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Sitzungsübersicht
Sitzung
„Zum Scheitern verurteilt?!“ Grenzüberschreitungen und Grenzziehungen in der Jugendarbeit mit rechten Jugendlichen
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
9:00 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 21

980 9785 3820, 440605
Sitzungsthemen:
8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, qualitativ, theoretisch, historisch, Deutsch

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Präsentationen
ID: 291
Symposium
Stichworte: Jugendarbeit, Rechte Jugendliche, Grenzüberschreitungen, Grenzziehungen

„Zum Scheitern verurteilt?!“ Grenzüberschreitungen und Grenzziehungen in der Jugendarbeit mit rechten Jugendlichen

Chair(s): Lucia Bruns (Alice Salomon Hochschule, Deutschland), Esther Lehnert (Alice Salomon Hochschule, Deutschland)

Im Windschatten rassistischer Gewalttaten und pogromartiger Ausschreitungen Anfang der 1990er Jahre wurde innerhalb der Pädagogik und der Sozialen Arbeit verstärkt der Umgang mit rechten und rechtsextremen Jugendlichen verhandelt. Der (sozial)pädagogische Umgang orientierte sich damals vor allem am Konzept der „akzeptierenden Jugendarbeit“ und bildete den Gegenstand eines kontroversen Fachdiskurses, der bis heute anhält. Die Arbeitsgruppe widmet sich diesem Diskurs unter dem Aspekt der Grenzüberschreitungen und Grenzziehungen. Zu Fragen ist, wie Grenzen im (sozial)pädagogischen Umgang mit rechten Jugendlichen Anfang der 1990er Jahre verhandelt wurden und wie sich der damalige Umgang zum Gegenwärtigen unterscheidet. Besondere Bedeutung erlangt dabei ein geschlechterreflektierender und rassismuskritischer Blick, der die Kategorie Geschlecht und den Umgang mit marginalisierten Gruppen in die Analyse von Grenzüberschreitungen und Grenzziehungen einbezieht.

 

Beiträge des Panels

 

Grenzziehungen und Grenzüberschreitungen in der Jugendarbeit mit rechten Jugendlichen - Geschlechterreflektierende und rassismuskritische Perspektiven

Prof. Esther Lehnert, Lucia Bruns
Alice Salomon Hochschule, Deutschland

Die Frage des sozialpädagogischen Umgangs mit rechten Jugendlichen wurde Anfang der 1990er Jahre kontrovers verhandelt, wobei geschlechterreflektierende und rassismuskritische Perspektiven in der Debatte, bis auf wenige Ausnahmen, kaum vorhanden waren. Zu Fragen ist, wie sich dieses weitgehende Fehlen auf das sozialpädagogische Handeln und auf den Umgang mit Grenzen ausgewirkt hat. Anhand leitfadengestützter Expert*inneninterviews mit ehemaligen Sozialarbeiter*innen, Fachkräften der politischen Bildung, der Sozialen Arbeit und der wissenschaftlichen Begleitforschung, wird das damalige sozialpädagogische Handeln unter dem Aspekt der Grenzüberschreitungen und Grenzziehungen rekonstruiert. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit Grenzüberschreitungen vergeschlechtlichten Logiken, Markierungen und Sanktionierungen unterliegen, welche Folgen die marginale Wahrnehmung von Frauen und Mädchen im Rechtsextremismus auf Grenzziehungen hat und wie sich der sozialpädagogische Umgang mit hypermaskulinen Inszenierungen gestaltet, in denen extreme Grenzverletzungen und eine brutale Abwehr des Weiblichen als konstitutive Momente betrachtet werden müssen. Anhand migrantischer Perspektiven sollen zudem die Folgen aufweichender Grenzziehungen für marginalisierte Gruppen und diskriminierungserfahrene Communities in die Analyse einbezogen werden.

 

