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Session Overview
Session
Narrative und Bilder in Bildungs- und Lehrmedien der DDR. Mythen und Begrenzungen
Time:
Tuesday, 15/Mar/2022:
2:00pm - 4:00pm

Virtual location: Zoom Seminar room 36

937 1842 1567, 351195
Session Topics:
1. History of Education, Division 2, Subdivision Methodology of Educational Research, historical, German

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Presentations

Narrative und Bilder in Bildungs- und Lehrmedien der DDR. Mythen und Begrenzungen

Chair(s): Prof. Meike Sophia Baader (Universität Hildesheim, Deutschland), Prof. Sabine Reh (HU Berlin)

Discussant(s): Prof. Emmanuel Droit (Universität Strasbourg)

Die AG fragt nach Narrativen, Motiven und Bildern in Bildungsmedien und Lehrmaterialien der DDR. Im Fokus stehen zwei sich zu Mythen verdichtende Narrative der DDR, die die Bildungsmedien und Lehrmaterialien durchziehen: der Mythos der Geschlechtergleichheit und der Mythos der Wissenschaftlichkeit. Mythen werden hier als wiederkehrende, identitätsstiftende, nicht hinterfragte Erzählungen und kollektive Selbstbilder verstanden. Diese werden als überdauernde kulturelle Konstruktionen betrachtet, die gerade hinsichtlich ihrer Orientierungsversprechen interessieren. Untersucht werden in den Vorträgen die jeweiligen Produktionsbedingungen, die Zensur- und Begutachtungswege sowie die spezifischen Funktionen und Aspirationen von Kinderliteratur, Schulbüchern, Lehrfilmen und audiovisuellen Unterrichtsaufzeichnungen. Wie funktionierten hier Kontrollmechanismen, wo waren Handlungsspielräume, wo Begrenzungen und wo lassen sich Transformationen über die Zeit identifizieren?

 

Presentations in this panel

 

Begrenzte Geschlechtergleichheit, entgrenzte Erziehungsverhältnisse in Bildungsmedien der DDR

Dr. Sandra Koch, Friedreike Kroschel
Universität Hildesheim

Der Beitrag diskutiert den Zusammenhang von Geschlechter(un)gerechtigkeit und Erziehungsverhältnissen in Bildungsmedien der DDR. Be- und Entgrenzungen werden dabei anhand von Narrativen und Bildern zu Geschlechter- und Generationengerechtigkeit in Schulbüchern und Kinderliteratur analysiert, die in diesen Bildungsmedien zur Darstellung kommen und als Bestandteil des Bildungssystems der DDR betrachtet werden.

Denn obwohl Gleichberechtigung der Geschlechter zum Selbstverständnis des Sozialismus in der DDR gehörte, ist die traditionelle Zuordnung von Frauen für die Reproduktions-, Care- und Erziehungsaufgaben im Kern nicht in Frage gestellt worden (Trappe 1995). Auffällig ist, dass sich in den Bildungsmedien eine Vielzahl von stereotypisierten Darstellungen zu Geschlecht und Geschlechterverhältnissen finden lassen (Dölling 1991). Dies nimmt der Beitrag zum Anlass um nach den Narrativen und Bildern sowie dem Verhältnis von Text und Bild in der Darstellung von begrenzten Geschlechterverhältnissen zu fragen. Die Dimension der Entgrenzung analysieren wir bezogen auf die Narrative und Bilder zu institutionalisierten Erziehungsverhältnissen, d.h. den Kinder- und Jugendinstitutionen, die neben der Familie und Schule gleichermaßen in der Verantwortung der Gestaltung von Erziehung und Bildung standen und wodurch Jugendliche zur Erziehung von Kindern – organisational durch die FDJ gerahmt – autorisiert wurden.

 

Wissenschaftlichkeit – in Unterrichtsaufzeichnungen aus den 1970er und 1980er Jahren inszeniert

Sabine Reh1, Cäcilia v. Malotki2
1HU Berlin, 2Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung Berlin t

Ausgehend von Studien im Projekt „Indoktrinierender Unterricht. Bilder über Fachunterricht in der DDR“ sollen in diesem Beitrag Unterrichtsaufzeichnungen aus den 1970er und 1980er Jahren in der DDR analysiert werden. Die Videos entstanden an verschiedenen Forschungsstandorten der DDR und wurden in der Lehrkräfteausbildung eingesetzt (Heun 2013). Dabei wurden sie als „schlechte Fälle“ exemplarisch genutzt wie auch für die Suche nach – so würde man es heute formulieren – ‚best-practice‘-Technologien eingesetzt. Während der Analyse situativer Darstellungsmuster (Reh & Jehle 2020) im Deutsch- und Fremdsprachenunterricht rückte die Inszenierung verschiedener Formen von Wissenschaftlichkeit in den Fokus der Untersuchung – z.B. bei Problemen der Selbsttätigkeit der Schüler*innen. Der Anspruch an eine wissenschaftlich geleitete Pädagogik wird insbesondere anhand von Bemühungen um die Weiterentwicklung von Fachmethodik und Lernstoffen sichtbar. Gezeigt wird, wie Bilder von Wissenschaftlichkeit erzeugt werden, z.B. durch systematisierende Tafelbilder, das Zeigen von Fachterminologien und spezifische Praktiken der Vermittlung. Mithilfe von Veröffentlichungen führender Lehrerbildner der DDR kann das Motiv der „Wissenschaftlichkeit“ des Unterrichts „in der langen Zeit der Wende“ in seiner umfassenden Entgrenzung zu ‚Neutralität‘ genutzt werden.

 

Wissenschaftlichkeit als Komplex: Zu technisch-naturwissenschaftlichen Unterrichtsfilmen der DDR

Dr. Kerrin von Engelhardt
HU Berlin

Das Narrativ einer sich vollziehenden wissenschaftlich-technischen Revolution war eng mit dem Selbstverständnis der DDR als realsozialistischer Fortschrittsnation verbunden. Wurde unter dem Eindruck des Kalten Krieges in der alten BRD ab den 1960er Jahren eine Wissenschaftsorientierung des Unterrichts diskutiert, sollte in der DDR „Wissenschaftlichkeit“ nach sowjetischem Vorbild von Anfang an zum Leitmotiv des Unterrichts werden. Dies wurde besonders für den naturwissenschaftlichen und polytechnischen Unterricht beansprucht, wobei „Wissenschaftlichkeit“ stets dialektisch mit Parteilichkeit gepaart wurde (Tietze 2012). Wie dies zu verstehen war, sollte ein besonderes Lehrfilmformat veranschaulichen – der so genannte „Komplexfilm“. Solche Unterrichtsfilme sollten fachbezogene Wissensbestände in ihren komplexen gesellschaftspolitischen Zusammenhängen zeigen. Der Beitrag untersucht anhand von ausgewählten technisch-naturwissenschaftlichen Unterrichtsfilmen der DDR, mit welchen Mitteln das Motiv „Wissenschaftlichkeit“ umgesetzt und inwiefern dabei auf das Narrativ der „wissenschaftlich-technischen Revolution“ rekurriert wurde. Zu fragen wird dabei auch sein, inwiefern „Wissenschaftlichkeit“ und „Parteilichkeit“ entgrenzt wurden und, ob die DDR etwa in Abgrenzung zur Lehrfilmproduktion anderer Nationen (vgl. z.B. Masson, 2012) zu einer spezifischen filmischen Bildsprache fand.