihrer statistischen Operationalisierungsweise (u. a. Kemper & Supik 2018), dem rassifizierenden gesellschaftlichen Verständnis (vgl. Horvath 2019) sowie einer kritischen Perspektive der durch die Kategorie Bezeichneten auf (vgl. Aikins 2020, Ahyoud et al. 2018). Auf der Grundlage von problemzentrierten Interviews mit Sozialwissenschaftler_innen der Bildungsforschung wird deren Verständnis der Differenzlinie Migrationshintergrund sowie die daran anknüpfende Forschungspraxis mithilfe des Sensemaking-Ansatzes nach Weick (1985) analysiert und bestehende wissenschaftliche Herausforderungen herausgearbeitet. Zentrale Themen sind hierbei die Definitionsmacht, die resultierende (Re-)Produktion von gesellschaftlichen Kategorisierungen und Diskriminierungsmustern sowie die Herausforderungen der Operationalisierungsweise.

 

Die Operationalisierung von Differenzlinien und subjektiven Diskriminierungserfahrungen

Dr. Linda Supik
Goethe-Universität Frankfurt

Um Diskriminierung aus der Betroffenenperspektive in Surveys zu erfassen, müssen einerseits die Befragten Erfahrungen in eindeutiger Weise benennen können, und andererseits Gruppenvergleiche zwischen den Befragten möglich sein, um Gruppen mit hohem und niedrigen Diskriminierungsrisiko unterscheiden zu können. Im Rahmen des Beitrags werden beide Aspekte der Diskriminierungsmessung näher betrachtet.

Im ersten Schritt werden Ansätze zur Operationalisierung von subjektiven Diskriminierungserfahrungen vorgestellt. Die Frage „Wie oft wirst Du diskriminiert?“ eignet sich beispielsweise nicht für einen Survey, da der Begriff nicht allgemeinverständlich ist, und auch unter Wissenschaftler_innen Verständnisse divergieren. Zielführend ist vielmehr, die Bandbreite von Erfahrungen, die im rechtlichen Sinne den Tatbestand von Diskriminierung erfüllen, differenziert zu erfassen. So wurde in der gesundheitswissenschaftlichen Forschung die Alltagsdiskriminierungsskala vorgeschlagen (vgl. Schumann/ Kajikhina u.a. 2019), die sich auch für die Bildungsforschung eignet. Die Skala ermöglicht es, intersektionale und horizontale Diskriminierungserfahrungen gebündelt zu erfassen.

Zur Diskussion gestellt wird in einem zweiten Schritt die selbstwahrgenommene Fremdzuschreibung, (auch auto hetero perception oder perceived gender/ethnicity) als das Messkonstrukt, mit dem Diversitätsdimensionen (Geschlecht, Ethnizität, Behinderung usw.) für Gruppenvergleiche abgebildet werden können.