Hierarchieverhältnisse und Gewalt in der Jugendarbeit der 1990er Jahre

Stefanie Lindner
Brandenburgische Technische Universität Cottbus – Senftenberg

In aktuellen Diskursen um extrem rechte Gewalt werden auch die 1990er Jahre als Bezugspunkt für die Sozialisation der Täter*innen und damit zusammenhängend die Jugendarbeit zu dieser Zeit genannt. Deshalb möchte der Beitrag eine konzeptuelle Perspektive auf das Aktionsprogramm gegen Aggression und Gewalt (AgAG) und die damit zusammenhängende akzeptierende Jugendarbeit (Krafeld 1992) vorstellen. In einer Analyse dieser Programme, Konzepte und dem anhängigen Fachdiskurs wird rekonstruiert, wie Gewalt darin gedeutet und eingeordnet wurde. Daran schließen sich, auf Basis des heutigen Forschungsstandes, folgende Fragen an: Welche hegemonialen Deutungsmuster der Dominanzgesellschaft (Rommelspacher 2006) zeigen sich in den Programmen, Konzepten und Fachdiskursen? Wie wirkmächtig waren und sind diese – besonders auch Dynamiken stereotypisierter Zuschreibungen im Kontext der Transformationsgesellschaft, bspw. „Ossifizierung“ (Heft 2018) – in der Jugendarbeit mit rechtsorientierten Jugendlichen bis heute?

Heft, Kathleen (2018): Brauner Osten – Überlegungen zu einem populären Deutungsmuster ostdeutscher Andersheit. Feministische Studien, 36(2), S. 357-366.

Krafeld, Franz Josef (Hrsg.) (1992): Akzeptierende Jugendarbeit mit rechten Jugendcliquen. Landeszentrale für politische Bildung Bremen: Steintor.

Rommelspacher, Birgit 2006: Dominanzkultur. Texte zur Fremdheit und Macht. 2. Auflage. Berlin: Orlanda Frauenverlag.

 

Entgrenzung – Begrenzung – Grenzverschiebung Zum Erfahrungswissen der Jugendarbeit im Kontext von Jugendlichen mit rechten Orientierungen

Dr. Kevin Stützel
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Jugendarbeiter:innen werden in ihrem Arbeitsalltag vor die Herausforderung gestellt eine wechselseitige und kontinuierliche Beziehung zu ihren Adressat:innen aufzubauen. Gerade im Bereich der Jugendarbeit mit Jugendlichen mit rechten Orientierungen wird diese Beziehungsarbeit kontrovers diskutiert. Ersichtlich sind wechselnde Konjunkturen, die mit der politischen Aufmerksamkeit gegenüber Neonazismus in Verbindung stehen und von der akzeptierenden Bezugnahme auf rechtsorientierte Jugendcliquen bis zur Fokusverschiebung auf Prävention und andere Zielgruppen reichen. Anhand einer rekonstruktiven Forschungsarbeit zum Erfahrungswissen der Jugendarbeit im Kontext von Jugendlichen mit rechten Orientierungen untersucht der Beitrag die Verständigung zwischen Pädagog:innen und ihrer Klientel im Arbeitsalltag. Ausgehend von Gruppendiskussionen mit pädagogischen Teams, die im Bereich Streetwork und mobile Jugendarbeit tätig sind wird analysiert, wie Fachkräfte in ihrer Handlungspraxis Grenzen setzen und mit grenzverletzenden Äußerungen von Jugendlichen umgehen. Rekonstruiert und diskutiert werden Muster der Entgrenzung, Begrenzung und Grenzverschiebung. Erörtert werden soll im Anschluss, inwiefern sich die aufgezeigten Handlungsorientierungen von der Jugendarbeit mit nicht-rechten Zielgruppen unterscheiden.

 

Resilient gegen Ideologien der Ungleichwertigkeit und Rechtsextremismus

Judith Rahner
Amadeu Antonio Stiftung

Wie kann eine emanzipatorische und an Menschenrechten orientierte Soziale Arbeit auf ein Erstarken autoritärer, antiliberaler, vielfaltsfeindlicher und nationalistischer Dynamiken in der Gesellschaft reagieren? Wie und wann sind Grenzen zu ziehen, wenn antidemokratische Sprüche von Adressat*innen der Sozialen Arbeit geäußert werden und was, wenn sie von anerkannten Kolleg*innen kommen oder sich das Umfeld radikalisiert? Welche Grenzen sind durch soziale Kämpfe unterschiedlicher betroffener Communities und Personen für die Soziale Arbeit produktiv gemacht worden? Was ist in den letzten Jahren für pädagogische Settings daraus gelernt worden?

Vor dem Hintergrund von Resilienz soll die pädagogische Arbeit gegen Ideologien der Ungleichwertigkeit aus der Perspektive der Praxis beschrieben werden. Resilienz ist die Fähigkeit, Krisen und Risikofaktoren wie menschenfeindliche und antidemokratische Dynamiken, Ideen und Situationen durch Rückgriff auf organisationale, fachliche und persönliche Ressourcen zu bewältigen und sie als Anlass für Entwicklungen zu nutzen, um für zukünftige Herausforderungen widerstandsfähig zu sein.